Do. 21. Mai 2015 um 14:57

In eigener Sache: Von Werbung, Advertorials und Sponsoring

von Yves Jeanrenaud6 Kommentare

PocketPC.ch gibt es jetzt seit über 14 Jahren. Wir halten viel von Transparenz und möchten euch, liebe Leserinnen und Leser unseres Magazins, darüber informieren, wenn wir etwas verändern. Die Zeiten sind, sagen wir es gerade raus, härter geworden und wir haben einen harten Strich unter eine unserer bisherigen Entscheidungen ziehen müssen.

Die Preise für Werbeanzeigen im Netz sind seit Jahren im freien Fall. Nicht nur, weil geschätzte 50% der Browser im Netz mit AdBlockern unterwegs sind. Das Angebot ist gross und wächst stetig, wenn nicht exponentiell. Auf jeder Messe und jedem Unpacked-Event tritt man sich unter Tech-Redakteurinnen und Bloggern gegenseitig auf die Füsse, es gibt so viel Konkurrenz, die alle dasselbe berichten, häufig voneinander (auch von uns, notabene) Inhalte übernehmen. Damit wird es immer schwerer, Google davon zu überzeugen, eure Suchanfragen mit unseren Artikeln zu beantworten. Das alles zusammen drückt die Einnahmen deutlich. Aber Server (die im Übrigen trotz starkem Schweizer Franken weiterhin in der Schweiz stehen) zahlen sich nicht von alleine, zu Events und Messen kommt man nicht umsonst, Testgeräte fallen nicht vom Himmel und was essen will man am Ende vom Tag auch noch können – kurz: Irgendwie muss das, was wir euch hier auf PocketPC.ch bieten wollen, auch bezahlt werden. Ihr, unsere User, habt, wenn ihr euch registriert und angemeldet habt, seit Jahren keine Werbebanner mehr zu Gesicht bekommen. Ein Entscheidung, die wir für euch getroffen hatten. Genauso möchten wir jetzt weiterhin in eurem Sinn entscheiden und legen deswegen hier unsere Beweggründe dar.

 

Ihr habt es vielleicht schon bemerkt, wir haben vor Kurzem eine neue Art von Inhalten bei uns im Magazin eingeführt, sogenannte Advertorials. Das sind gesponserte Produktvorstellungen, zumeist von Apps, die für euch im normalen Kontext erscheinen. In der Branche ist das schon lange üblich. Bei vielen auch nicht als solche gekennzeichnet, werden Artikel gesponsert. Und nicht nur im Netz – schaut euch mal eure Tageszeitung oder eure Lieblingssender im TV an. Publireportage, Adverticle, Sponsoring von Sachpreisen. Mit reiner Anzeigenwerbung kommt niemand mehr aus. Dabei geht es um sogenanntes Native Advertising, wie man es von vielen Plattformen schon kennt. Sei es Facebook, Twitter, ja auch Printmedien und TV-Sender. Das bedeutet nicht, dass unser Journalismus zu irgendwelchen Gefälligkeitsartikeln verkommt. Es geht um Werbeformate, die nicht stören, die sogar interessant sind und von euch gerne gelesen werden. Vergleicht das etwa mit einem Männer- oder Modemagazin aus der Printwelt: Da besteht das erste Dutzend Seiten aus Advertorials für Modemarken, Uhren- und Autohersteller. Das ist aber auch Content, der in diesem Zusammenhang passt und der beim Lesen der Zeitschrift nicht stört, sogar interessieren kann.

 

Bisher gab es das bei uns so nicht. Artikel hatten immer den Anspruch, uneigennützig und aus reinem journalistischem Ehrgeiz und Informationsbedürfnis geschrieben worden. Sponsoring gab es bei uns, ab zu bei Wettbewerben und Verlosungen, wo wir das auch immer deutlich ausgezeichnet haben und natürlich weiter tun werden. Wir dachten immer, das sei es, was transparente, objektive Berichterstattung gewährleisten kann. Das denken wir auch weiterhin, aber wie schon gesagt, müssen wir etwas verändern, wenn wir weiterhin bestehen können wollen. Wir rütteln aber darum nicht an unseren Grundsätzen, sondern schaffen eine neue Art von Inhalten bei uns, deren Themen nicht nur von unser Redaktion ausgewählt werden.

