Fr. 16. September 2022 um 7:03

GNOME Shell will die Smartphone-Benutzeroberfläche neu erfinden

von Yves Jeanrenaud 2 Kommentare

Die GNOME-Desktop-Umgebung ist eine der beliebtesten Benutzeroberflächen und Anwendungspakete für Linux-Desktop-Distributionen. Jetzt hat ein Team weiter daran gearbeitet, GNOME auf mobile Geräte mit Linux-basierten Betriebssystemen zu bringen. Eine Idee, die 2020 erst entstand. Das Projekt wird vom Prototype Fund des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) der deutschen Regierung finanziell unterstützt.

 

GNOME Shell für Mobilgeräte bietet eine berührungsfreundliche Benutzeroberfläche, die für Smartphones und Tablets optimiert ist. Und obwohl sie auf den ersten Blick ein wenig wie Android oder iOS aussieht, gibt es ein paar wichtige Unterschiede. Das GNOME-Team hat einige von ihnen in einem Artikel über die neuesten Updates der GNOME-Shell für Mobilgeräte beschrieben.

 

Wie andere moderne mobile Benutzeroberflächen interagiert man mit der GNOME-Shell durch Tippen, Wischen und andere gestenbasierte Navigation.

 

Der Unterschied besteht darin, dass Android drei verschiedene Ansichten für die Navigation hat: einen Startbildschirm, eine App-Schublade und eine Multitasking-Ansicht. iOS hat zwei Ansichten: Einen Startbildschirm und eine Multitasking-Ansicht. Die GNOME-Shell verfügt jedoch über einen einzigen Bildschirm, auf dem man Anwendungen anzeigen und starten kann und mit Gesten zwischen laufenden Anwendungen wechselt. Man müsse nicht warten, bis ein neuer Bildschirm geladen wird.

 

Kurz gesagt kann man hier vom unteren Rand des Bildschirms nach oben wischen, um eine Liste der installierten Anwendungen, Miniaturansichten aller derzeit laufenden Anwendungen und ein Suchfeld anzuzeigen. Man kann auf ein App-Symbol tippen, um eine neue App zu starten, einen Begriff in das Suchfeld eingeben, um eine App zu finden, oder zwischen laufenden Apps wischen, um zu wechseln, welche App im Vordergrund läuft.

 

Man kann auch weiter nach oben wischen, um die Multitasking-Miniaturansichten zu verkleinern und mehr Platz für App-Symbole zu schaffen. Und man kann die Miniaturvorschau nach oben streichen, um eine App aus dem Multitasking-Bereich zu entfernen.

 

Die Gestensteuerung erinnert uns zunächst noch an Sailfish OS von Jolla.

 

Wenn man in das Suchfeld tippt bekommt man die relevante Ergebnisse, einschliesslich Apps und Einstellungen. Wer den GNOME Desktop unter Ubuntu, MINT oder Debian kennt, wird vieles wiedererkennen hier.


GNOME Shell Suchmaske. Bild: GNOME

Weitere Updates der GNOME-Shell für Mobilgeräte umfassen eine verbesserte Tastatur, die für schmale Bildschirme optimiert ist und die gestenbasierte Eingabe unterstützt. Die Tastatur erkennt nun besser, wann sie eingeblendet werden soll und wann sie ausgeblendet bleiben soll, je nachdem, für welche Aktivitäten man das Telefon verwendet. Die Ansicht der Schnelleinstellungen wurde aktualisiert und enthält nun auch Benachrichtigungen im selben Menü.

 

Die GNOME-Shell befindet sich leider noch in der Entwicklungsphase. Einige der Funktionen, die noch nicht verfügbar sind, aber auf der Roadmap stehen, sind Unterstützung für Notrufe, haptisches Feedback, PIN-Entsperrung und Telefonanrufe über den Sperrbildschirm.

Weitere Details sowie einige zusätzliche kurze Demovideos findet man im GNOME Shell and Mutter-Blog.

 

Zudem ist unterdessen auch das Team von postmarketOS daran, ihre mobile Linux-Distribution um die Unterstützung der GNOME-Shell zu erweitern, so dass man bald Builds des Betriebssystems auf unterstützten Telefonen oder anderen mobilen Geräten installieren kann, auf denen die GNOME-Shell vorinstalliert ist. Oder man kann die GNOME Shell selbst aus einem Repository in postmarketOS installieren.

 

Die GNOME-Shell für mobile Geräte ist übrigens nicht die einzige GNOME-basierte Benutzeroberfläche für mobile Geräte. Die Phosh-Benutzeroberfläche von Purism baut ebenfalls auf GNOME auf. Es ist die Standard-Benutzeroberfläche für die PureOS-Software auf dem Librem 5 Smartphone enthalten ist, und wird seit Jahren entwickelt. Phosh gibt es aber auch für andere mobile Linux-Distributionen.

 

 

Quelle: GNOME Shell and Mutter blog (Englisch) via liliputting (Englisch)

Das könnte Sie auch interessieren

2 Antworten zu “GNOME Shell will die Smartphone-Benutzeroberfläche neu erfinden”

  1. Schnapsbrenner sagt:

    Ich finde schon ios brutal irritierend, aber vielleicht nur, weil die Gestensteuerung fehlt auf meinem (drecks) SE, die ich auf meinem Xiaomi habe. Ich muss sagen, ich kann den Vorteil einer einzigen Ansicht nicht erkennen.
    Was genau sagt mir „Man müssen nicht warten, bis ein neuer Bildschirm geladen wird.“, (abgesehen von dem kleinen Typo)? Das Laden einer App dürfte doch wesentlich länger dauern, als das Wechseln der Anzeige, oder?

    Bin gespannt und ziehe es mir gerne mal auf mein Testphone, wenn es etwas fortgeschrittener ist.

  2. Yves Jeanrenaud sagt:

    Nun, der Gedanke ist wohl, dass die Apps nicht erst aus dem Launcher gestartet werden müssen oder man umständlich die Taskmanager-Ansicht startet, sondern mit einer Geste zwischen den aktuell offenen Apps wechselt, so wie Alt+Tab auf dem Desktop.

Schreibe einen Kommentar

Insert math as
Block
Inline
Additional settings
Formula color
Text color
#333333
Type math using LaTeX
Preview
\({}\)
Nothing to preview
Insert
Teilen