Di. 02. Juli 2019 um 11:51

Huawei Bann: Alles wieder gut, aber irgendwie auch nicht

von Marcel Laser0 Kommentare

Huawei verkam in den letzten Wochen zum Spielball eines Handelskrieges zwischen den USA und China. Donald Trump verhing schwerwiegende Sanktionen gegen den zweitgrössten Smartphone-Hersteller der Welt und es sah bisweilen sehr düster aus. Nun die plötzliche Kehrtwende, denn Huawei darf zukünftig wieder Hardware und Software aus den USA beziehen und das alles ohne weitere Sperren. Doch können nach dem Huawei Bann tatsächlich alle wieder zur Normalität zurückkehren?

Huawei Bann: Gefahr abgewendet, grössere Schäden bleiben bestehen

Die gute Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Internet: US-Präsident Donald Trump hebt die Sanktionen gegen den chinesischen Technologie-Giganten vollständig auf. Zuletzt durften Hersteller wie Intel, Broadcom, Qualcomm und auch Google durch den Huawei Bann den Konzern nicht mehr beliefern. So musste Huawei einige Produktionsketten teils drastisch herunterfahren, bat viele Developer für die eigene AppGallery um Hilfe und es war nicht klar ob überhaupt noch mit Android-Updates zu rechnen war. Ganz nebenbei arbeitete das Unternehmen an Ark OS, also an einem ganz eigenen Betriebssystem.

 

Viele Fragen kamen auf und eigentlich lagen nahezu alle Antworten weiterhin im Dunkeln: Bekommt man die neusten Updates noch? Bekommen ältere Geräte auch das neue Betriebssystem? Laufen die Apps auch auf Ark OS? Mittlerweile scheint durch das Zurückrudern Trumps für viele Fans wenigsten die meisten Fragen geklärt worden zu sein. Der Konzern kündigte bereits vor dem Huawei Bann an, dass man neue Geräte wie die Mate 20 Serie, die P20 Serie und auch die P30 Modelle mit dem neusten Android 10 Q Update zu versorgen würde.

 

Nun bleibt die Frage ob der chinesische Tech-Riese zur Normalität zurückkehren kann. Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr tiefe Narben hinterlassen. Huawei wird verstärkt an einer Fertigstellung von Ark OS arbeiten, um schnellstmöglich reagieren zu können, sollte Trump es sich einmal mehr anders überleben. Zwar gilt das Betriebssystem als “fertigentwickelt”, doch hinkt Ark OS immer noch in Sachen Apps und anderen Faktoren hinterher. Das wird auch Huawei so sehen. Mitte Mai wurde man mit dem Huawei Bann in China noch völlig aus dem Hinterhalt heraus überrascht. Das soll natürlich kein zweites Mal passieren.


Huawei Mate 20 Pro
Das Mate 20 Pro (Bild) hätte Android 10 Q laut Huawei noch erhalten. Nun gibt es erstmal keinen Grund mehr zur Sorge. Oder etwa doch?

Auf Druck von US-Konzernen knickt Donald Trump ein

Retter in der Not sind an dieser Stelle aber nicht Donald Trump und seine Regierung, die einen Rückzieher machten. Unternehmen wie Google, Qualcomm und Co. die Verluste in überdimensionalen Höhen hätten erwarten müssen, schlossen sich zusammen und übten Druck auf den US-Präsidenten aus. Nun hat er in einem persönlichen Gespräch mit Chinas Präsidenten Xi wohl eine Kehrtwende vollzogen. Man hebe die Sanktionen für Huawei komplett auf, solange die nationale Sicherheit nicht gefährdet wird.

 

Auch wenn es für Kunden ausserhalb der USA nicht so aussieht: Huawei ist einer der grössten Abnehmer für US-amerikanische Bauteile. Egal ob Prozessoren von Intel oder Qualcomm, die Betriebssysteme Windows oder Android und vieles mehr. Huawei hätte sich in den nächsten 12 Monaten oder gar länger neu Aufstellen und selbst finden müssen. In dieser Zeit wären massive Verluste in der Smartphone- und Notebook-Sparte des Unternehmens vorprogrammiert gewesen.

Nach dem Huawei Bann: Abhängigkeit von US-Konzernen reduzieren?

Was Huawei nun tun könnte und vielleicht auch sollte, ist die Abhängigkeit von den US-Unternehmen zu reduzieren. Ein zweites Handelskrieg-Desaster hätte in beide Richtungen schwere Folgen und zuletzt bekommt der kaufwillige Fan das auf übelste Weise zu spüren. Für Huawei gilt also einen Grossteil der Bedenken auszuräumen, was zukünftig nicht so einfach wird. Fans des Unternehmens haben seit dem Huawei Bann ebenfalls einen Knacks weg. Android ist schliesslich das Betriebssystem der Wahl.

 

Der Satz den Donald Trump schrieb, lässt tief blicken: Solange die nationale Sicherheit nicht gefährdet wird, darf Huawei also wieder nach Herzenslust amerikanische Produkte einkaufen. Im Prinzip lässt Trump hier eine Tür offen stehen, die er jederzeit wieder zuknallen kann, sobald ihm etwas nicht passt. Was zu den weiter oben angesprochenen Punkten der Unsicherheit führt. Nicht nur Huawei wird sich das genau anschauen müssen, auch die Kundinnen und Kunden, die trotz der augenscheinlichen Abwendung des Huawei Banns jederzeit darum fürchten müssen, dass das alles wieder von vorne anfängt.

 

Mit der Abwendung der Sanktionen gewinnt Huawei nun Zeit, einige dieser Aspekte in Betracht zu ziehen und vielleicht sogar umzusetzen. Möglich wäre eine sanfte Einführung des Betriebssystems Ark OS und der damit einhergehende Gewinn von Entwicklerinnen und Entwicklern aus der Android-Sparte. Das gilt natürlich auch für die anderen Bereiche. So oder so: Der Schaden ist angerichtet, es bleiben tiefe Narben zurück, die so schnell nicht mehr vollständig verheilen. Zumindest solange Donald Trump in der Branche wie ein Elefant im Porzellanladen herumläuft, wird es schwierig, diesen Nebel der Unsicherheit völlig aufzulösen.

 

 

Quelle: Donald Trump, CNN

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