So. 07. August 2016 um 10:50

Review: Xperia X Performance von Sony im Test

von Marcel Laser0 Kommentare

Das Xperia X Performance hat es schon nicht leicht. In Barcelona im Februar vorgestellt, durfte es erst einmal nicht nach Europa kommen und nun ist es im Juli doch noch eingetroffen, da steht bereits auf der IFA 2016 in Berlin der geistige Nachfolger (Xperia F8331) in den Startlöchern. Zudem kommt ein hoher Preis von 699 Euro/SFr. UVP hinzu. Wir haben uns den Xperia Z5-Nachfolger einmal genauer angeschaut.

Inhaltsverzeichnis

  1. Gewohnt tolles Design, fragwürdige Platzierung der Volume-Tasten

  2. Starke Hardware, aber nichts, was die Konkurrenz nicht auch hat
  3. Sehr gutes LCD, aber mit der Auflösung hinter der Konkurrenz
  4. Schlanke Software, aber mit nicht deinstallierbarer Bloatware gewürzt
  5. Die Kamera: Sind 23 Megapixel jetzt besser als alle 12er?
  6. Akkulaufzeit hält nicht mit der Konkurrenz mit
  7. Fazit: Eigentlich nicht schlecht, nur zu spät und viel zu teuer!

Gewohnt tolles Design, fragwürdige Platzierung der Volume-Tasten

Jetzt ist eine sehr subjektive Sache, wie das Design, bei Smartphones sowieso sehr schwierig zu bewerten, aber uns hat das Design des Xperia X Performance wirklich gut gefallen. Der Body besteht komplett aus Aluminium, die Rückseite ist fest verarbeitet, wird von einem stabilen Rahmen eingefasst und auch das Displayglas schliesst bündig ab. Bereits das Xperia Z5 beeindruckte uns damals mit einem tollen Design aus Glas und Metall, nun hat sich das Xperia X Performance deutlich mehr für Aluminium entschieden. Schlimm ist das aber wirklich nicht. Das Device fühlt sich sehr hochwertig in der Hand an.

 

Dazu tragen aber auch die recht kompakten Masse von 143.7 x 70.5 x 8.6 mm bei, die bei einem 5 Zoll Display schon fast automatisch mitgeliefert werden. Auch wenn das Xperia X Performance an den unteren Rändern zum Display hin einiges an Platz lässt, so sieht das durchaus nicht klobig aus. Das hat vielleicht auch mit der Kamera zu tun, die relativ weit oben in der hinteren Ecke platziert ist. So kommt das Modul auch ohne aus dem Gehäuse hervorstehende Teile aus, was einen bündigen Abschluss erlaubt. Die etwas dickere Bauweise ist ebenfalls sehr angenehm und ein netter Kontrast zu den heutigen „Kreditkarten-Smartphones“. Unterm Strich fühlt sich das neue Sony-Flaggschiff sehr gut und hochwertig in der Hand an.

 

Als sehr stören kann allerdings die Platzierung der Lautstärketasten. Während der Fingerprintscanner wirklich toll und einfallsreich an der Seite des Devices seinen Platz findet, so befinden sich die Regler für die Lautstärke direkt darunter. Diese sind einhändig einfach nicht zu bedienen, was deutlich an Komfort einbüssen lässt. Auch beim Telefonieren kann man das Gespräch nicht einfach mal eben leiser oder lauter stellen. Warum sich Sony dafür entschieden hat, ist eher unverständlich. Ein kleines Plus gibt’s allerdings für den darunter liegenden dedizierten Kamerabutton, der auf Knopfdruck die Kamera-App hervorholt.

Starke Hardware, aber nichts, was die Konkurrenz nicht auch hat

Bei der Hardware geht Sony kaum Kompromisse ein – im Gegenteil: Das Xperia X Performance macht seinem Namen alle Ehre. Ein Snapdragon 820 Prozessor mit 3 GB RAM und mindestens 32 GB ROM halten das System ordentlich auf Trab. Per microSD dürfen bis zu 200 weitere GB nachgerüstet werden. Als besonderes Highlight dürfen die beiden sehr hochauflösenden Kameras bezeichnet werden. Im Rücken stecken satte 23 MP und für Selfies stehen euch ebenfalls hohe 13 MP zur Verfügung. Für ein 5 Zoll Display Device ist auch der Akku mit 2’700 mAh als ausreichend dimensioniert zu betrachten. Des Weiteren stecken mit WLAN a/c (2.4 und 5 GHz), Bluetooth 4.1, NFC und LTE nahezu alles drin was mach braucht. Der Speaker für Telefonanrufe ist übrigens auch ein normaler Lautsprecher für Sound, der von einem weiteren Speaker im Stereoverbund unter dem Display unterstützt wird.

