Do. 28. Dezember 2017 um 7:33

Review: Apple Watch Series 3 Cellular im Test

von Barbara Walter-Jeanrenaud3 Kommentare

Eine Uhr mit Mehrwert. Im Jahr 2017 bedeutet dies nicht nur, dass der Zeitmesser gleichzeitig auch noch Schritte zählt, Nachrichten anzeigt und die Einkaufsliste erstellen lässt. Nein, heute bedeutet dies, dass sie so gut wie autark funktioniert. Dass sie das Smartphone peu à peu ersetzen kann und es nicht einmal mehr in der Nähe sein muss, um Anrufe zu tätigen und per Messenger oder SMS zu kommunizieren. Das komplette mobile Leben am Handgelenk? Apple geht mit der Apple Watch Series 3 Cellular diesen grossen Schritt mit. Seit Anfang Dezember ist die Smartwatch mit dem Apfel auch in der Schweiz voll nutzbar und wir haben sie natürlich ausgiebig getestet. Die grosse Frage hierbei war: Kann man dank ihr wirklich das iPhone daheim lassen und sich bei voller Erreichbarkeit und vollem Komfort draussen herumtreiben? Nun, wir werden sehen.

Design

Die Apple Watch Series 3 Cellular ist die mit dem roten Knopf. Wer das Design sämtlicher Vorgänger kennt, ist mit dieser Beschreibung des Äusseren der Uhr zufrieden: Apple setzt hier auf Altbewährtes. Der Wiedererkennungswert ist auf jeden Fall gegeben. Einzig und allein die in rot gehaltene Digital Crown unterscheidet das gute Stück von den bisherigen Uhren und der nicht-LTE-Variante.

Die eckige Uhr verfügt über abgerundete Ecken und Kanten sowie zwei Knöpfe: Einer ist die schon genannte Digital Crown, mit der sich die Uhr in all ihren Facetten bedienen lässt. Man kann Apps anwählen, scrollen und klicken. Der zweite Button ist flach oval direkt unterhalb der Digital Crown angebracht und kann unter anderem lang gedrückt den Notruf auslösen, was sehr nützlich sein kann.

Ansonsten gibt es zusammen mit dem Start der neuen Apple-Watch Modelle eine grosse Bandbreite an neuen Armbändern, die selbstverständlich auch an die älteren Uhren passen. In diesem Herbst waren vor allem die neuen Klett-Sport-Armbänder aus Nylon ein Hingucker.

 


Apple Watch Series 3 Cellular (4)
Lieferumfang der Apple Watch Series 3 Cellular: Netzteil, Armband, Ladedock. (Bild: PocketPC.ch / Jeanrenaud)

Inbetriebnahme – Abo ist nötig

Um die Apple Watch Series 3 Cellular in all ihren Facetten nutzen zu können, ist ein Abo bei der Swisscom oder Sunrise nötig. Dieses muss die Multi Device-Option beinhalten: Bei der Swisscom heisst dies inOne, bei Sunrise extra SIM watch. Beides kostet bei einem bestehenden Abo einen Aufpreis von 5-15 SFr. (Swisscom) oder 9 SFr. (Sunrise). Die ersten Monate kostet die Option allerdings derzeit nichts, beide Anbieter haben hierzu besondere Aktionsangebote im Sortiment.

Ist ein entsprechendes Abo abgeschlossen, müssen iPhone und Apple Watch auf den neuesten Stand gebracht werden. Das neueste Version des Apple-Betriebssystems lautet für das iPhone iOS 11.2, für die Uhr watchOS 4.2. Ist dies erledigt, kann es losgehen!

