Do. 08. Juni 2017 um 20:19

Expertin für Sucht vergleicht Smartphones in Händen von Kindern mit Kokain

von Marcel Laser6 Kommentare

Mandy Saligari ist eine Top-Expertin auf ihrem Gebiet für Abhängigkeit und arbeitet in der Harley Street Clinic als leitende Direktorin. In einer Vorlesung vor Lehrkräften warnte sie eindringlich vor den Problemen, die mit Smartphones und Tablets für Kinder entstehen könnten. Viele der Kinder ab 13 Jahre halten das sogenannte “Sexting” sogar mittlerweile für normal.

Mandy Saligari: “Smartphones und Tablets wurden als Suchtproblem zu lange übersehen”

Sexting beschreibt das gegenseitige Nachrichtenschreiben über sexuelle Themen, meist zur gegenseitigen Erregung. Mandy Saligari beschreibt, dass viele ihrer Patienten im alter von 13 Jahren dieses Vorgehen bereits als völlig normal einstufen würden. Das Problem sei vor allem dieses, das viele der Mädchen glauben, es wäre normal Nacktbilder von sich selbst zu verschicken und es erst ab dem Zeitpunkt falsch finden, sobald Freunde oder Familie dies herausfinden würden. Die Ansichten bei vielen Patienten seien also ziemlich verdreht über den Umgang mit sich selbst und damit auch die Nutzung der damit Verbundenen Technik.

 

Sie sieht auch viele Probleme in Bezug auf die Balance zwischen der sogenannten Screen-Time (die Zeit vor dem Bildschirm) und ganz normalen Aktivitäten. Immerhin sagt Saligari das rund ein drittel der Kinder zwischen 12 und 15 Jahren zugeben würden, dass sie derweil keine gute Balance zwischen eben jenen Aktivitäten hätten.

 

Bereits vor längerer Zeit warnten viele führende Expertinnen und Experten vor derlei Problemen mit Smartphones und Tablets. Saligari geht in ihrer Vorlesung noch einen Schritt weiter und vergleicht das ganze mit Kokain. Wer seinem Kind ein Smartphone in die Hand drückt, würde ihm im Vergleich ein Gramm Kokain aushändigen. Solche Auswirkungen könnten unsere mobilen Wegbegleiter haben.

Auch Lehrkräfte in England sehen das Problem und wissen sogar davon

Dabei steigt vor allem die Zahl der Kinder, die pornographische Inhalte über ihre Smartphones abrufen würden, ohne das die Eltern davon wissen oder es aktiv verhindern würden/könnten. Oft fehle an dieser Stelle auch das technische Wissen oder es ist einfach nur eine gefährliche Unbeschwertheit die an den Tag gelegt würde, die solche Szenarien zulasse.

 

Aber nicht nur kleinere Kinder wären von einem Suchtproblem betroffen. Wie Mandy Saligari weiter ausführte wären bis zu zwei Drittel ihrer Patienten  zwischen 16 und 20 Jahre alt, die ihre Sucht dort in der Klinik behandeln lassen würden.

 

Auch Befragungen zu Lehrkräften in England ergab ein ähnliches Bild. Etwa zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie vom Austausch von sexuellen Inhalten ihrer Schüler_innen wüssten. Jedes sechste schulpflichtige Kind aus der Statistik kam sogar aus der Grundschule (Primary School).


 

 

Quelle: Independent (Englisch)

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6 Antworten zu “Expertin für Sucht vergleicht Smartphones in Händen von Kindern mit Kokain”

  1. yellowscorpion sagt:

    Ein Vergleich mit Kokain ist ja wohl mehr als daneben. Mich stört auch Ihre Ansicht, die Nutzung eines solchen Gerätes wäre keine „normale Aktivität“.
    frühere Generationen mussten schon mit dem technischen Fortschritt kämpfen, da gab’s auch Verluste. Tragisch ist es natürlich immer und ignorieren sollte man das nicht – Smartphones mit Kokain vergleichen aber auch nicht! Wenn mehr Aufklärung betrieben wird ist das immer besser als gleich das Ganze als Teufelszeug abzustempeln. Die „Sexuelle Revolution“ hat doch auch irgendwann geklappt. Ich bin positiv und glaube, dass unsere Nachkommen schon um einiges mehr Erfahrung haben im Umgang mit unseren digitalen Begleitern.

