Mi. 06. Juni 2018 um 12:59

Facebook gibt persönliche Daten an Smartphonehersteller weiter – Neuer Datenskandal?

von Marcel Laser1 Kommentare

Cambridge Analytice war wohl einer der grössten Datenskandale unserer Geschichte. Die Datenanalysefirma hatte Zugriff auf hunderte von Millionen von persönlichen Daten auf Facebook und konnte diese auswerten. Allerdings wird es eventuell noch gruseliger, denn Facebook hat anscheinend auch mehr als über 60 Hersteller im Smartphone- und digitalen Bereich weitergegeben. Der Fall ist sogar noch drastischer.

Facebook bot für Hersteller eigens programmierte Schnittstelle zum Auslesen der Daten an

Mittlerweile scheint sich der Datenskandal Cambridge Analytica nur noch zu einer Randnotiz zu entwickeln, was diesen zwar nicht wesentlich weniger schwer erscheinen lässt, allerdings nun neue Informationen Facebook in das wohl bisher schlecht möglichste Licht rückt. Denn wie die New York Times nun berichtet, scheint man es nicht so genau mit der Datenweitergabe zu nehmen und das in einem recht drastischen Fall.

 

So sollen seit über 10 Jahren Schnittstellen von Facebook programmiert worden sein, die extra dazu dienten mehr als 60 Hersteller zu bedienen. Diese hatten explizit Zugriff auf diese für sie geschaffenen APIs und durften persönliche Daten abgreifen. Das alles geschah ohne das Wissen der Personen selbst, nur Facebook und die 60 Hersteller hatten davon Kenntnis. Bei den genannten Unternehmen handelt sich übrigens um Grössen wie HTC, Samsung, Apple, Microsoft, BlackBerry oder Amazon.

 

Der Deal wurde allerdings vor längerer Zeit geschlossen und zwar ab einem Punkt, wo Facebook-Apps auf den Geräten der Smartphones noch keinerlei Bewandtnisse hatte, weil es schlicht noch keine Facebook-Apps in dieser Form gab. Noch soll der Deal bestehen, aber ob weiterhin Daten aus den Profilen abgeschöpft werden ist unklar.


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Als der Vertrag über die Schnittstellen für die Hersteller geschlossen wurde, gab es noch keine Facebook-Apps.

Zugriff auf persönliche Daten und sogar die Daten von Freunden

Eklatant wird der Fall aber auch in Bezug auf die Menge der abgegriffenen Daten. Die Hersteller der Geräte sollen vollständigen Zugriff auf die Facebook-Profile gehabt haben. Zudem sollen auch die Freundeslisten der Profile ausgelesen werden können. Ein Test der New York Times, die sich das Verfahren genauer angeschaut haben, sollen jegliche Informationen abgeschöpft worden sein, sobald die Webseite von Facebook im Browser, nach einem erfolgreichen Login, aufgerufen wurde.

 

Selbst wenn die Person der Weitergabe der Daten und auch der Freundesliste nicht zugestimmt hat, hatte dies keinen Einfluss auf das Sammeln der Daten. Mittlerweile widerspricht Facebook dem Test der New York Times und gibt an, dass eine solche Art der Datenweitergabe ohne Zustimmung der Person nicht möglich sei, was aber im starken Kontrast zum eigentlich erfolgreichen Test der NYT steht.

 

Zu welchen Zwecken die Daten genutzt wurden oder wie viele Profile letztendlich betroffen sind bleibt völlig unklar. Auch in welchem Ausmass Daten gesammelt wurden, ist nicht ganz klar. Damit steckt aber nicht nur die Vertrauensbasis gegenüber Facebook in der Klemme, auch die Hersteller müssen sich nun in Zukunft unangenehme Fragen gefallen lassen.

 

 

Quelle: New York Times via Connect

vg-wort
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Eine Antwort zu “Facebook gibt persönliche Daten an Smartphonehersteller weiter – Neuer Datenskandal?”

  1. RuedKlein sagt:

    Ich benutze ausschließlich Fakeaccounts und keine App…und am Handy und PC mit VPN…

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