Mo. 23. Oktober 2017 um 17:59

Greenpeace kürt Apple und Fairphone als ökologischste Elektronikhersteller

von Sebastian Mauch0 Kommentare

Smartphones und andere elektronische Geräte werden immer ausgeklügelter und komplizierter zu fertigen. Wir bekommen dann letztlich nur die glänzende Hülle präsentiert. Sonderlich viel an Emissionen gibt ein fertiges Smartphone auch nicht mehr ab. Im Hintergrund, also von der Materialbeschaffung bis hin zur eigentlichen Herstellung, entpuppen sich die schlauen Alltagshelfer aber als ziemlich unvorteilhaft für die Natur. Ebenso auch die Verwertung nach der Lebenszeit der Geräte. Wie unvorteilhaft, dass hat sich die Umweltschutzorganisation Greenpeace im Rahmen des “Guide to Greener Electronics” angeschaut. Einen Überblick über die Ergebnisse der Untersuchung bekommt ihr im Folgenden.

Von A, wie alternative Energien, bis Z, wie zukunftsweisend

Ganze 17 Hersteller nahm Greenpeace in der Analyse mit auf. Um hier nicht alle aufzählen zu müssen, haben wir für euch unten die Übersichtstabelle angehängt. Es sind aber im Prinzip alle Grössen der Smartphone-Branche vertreten, auch der aufstrebende chinesische Konzern Xiaomi – bekannt für seine Mi-Geräte. Auch zwei Hersteller, die hauptsächlich aus dem PC- und Serverbereich bekannt sind, sind mit an Bord: Hewlett-Packard (HP) und Dell.

 


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Zwischen dem oberen und unteren Ende liegen mitunter Welten.

Für die Untersuchung legte Greenpeace besonderes Augenmerk auf die drei Eckpfeiler “Energie”, “Ressourcen” sowie “Chemikalien”. Dabei ging man vor allem darauf ein, woher die verwendeten Materialien bezogen werden, wie diese im Zusammenhang mit Recycling stehen, und auch die Reparaturfreudigkeit der Herstellergeräte war nicht ganz unwichtig. Ein schnell gewechseltes Display belastet die Umwelt nämlich wesentlich weniger, als gar ein gesamtes Tauschgerät. Auch auf den Energieverbrauch und die Giftigkeit im Herstellungsprozess verwendete Chemikalien wurde berücksichtigt.

Kopf an Kopf-Rennen zwischen Apple und Fairphone – Xiaomi und Amazon liegen weit ab

Wie unschwer in der Übersicht zu erkennen liegt der vergleichsweise kleine Hersteller Fairphone aus den Niederlanden knapp an der Spitze. Das Unternehmen mit dem gleichnamigen Smartphone stellte von Beginn an den Anspruch, ein “grünes” Smartphone anzubieten. Diese Ambitionen scheinen sich in der Untersuchung ausgezahlt zu haben. Das Fairphone gilt nämlich als besonders leicht zu reparieren.

 

Rohstoffe dafür werden ausserdem möglichst konfliktfrei beschafft und fast alle Handelswege transparent offen gelegt. Lediglich bei den Chemikalien liegen die Holländer eine Teilnote hinter Apple, dafür im Gesamtrang mit einem “B” leicht unter der mächtigen Konkurrenz aus Kalifornien mit einem “B-“.

 

Apple wiederum glänzte mit energieeffizientem Vorgehen mit besonderem Augenmerk auf erneuerbare Energien. Das war aber schon seit langer Zeit das Steckenpferd des Konzern. Das kürzlich eingeweihte Steve Jobs-Theater läuft beispielsweise komplett mit erneuerbarer Solarenergie.

 

Was Greenpeace ausser Acht liess, sind die Produktions- und Arbeitsbedingungen. Zu den auffälligen Selbstmordraten bei Foxconn wurde schon vielerorts mehrfach berichtet und dass die für ein Smartphone nötigen Ressourcen zu einem mehr oder minder grossen Teil aus Konfliktregionen stammen und so Krieg finanzieren (Blood in the mobile) sowie Kinderarbeit und mehr befördern, stand für Greenpeace erst mal aussen vor.

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Der Grossteil bekannter Hersteller landete im roten Bereich.

Dicht an der Spitze liegen Dell, HP, Lenovo sowie Microsoft. Alle darunterliegenden Hersteller wiesen teils gravierende Defizite auf. Am schwersten fielen diese jedoch bei noch unbekannteren Herstellern wie oppo oder vivo aus. Überraschenderweise bekam aber auch der Gigant Amazon eine satte F-Quittung spendiert, ebenso wie der Universalhersteller Xiaomi. Interessant, wenngleich auch nicht weniger traurig, ist der Fakt, dass aus 17 Teilnehmern nur magere 6 Unternehmen ihre Zulieferer offen legten. Der Rest dürfte sich dementsprechend weiter unten in der Platzierung befinden.

 

Was lernen wir nun aus solchen schicken Grafiken? Nun, Greenpeace zeigt damit heftige Missstände in der Industrie auf, aber auch lobenswerte Vorgehensweisen wie bei Fairphone oder Apple. Wer günstig Geräte anbieten will, muss aber in gewissen Hinsichten Abstriche auf Kosten der Natur machen. Apple und Fairphone bieten ihre Geräte dementsprechend teurer an, glänzen dafür mit merklich reduzierter Umweltbelastung.

 

Doch nicht nur die Hersteller sollten zukünftig ihre Vorgehensweisen überdenken. Denn auch wir als Verbraucher können in der Masse eine Menge bewirken. Schon banale Dinge wie der achtsame Umgang mit seinen Geräten kann die durch Reparaturen verursachte Umweltbelastung vermeiden. Wer sein Smartphone gar über Jahre hinweg benutzt, umso besser.

 

 

Quelle: Greenpeace (Englisch, PDF) via übergizmo

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