Fr. 18. Januar 2019 um 8:16

Huawei soll bei 5G aussen vor bleiben

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Nicht nur Apple steht unter Beschuss. Auch der Tech-Gigant aus dem Reich der Mitte steht zunehmend schlechter da. Während Huawei in den USA nahezu nicht präsent ist und gar mit Ermittlungen wegen Verstössen gegen Handelsgesetze konfrontiert ist, waren die Schweiz, Österreich und Deutschland eigentlich immer Huawei-Länder. Das betrifft nicht nur die Handys selbst, sondern auch die Infrastruktur-Technologie.

In den USA haben die Mobilfunkanbieter beim Ausbau der 4G-Netze einen grossen Bogen um Huawei gemacht. Denn Washington schliesst eine Spionage durch das kommunistische China mittels Mobilfunknetz-Modulen nicht aus. So haben beide Parteien im Kongress einen Gesetzentwurf vorgestellt, der den Verkauf von Chips und Komponenten an Huawei und andere Firmen, die sich den US-Sanktionen oder Exportkontrollen widersetzen, verboten werden soll. Kommt dieses Gesetz durch, wird das Huawei sehr hart treffen. Da dann Lieferengpässe die Folge wären, würde das auch direkt Auswirkungen auf Huaweis Marktchancen weltweit haben.


Mobilfunkmast
Mobilfunkaufbau auf 5G: Ohne Huawei?

Bisher sagte die deutsche Bundesregierung, dass man bei der Vergabe und dem Ausbau des als systemkritisch erachteten 5G-Netzes niemanden ausschliessen würde. Nun hat das Handelsblatt aber in Erfahrung gebracht, dass dies sich geändert hat. Nicht nur ein Ausspähen durch China wird befürchtet, gar die Sabotage des 5G-Netzes steht im Raum. Auch weil die USA verstärkt Druck auf ihre Verbündeten ausüben, China und Huawei zu meiden. In Kanada liess man gar die Tochter des Huawei-Firmenschefs festnehmen, da sie angeblich eine Scheinfirma zum illegalen Handel mit dem Iran gegründet hätte.

Ein bisschen Kalter Krieg?

Das klingt alles ein wenig nach Kaltem Krieg, als sich die USA und die Sowjetunion gegenseitig allenthalben der Spionage und Sabotage verdächtigten.

Doch nachgewiesen wurde bisher noch nicht, dass Huawei im Auftrag Chinas Spionage betreiben oder Hintertüren bereithalten würde. In Shenzhen hat man das bisher immer dementiert.  Der Unternehmensgründer Ren Zhengfei hat vor Kurzem klar gestellt, dass weder er noch Huawei je eine Anfrage von Regierungsseite erhalten hätten, etwas entsprechendes zu tun oder Informationen zu liefern. Auch das chinesische Aussenministerium hat betont, dass man keine Unternehmen in China zu Hintertüren oder Spionagezwecken verpflichte.

Und auch die deutsche Industrie ist besorgt über derartige Überlegungen, denn sie würden den Ausbau des 5G-Netzes, den die Anbieter Nokia, Ericsson, ZTE und Huwei dominieren, deutlich verzögern.

Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Deutschland sieht keine konkreten Hinweise für einen Spionageverdacht gegen Huawei und sieht nicht ein, warum man die Firma beim Aufbau der 5G-Mobilfunknetze ausschliessen sollte. Anders scheint es im Auswärtigen Amt zuzugehen. Ähnlich wie ind en USA, Australien und Neuseeland erwägt man dort, beim für die zu beschleunigende Digitalisierung und das Internet of Things (IoT) so enorm wichtig erachteten 5G-Netz auf Huawei aus Datensicherheitsgründen zu verzichten. Auf Nachfrage hat nunmehr die Regierung bestätigt, dass man sich noch nicht abschliessend klar darüber sei, wie entschieden werden soll.

Mobilfunkanbieter auf Wartestellung

Die Mobilfunkanbieter indes warten ab. Schliesslich will man keine teure Technik verbauen, die dann wieder zurückgeschraubt werden muss, weil ein Ministerium von Spionageverdacht redet. So übrigens auch in Grossbritannien, wo die British Telecom auf Komponenten von Huawei verzichtet – Ja sogar im bestehenden 3G- und 4G-Netz die Huawei-Komponenten rückbaut. Aber in Deutschland ist die Deutsche Telekom vornehmlich auf Netzelemente von Ericsson, Nokia, Cisco und Huawei ausgerichtet, was sie derzeit neu bewerten wollen. Vodafone indes testet 5G nach eigenen angaben derzeit nur nur mit Ericsson-Technik und habe nicht entschieden, wie es weiter gehen wird.

 

Die laut Expertisen führende 5G-Technologie von Huawei sei wichtig für den Aufbau und ohne das chinesische Unternehmen würden sich empfindliche Verzögerungen ergeben, so das Handelsblatt.

 

 

In der Schweiz indes gibt es derartige Diskussionen (noch) nicht. Swisscom allerdings setzt beim Aufbau des 5G-Netzes, das bis Ende 2019 in 60 schweizer Städten vorhanden sein soll, vornehmlich mit Komponenten von Ericsson.

 

Quelle: Handelsblattl, Tagesschau

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