 

Apropos Display: Dieses steht im totalen Kontrast zu dem, was Sony erst letztes Jahr noch präsentierte. Da brüstete man sich noch über das erste 4K-Display in einem Smartphone und nun liegt man bei einem FullHD-Panel in 5 Zoll Format. Ein interessanter Schritt.

 

Leistung hat das Smartphone dank Snapdragon 820 jedenfalls genug. Kein Spiel ruckelt oder hat nennenswerte Aussetzer. Egal ob Real Racing 3, Riptide GP2 oder ausgedehnte Wusel-Schlachten in Clash of Clans. Das Smartphone ruckelt einfach nicht! Aber das haben wir nun bei den meisten Smartphones mit Snapdragon 820 Prozessor feststellen können. Einzig und allein die 3 GB RAM erscheinen gegenüber der Konkurrenz, welche meistens mit 4 GB oder mehr ausgestattet ist, dann doch etwas wenig. Der Alltagsbetrieb stört sich daran allerdings nicht. Starke Drosselungen unter Last sind dank der üppigen und tiefen Bauweise von 8.6 mm ebenfalls nicht aufgefallen. Warm wird das Smartphone unter Last aber dann doch merklich.

 

Wir wollen aber an der Stelle nicht noch einmal die Leistungsdaten, welche wir bei den anderen Geräte bereits mehrfach referierten, hier noch einmal wiederholen. Das Xperia X Performance ist von der Leistung her identisch zum HTC 10 oder auch LG G5, auch wenn 1 GB RAM weniger zur Verfügung steht. Im Alltag fällt das eher weniger ins Gewicht. Aber schaut euch die Benchmarkergebnisse doch noch einmal selber an. Genug Leistung zum Zocken oder für rechenintensive Aufgaben bietet das kleine Kraftpaket auf ganzer Linie.

Sehr gutes LCD, aber mit der Auflösung hinter der Konkurrenz

Das Display hat uns ganz besonders gut gefallen! Sony verbaut ein LCD-Panel, welches nicht nur unheimlich blickwinkelstabil ist, sondern eine ausserordentlich akkurate Farbwiedergabe besitzt. Auch wenn die Farben immer noch recht kräftig dargestellt werden, so sind diese zu keinem Zeitpunkt übertrieben. Die Helligkeit ist ebenfalls sehr hoch und so ist das Xpera X Performance auch für den Ausseneinsatz gut gerüstet.

 

In Zeiten von Smartphones mit deutlich über 5 Zoll Displaydiagonale, ist das Sony Device mit eben genau 5 Zoll eine durchaus willkommene Abwechslung. Allerdings beträgt die Auflösung hier „nur“ 1920 x 1080 Pixel, was deutlich unter der Konkurrenz von Samsung, HTC und LG liegt. Nur das Huawei P9 und P9 Plus messen sich hier mit Sonys Xperia-Smartphone. Dennoch ist die Pixeldichte dank der geringeren Diagonale mit 441 ppi sehr hoch, was zu einer knackscharfen Anzeige ohne grosse Kompromisse führt. Die Darstellung an sich wirkt allerdings gegenüber anderen Modellen etwas sehr kühl, ein Umstand, der aber schnell per Einstellung erledigt werden kann. Wer das Display etwas wärmer einstellt, nimmt aber auch ein paar Abzüge in der Helligkeit in Kauf. Ist aber eher weniger tragisch.

 

Die Auflösung bringt uns aber zu einem Thema, dass mittlerweile öfter angesprochen wird und werden muss: Virtual Reality ist hier der Knackpunkt und mit 1080p gewinnt man nur bedingt Blumentöpfe. Hier misst sich das Xperia X Performance eher mit dem Huawei P9, welche beide mit 1920 x 1080 Pixel auflösen. Modelle wie das Galaxy S7 oder Galaxy S7 edge, LG G5 oder HTC 10 sind hier deutlich Vorteil. Nicht nur wegen der leicht grösseren Bildschirme, sondern eben wegen der Auflösung für Virtual Reality. Wer damit absolut nichts am Hut haben sollte und das sind wohl derzeit (noch?) die Meisten, können den Punkt aber gerne überlesen. Das Display macht ansonsten nichts wirklich falsch.

Ein wirklich hervorragendes FullHD-Display und dank 5 Zoll sogar knackscharf.

Schlanke Software, aber mit nicht deinstallierbarer Bloatware gewürzt

Sony macht es im Endeffekt richtig, wenn es um die Benutzeroberfläche vom Xperia X Performance geht. Der App-Drawer ist sehr schlank ausgefallen, ist seitlich scrollbar und eine kleine Suchleiste ist oben darüber zu finden. Auch der Homescreen wirkt extrem aufgeräumt und schlank. Zwar dürft ihr das Design per Themes ändern, doch ändert das nichts an der gesunden Schlankheit der UI. Das tut auch der Performance gut, da überflüssige Effekte fehlen oder man sich nicht mit nervtötendem Widget-Überfluss herumschlagen muss.

