KI als Wachstumsmotor: Ein jährliches Innovationspotenzial von 15 Milliarden Franken für die Schweiz
Eine von Google und digitalswitzerland beauftragte Untersuchung der Implement Consulting Group kommt zum Schluss, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsprozessen der Schweiz ein jährliches zusätzliches Innovationspotenzial von rund 15 Milliarden Franken eröffnen könnte. Die wichtigsten Erkenntnisse dieser Studie wurden im Rahmen des diesjährigen WEF-Schwerpunkts “How can we deploy innovation at scale and responsibly?” in Davos vorgestellt.Wie dabei der Faktor “verantwortungsvoll” erfüllt werden soll, bleibt fraglich.
Das zentrale Fazit lautet, dass eine umfassende und breit angelegte Nutzung sowie Vermarktung von KI notwendig sei, um dessen Potenzial tatsächlich zu realisieren. Alles oder nichts, sozusagen. Insbesondere technologieorientierte digitale Unternehmen erweisen sich dabei als wesentliche Treiber der wirtschaftlichen Wertschöpfung.
Inhaltsverzeichnis
Zentrale Erkenntnisse der Studie Google Schweiz KI-Studie
Künstliche Intelligenz eröffne weitreichende Möglichkeiten, Innovationsprozesse zu beschleunigen und qualitativ zu verbessern, so die Ausgangsannahme. Sie könne die Gründung neuer Unternehmen unterstützen, die Produktivität in verschiedenen Branchen erhöhen und wissenschaftliche Durchbrüche angeblich deutlich beschleunigen. Gegenteilige Studien werden hier geflissentlich ignoriert.
Um auch im Zeitalter der KI wettbewerbsfähig zu bleiben, benötigen Schweizer Unternehmen laut Implement Consulting Group eine konsequente Innovationskultur sowie den Mut, neueste Technologien strategisch einzusetzen. Die Untersuchung wirft ein Licht darauf, wie KI Innovationsprozesse in der Schweiz stärken könne und knüpft an Analyseergebnisse aus dem Jahr 2024 an. Damals wurde prognostiziert, dass KI innerhalb eines Jahrzehnts zu einem jährlichen Anstieg des Bruttoinlandprodukts um etwa 11 Prozent führen könne. Dies entspräche rund 80 bis 85 Milliarden Franken.

Das bislang davon keine Anzeichen zu sehen sind, spielt anscheinend eine untergeordnete Rolle.
Die neue Studie von Implement Consulting Group baut konsequent auf den alten Prognosen auf und zeigt auf, welche strategischen Schritte notwendig seien, um die Schweizer Wirtschaftslandschaft mithilfe von KI zu transformieren. Dabei werden drei zentrale Dimensionen herausgearbeitet, in denen die Schweiz bedeutende Chancen nutzen können soll:
1. Innovationstätigkeit mithilfe von KI
Die Generierung neuer Ideen wird weltweit anspruchsvoller. Gleichzeitig sieht sich Europa, und damit auch die Schweiz, mit einem Rückgang der Effizienz in der Forschung und Entwicklung konfrontiert, der sich in sinkenden Renditen auf Investitionen in Forschung und Entwicklung, besonders im Vergleich zu den USA, niederschlägt. KI soll diese Entwicklung angeblich umkehren können und die Innovationskraft deutlich verbessern. Laut Studie sei es möglich, dass KI die Qualität neuer Lösungen erheblich steigert. In manchen Fällen soll die Rendite sich sogar verdoppeln. Unter dieser Annahme würde die die Effizienz der Schweizer Forschung und Entwicklung je nach Fachgebiet um 10 bis 20 Prozent erhöht. In anderen Bereichen warnen alle, von Polizei bis Verbraucherschutz, vor solchen Renditeversprechen. Google Schweiz ist sich da aber wohl nicht zu schade, sich in solche Spekulationen zu versteigen.
Denn schon heute trüge KI merklich zum wissenschaftlichen Fortschritt in der Schweiz und Europa bei. Implement Consulting Group prognostiziert munter, dass durch KI-beschleunigte Innovationsprozesse in Forschung und Entwicklung bis zum Jahr 2034 ein jährlicher wirtschaftlicher Mehrwert von bis zu 15 Milliarden Franken generieren würden. Dabei wird betont, dass der gesellschaftliche Gesamtvorteil dieses Fortschritts ein Vielfaches des direkt messbaren Unternehmensgewinns ausmachen dürfte. Die Studie spricht davon, dass dieser n einigen Szenarien sogar das Siebenfache betragen dürfte. Schlaraffenartige Zustände
2. Ausbau der KI-Produktion in der Schweiz
Ein weiterer Schwerpunkt der Studie der Implement Consulting Group liegt auf der Bedeutung des Aufbaus eigener Kapazitäten für die Entwicklung von KI-Modellen, den Ausbau von Rechenzentren und die Produktion leistungsfähiger KI-Anwendungen. Die Schweiz sollte sich nach Ansicht der Expertinnen und Experten nicht ausschliesslich auf die Nutzung von KI beschränken, sondern aktiv in die Wertschöpfungskette einsteigen. Europa besässe insbesondere im Bereich der KI-Anwendungen und -Dienstleistungen einen komparativen Vorteil, den es auszubauen gelte. Mehr Rechenzentren sind also gefragt.
