Do. 30. November 2023 um 7:03

Apple führt unter dem Druck der EU RCS ein

von Yves Jeanrenaud 1 Kommentare
Lesedauer: 2 Minuten

Nach der Entscheidung von Apple, Rich Communication Services (RCS) anstelle von SMS- und MMS-Nachrichten einzuführen, stellt sich die Frage, wie diese zustande kam.

Ardit Ballhysa, Technologieanalyst bei GlobalData, einem der führenden Daten- und Analyseunternehmen, gibt eine Einschätzung ab:

“Tim Cooks Worte ‘Kauf deiner Mutter ein iPhone’ werden nicht länger in den Träumen der Fans purer Interoperabilität widerhallen. Um es klar zu sagen: iMessage wird eine exklusive Funktion für Apple-User bleiben und nicht auf andere Plattformen übertragen werden. Stattdessen wird RCS die Systeme für SMS und MMS auf iPhones nach Möglichkeit ersetzen und neben iMessage funktionieren.”

 

Das bedeutet, dass wir die unter Apples iOS auch in Zukunft die grünen und blauen Sprechblasen weiter sehen werden. Dies hat Cupertino bereits bestätigt. Die Beibehaltung der unterschiedlichen Sprechblasen ist eine einfache Methode, um sicherzustellen, dass Apple die wertgeschätzte Exklusivität rund um iMessage beibehält und iMessage als treibende Kraft hinter den starken iPhone-Verkäufen, insbesondere bei jüngeren Menschen in den USA, dienen kann.

Gleichzeitig ist auch wichtig, dass Apple das Standard Universal Profile (SUA) des GMSA Mobilfunkkonsortiums und nicht das proprietäre RCS-Profil von Google unterstützen wird. Ds hat unterschiedliche Konsequenzen. Die wahrscheinlichste Ursache dafür ist, dass Apple die Kontrolle nicht mehr als nötig an Google abtreten will. Die Zusammenarbeit mit der GSMA und ihren Mitgliedern gibt Apple mehr Kontrolle über die Richtung des Universalprofils, als wenn es mit Googles proprietärem Profil arbeiten würde. Zudem ist eine Kompatibilität mit Google Android Smartphones damit nicht a priori gegeben.


IMessage_logo_(Apple_Inc.)
Das bekannte iMessage-Logo. Bild: Apple

Doch warum steigt Apple jetzt in und ausgerechnet in GSMA RCS ein?

Es stimmt zwar, dass Google und Samsung öffentlich Kampagnen geführt und Unterstützung gesammelt haben, um Apple unter Druck zu setzen. Cupertino sollte endlich auch RCS anzubieten, aber das hat nicht dazu geführt, dass Apple einfach RCS unterstützt. Wer Apple zum Einlenken bewegt hat, ist die Europäische Union. Das wegweisende EU-Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA) hat sich bisher als die einflussreichste Regulierungsvorschrift der Geschichte erwiesen, um Big Tech-Unternehmen zu zügeln. Zuletzt hat sie Apple davon überzeugt, seinen proprietären Lightning-Ladeanschluss zugunsten des allgemein akzeptierten USB-C-Anschlusses aufzugeben. Es ist kein Zufall, dass Apple sich für die Unterstützung von RCS in einer Zeit entschieden hat, in der die EU prüft, ob iMessage unter die Kategorie der Gatekeeper-Dienste fallen könnte. Dies hätte dann auch entsprechende Auswirkungen für Apple.

 

Social Media WhatsApp Signal Threema
Andere Messaging-Dienste können nicht mit iMessage reden. Vielleicht nicht mehr lange? Bild: PocketPC.ch / Laser

Wenn iMessage als Gatekeeper-Dienst eingestuft würde, ist damit Apple gezwungen, den Dienst auch auf anderen Plattformen anzubieten. Damit würde auch Android und Windows eine iMessage App oder eine API für Drittanbieter bekommen müssen. Andernfalls droht eine Geldstrafe in Höhe von 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, was Apple selbstverständlich schmerzen würde. Angesichts dessen und angesichts der Bedeutung, die Apple iMessage als Schlüssel zum Ökosystem beimisst, hofft das Unternehmen aus Cupertino offensichtlich, dass seine Einführung von RCS die EU davon überzeugen wird, iMessage nicht als Gatekeeper-Dienst einzustufen.

 

Als Alternative könnte Apple höchstens seinen iMessage-Dienst, der 2011 eingeführt wurde, in der EU nicht mehr verfügbar machen. Aber das scheint wohl eher keine Option zu sein, gerade angesichts der Bedeutung von iMessage für die Einnahmen in Europa. Sowohl Unternehmen als auch Consumer werden mit Spannung abwarten, ob Apples jüngste Massnahmen ausreichen, um zu verhindern, dass iMessage seinen Weg auf andere Plattformen findet.

Soll die EU so weit über ihre Grenzen hinaus regulieren können?

Daraus könnte man die Frage stellen, ob der Einfluss der EU in Regulierungsfragen so weit über ihre eigenen Grenzen hinausgehen sollte. Ist Brüssel nicht schon zu einer Verbotsbehörde mutiert? Für internationale Unternehmen scheint die Antwort wohl eindeutig zu sein. Fünf der sechs Unternehmen, die in der DMA als Gatekeeper aufgeführt sind, sind US-Unternehmen: Alphabet, Amazon, Apple, Meta und Microsoft.

 

Der verbleibende Gatekeeper ist jedoch ByteDance, das chinesisches Unternehmen hinter TikTok. Die europäische Politik indes rechtfertigt geopolitischen Einfluss, indem sie betont, dass die DMA-Regulatorien letztendlich die Kundschaft schützt und die Technologie leichter zugänglich macht. Unternehmen wie Alphabet werden indes nicht müde, zu betonen, dass der Zweck die Mittel nicht heiligt und dass die EU-Regulierungsbehörde nicht andere Regulierungsbehörden mit ihren eigenen Gesetzen überstimmen sollte. Dass dies vor allem im Lichte eigener wirtschaftlicher Interessen geschieht, dürfte jedoch auch klar sein.

 

 

Quelle: GlobalData (Englisch), Apple Pressemitteilung

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Eine Antwort zu “Apple führt unter dem Druck der EU RCS ein”

  1. JuliaundJanBG sagt:

    Das wäre toll für unser Haus 😍😍

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