Mi. 25. September 2019 um 17:07

Mario Kart Tour: 30 Euro für 10 Lootboxen – ich glaube, ich spinne!

von Marcel Laser0 Kommentare

Super Mario Run wurde damals von Nintendo noch mit der Intention veröffentlicht, ein Spiel für Smartphones zu entwickeln, dass zeigt, dass hochqualitative Games für einen Festpreis möglich sind. Nintendo lieferte auch, denn der Titel ist bis heute ein richtig gutes Spiel! Allerdings gab es einen "Makel": Super Mario Run erzielte nicht die gewünschten Einnahmen. Mit Mario Kart Tour will Nintendo dieses "Problem" anscheinend endgültig beheben und zieht eines der grössten Franchise aus eigenem Hause durch den Dreck.

Nintendo schiesst mit Mario Kart Tour über das Ziel hinaus

Nintendo ist ja eigentlich als familienorientiertes Unternehmen bekannt. Hier werden Spiele entwickelt, mit denen die gesamte Familie Spass haben kann. Egal ob Spiele der Super Mario Reihe, Zelda oder eben  Super Mario Kart. Als man damals allerdings Fire Emblem Heroes in die App Stores brachte und mit Dragalia Lost ebenfalls ein Free-2-Play-Titel mit vielen Lootboxen veröffentlichte, wusste man irgendwie schon, wohin die Reise nun gehen soll.

 

Nicht zuletzt machten die Zahlen vieles deutlich: Fire Emblem Hero gehört zu den umsatzstärksten Apps von Nintendo. Dragalia Lost ist nicht einmal weltweit veröffentlicht und liegt knapp dahinter. Beide Titel bieten Lootboxen, beide Spiele finanzieren sich über In-App-Käufe. Dass Nintendo aber nun eines seiner grössten Franchise durch den Dreck ziehen muss, ist wirklich katastrophal. So verkommt das Wort Tour im Namen eher zu einer Shopping-Tour durch den In-App-Store des Spiels selbst. Was wiederum ein weiteres, grosses Problem birgt.

 

Mario Kart Tour ist ein Spiel, das nicht nur ausschliesslich von Erwachsenen gespielt wird. Mit dem Namen Mario Kart kamen und kommen vor allem Kinder auf den vielen Nintendo-Konsolen als eines der ersten Spiele in Berührung. Auch ich bin mit Nintendo, Super Mario Kart, Zelda und Super Mario Bros gross geworden. In der heutigen Zeit, wo die meisten Kinder und Jugendlichen aber auch ein Smartphone besitzen, bekommt man nun die andere Seite der Branche ziemlich unsanft ins Gesicht gedrückt.


Mario Kart Tour für Smartphones

Mario Kart Tour: 10 Lootboxen für 30 Euro, Glücksspiel für Kinder

Der grösste Aufreger im Netz zum Thema Mario Kart Tour, kurz MKT, sind die Lootboxen. Eine "Röhre" kostet 3.90 Euro bzw. SFr. und wer Geld sparen will, der kauft sich einfach zehn Lootboxen (Röhren) für 30 Euro bzw. SFr.. Allerdings sind die Gegenstände in den Boxen komplett zufällig. Man gibt also sein Geld in ein totales Glücksspiel in die Hände. Das dürfte vor allem Kinder freuen, die auf der Jagd nach dem nächstbesten Charakter sind, aber irgendwie nicht in den Lootboxen auftauchen will. Schon in der MKT Beta-Version wurden stimmen Laut, die das massiv kritisierten.

 

Natürlich ist das Phänomen nicht neu. Seit vielen Jahren treiben Spielehersteller mit dieser Technik ihr Unwesen bei nahezu allen Free-2-Play Spielen. Sogar auf Konsolen und dem PC machen Entwickler vor dieser Art der Monetarisierung nicht halt (FIFA, Destiny, Call of Duty etc). Muss man es Nintendo also vorwerfen nun ebenfalls eine weitere Gelddruckmaschine auf den Markt zu werfen? Eigentlich nicht, aber wenn man die Zielgruppe bedenkt, wird es kritisch.

 

Nintendo selbst versteht sich als Entertainment-Unternehmen für die ganze Familie. Videospiele sollen glücklich machen und alle Altersklassen unterhalten. Dass trotz der Millionen-Umsätze von Super Mario Run, das Projekt als gescheitert galt, war abzusehen. Schliesslich haben andere Spiele viel mehr Geld eingenommen. Doch dass nun auch eines der grössten Gaming-Franchise von Nintendo durch den Dreck gezogen wird, ist nur schwer zu verstehen.

Wird sich etwas ändern? Nein, wahrscheinlich nicht

Mit grossen und ambitionierten Titeln lässt sich bei weitem nicht mehr so viel Geld verdienen. Wenn man einmal bedenkt, was für Produktionskosten Spiele wie ein GTA5 verschlingen, ist es fast nur logisch, dass es für den Online-Modus In-Game-Käufe gibt. Mit Smartphone-Spielen ist es recht ähnlich. Oceanhorn 2 und andere Titel dieser Klasse spülen meist nicht genug oder gar zu wenig ein. Vielleicht auch ein Grund warum derart ambitionierte Titel nun hinter dem Abo-Modell von Apple Arcade versteckt bleiben und nicht in den App Store selbst zum Kauf angeboten werden.

 

Nintendo hatte mit Fire Emblem Heroes, Super Mario Run und Dragalia Lost gleich mehrere Experimente am Start und schaute sich die Ergebnisse genau an. Da sich hier im Umsatz die Free-2-Play Spiele deutlich durchsetzten, war der nächste Schritt des Konzerns abzusehen. Immerhin nimmt Nintendo seine Aussage: "Wir wollen uns mit Mobile Games ein drittes Standbein aufbauen" ziemlich ernst. Dass das aber nun in eine eher familienfeindliche Richtung geht, hätte selbst ich nicht gedacht. Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht auch einfach nur zur blauäugig geworden.

 

Vielleicht perlt aber die Kritik nicht komplett an dem japanischen Unternehmen ab. Immerhin hat man ja doch einen Ruf zu verlieren. Wir müssen einfach schauen was die Zukunft in dieser Form bringt. Ich freue mich tatsächlich derweil über Apple Arcade und die dort angebotenen Spiele, komplett ohne In-App-Käufe, ohne Online-Zwang und eben Titel wie Oceanhorn 2.

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