Mi. 20. März 2019 um 9:12

Was bringt 5G?

von Yves Jeanrenaud1 Kommentare

5G ist immer wieder in den Medien. Mal als Schreckgespenst und Gefahr für die Gesundheit, mal als Heilversprechen für mobiles Breitband in ländlichen Regionen, als Einfallstor für chinesische Spionage und Cyber-Kriegsführung oder als Grundvoraussetzung für digitalen Wandel und das Internet der Dinge (IoT).

Doch was genau ist eigentlich 5G und was bringt uns das?

Der Mobilfunkgeneration 5G

Es werden seit gestern Gebote angenommen in Deutschland für die Frequenzen in den Bereichen 2 GHz sowie 3.4 GHz bis 3.7 GHz, welche für das neue Mobilfunknetz 5G benötigt werden.ein Handvoll grosser Konzerne bietet hierbei mit und wird entsprechend die Erlaubnis bekommen können, auf den ergatterten Frequenzen sein Mobilfunknetz auszubauen und zu vermarkten. In der Schweiz und in Österreich sieht es ähnlich aus.

Mit der fünften Generation des Mobilfunkstandards (darum ja auch der Name 5G) wird der Nachfolger von 4G und LTE (Long Term Evolution) aufgebaut. Dabei werden einerseits Datenraten von bis zu 20 Gbit/s und langfristig bis zu 100 GBit/s unter optimalen Bedingungen realisiert, weil höhere Frequenzbereiche und bessere Frequenzkapazität sowie Datendurchsatz mit bestehenden Infrastrukturen kombiniert werden. Die 3GPP (3rd Generation Partnership Project) hat diesen Standard verabschiedet und verspricht sich so Echtzeitübertragung mit weltweit 100 Milliarden Mobilfunkgeräte gleichzeitig. Dabei sollen die Latenzzeiten von unter 1 ms bei gleichzeitig niedrigerem Energie- und Stromverbrauch einher gehen.

Damit nicht alle Geräte, vor allem die bereits aufgebaute Netzinfrastruktur, gleich obsolet werden, baut 5G auf dem bestehenden 4G auf. LTE und LTE Advanced (LTE-A) werden weiter ausgebaut und Bereiche bis 6 GHz umfassen (die bei uns noch gar nicht zur Lizenzierung bereit stehen). Zentral für 5G ist jedoch, dass die Funkzellen deutlich kleiner werden, um Verbindungsabbrüche und Latenzen zu verringern. Kurzum: Es braucht viel, viel mehr Mobilfunkmasten. Überall.


5G Antennen

Genau diese Mobilfunkmasten sind indes ein Politikum. Da haben Länder wie Grossbritannien oder die USA beschlossen, manche Anbieter wie Huawei als Zulieferer für 5G-Netztechnologie auszuschliessen aus Angst vor Industriespionage oder der Abhängigkeit von China. Auch die deutsche Bundesregierung hat entsprechendes erwogen, weil Huawei angeblich einen 5G Killswitch, einen Aus-Schalter für das kommende 5G-Netz, planen könnte. Da sagt selbst Huawei zu, man könne sich vorstellen, ein No-Spy-Agreement abzuschliessen. Klingt nach Kalter-Krieg-Rhetorik.

Doch was erwarten die Menschen vom kommenden 5G?

Erwartungen an 5G

5G - hohe Erwartungen, niedrige Zahlungsbereitschaft | Statista
5G – hohe Erwartungen, niedrige Zahlungsbereitschaft | Statista

Der deutsche Branchenverband Bitkom hat eine Studie durchgeführt, um die Erwartungen und Zahlungsbereitschaft abzufragen. Erhofft wird dabei vor allem eine bessere Netzabdeckung mit 76 Prozent der Nennungen, höhere Geschwindigkeiten mit 65 Prozent und weniger Netzausfälle mit 63 Prozent.

