Do. 14. September 2017 um 13:18

Apple A11 Bionic auf Geekbench mit extrem hohen Werten aufgetaucht

von Marcel Laser4 Kommentare

Der zwei Jahre alte Apple A9 Prozessor nimmt es sogar teils heute noch mit den Highend-Prozessoren der Android-Riege auf, der aus dem letzten Jahr stammende Apple A10 scheint immer noch ungeschlagen zu sein. Nun ist es aber so, dass Apple mit dem A11 Bionic Chipsatz im iPhone X und iPhone 8 einen neuen SoC veröffentlicht hat und erste Testergebnisse auf Geekbench offenbaren ein absolutes Leistungsmonster.

Apple A11 Bionic Chipsatz der Konkurrenz deutlich voraus

Ein Leak aus China vor einigen Wochen rief einen Experten auf den Plan, der einen interessanten Satz bezüglich des neuen Apple Prozessors äusserte: “Ihr wisst alle rein gar nichts über Geschwindigkeit”. Wenn man bedenkt, dass der Apple A10 bereits zu hohen Leistungen fähig ist, so durfte man gespannt sein, was der neue A11 Chip zu bieten hat. Allerdings pulverisiert der neue Apple A11 Bionic gerade die Erwartungen einiger, die ihre iPhone Testgeräte durch die Benchmarks jagen. Vor allem die Werte in Geekbench 4 ragen hier besonders heraus..

 

So erreicht der neue Apple A11 Bionic Prozessor satte 4200 Punkte im Single-Core Benchmark und ist damit mehr als doppelt so schnell pro Kern als jeder bisher verfügbare ARM-SoC für Smartphones auf dem Markt. Extrem wird es allerdings bei der Mehrkernleistung, denn hier knackt das iPhone 8 erstmals in der Geschichte der Smartphones die 10’000-Punkte-Marke. Ein Snapdragon 835 erreicht gerade einmal fast 6’500 Punkte, genau wie Samsungs Highend-Flaggschiff Exynos 8895 mit immerhin über 6’500 Punkte. Apples Chipsatz ist also in nahezu allen Belangen entweder mehr als doppelt so schnell oder immerhin in einigen Bereichen fast doppelt so schnell.

 

Zusätzlich berücksichtigen muss man aber auch, in welchem Verhältnis die Prozessoren stehen. Während Highend-Android-SoCs meistens auf ein Achtkern-Cluster setzen, mit vier stärkeren CPUs und vier schwächeren Vertretern, so hat Apple lediglich “nur” sechs Kerne zur Verfügung, wovon (nur) zwei Stück für rechenintensive Aufgaben zur Verfügung stehen und vier für schwächere Berechnungen ausgelegt wurden. Anscheinend sind Apples schwache Kerne allerdings deutlich leistungsfähiger, als die stärkeren Varianten der Android-Chips. Anders lässt sich ein solch monströses Ergebnis jedenfalls (bisher) nicht erklären.

 

Zudem ist der Bionic Chipsatz eine nahezu vollständige Eigenentwicklung geworden. So baut Apple mittlerweile sogar seine eigenen GPUs und setzt diese in seinen Prozessoren ein. Imagination Technologies ist also nicht mehr der Lieferant für die Grafikleistung in den neuen Apple-SoCs. Auch hier soll die Leistung deutlich zugenommen haben. Wie stark ist aber bisher noch nicht bekannt, auch wenn Apple 30 Prozent Zuwachs angibt, so müssen erste Tests noch kommen. Damit stammt allerdings der grösste Anteil des kompletten Apple A11 erstmals aus eigener Hand. Bisher wurden über die Jahre hinweg lediglich die CPUs und einige Teilbereiche im hauseigenen Labor entwickelt.


Monströse Ergebnisse: Apple hat mit zwei zusätzlichen Kernen gegenüber dem Apple A10 die Multi-Core-Leistung nahezu verdoppelt.

Am Ende bleibt noch die Frage nach dem Sinn?

Somit ist der neue Apple A11 Bionic Prozessor der mit Abstand schnellste ARM-SoC auf dem Markt, doch stellt sich immer noch die Frage nach dem Sinn. Bereits der Apple A9 und Apple A10 werden nicht bis auf das Maximum, nicht einmal in Spielen, ausgereizt. Natürlich gibt es Menschen, die vielleicht Videos aufnehmen und diese direkt auf dem Smartphone auch umwandeln oder komprimieren möchten, um vielleicht ein Beispiel zu nennen. Dieses dürfte alles nun in einem Bruchteil der bisherigen Zeit funktionieren. Auch sehr aufwändige Bildbearbeitung ist damit ohne grosse Probleme möglich, aber auf einem Smartphone? Für ein iPad sicher der optimalere Weg.

 

Aber es ist kein gebräuchlicher Regelfall für die Massen. Ob der Chip mit einer solchen Leistung für die kommenden AR-Anwendungen nötig ist, bleibt erst einmal offen. Schliesslich wurden AR-Demos bereits im Juni mit einem iPhone 7 und einem iPad Pro demonstriert, die beide auf den Apple A10 aufbauen. Dass Apple am Ende Apps in seinen Store stellen wird, die nur auf den A11 Bionic ausgelegt sind und die Userbasis damit deutlich verkleinert, ist mehr als unwahrscheinlich. Zudem darf man gespannt sein, wie Spiele am Ende mit dem neuen SoC umgehen werden. Viele Studios haben bereits Apps auf diverse Prozessoren von Apple hin zusätzlich angepasst.