Bedienung der Apple Watch Series 3 Cellular

Nach Einrichtung der Uhr, dies beinhaltet Synchronisation, Einstellung der Fitness-Parameter etc., kann es losgehen. Als erstes musste natürlich die autonome Telefoniefunktion getestet werden. Hierzu verliessen wir die Redaktion – ohne iPhone – und tätigten in coolster Michael Knight-Manier einen Anruf. Dies funktionierte einwandfrei und ja, man fühlt sich dabei unglaublich cool. Zumindest als Kind der 1980er Jahre ist dies die Erfüllung einer langehegten Zukunftsvision, die nun endlich auch für Apple-Nutzer_innen Wirklichkeit ist! Zugegeben, auch mit den Vorgängermodellen und den Smartwatches anderer Hersteller (allen voran Samsung mit der Gear S-Serie) ist es möglich, sich dieses “Feeling” zu holen, die Apple Watch ist allerdings die einzige, die Menschen mit iPhones alle Möglichkeiten bietet.

 

Nach dem Test der Telefonie schrieben wir der Vollständigkeit halber noch ein paar iMessages, die natürlich auch ankamen. Nun waren aber die eigentlichen Kernaufgaben einer autonom funktionierenden Smartwatch dran.
Im Ausgang-Test kamen wir auf gute vier Stunden Nutzungszeit. Dazu trugen wir die Apple Watch mitsamt den AirPods spazieren und genossen die Zeit in der Beiz ohne das iPhone auf dem Tisch. Ob man sich nun selbst als Smombie sieht oder nicht: Es ist schon ein seltsames Gefühl. Natürlich bekommt man dennoch alle Nachrichten direkt ans Handgelenk gesendet. Hierbei fiel auf, dass dies wesentlich weniger der Fall ist, als man mit dem Smartphone vermutet. Das Display des iPhones schaltet man viel häufiger (vergeblich) an, um zu schauen, ob man eine Nachricht verpasst hat, als dass man auf das Vibrieren der Uhr reagiert.

Am Ende der Nacht konnte trotz schon recht schwachen Akkus problemlos ein Taxi gerufen werden. Dies erledigte Siri per Sprachsteuerung für uns.

Siri, Musik-Streaming, Fitness und Co.: Was ist neu?

Siri funktioniert auf der neuen Apple Watch Series 3 um einiges schneller und zuverlässiger als zuvor. Ausserdem antwortet sie nun laut und deutlich, was gerade auf dem kleinen Display eine erwähnenswerte Neuerung ist. Bisher wurden Siris Antworten nämlich nur zum Nachlesen angezeigt, was je nach Situation doch sehr nervig war.

Eine besonders schöne Sache ist die, dass es nun endlich möglich ist, Apple Music über die Uhr zu streamen. In Zusammenarbeit mit einem Bluetooth-Headset (im Test die Apple AirPods) funktioniert dies hervorragend. Dies macht das Smartphone auch beim Sport, im Flugzeug und unterwegs überflüssig, also überall da, wo es eigentlich nur stört.

Eine weitere Neuerung ist die Fitness-App sowie die Möglichkeit, viele neue Drittanbieterprogramme zu nutzen. So gibt es endlich einen vernünftige Schlaftracker, z.B. beddit oder Sleep ++, die gut funktionieren. Der Herzfrequenzmonitor ist ein zusätzliches Gadget für alle, die ihre Körperfunktionen gern auf dem Schirm haben. Apple verkauft dies als grossen Segen, viele Psycholog_innen würden dies sicherlich anders sehen. Der Markt hierfür scheint aber da zu sein und wird bedient.

Preise und Verfügbarkeit

Die Apple Watch Series 3 Cellular kostet in der kleineren 38 mm Aluminiumversion 449 SFr., das 42 mm Modell kostet ab 479 SFr. Die Preise für die Edelstahlvarianten liegen bei 649 SFr. bzw. 699 SFr. Es sind neben den Standardfarben Space Grey, Silver und Gold auch noch einige Luxusvariationen und Spezialmodelle in Kooperation mit namhaften Herstellern erhältlich, die natürlich entsprechend mehr kosten. Im Lieferumfang enthalten ist ein Armband, alle weiteren Varianten gibt es zusätzlich zu kaufen. Verfügbar ist die Apple Watch Series 3 Cellular seit Anfang Dezember in der Schweiz im Apple Store, online bei Apple oder bei den üblichen Elektronikfachmärkten wie Migro electronics, Inter Discount, digitec und Co.