Jedoch mehr bezahlen möchte kaum befragte Personen. 39 Prozent gaben an, monatlich nicht mehr für eine 5G-Nutzung bezahlen zu wollen. Lediglich 25 Prozent fänden unter 10 Euro monatlichen Aufpreis noch akzeptabel. Dabei muss man bedenken, dass viele Mobilfunkverträge sich lediglich um die 10 Euro bewegen heutzutage. Es würde sich also je nach dem um den doppelten Preis handeln. Für bis zu 100 mal schnellere Datenraten im Vergleich zu 4G vielleicht wirklich eine Überlegung wert.

Ab 2021 startet 5G durch | Statista
Ab 2021 startet 5G durch | Statista

Wann kommt 5G?

Wie schnell wir das noch nicht mal zehn Jahre alte 4G-Netz durch den Nachfolgestandard 5G ablösen werden, ist indes noch nicht so klar. Erste verlässliche Schätzungen, beispielsweise von Ericsson, gehen davon aus, dass dieses Jahr lediglich vier Millionen 5G Mobilfunkgeräte weltweit im Einsatz sein werden.

Auch auf dem diesjährigen Mobile World Kongress (MWC) in Barcelona sind nur einige, wenige Hersteller mit ersten Prototypen und Smartphone-Chips aufgetreten.

Danach, so der aktuelle Ericsson Mobility Report soll der Ausbau auf die neue Technologie aber rasant voranschreiten. Bis 2023 sollen schon knapp eine Milliarde 5G-Mobilfunkanschlüsse weltweit vorhanden sein. Davon allein in Westeuropa 105 Millionen. Die immensen Datenströme, mit denen dann gerechnet werden muss, sind kaum noch vorstellbar.

Es ist also zu erwarten, dass erst in den kommenden zwei bis drei Jahren erstens der Mobilfunknetz-Ausbau, vor allem in den Regionen mit schlechter stationären Breitbandanbindung ans Internet, stark voranschreiten wird. Nach und nach werden mehr Smartphones und andere Geräte, wie Router und Hotspots, mit 5G auf den Markt kommen. so ist vermutlich an einen vernünftigen kommerziellen Einsatz für die Endkundschaft erst in den Jahren 2022 oder 2023 realistisch zu rechnen. Das ist jedoch vergleichsweise schnell, wenn wir uns die Geschwindigkeit der Marktdurchsetzung der vorigen Standards 3G oder 4G anschauen.

Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass nicht zuletzt die Europäische Union Fördergelder in Höhe von 700 Milliarden Euro via Horizon 2020 in 5G gesteckt hat. Davon wird die Schweiz allerdings nur mittelbar etwas haben, schliesslich hat man sich mit politischen Entscheidungen zur Personenfreizügigkeit aus der privilegierten Partnerschaft bezüglich EU-Forschungs- und Technologieförderung ebenfalls verabschiedet. Doch auch hierzulande ist es wahrscheinlich, dass entsprechende Netztechnologien und Geräte recht bald vielerorts Einzug halten werden.

 

 

Quellen: Statista, Statista, Bitkom Research, Handelsblatt

Das könnte Sie auch interessieren

Eine Antwort zu “Was bringt 5G?”

  1. d3man0 sagt:

    Trotz meinem noch gefühlt jungen Alter, frage ich mich wofür bzw. wo wir Flächendeckendes 5G benötigen.

    4K Filmstreaming benötigt in etwa 25 MBit/s.
    Bei einer vollständigen Netzabdeckungen sind bei 4g+ mit einer Datenrate von 123,9 MBit/s zu rechnen.
    Somit sehe ich keine Notwendigkeit für 5G im Mobilgerät.

    Zum autonomen Fahren.
    Tut mir leid aber in ein autonomes Fahrzeug das vom 5G Netz abhängig ist steig ich doch nicht ein. Und dass nicht erst seit dem Softwareproblem von Boeing.
    Was passiert bei einem Funkloch. Was passiert bei einem Stromausfall oder Sonnensturm.
    Meiner Meinung nach geht die technische Entwicklung in diesem Bereich komplett an den Anforderungen vorbei.
    5G abhängig entspricht nicht autonom!

Schreibe einen Kommentar

Teilen