 

Auf der anderen Seite begeht Sony aber einen nicht ganz nachvollziehbaren Fehler: Bloatware, welche sich nicht einmal deinstallieren lässt, sondern nur deaktiviert werden kann. Sie ist zwar dann augenscheinlich vom System verschwunden, installiert bleibt sie aber dennoch. Darunter finden wir einen AVG Virenscanner, die PlayStation App, Facebook, Sky Go, Amazon, Spotify und noch ein paar andere. All diese Apps lassen sich nur deaktivieren. Auf dem System bleiben sie weiterhin und schlummern vor sich hin. Warum das so sein muss, verstehen wir an dieser Stelle nicht und man muss den Speicher doch nicht unnötig damit belasten, wenn man diese Programme nicht auf dem System haben will oder benötigt werden. Eine Entscheidung, die wir wiederum nicht nachvollziehen können.

Die Kamera: Sind 23 Megapixel jetzt besser als alle 12er?

Gute Frage! Denn während HTC, Apple, Samsung, LG und Huawei allesamt auf 12 MP-Knipser umgestiegen sind und alle durch die Bank weg beeindruckende Kameras vorweisen können, läuft Sony mit seinen enormen 23 Megapixel in eine ganz andere Richtung. Dass Sony allerdings Kameras kann, dass weiss man schon lange und so verhält es sich auch mit dem Modell im Xperia X Performance. Schlecht ist diese nämlich nicht, aber dennoch scheint es so, als wenn zum Aufschluss an die Konkurrenz doch noch etwas fehlt.

 

Die Kamera selbst greift dabei auf einen 1/2.3 Zoll grossen Sensor zurück und hat eine f/2.0 Blende spendiert bekommen. Die Pixel kommen auf eine Grösse von 1.12 µ pro Pixel, was gegenüber der Konkurrenz dann doch etwas weniger ist. Ein kleiner Pluspunkt gilt allerdings dem dedizierten Kameraknopf, der in halbgedrückter Position den Fokus scharf stellt. Ein tolles Gimmick, dass die meisten Hersteller nicht verbauen. Ob das allerdings nun ein Must-Have sein soll, sollte man für sich selbst entscheiden. Ein Nice-To-Have ist es allerdings hingegen schon.

 

Die Bildqualität ist wirklich sehr gut und dank der 23 MP auch deutlich detailreicher wie bei der Konkurrenz. Angenehm scharf sind die Bilder ebenfalls, ein toller Kontrast mit sehr guten Farbwerten und ein sehr schneller Autofokus runden das Gesamtpaket ab. Allerdings hat man das Gefühl, dass es zum Rand hin dann doch etwas undeutlicher wird, sobald weisse Flächen das Bild dominieren. Erkennbar ist das in etwa bei dem Bild mit den beiden Skulpturen, unten links in der Ecke. Generell sind die Bilder allerdings recht passabel, auch wenn sie der Konkurrenz im allgemeinen nicht komplett das Wasser reichen kann. Das Samsung Galaxy S7 oder auch das Huawei P9 machen trotz „nur“ 12 MP bessere Fotos. Wir hatten übrigens während des Tests das seltsame Gefühl, dass sich dieses Problem mit der Unschärfe bei helleren Stellen bei der Verwendung des Fokus durch den dedizierten Kameraknopf noch einmal verstärkt. Haben wir per Fingertipp auf dem Display manuell fokussiert, trat dieses Phänomen gefühlt nicht so oft auf.

 

Dennoch muss man der enormen MP-Zahl doch irgendwo Tribut zollen. Das Rauschverhalten der Kamera ist nicht in allen Fällen optimal. Hat man einen weiten blauen Himmel vor sich, so sieht man doch schon einige Rauscheffekte auftauchen. Während diese auf den ersten Blick nicht sofort auffallen, nimmt das Rauschen beim hereinzoomen und bei genauer Betrachtung dann doch deutlich zu. Auch die Details scheinen dann ein wenig zu „vermatschen“, was für eine so hohe Pixelzahl dann doch ungewöhnlich scheint. Ob Sonys Nachbearbeitung der Bilder eine grosse Mitschuld daran trägt? Bei ausreichend Licht sind die Bilder allerdings allesamt wirklich gut. Ein echter Lowlight-Knipser ist das Xpera X Performance allerdings nicht und so nimmt das Rauschen auch bei 100 Prozent der Betrachtung der Bildfläche deutlich zu.