 

Advertorials bei uns sind weiterhin saubere Artikel, objektive Berichterstattung ohne Schönreden oder Totschweigen von Fehlern, Mankos oder Problemen. Es werden keine Stärken hervorgehoben, die keine sind und keine Schwächen verschwiegen. Die Artikel sind nicht in dem Sinne gekauft, dass die Meinung unserer redaktionellen und texterischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dadurch beeinflusst werden würde. Diese sind in dem Sponsoring-Vorgang, wann immer möglich, gar nicht einbezogen, um einen Interessenskonflikt gänzlich zu vermeiden. Ein Advertorial auf PocketPC.ch bedeutet, dass wir einen Artikel verfassen, den wir ohne Sponsoring vielleicht nicht oder wenigstens nicht zu diesem Zeitpunkt geschrieben hätten. Das Sponsoring verändert also nicht den Inhalt des Artikels selbst, sondern die Themenauswahl. Er rückt ein Thema, beispielsweise eine App, für uns auf die Agenda, das wir so nicht oder noch nicht darauf gesetzt hätten. Hätten wir uns entschieden, diesen Artikel zu verfassen, wäre er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht anders ausgefallen. Das gebietet uns der journalistische Kodex und die publizistischen Grundsätze des Presserats, denen wir als PocketPC.ch uns verpflichtet fühlen. Wir lassen uns den Mund nicht verbieten und auch keine Worte hineinlegen.

 

Das Presserecht hingegen schreibt uns vor, dass klar erkennbar sein muss, was Werbung und was redaktioneller Inhalt in unserem Magazin ist. Das finden wir auch gut und richtig und haben deswegen im Sinne der Transparenz einen Autorennamen „Advertorial“ ins Leben gerufen, so dass ihr auf den ersten Blick sehen könnt, dass das Thema gesponsert ist. Ich schreibe hier bewusst, das Thema, nicht der Artikel. Denn wie schon erwähnt, wird ein Produkt, was, sagen wir mal, schlicht und ergreifend schlecht ist, von uns auch dementsprechend dargestellt werden – ungeachtet des Sponsorings. Wenn wir damit einen Sponsorpartner verärgern – auch egal! Nochmals ganz deutlich: Wir liessen bisher nie bestechen und werden uns auch in Zukunft unsere Meinung nicht abkaufen lassen. Bestechlichkeit erachten wir als eine schändliche Charakterschwäche.

 

Wir wollen euch weiterhin informieren und objektiv berichten, denn sonst macht unsere Arbeit keinen Sinn mehr. Daher seid versichert, dass sämtliche Artikel, ob News, Kolumne, speziell natürlich Testberichte, aber auch sonstige, die nicht als Advertorial gekennzeichnet sind, genauso wie die Advertorials inhaltlich vollkommen unbeeinflusst sind und bleiben. Wir schreiben, was wir sehen, denken und fühlen. Was wir beobachten und herausfinden können. Unsere Recherche ist unsere Arbeit. Nicht, was jemanden in den Kram passen könnte.

 

Um euch das etwas versuchen zu veranschaulichen, haben wir in letzter Zeit als Test Advertorials im Magazin von PocketPC.ch veröffentlicht:

App-Deal: Lotto Gutschein mit der Clever Lotto App

App-Deal: scan me für iOS verbilligt

Wie ihr seht, handelt es sich dabei um Vorstellungen von Apps, worauf wir uns auch in Zukunft vornehmlich stützen möchten. Das bedeutet nicht, dass nicht auch mal andere Themen an die Reihe kommen, aber wie schon erwähnt, auch diese werden mit der gebotenen und notwendigen Sorgfalt und Transparenz, Ehrlichkeit und Objektivität betrachtet und verfasst. Advertorials werden sich auch in einem kleinen Rahmen halten. Seid auch hier unbesorgt: Wir haben keineswegs vor, euch jede Woche oder gar jeden Tag solche Artikel zu präsentieren. Auch werden wir keine gesponserten Artikel veröffentlichen, die fernab von unseren Themen sind: Dein mobiles Leben. Was nichts mit Smartphones, Tablets, Wearables und Gadgets und allem, was dazu gehört, zu tun hat, hat bei uns auch weiterhin nichts verloren.

 