  2. schnuffy1de sagt:

    Hi
    Du hast recht. Der Vergleich zum kokain ist etwas komisch. Wobei es ja auch eher um den suchtfaktor geht. Und da ist das Handy mit Sicherheit ganz weit vorne. Nenne mir 5 jugendliche die es schaffen zwei Tage ohne Handy auszukommen. Ich glaube nicht das du es schaffst…
    Des weiteren gab es ja auch studien, die belegt haben das studierende in Klausuren besser abgeschnitten haben, wenn ihr Handy auf dem Tisch liegt (natürlich ohne Benutzung). Denn wenn es im Schrank eingeschlossen war, dachten diese zu viel ans Handy.

    Ich sage schon seit Jahren. Nenne mir eine Seuche der Menschheit: Handy / Smartphone….

    Es geht bei vielen nicht mehr ohne. Und daher ist der vergleich zur sucht schon nicht ganz am den haaren herbei gezogen

  3. yellowscorpion sagt:

    Stimmt schon, oberflächlich könnte man die Nutzung mit einer Sucht vergleichen. Ich glaube aber, dass solche Geräte einfach menschliche Bedürfnisse wie, Neugier, Gemeinschaft, Aufmerksamkeit usw. befriedigen. Wie wäre es ohne Smartphone/Tablet? Die Kinder würden sich andere Dinge suchen, Lego z.B. und draußen spielen (Ich gebe zu, das hört sich besser an) aber auch das kann exzessiv betrieben werden. Nur bietet ein Smartphone halt viel mehr Möglichkeiten und wird nie langweilig.
    Ein Fehler ist, die „digitale Welt“ und die „Realität“ immer getrennt voneinander zu betrachten.
    Es würden dann auch die Gefahren durch das Smartphone viel realer für manche Eltern, weil sie nun mal „Realität“ sind. Aber auch positive Einflüsse würden vielleicht besser erkannt.
    Vielleicht wird es mal Zeit für ein neues Schulfach für alle ab der Grundschule, besser schon im Kindergarten: Digitalkunde!!

  4. AnterDogan sagt:

    @schnuffy1de
    Nenne mir 5 jugendliche die es schaffen zwei Tage ohne Handy auszukommen. Ernsthaft?
    Es gibt auch Millionen von Erwachsenen, die keine zwei Tage ohne durchhalten würden.

  5. AnterDogan sagt:

    Ich kenne zwar nicht so viele Erwachsene, aber ich glaube, dass das ganz gut hinkommt… global gesehen.

  6. Anaya sagt:

    ich denke man sollte es sehr wohl mit einer Droge wie Kokain (bzw. dessen sucht) vergleichen nur das man bei hohem Konsum nicht gleich schnell stirbt – was das Problem auch nicht einfacher macht.

    es geht hier um eine Sucht und nicht um den vergleich von Drogen und Smartphone.

    Das grösste Problem ist wohl nicht das man ein Smartphone nutzt sondern, dass es oft ohne irgendwelchen gründen genutzt wird (viele schauen auch aufs Smartphone ohne das es Benachrichtigungen gibt, drücken in irgendwelchen Apps rum oder Scrollen ihr Facebook zum 25mal durch) speziell bei Kindern ist dies sehr gut zu beobachten.

    dabei geht wertvolle zeit verloren – die kinder z.b. sehr gut brauchen könnten um sich selbst zu entwickeln oder ihre Sozialen fähigkeiten zu stärken (z.b. mit anderen reden)

    mein senf…

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