Di. 28. November 2023 um 18:42

Weltweites Wachstum beim Internetzugang, aber die Ungleichheit bleibt bestehen

von Yves Jeanrenaud 0 Kommentare
Lesedauer: 3 Minuten

Stetige, aber ungleiche Fortschritte bei der weltweiten Internetanbindung verdeutlichen die Ungleichheiten der digitalen Kluft und lassen Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen zurück, so die Fakten und Zahlen 2023 der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) der UN.

Die Analyse der Internet-Datennutzung, die zum ersten Mal im jährlichen ITU-Konnektivitätsbericht enthalten ist, zeigt, dass 2022 über 80 Prozent des weltweiten Internetverkehrs auf Festnetzdienste entfielen.

Das Volumen des Internetverkehrs über Festnetzanschlüsse, die nach wie vor in Büros und Privathaushalten üblich sind, übersteigt bei weitem das der mobilen Breitbandnetze.

Die Dominanz der Festnetze unterstreicht jedoch das weltweite Gefälle bei der Konnektivität zwischen Ländern mit hohem und niedrigem Einkommen, wobei in Ländern mit niedrigem Einkommen aufgrund hoher Preise und mangelnder Infrastruktur nur ein Festnetz-Breitbandabonnement pro 100 Personen besteht.

“Je weiter und schneller die Technologie voranschreitet, desto dringlicher wird unsere Aufgabe, alle Menschen zu verbinden”, sagte Doreen Bogdan-Martin, ITU-Generalsekretärin. “Die Erfüllung des Versprechens einer universellen und sinnvollen Konnektivität ist eines der wichtigsten Anliegen unserer Zeit in unserem Bemühen, die nachhaltige Zukunft zu verwirklichen, die wir wollen und brauchen.”, so Bogdan-Martin weiter.


Die ITU, die Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Informations- und Kommunikationstechnologien, berichtete Anfang des Jahres, dass im Jahr 2023 schätzungsweise 2.6 Milliarden Menschen, das heisst, ein Drittel der Weltbevölkerung, ohne Internetanschluss sein werden.

 

Das ITU-Flaggschiff “Facts and Figures” verfolgt die globale Konnektivität mit Schätzungen zu Schlüsselindikatoren, darunter solche zu Infrastruktur, Erschwinglichkeit, Geschlecht und Standort. Sie enthält nun neue Indikatoren zur globalen 5G-Netzabdeckung und Daten zum Internetverkehr.

Internetverkehr verdeutlicht digitale Ungleichheit

Die ITU-Analyse zeigt nicht nur, dass in einkommensschwachen Ländern weniger Menschen online sind, sondern auch, dass diejenigen, die vernetzt sind, weniger Daten nutzen – was bedeutet, dass sie nicht das volle Potenzial der Konnektivität ausschöpfen oder die Vorteile der digitalen Transformation nutzen.

 

Weltweit lag der monatliche Durchschnitt der Datennutzung bei 257 GB pro Festnetz-Breitbandvertrag, verglichen mit 11 GB pro Mobilfunk-Breitbandvertrag im Jahr 2022. Der monatliche Festnetz-Datenverkehr in Ländern mit niedrigem Einkommen betrug im Durchschnitt 161 GB gegenüber nur 1 GB im Mobilfunk.

 

Die Reihe “Fakten und Zahlen” der ITU ist darum ein wichtiges Dokument, das zeigt, wo wir stehen als Weltgemeinschaft – und ein guter Motivator, um uns dorthin zu bringen, wo die UN hin will. Diese diesjährige Ausgabe zeigt, dass es Gründe gibt, optimistisch zu sein, aber die Wachstumsrate ist ungleichmässig und die neuen Indikatoren zur 5G-Netzabdeckung und zum Internetverkehr verdeutlichen die anhaltenden Ungleichheiten zwischen Ländern mit hohem und niedrigem Einkommen, wodurch die digitale Kluft vertieft wird, soDr. Cosmas Luckyson Zavazava, Direktor des ITU-Büros für Telekommunikationsentwicklung. “Indem wir der digitalen Konnektivität Priorität einräumen, können wir sicherstellen, dass die Vorteile der digitalen Entwicklung allen zugute kommen, und so den Grundstein für eine integrativere und nachhaltigere Zukunft legen. Dank dieses Berichts und seiner neuen Indikatoren wissen wir nun besser, worauf wir unsere Ressourcen und Anstrengungen konzentrieren müssen, um unser Ziel einer universellen und sinnvollen Konnektivität zu erreichen.”, Luckyson Zavazava weiter.

Globale Mobilfunknetzabdeckung

Facts and Figures 2023 zeigt, dass die 5G-Mobilfunknetzabdeckung seit Beginn der kommerziellen Einführung im Jahr 2019 auf fast 40 Prozent der Weltbevölkerung angewachsen ist.