Uns ist bewusst, dass dieser Schritt ein riskanter ist, denn es geht um unsere Glaubwürdigkeit. Andere Seiten in der Branche haben ihn auch, zum Teil ebenfalls schweren Herzens getan. Nicht viele legen diesen Schritt oder ihre Advertorials transparent dar. Doch weil ihr, liebe Leserschaft, es seid, die uns Vertrauen entgegenbringen müsst, wagen wir diesen Schritt nun. Ihr lest unsere Artikel, im besten Fall sogar gern. Für euch schreiben wir hier, nicht für uns. Daher haben wir auch beschlossen, euch nicht mit Werbeanzeigen zuzuballern, die NoAds-Schranke für eingeloggte User zu kippen oder anderweitig die User Experience für euch zu verschlechtern. Damit würden wir uns schlussendlich ja auch nur selbst schaden. Wir brauchen euch, liebe Leser und Leserinnen! Eure Kommentare, eure konstruktive Kritik, eure Diskussionen im Forum, eure Klicks, Likes, Shares und re-tweets. Ohne euch ist das ganze Team von PocketPC.ch nichts. Wir präsentieren euch weiter möglichst aktuelle News, spannende Testberichte, kontroverse Kolumnen und informierende Anleitungen, ein grosses Forum mit respektvollem und tolerantem Umgang und eine Geräte-Datenbank zum Vergleich von vielen Smartphones und Tablets. Seid nochmals versichert: Einen Interessenskonflikt wegen Sponsorings wird es nicht geben!

 

Darum danke ich euch für euer Verständnis und hoffe, dass ihr uns weiter gewogen bleibt.

 

Im Namen von PocketPC.ch,

 

Yves Jeanrenaud

vg-wort
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6 Antworten zu “In eigener Sache: Von Werbung, Advertorials und Sponsoring”

  1. Entrail sagt:

    Passt auf, dass ihr nicht wie Androidpit endet;) Die habe ich nebenher teilweise noch ganz gerne besucht. Mittlerweile sollte man die Seite aber lieber meiden 😛

  2. Abarth sagt:

    Danke für die Transparenz. Solange Ihr Inhaltlich die gute Qualität weiterhin anbietet, ist das soweit OK.

  3. Wolfgang D sagt:

    Ja, Androidpit kann wirklich als abschreckendes Beispiel genommen werden. Ich habe da letzten Monat mein langjähriges Konto gelöscht.

    Bei guten Seiten wie hier, mit maßvoller Werbung, habe ich eine Ausnahmeregel gesetzt. Andere Blogs ziehen dagegen mit Werbung so viel Prozessorlast, da darf man sich über die heftige Gegenreaktion nicht wundern.

  4. surfibaer sagt:

    Die „Ehrlichkeit“ bei den Advertorials muss sich noch zeigen.

    Ansonsten ist PPC für Besucher bisweilen so mit Werbung zugepflastert – würde ich die Seite nicht von meinem vorherigen Account kennen, hätte ich mich hier nicht angemeldet.

  5. Bunsenbrenner sagt:

    Kann ich nachvollziehen! Nichts im Internet bezahlt sich von alleine. Vor allem die hohen Kosten für Foren dieser Größenordnung und dann noch Testgeräte die man nicht bekommt und selber zahlen muss. Ist alles eben kein Selbstläufer! Ich komme selber aus der Branche und habe vollstes Verständnis, da ich in etwa weiß, was durch die Werbung reinkommt und das ist oft nur noch ein Strohalm dank Googles neuer Preispolitik 🙁 Ad-Blocker gibts bei mir schon lange nicht mehr, einfach weil andere arbeitende Menschen auch nichts zu verschenken haben. Find es schon extrem beeindruckend, dass man keine Werbung bei euch sieht, sobald man sich angemeldet hat, wenn man einmal von den 2-3 Advertorials im Monat im Magazin absieht. Aber seid ihr sicher, dass dennoch genug reinkommt? Zum Beispiel Android TV hat ja vor kurzem noch offiziell bestätigt, eine Menge privates Geld in die Webseite gepumpt zu haben, um überhaupt noch da zu sein. Zeitungen wie die TZ rufen sogar zu freiwilligen Spenden auf ohne ein Premium-Abo zu bieten. Viele Blogs werden derzeit Verkauft, oder die Schreiber verlassen das Bot, weil die Möglichkeiten sich auf +-0 zu halten sehr stark schrumpfen. Alles Gute an dieser Stelle für euch! Hoffen wir einfach Mal das Beste 🙂 Bin seit Jahren stiller Leser hier und im Forum und seit kurzem auch registriert. Wäre schade wenn euch ähnliches zustoßen würde. Schließlich gibt es auch seit WinMo-Zeiten 😀 Touch Diamond for the win xD

  6. koelleman sagt:

    @surfibaer: Also ich musste mich gerade anmelden und hab daher die Seite gesehen wie besucher sie sehen:

    komplett Werbefrei, ad-block sei Dank

    Premium-Abo und Spendenbutton wären natürlich eine Möglichkeit gewesen, aber da sehe ich die Gefahr, dass das System sich gerade so selbst finanziert.

    Ich finde die Idee gut, die geplante Umsetzung ist fair und ich glaube, dass alle davon profitieren können. Werbung ist tatsächlich, wie beschrieben nicht zwangsweise was schlechtes!

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