Durch Investitionen in die KI-Produktion könne die Schweiz nicht nur ihre digitale Souveränität stärken, sondern auch eine bedeutende wirtschaftliche Chance nutzen. Der Aufbau entsprechender Infrastruktur, von fortschrittlichen Rechenressourcen bis hin zu spezialisierten Softwarelösungen, würde so die Basis für langfristiges Wachstum schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber internationalen Technologiezentren stärken.
3. Kommerzielle Nutzung von KI durch innovative digitale Unternehmen
Die Studie betont zudem die Notwendigkeit, dass Europa und die Schweiz deutlich mehr innovative digital ausgerichtete Unternehmen benötigen würden, um das vorhandene KI-Innovationspotenzial vollständig auszuschöpfen. Solche Unternehmen würden eine Schlüsselrolle spielen, wenn es darum geht, neue Entwicklungen auf den Markt zu bringen, zu verbreiten und in relevanten Wirtschaftssektoren zu skalieren.
Digitalunternehmen, die erfolgreich wachsen, tragen überproportional zur wirtschaftlichen Gesamtleistung bei. Ihre Produktivität liegt im Durchschnitt rund 130 Prozent über jener europäischer Unternehmen insgesamt. Dadurch werde deutlich, wie wichtig es ist, dass die Schweiz ihre jungen und innovativen Unternehmen stärker unterstützt, damit diese mit den führenden OECD-Staaten gleichziehen können. Diese Unternehmen seien essenziell dafür, KI nicht nur zu entwickeln, sondern auch wirtschaftlich zu verwerten. Das wäre ein entscheidender Faktor, um das identifizierte Innovationspotenzial langfristig gesellschaftlich fruchtbar zu machen.
Zusammenspiel des Innovationspotenzials: 15 Milliarden Franken als Verstärkungseffekt
Die Studie der Implement Consulting Group wird nicht müde, zu betonen, dass das jährliche Innovationspotenzial von 15 Milliarden Franken durch KI als Verstärker des deutlich grösseren Wertschöpfungseffekts von 80 bis 85 Milliarden Franken wirken würde, der aus der breiten Nutzung generativer KI resultieren könne. Während die technische Entwicklung neuer KI-Modelle und -Anwendungen die Grundlage bilde, entfaltet sich der grösste wirtschaftliche Nutzen erst, wenn KI zu einer beschleunigten Forschung führt. Dadurch steigt der langfristige ökonomische Effekt erheblich, insbesondere in forschungsintensiven Branchen.
Beteiligten Organisationen sind zufrieden
Christine Antlanger-Winter, Country Director Google Switzerland, betonte die Bedeutung der Ergebnisse:
“Die Studie zeigt, dass KI die Forschungs- & Entwicklungsprozesse in der Schweiz signifikant vorantreiben und dadurch bis 2034 zusätzlich rund 15 Milliarden Franken pro Jahr zur Schweizer Wirtschaftsleistung beitragen kann. Um in diesem neuen Zeitalter wettbewerbsfähig zu bleiben und die Vorteile der KI-Ära zu sichern, müssen wir diese Chancen mutig und verantwortungsvoll wahrnehmen und dafür sorgen, dass KI der gesamten Bevölkerung zugute kommt und die Schweiz nicht nur wohlhabend und innovativ, sondern als Gesellschaft auch integrativ und verantwortungsbewusst bleibt.”
Franziska Barmettler, CEO digitalswitzerland, sagt:
“Diese Studie liefert belastbare Fakten und eine solide Grundlage, um die enormen Vorteile von KI in der Schweiz zu nutzen. Unser Fokus liegt darauf, dass diese Vorteile traditionelle Branchen sowie KMU erreichen, die das Rückgrat unserer Wirtschaft bilden, wie auch die Förderung der verantwortungsvollen Einführung von KI-Technologien. Aus diesem Grund entwickeln wir derzeit den Swiss AI Action Plan in Zusammenarbeit mit unserem breiten Ökosystem.”
Martin Hvidt Thelle, Partner, Implement Consulting Group:
“Die Schweiz kann durch den breiten Einsatz von KI-Innovationen neue Wachstumsquellen erschliessen. Die Anwendung von KI in der F&E kann das BIP der Schweiz um 1.7 Prozent steigern, verglichen mit 1.4 Prozent in der EU. Das Potenzial ist in forschungsintensiven Branchen wie der Pharmaindustrie und der Modernen Fertigung besonders ausgeprägt. Generative KI ist eine neue Erschaffungs-Methode, welche den langfristigen Rückgang der F&E-Produktivität umkehren kann. Die vorhandene Stärke der Schweiz bei der Skalierung junger, innovativer Unternehmen wird entscheidend sein, um das Innovationspotenzial der KI voll ausschöpfen zu können.”
Dass die Studie der Implement Consulting Group nicht unabhängig erstellt wurde, schmälert das Ergebnis indes. Gerade der Aspekt, dass nicht nur möglichst die ganze Schweiz in allen Bereichen auf KI setzen sollen, sondern auch massiv in Infrastruktur wie eigene Rechenzentren in der Schweiz investiert werden soll, macht mehr als stutzig.
Quelle: Implement Consulting Group (Englisch)


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