 

Wie beim Internet-Datenverkehr ist auch hier die Verteilung ungleichmässig. Während 89 Prozent der Menschen in Ländern mit hohem Einkommen durch 5G-Netze abgedeckt sind, ist der Dienst in Ländern mit niedrigem Einkommen fast nicht vorhanden.

 

Für viele einkommensschwache Länder ist 3G oft die einzige Möglichkeit, sich mit dem Internet zu verbinden. 3G reicht jedoch nicht aus, um die Vorteile digitaler Technologien wie medizinische Ferndiagnosen und Online-Lernen in vollem Umfang zu nutzen. 4G-Dienste sind nach wie vor ein Weg zu sinnvoller Konnektivität, erreichen aber nur 39 Prozent der Bevölkerung in einkommensschwachen Ländern.

Mobilfunkmast

Weitere Fakten und Zahlen

Weitere wichtige Aspekte aus dem Facts and Figures 2023 Report der ITU sind:

Die Internetnutzung nimmt weltweit und in jeder Region zu

5.4 Milliarden Menschen, das heisst 67 Prozent der Weltbevölkerung, nutzen das Internet. In Europa, der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten und Nord- und Südamerika zusammen nutzen etwa 90 Prozent der Bevölkerung das Internet. In den arabischen Staaten sowie in Asien und im Pazifikraum nutzen etwa zwei Drittel der Bevölkerung das Internet, was dem weltweiten Durchschnitt entspricht. In Afrika hingegen nutzen heute nur 37 Prozent der Bevölkerung das Internet.

Die digitale Kluft zwischen Geschlechtern bleibt bestehen

Weltweit nutzen 70 Prozent der Männer das Internet, verglichen mit 65 Prozent der Frauen – beides leichte Anstiege gegenüber 2022 – aber Frauen machen einen unverhältnismässig grossen Anteil der weltweiten Offline-Bevölkerung aus und übertreffen die männlichen Nichtnutzer um 17 Prozent. Mehr als binäre Geschlechterkategorien werden in den Statistiken nicht erfasst.

Wachsende Internetnutzung unter jungen Menschen

In allen Regionen sind junge Menschen stärker vernetzt als der Rest der Bevölkerung. Weltweit werden im Jahr 2023 79 Prozent der 15- bis 24-Jährigen das Internet nutzen, 14 Prozentpunkte mehr als der Rest der Bevölkerung.

Die digitale Kluft zwischen Stadt und Land bleibt bestehen

Weltweit nutzen in diesem Jahr 81 Prozent der Stadtbewohner das Internet, was 1.6-Mal so hoch ist wie der Anteil der Internetuser in ländlichen Gebieten.

Der Besitz von Mobiltelefonen ist höher als die Internetnutzung

Weltweit besitzen im Jahr 2023 ganze 78 Prozent der Menschen in einem Alter von 10 Jahren oder älter ein Mobiltelefon. Im Durchschnitt ist in jeder Region und jeder Einkommensgruppe der Prozentsatz der Personen, die ein Mobiltelefon besitzen, höher als der Prozentsatz der Internetuser.

Die Zahl der Verträge nimmt weltweit weiter zu

Die Zahl der Festnetzverträge ist in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich 6.7 Prozent pro Jahr gestiegen. Die Einkommensunterschiede bei den aktiven Mobilfunk-Breitbandanschlüssen sind gross: 148 Anschlüssen pro 100 Personen in Ländern mit hohem Einkommen stehen nur 33 pro 100 Personen in Ländern mit niedrigem Einkommen gegenüber.

Breitbandinternet wird immer erschwinglicher

Im Jahr 2023 sind sowohl mobile Breitbandanschlüsse als auch Festnetz-Breitbandanschlüsse in allen Regionen und für alle Einkommensgruppen erschwinglicher geworden. Dennoch sind die Kosten nach wie vor ein grosses Hindernis für die Konnektivität und ein Schlüsselfaktor für die globale digitale Kluft. In Volkswirtschaften mit niedrigem Einkommen beläuft sich der Durchschnittspreis für ein mobiles Breitbandabonnement der Einstiegsklasse auf 8.6 Prozent des Durchschnittseinkommens, ein Anteil, der 22 Mal höher ist als in Ländern mit hohem Einkommen (0.4 Prozent).

 

Anlässlich der Konferenzen der Vereinten Nationen über kleine Insel- und Binnenentwicklungsländer im Jahr 2024 werden zwei Sonderausgaben von Fakten und Zahlen für Binnenentwicklungsländer und kleine Inselentwicklungsländer im nächsten Jahr veröffentlicht werden.

 

 

Quelle: ITU Facts and Figures 2023 Report (Englisch), Pressemitteilung

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