Sa. 29. Juni 2019 um 15:31

Alphonso: Smartphone-Apps hören uns legal für Werbung ab

von Marcel Laser0 Kommentare

Viele Menschen mit Smartphones, Smart-Speakern oder ähnlichen intelligenten Geräten, haben es bestimmt schon einmal selbst erlebt. Man unterhält sich über ziemlich belanglose Dinge und auf einmal erhalten wir Werbung, die genau zu diesem Thema passt. Eine Software, die genau solche Situationen steuert, heisst Alphonso und kommt vor allem in Apps von Android-Smartphones zum Einsatz. Über eine ähnliche Situation berichteten wir bereits vor einiger Zeit. In einem Interview mit “Brand Eins” reden nun Sicherheitsexperten der Universität Braunschweig über das Thema.

Lauschangriffe durch Alphonso sind bisher vollkommen legal

Ich kann sogar von Geschichten aus eigener Erfahrung berichten. So unterhielt ich mich mit meinem Bruder nur rein zufällig über die Aufzucht von Hühnern, weil ein Freund aus seiner Schulklasse wohl selbst Hühner im eigenen Harten hält. Zwei Tage später erhielt ich von Amazon eine Werbe-Mail, die laut des Unternehmens auf “den bisher gesuchten Artikeln und Interessen” von mir basiere. Mir wurden unterschiedliche Sorten Hühnerfutter angeboten, obwohl ich noch niemals in meinem Leben etwas derartiges gekauft oder gesucht habe. Kurios, aber mittlerweile wohl Alltag.

 

Der Blog “Brand Eins” hat die beiden Sicherheitsforscher Daniel Arp und Max Boll vom Institut für Systemsicherheit an der Technischen Universität Braunschweig interviewt. Diese haben sich nun eine Zeit lang mit der Alphonso-Software beschäftigt. Diese sei vor allem in Spiele-Apps zu finden und schneide Tonaufnahmen für Analysen mit. Viele Spielerinnen in Spieler zocken meist wenn andere Personen in der Nähe sind oder gar der Fernseher läuft. Anhand dieser Daten können personalisierte Werbeeinblendungen in den Games ausgespielt werden.

 

Laut Arp könne man im Play Store einfach nach “Alphonso Automated” suchen und es werden einem die Apps angezeigt, die den Dienst nutzen. Zwar schneide die App nicht dauerhaft mit, doch werden zum Start die ersten 15-20 Sekunden aufgenommen. Danach alle 15 Minuten weitere 15 Sekunden, so Max Boll. Das hat vor allem den Grund, dass die Apps sonst zu viel Akkuleistung in Anspruch nehmen würden. Das könnte schnell zur Deinstallation führen.


Apps nutzen die Mikrofone von Smartphones für das personalisieren von Werbung.

Spezieller Fingerabdruck sorgt für Abgleich der Daten

Alphonso erstellt von den Mittschnitten einen einzigartigen “Fingerabdruck”, der dann auf einem Server des Unternehmens mit unzähligen anderen Fingerabdrücken verglichen wird. Daraus resultierend weiss die Software, welche Werbung ausgespielt werden muss. Laut Arp sei die Technik vergleichbar mit der Musik-Erkennungssoftware Shazam, allerdings habe man hier nicht selbst die Kontrolle über das Mikrofon.

Das Abhören mit Alphonso sei noch völlig legal

Wie der Forscher Max Boll zudem sagt, sei die Technik nach bisherigem Kenntnisstand legal: “Alphonso kann zwar personalisierte Werbung ausspielen, weiss aber nicht, was man sonst auf dem Smartphone macht”. Zudem könne die Software Benutzerprofile erstellen, in denen festgehalten wird, welche Sendungen man sieht oder welche Werbeeinblendungen konsumiert werden.

 

Schützen kann man sich in erster Linie nur selbst vor solchen Lauschangriffen, wenn man sich Gedanken um die Berechtigungen macht. Viele Nutzer geben einfach zu nachlässig Berechtigungen frei. Man solle sich also Gedanken machen, ob Apps Zugriff auf Mikrofon, Kamera oder Kontakte brauchen, um zu funktionieren. Wenn kein erkennbarer Grund und Logik vorhanden sei, solle man dieses hinterfragen und die Programme erst gar nicht installieren.

 

Das vollständige Interview mit den beiden Sicherheitsexperten MaxBoll und Daniel Arp findet ihr auf der Webseite von Brand Eins.

 

 

Quelle: Brand Eins

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