Di. 03. Juli 2018 um 12:01

GMail lässt Zugriff auf Millionen privater E-Mails zu

von Marcel Laser2 Kommentare

Erinnert sich noch jemand an das Auslesen von E-Mails durch Google im eigenen GMail-Client? Es sollte eigentlich dazu dienen, die Werbung stärker zu personalisieren. Aber da dieses Vorgehen allgemein für viel Unmut sorgte, lenkte Google erst einmal ein und stellte diese Art des Auslesens erst einmal ein. Anscheinend aber nicht konsequent genug, denn viele App-Entwicklerinnen und -Entwickler haben weiterhin Zugriff und nutzen diesen sogar aus um private Mails direkt zu lesen. Allerdings grösstenteils mit Einwilligung der betroffenen Personen. Die Sache könnte aber einen Haken haben.

Developer sehen den Zugriff auf private Mails als üblichen Vorgang an

Die entwickelnden Personen, die sich für den Zugriff verantwortlich zeichnen, geben allerdings auch an, dass nichts ohne Einwilligung geschehen würde. Es bleibt aber fraglich, ob die Geschädigten tatsächlich wussten, worauf sie sich einlassen. Dass Google Metadaten aus Mails ausliest und daraus automatisiert versucht festzustellen, welche Werbung für uns geeignet ist, ist mittlerweile wahrlich kein Geheimnis mehr. Der Vorgang geschieht allerdings automatisiert und normalweise sollten Unternehmen keinen Zugriff auf den privaten Inhalt der Mails haben.

 

An dieser Stelle gestaltet es sich aber etwas anders. Bis zu zwei Millionen E-Mails sollen nicht nur automatisiert ausgelesen worden sein. Mehr als 8’000 davon sollen sogar gezielt von den App-Developers gelesen worden sein. Laut dem Wall Street Journal handelt es sich in den meisten Fällen um Personen, die sich für Preisvergleich-Newsletter, Reiseangebote oder andere E-Mail-basierte Services angemeldet haben. Allerdings sollen auch ganze Konversationen zu diesen Themen durchgegangen worden sein.

 

Interessant ist, dass in einer Stellungnahme die verantwortlichen Personen, den Zugriff als normal bezeichnen. So wäre es gang und gäbe solche Mails automatisiert zu scannen, aber auch das direkte Lesen sei nicht unüblich. Man wolle so die eigenen Algorithmen besser trainieren können, um für seine Kundinnen und Kunden die besten Ergebnisse zu liefern. 


Betroffene haben den Nutzungsbedinungen zugestimmt

Die Aussage geht aber auch noch einen entscheidenden Schritt weiter. So sollen die Betroffenen schliesslich den Nutzungsbedingungen zugestimmt haben, damit solche Verfahren auch ordnungsgemäss ausgeführt werden können. Es bleibt allerdings ein fader Beigeschmack zurück, da nicht klar ist, ob in den Nutzungsbedingungen neben dem eher unbedenklicherem automatisierten Auslesen, auch das gezielte Mitlesen von privaten Mails ausreichend benannt wurde.

 

So kann es durchaus sein, dass man beispielsweise einer “allgemeinen Datenverarbeitung zur Verbesserung des Service” zugestimmt hat, aber hinter solchen sehr undurchsichtigen Texten aber deutlich mehr stecken könnte, als viele Menschen vielleicht ahnen.

Google: “Wir lesen auch private Mails mit, fragen aber vorher um Erlaubnis”

Google will auf Nachfrage des Wall Street Journals aber nun die Entwicklerinnen und Entwickler prüfen, die sich einer solchen Methodik bedienen, um über GMail auch private Mails direkt mitlesen zu können. In wie weit der Suchmaschinen-Riese aber auch eingreifen wird, bleibt erst einmal abzuwarten.

 

In einem Statement gab man übrigens ebenfalls zu Protokoll, dass man private Mails mitlesen würde. Man nutzt dieses Vorgehen aber nur um Fehler im System auszumerzen, sofern diese eintreten sollten. Auch wenn sicherheitskritische Meldungen vorliegen würden, ist der Zugriff auf private Mails für Google wohl ein effektives arbeitstechnisches Mittel.

 

Der Konzern beteuert aber, dass in keinem dieser Fälle ungefragt ins Postfach seiner Kundinnen und Kunden nachgeschaut wird. Man frage die betroffenen Personen vor dem direkten Zugriff, ob man sich den Fall anschauen könne. Erst nach der Erlaubniserteilung würden die eigenen Developer Zugriff auf die Texte in den Mails erhalten.

 

 

Quelle: ComputerBase via Wall Street Journal

Das könnte Sie auch interessieren

2 Antworten zu “GMail lässt Zugriff auf Millionen privater E-Mails zu”

  1. lowblow sagt:

    Wir sind doch alle gegen Datenmissbrauch – laut Google und Konsorten – deshalb bearbeiten wir streng vertraulich sämtliche Daten an denen wir ran kommen um nur das System zu verbessern und dem Kunden die besseren Werbemittel unterzujubeln.

    Sicher lesen wir dann eben auch mal Liebes- Hass- und Geschäftsmails ganz durch, sonst könnten wir ja keine vernünftigen Angebote wie Masturbationsgeräte, Baseballschläger oder Insolvenzberater zur Verfügung stellen.

    Schließlich will der Kunde das ja so, er hat ja unseren 7.895.354 seitigen Nutzungsbedingungen zugestimmt.

    Wer stoppt diesen Wahnsinn endlich???? Wann werden die Netzaktivisten aktiv??? Die brauchen mal einen richtig kräftigen Shutstorm.

  2. lowblow sagt:

    Shitstorm!!

Schreibe einen Kommentar

Teilen