Do. 23. November 2017 um 14:34

iPhone X: Bei Foxconn verrichten Jugendliche illegale Überstunden in der Produktion

von Marcel Laser0 Kommentare

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass solche Vorwürfe laut werden und im Prinzip betrifft es nicht nur Apple. Die Financial Times hat mehrere Schüler_innen interviewen können, die für Apple und andere Hersteller viele illegale Überstunden machen müssen. Sie wurden sogar dazu gezwungen. Das iPhone X steht nun besonders im Fokus, da der Grossteil der Foxconn Produktion ab August auf neue iPhone Geräte ausgelegt ist, um genug für das Weihnachtsgeschäft bereitstellen zu können.

Jugendliche zwischen 17 und 19 Jahren wird bei Verweigerung der Abschluss verwehrt

Dabei gab es ähnliche Vorwürfe schon in den Jahren 2010 und 2013, wo Apple und vor allem auch speziell Foxconn vorgeworfen wurde, dass die Fabrik Jugendliche aus Berufsschulen abziehen würde, um die Produktionskapazitäten drastisch zu erhöhen. Normal kommt Foxconn hier pro Werk auf rund 100’000 Einsatzkräfte, aber mit der eingeleiteten Massnahme des Werks auf über 300’000 Kräfte. Natürlich sind nicht alle 200’000 zusätzlichen Helfer Kinder oder Jugendliche, aber rund 3’000 sollen aus dem zentralchinesischen Zhengzhou kommen. Sollten sich die angehenden Auszubildenden weigern, die Arbeit zu verrichten, wird ihnen der Abschluss verweigert.

 

Die Berufsschule aus Zhengzhou stand gegenüber der Financial Times nicht für eine Stellungnahme bereit. Apple wird in diesem speziellen Fall vorgeworfen, dass das Unternehmen von diesen Umständen wüsste, aber nichts dagegen tue. Foxconn hingegen sagt, dass es sich um eine normale Absprache zwischen Unternehmen und Berufsschule handelt und man würde auch das Praktika bezahlen. Die Schüler_innen sollen in einem dreimonatigen Praktika Berufserfahrung sammeln. Allerdings arbeiten hier teils Minderjährige weit über dem gesetzlich erlaubten Stundensatz von 40 Stunden die Woche. Teilweise schrauben diese mehr als 11 Stunden am Tag Kameras zusammen.

 

Das erzählte auch eine Schülerin in eine der Befragungen, die in ihrer Ausbildung auf der Berufsschule eine Lehre zur Zugbegleiterin macht. Ihr wurde damit gedroht den Abschluss nicht zu erhalten, wenn sie das Praktikum nicht annehmen würde, obwohl dieses mit ihrem eigentlichen gewünschten Beruf nichts zu tun hat. Stattdessen musste sie über 11 Stunden pro Tag 1’200 Kameras im iPhone X montieren. Sie selbst durfte sich das Unternehmen nicht aussuchen, wo sie ihr Praktikum hätte machen können, die Schule zwang ihre Schüler_innen einfach dazu.

 

Apple hingegen verweist derzeit auf die Stellungnahme von Foxconn und sagt ebenfalls, dass es sich um eine Absprache mit lokalen Behörden und den dort liegenden Berufsschulen handle. Die Jugendlichen wären laut Apple freiwillig dort und die Mehrarbeit würde auch bezahlt werden. Apple selbst will aber nun mit Foxconn einen Plan erstellen, um die illegale Mehrarbeit in den Griff zu bekommen. Dafür sei nun extra ein Spezialteam vor Ort, das mit dem Management des Werks die unerlaubten Überstunden ausmerzt.


Alltag in der Produktion von Foxconn. Teils wird deutlich über 10 Stunden lang die selbe Arbeit verrichtet. Auch Kinder sind betroffen. (Bild: Reuters)

Viele Unternehmen stecken mit drin: Von Microsoft bis Sony.

Allerdings betrifft das Problem nicht nur Apple, auch wenn diese zur Weihnachtszeit wohl den grössten Ansturm auf ihre Geräte aufweisen können. Sony, Microsoft, Samsung oder auch andere Elektronikhersteller lassen bei Foxconn ihre Geräte zusammenbauen. Grade zur Weihnachtszeit hin steigt der Bedarf an elektronischen Devices enorm, was auch dazu führt, dass ab August bei Foxconn bereits die Vorproduktion für viele Hersteller startet.

 

Zudem stellten viele Hersteller im dritten und vierten Quartal dieses Jahres weitere neue Spitzenmodelle vor: Das Mate 10 Pro, Nokia 8, Galaxy Note8, iPhone 8 und iPhone X und viele weitere. Das Pensum und die Nachfrage wächst zudem mit jedem Jahr enorm und die extreme Nachfrage nach dem iPhone X fällt hier nun besonders stark ins Gewicht.

 

 

Quelle: Spiegel via Financial Times

Bildquelle: Reuters

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