Fazit

Angesichts der Tatsache, dass man die autonome Telefoniefunktion mit eSIM schon von anderen Herstellern her kennt, ist die Apple Watch Series 3 Cellular sicherlich keine Revolution auf dem Mobile-Markt. Allerdings scheint es wie so häufig zu sein: Apple bringt Vorhandenes neu in den Alltag ein und schafft es, Technologien für den Massenmarkt zu etablieren. Wenn ich mich umschaue, sehe ich mittlerweile sehr viele Menschen mit Apple Watch am Handgelenk – aber so gut wie niemanden mehr mit Smartwatches anderer Hersteller. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass es für Android Wear nach wie vor nicht besonders viele oder sinnvolle Apps gibt. Apple hingegen hat hier den Markt mittlerweile ordentlich befeuert. Der Sprung von der Apple Watch 2 auf die 3 ist kein grosser. Aber die paar Quäntchen, die die Series 3 schneller, performanter und autonomer machen, schaffen den Unterschied. Die Evolution ist im Grossen und Ganzen geglückt. Seit der Apple Watch 1 ist die Entwicklung ordentlich von Statten gegangen, die Uhr sieht nach wie vor gleich aus, bringt aber stetig Neuerungen mit sich.

 

Das Design wäre ein Kritikpunkt an der Uhr. Zwar ist es bei Apple nichts Neues, dass man dem Design treu bleibt und lieber auf Wiedererkennungswert denn auf Innovation setzt, allerdings könnte sie durchaus mal ein kleines Lifting vertragen. Seit 2015 sieht die Apple Watch gleich aus, was in der heutigen schnelllebigen Zeit nur bedingt ein Gefühl von Beständigkeit schafft. Ein Pluspunkt dabei: Das Zubehör aus allen Generationen ist immer kompatibel.

 

Insgesamt gefällt uns die Uhr sehr gut. Die versprochenen Zusatzfunktionen, also das autonome mobile Nutzen der Watch, funktionieren wunderbar. Die Umstellung des Mobilfunkabos sollte im Normalfall einfach und unkompliziert von Statten gehen. Sehr schön ist die Nutzung derselben Telefonnummer. Alle Gespräche und Nachrichten werden so automatisch synchronisiert und die “richtige” Nummer mitgeschickt. Bei anderen Herstellern mit eSIM erhält man eine eigene Telefonnummer für seine Uhr, was nicht immer praktisch ist.

vg-wort
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3 Antworten zu “Review: Apple Watch Series 3 Cellular im Test”

  1. HangOnTime sagt:

    Lese ich das richtig?
    Vier Stunden Nutzungsdauer?
    Das kommt mir sehr viel vor!
    Das würde ja bedeuten daß man damit, im Normalfall locker über den Tag kommt oder sehe ich das falsch?

  2. Stefan Nicolai sagt:

    Ergänzend dazu: Ich hatte die 1er watch und jetzt die 3er Cellular und habe dazu keinen Vertrag; nutze sie wie vorher zusammen mit dem iphone. Der Akku bei der 3er hält mindestens doppelt so lange und ich komme so auf 2-3 Tage Laufzeit ohne Probleme, statt max 1-2 Tage mit der 1er. Schon alleine deshalb hat sich der Wechsel gelohnt.

  3. Ney sagt:

    also hier in deutschland in meinem umkreis sehe ich deutlich mehr leute mit android watch rumlaufen (ich sitze auf arbeit fast perm an der kasse mit einem kundendurchsatz von ~150 Menschen die Stunde, waage mir also hier durchaus ein urteil bilden zu können)

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