 

Auf der anderen Seite werden aber einige die neue Leistung sowieso gerne mitnehmen, frei nach dem Motto: “Wenn ich sie im Smartphone habe, dann hab ich sie halt”. Jedenfalls muss man sich an dieser Stelle keine Gedanken darum machen, dass das iPhone 8 oder iPhone X keinerlei Leistungsreserven mehr übrig hat.

 

 

Quelle: Geekbench via iFun

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4 Antworten zu “Apple A11 Bionic auf Geekbench mit extrem hohen Werten aufgetaucht”

  1. Hubschrauber1atz sagt:

    Ich halte das ja immer noch für unglaubwürdig. Wie sollen die bitte mit 2 Performancekernen und vier Energiesparkernen auf über 10K Zähler kommen? Ich wette dass irgendwann der Leak kommt: “Apple betrügt bei Benchmarkergebnissen” oder so ähnlich. Irgendwo sind die Chips auch physikalisch limitiert. Am Ende geht also alles über Takt und die Anzahl der Kerne. Zumindest ist es derzeit im Desktopbereich so. Leicht über dem Multicore-Ergebnis einer Snapdragon 835, ok, könnte man noch irgendwie hinnehmen. Aber ein Sprung von über 50%, ich bitte euch. Zaubern können die in Cupertino auch nicht. Nennt mich Aluhutträger, aber das ist echt zu offensichtlich (in meinen Augen).

  2. Bunsenbrenner sagt:

    – Zum Thema: Ich zitiere Bill Gates: “Mehr als 640 Kilobyte Speicher braucht kein Mensch”. Das war eine der grössten Fehlprognosen aller Zeiten 😉

    – Realistisch sind die Ergebnisse allemal. Der Apple A10 hat vier Kerne und kam schon auf 5000 Punkte. Es kommt also drauf an wie viele Operationen die Kerne pro Takt ausführen können. Um so mehr Befehle ein Prozessor pro Takt verarbeiten kann, um so schneller ist er. Das erklärt die extreme Leistung für jeden CPU Kern der Apple Chips. Angeblich soll der neue Apple A11 aber nicht auf die alte Architektur aufbauen, sondern völlig neu Entwickelt worden sein. Die Apple A10 Architektur war jetzt auch schon drei Jahre alt. Wenn sie es geschafft haben die Operationen pro Takt noch einmal deutlich zu erhöhen, dann sehe ich das als realistisch an. Und auf der anderen Seite muss man sich fragen: Wer von uns weiss denn bitteschön wo wirklich die physikalischen Grenzen liegen? Entwickeln wir Prozessoren mit mehreren Milliarden Transistoren? Irgendeinen Durchbruch gibt es ja immer irgendwo. Die Zeit bleibt halt nicht stehen 🙂

  3. Hubschrauber1atz sagt:

    Jop, legen wir zwei Kernchen drauf und verdoppeln die Punktzahl. So funktioniert das.

    “Wer von uns weiss denn bitteschön wo wirklich die physikalischen Grenzen liegen? Entwickeln wir Prozessoren mit mehreren Milliarden Transistoren? Irgendeinen Durchbruch gibt es ja immer irgendwo. Die Zeit bleibt halt nicht stehen 🙂”

    Da gibt es einige Artikel die das Gegenteil behaupten. Gerade in der Prozessortechnik sinkt die Kurve für den Leistungszuwachs immer weiter. Mittlerweile sind die Fertigungsstrukturen so klein, da Wafer fast schon nicht mehr rentabel belichtet werden können. Da ist dann grob gesagt auf 100 Chips ein funktionierender dabei. Wenn Apple da also keine bahnbrechende, neue Fertigungstechnik entdeckt hat, sind wir da definitiv fast am derzeitig machbaren angekommen. Schätze mal das Ding wird in 10nm gefertigt bei TSMC oder so. Die Konkurrenz ist ja nicht blöd und holt auch einiges aus den technischen Möglichkeiten raus. 10000+ Punkte, nicht mit mir. Das können die ihrem Friseurerzählen. Solche Benchmark-Optimierungen gab es nicht selten in der Chip-Branche.

  4. Bunsenbrenner sagt:

    Optimierungen gibt es immer, da gebe ich dir Recht. Aber im technischen Sinne muss man das ein wenig überdenken. ARM-SoCs sind ihrer Entwicklung noch bei weitem nicht so lange auf dem Markt wie Desktop-CPUs. Wir reden hier von RISC vs. CISC. Das ist kein Intel Core i7 in der 9. Generation mit der selben Architektur. Daher würde ich dir bei den Kernen ja Recht geben wenn es sich um die selbe oder eine verbesserte Architektur handelt. Stimmen aber die Angaben, dass Apple eine völlig neue Architektur entwickelt hat, dann kann schon einmal die Leistung drastisch gesteigert werden. Um solche Werte zu erreichen brauchst du in erster Linie Leistung, er Welt hat sich ja verdoppelt und das wäre mit reiner Softwarespielerei nicht möglich. Den Prozessor zu 90% auf Geekbench zu optimieren würde keinen Sinn machen, weil man dann ja beim eigenen System enorme Leistungseinbussen hätte, wenn die CPU nur die Strings des Benchmarks optimal nutzen könnte, aber mit dem eigenen System Probleme hätte.

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