Di. 10. Januar 2023 um 9:26

Vertrauen bei Superapp in Big Tech grösser als in Regierung?

von Yves Jeanrenaud 0 Kommentare

Superapp? Was soll denn das nun wieder? Eigentlich ist es ganz einfach: Superapps können mehrere Apps für die Nutzung durch Kundschaft oder Belegschaft zusammenfassen und ersetzen und ein komponierbares Geschäftsökosystem unterstützen. Eine Superapp ist wie ein Schweizer Taschenmesser – mit einer Reihe von Miniapps oder Komponenten, die man je nach Bedarf verwenden und entfernen kann. Superapps liegen im Trend, weil die Menschen, insbesondere die jüngere Generation der Millennials, die schon zum Zeitalter der Smartphones geboren wurden, mobile Erfahrungen verlangen, die leistungsstark und einfach zu bedienen sind. 

 

Und da setzt der derzeitige weltweite Trend an, möglichst viele Funktionen und Features über ein App-Interface anzubieten. Quasi “One App to the User” statt “One Face to the Customer”.

 

Die Analysen von Gartner lassen erwarten, dass bis 2027 mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung täglich aktiv mehrere Superapps nutzen werden. Das Superapp-Konzept wird sich auch auf mobile und Desktop-Unternehmenserfahrungen wie Workflow-, Collaboration- und Messaging-Plattformen ausweiten.

 

 

Superapps sind in vielen Teilen Asiens allgegenwärtig, am auffälligsten sind WeChat in China und Snapp in Singapur. In Europa und Nordamerika müssen Superapps jedoch erst noch ihren Weg in den Mainstream finden. Aber wer soll sie speziell für diese Märkte entwickeln? Weltweite Umfragen zeigen, dass auch diese Entwicklung nicht von Regierungsseite getrieben werden wird, sondern mal wieder die Tech-Giganten das Spiel unter sich aus machen.


Mensch hält Smartphone mit beiden Händen, Apps fliegen aus Smartphone

Vorteile von Superapps

Die Menschen haben über ein Ökosystem, für das interne Entwicklungsteams und externe Partner modulare Mikroapps für die Superapp erstellen und bereitstellen, Zugriff auf eine Reihe von einzelnen Diensten. Dieses Anbieter-Ökosystem steigert auch den Wert der Superapp, indem es einen bequemen Zugang zu einer breiteren Palette von Diensten innerhalb der App bietet.

 

Eine Reihe von Technologieanbietern stellt bereits Tools und Plattformen bereit, die Softwareentwicklern bei der Erstellung von Superapps helfen.

Beispiele hierfür sind:

  • Anbieter von Platform-as-a-Service (PaaS), die eine Cloud-Plattformlösung bereitstellen
  • Front-End-Frameworks, die den Einsatz von Miniapps in Web- und Mobilanwendungen ermöglichen
  • Multiexperience (MX) Entwicklungsplattformen
  • Low-Code-Anwendungsplattformen (LCAPs)
  • Anbieter von Entwicklungsdienstleistungen

Benutzer:innen können ihre Superapp-Erfahrung anpassen, indem sie die Miniapp auswählen, die sie verwenden möchten, wenn sie diese in der Superapp benötigen. Der Schlüssel liegt in der gemeinsamen Nutzung von Daten und umfasst eine einfache Benutzerauthentifizierung, wie z. B. Single Sign-On (SSO) und die Verfolgung von Präferenzen oder der App-Nutzung.

 

Superapps werden oft für die Kundschaft erstellt, um Dienste, Funktionen und Features mehrerer mobiler Apps in einer einzigen App zu konsolidieren – beispielsweise für Finanzdienstleistungen.

 

Softwarefirmen erstellen Superapps aber auch, um ihren Angestellten ein angenehmeres Erlebnis im Job zu bieten. Mit diesen Superapps lassen sich Grössenvorteile erzielen und der Netzwerkeffekt einer grösseren User-Basis und mehrerer Miniapp-Teams nutzen. Vor allem aber können sie die Benutzerfreundlichkeit verbessern, indem sie den Benutzern die Möglichkeit geben, ihre eigenen Miniapps und Dienste zu aktivieren.

 

Doch woher sollen diese Superapps kommen?

Laut einer Studie vertrauen die Menschen den grossen Tech-Unternehmen siebenmal mehr, wenn es um die Entwicklung von Superapps geht, als ihren Regierungen diesbezüglich.

Wem trauen Verbraucher_innen zu, eine Superapp zu entwickeln
Wem trauen Verbraucher:innen zu, eine Superapp zu entwickeln? Quelle: Statista, TechRepublic, Office for National Statistics, Edelman, Bankless Times

Vertrauen in die Regierung und die Entwicklung von Superapps

Laut einer weltweiten Umfrage würden kaum zwei Prozent der Verbraucher und Verbraucherinnen der eigenen Regierung die Entwicklung einer Superapp anvertrauen. Umgekehrt würden durchschnittlich 12 Prozent bis 13 Prozent der Verbraucher Big Tech das gleiche zutrauen.

 

Die beiden Hauptfaktoren sind der Missbrauch und das Ausspionieren von persönlichen Informationen und Daten, während der andere auf mangelndes Vertrauen in die Effizienz einer Regierung hinausläuft. Der Umgang mit der SARS-2 CoVID-19 Corona-Pandemie hat vermutlich das Vertrauen vieler Menschen in ihre Regierungen diesbezüglich erschüttert. Das Debakel um die Tracing-Apps und die Hängepartie, bis es funktionierende Lösungen gab, ist vielen noch in Erinnerung.

 

So fürchteten beispielsweise 79 Prozent der Menschen aus den USA während Covid-19 die Überwachung durch die Regierung. Da Superapps dafür berüchtigt sind, Nutzerdaten auszuspähen, ist es nur logisch, dass nur ein Prozent der befragten aus den USA ihrer Regierung den Umgang mit einer solchen App zutraut.

 

Darüber hinaus glaubt die Mehrheit der Amerikaner und Amerikanerinnen nicht, dass die Regierung transparent ist, der Öffentlichkeit zuhört und in der Lage ist, ihren Bürgern tatsächlich zu helfen.

 

Dieser Mangel an Vertrauen in Effizienz und Transparenz ist ein Trend, der auch in vielen anderen Ländern zu beobachten ist. So vertrauen beispielsweise nur 35 Prozent der britischen Bevölkerung ihrer Regierung. In Deutschland ist das Vertrauen in die Regierung während der Covid-Krise stark eingebrochen. In Australien sind die Menschen der Meinung, dass Unternehmen eine grössere verbindende Kraft in der Gesellschaft sind als ihre Regierung.

 

Wie sieht also die Zukunft für westliche Superapps aus? Die Regierungen werden sie wahrscheinlich nicht bauen, aber die Menschen haben mehr Vertrauen in Big Tech. Ob Unternehmen wie PayPal oder ihre örtliche Bank sie bauen werden, wird sich erst mit der Zeit zeigen.

 

 

Quellen: Statista (Englisch), Statista (Englisch), Banklesstimes (Englisch), Edeman (Englisch), ONS (Englisch), Uxdesign (Englisch), Gartner (Englisch)

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