 

Auch Videos sehen eigentlich ganz passabel aus. Allerdings limitiert Sony die Fähigkeiten seiner Kamera im Videobereich enorm. Lediglich 1080p Videos mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde sind möglich. 4K-Aufnahmen wurden leider ersatzlos gestrichen. Eine Entscheidung, die wir an dieser Stelle absolut nicht nachvollziehen können, da alle Hersteller selbst mit ihren 12 MP Sensoren gute bis sehr gute Ergebnisse in beiden Kategorien erzielen. Selbst die ehemalige und nun eingestampfte Z-Serie von Sony war in der Lage, tolle 4K-Aufnahmen zu produzieren.

Akkulaufzeit hält nicht mit der Konkurrenz mit

Hier ist es durchaus schwierig anzusetzen. Einen ganzen Tag bei normaler Nutzung schafft das Xperia X Performance durchaus, sofern man es nicht mit dem ein oder anderen Spiel über die Zeit gesehen überbeansprucht. Auch wenn der Tag dann recht knapp wird, aber möglich ist er zu jederzeit. Ein zweiter Tag ist allerdings in keinster Weise mehr möglich, was deutlich unter dem Schnitt liegt, den wir mit den aktuellen Topgeräten zu verzeichnen haben.

 

Ein gutes Beispiel hier ist Pokémon GO, welches sich hervorragend als Akkutest eignet und nahezu alles strapaziert, was man in einem Smartphone strapazieren kann. Während das HTC 10 nach gut 20 Minuten herumlaufen rund 10 Prozent Akku verlor, hat das Xperia X Performance nahezu 30 Prozent vom Energiespender ausgesaugt. Auch im Videotest kamen wir beim Dauerstreaming gerade einmal auf gut 6 Stunden, während iPhone 6s Plus weit über 9 Stunden und das Galaxy S7 edge sogar mehr als 11 Stunden knackte.

 

Das liegt vor allem daran, dass der Akku mit 2’700 mAh vergleichsweise klein und noch einmal kleiner als beim Xperia Z5 ausfällt. Was das Smartphone allerdings alles im Hintergrund macht, um so enorm am Akku zu ziehen, ist uns jedenfalls nicht begreiflich geworden. Davon einmal abgesehen besitzt die Konkurrenz alle durchweg grössere Akkus. Nur das iPhone 6s Plus hat mit 2’720 mAh ein ähnliches Niveau, doch ist iOS 9 gegenüber die veränderte Android-Version von Sony anscheinend deutlich energieeffizienter.

Fazit: Eigentlich nicht schlecht, nur zu spät und viel zu teuer!

Fast in jedem Absatz findet man irgendwo ein aber, aber das Xperia X Performance von Sony ist definitiv nicht schlecht – nein, das auf keinen Fall! Es hat eine ausserordentlich, dem Namen gerechte, gute Performance, ein tolles 1080p Display und eine ordentliche Kamera, wenn auch mit ein paar Schwächen. In keinen der Disziplinen allerdings schafft es Sony, sich abzusetzen oder etwas einzigartiges zu bringen. Im Falle der Akkulaufzeit hinkt man der grossen Konkurrenz sogar deutlich hinterher. 

 

Andere haben einfach eine höhere Displayauflösung, bessere Kameras, den selben Prozessor mit identischer Leistung oder ein Konkurrenzgerät ist ebenfalls vor Wasser und Staub geschützt. Sony hebt sich im Fall des Xperia X Performance nicht wirklich von den Mitbewerbsprodukten ab, auch wenn das Device selbst eine solide Leistung abliefert. Es kann nirgends absolut hervorstechen.

 

Zwei Bestmarken stellt Sony allerdings dennoch auf und bei diesen sind wir uns nicht sicher, ob die dem Xperia X Performance wirklich zuträglich sind: Zum einem kam das Device in Österreich und Deutschland erst diesen Monat auf den Markt, während der gesamte Grossteil der Konkurrenz bereits spätestens im April platziert war. Zum anderen verlangt Sony 700 Euro UVP für das Smartphone, was in Anbetracht der gebotenen Leistung zur deutlich günstigeren Top-Konkurrenz einfach ebenfalls deutlich zu viel ist. Dass das Xperia X Performance erst jetzt im Juli in der DACH-Region erschien, darf hier kein Grund sein. Zumal das Gerät bei uns in der Schweiz immer noch nicht verfügbar ist. Das rettet dann auch kein dedizierter Kameraknopf mehr.

 

Noch einmal: Das Xperia X Performance ist kein schlechtes Smartphone, das nun wirklich nicht, allerdings brechen die sehr späte Veröffentlichung und der abnorm hohe Preis dem Gerät in der DACH-Region das Genick. Zudem wird der Nachfolger mit dem Codenamen Xperia F8331 bereits auf der IFA 2016 im September erwartet, was wohl ebenfalls viele erst einmal zum Abwarten bewegen wird.

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