Mi. 22. November 2017 um 6:47

Review: Apple iPhone X im Test

von Barbara Walter-Jeanrenaud1 Kommentare

iPhone X, Zehn oder gar Ten? Wie genau man das Gerät nennen soll, ist nicht klar. Die offizielle Bezeichnung seitens Apple ist “ten”, im deutschsprachigen Raum setzt sich gerade aber sehr klar der Name “x” durch. Wie dem auch sei: Gemeint ist dasselbe Gerät. Und das hat es in sich, verkörpert es doch die exzellente Technik des iPhone 8 Plus mit einem (noch) edleren Design. Die True Depth-Frontkamera erlaubt neue Spielereien und erweitert die Möglichkeiten des iPhone X. Doch lest unsere Erfahrungen aus den vergangenen zwei Wochen nun im ausführlichen Testbericht.

Inhaltsverzeichnis

  1. Design, Haptik und Lieferumfang

  2. Hardware und Performance

  3. Display

  4. Software und Bedienung

  5. Kamera

  6. Akku

  7. Sound und Verbindungsqualität

  8. Preis und Verfügbarkeit

  9. Fazit

1. Design, Haptik und Lieferumfang

Das iPhone X besticht vor allem durch sein Design. Als erstes fällt an dem Gerät auf, dass es deutlich handlicher daherkommt als das iPhone 8 Plus – und doch nur die Ausmasse des iPhone 8 besitzt. Die gesamte Vorderseite besteht aus Display, was sehr schick aussieht. Der Rücken des Geräts besteht aus Glas, welches laut Apple sehr stabil sein soll. Der Rahmen ist aus Edelstahl gefertigt, was im Vergleich zum Aluminiumrahmen der Vorgängerphones doch sehr viel edler wirkt.

 

Durch seine durchschnittliche Grösse von 5.8 Zoll fasst sich das Gerät gut an und liegt angenehm in der Hand. Auch das alte “Hosentaschenproblem” erübrigt sich, es passt gut hinein und mit einer Hand lässt sich das Gerät recht gut bedienen, dank Face-ID muss auch der Daumen nicht mehr ständig zum Einsatz kommen. Jetzt in der kalten Jahreszeit ist es besonders schön, dass man es auch mit Handschuhen entsperren kann, was beim Homebutton ab iPhone 7 und iPhone 7 Plus nicht mehr ging.

 

Insgesamt wirkt das Design des iPhone X sehr stimmig. Das Gerät sieht absolut hochwertig und edel aus. Die Stabilität des iPhone X wurde in den vergangenen Wochen stark in Frage gestellt. So wurde unter anderem vermeldet, dass das Gerät das zerbrechlichste Smartphone auf dem Markt sei. Wir konnten im Test zumindest keine Anfälligkeit für Kratzer oder Sprünge feststellen, benutzen allerdings auch eine Hülle mit dem Gerät. Zwar sieht man so nicht mehr auf den ersten Blick, welches Schmuckstück man da mit sich herumträgt, die grösste Freude macht aber immer noch ein heiles Gerät.

 


Apple iPhone X
Handlich bei dennoch grossem Display: Das iPhone X (Bild: PocketPC.ch / Barbara Walter-Jeanrenaud)

2. Hardware und Performance

Im iPhone X setzt Apple auf seinen neuen A11 Bionic Chipsatz, welcher 3 GB RAM zur Seite gestellt bekommt und auf sechs Prozessorkerne setzt. Davon sind zwei als High-Performance-Cores ausgelegt und vier für kleinere Aufgaben vorgesehen. Ein Prozessor, der im Vorfeld schon alle Rekorde in Benchmarks pulverisierte. Das iPhone X erreicht im Single-Core-Score von Geekbench weit über 4’000 Punkte und wenn es um Multi-Core geht, dann stehen hier herausragende 10’000 Punkte zu Buche. Das ist für ein Smartphone extrem und zwar so extrem, dass man die Leistung des iPhone X bereits mit MacBooks und den mobileren Versionen von Intel Core i3 und Intel Core i5 Prozessoren verglich, was wir allerdings für übertrieben halten, da wir hier von ARM versus x86 bzw. x64 sprechen würden. Dennoch soll das die Leistung nicht schmälern! Im Gegenteil: Das iPhone X ist das mit riesigem Abstand schnellste und performanteste Smartphone, welches wir je in den Fingern hatten. Das gilt übrigens auch für das iPhone 8 (2 GB RAM) und iPhone 8 Plus. Alle drei Geräte setzen auf den neuen Apple A11 Bionic Chipsatz.

Prozessor

Wie unter iOS gewohnt, öffnen Apps sehr schnell, haben keine Ruckler und vor allem Spiele profitieren vom neuen Chipsatz. Bisher war die Vorgabe von 60 FPS aber nie ein Hindernis, egal ob iPhone 7 oder gar noch iPhone 6s. An der Performance krankten diese Geräte nie. Aber Apples Bionic A11 ist eine ganze andere Leistungskategorie als jeder bisher veröffentlichte ARM-SoC. Entwickler_innen von Spielen werden hier auf einige neue Möglichkeiten treffen und auch exklusive Spiele könnten hier ein extremes Grafikupdate erhalten. Aber man muss abwarten, wie sich der Markt hier entwickelt.

 

Um die nackte Kraft des iPhone X auch mit anderen SoCs wie dem Snapdragon 835 oder dem Exynos 8895 im Galaxy S8 (und Note8) vergleichen zu können, auch ausserhalb von Benchmarks, bieten sich vor allem Aufgaben an, die beide Geräte gleichermassen ausführen können und die reine Rechenkraft ausschlaggebend ist: Das konvertieren von Videos in andere Formate beispielsweise. Das Galaxy S8+ brauchte in unserem Fall bei einem ungefähr 5 Minuten kurzem Video in 4K-Auflösung und 30 FPS bei gleichen Einstellungen über 7 Minuten. Das iPhone X hingegen schaffte es unter 40 Sekunden, genauer 39 Sekunden. Das sind extreme Unterschiede und verdeutlicht den enormen Performancevorsprung des Apple A11 Bionic.

 

Dies sind Unterschiede, die zwar schon zu Zeiten des Apple A10 (unter anderthalb Minuten) oder A9 gegenüber den anderen Vorgängermodellen in Android-Smartphones bestanden, allerdings werden sie mittlerweile durch den grossen Sprung zum A11 noch deutlicher. Zu wissen, so viel Leistung in der Hinterhand zu haben, kann bei entsprechenden Aufgaben also von Vorteil sein. Allerdings ist nie ganz klar, ob unter Android auch alle Kerne zum Einsatz kommen, da man nicht immer davon ausgehen kann, dass die Apps auch die SoCs vollständig ausnutzen können, was bei iOS eigentlich nahezu immer der Fall ist. Aber selbst bei starker Optimierung sollte sich an der Lücke wahrscheinlich nicht viel ändern.

 

Um so kurioser ist es, dass Apps weiterhin recht ähnlich schnell geöffnet werden wie beim iPhone 7. Wir konnten im Alltagsgebrauch kaum gravierende Performanceunterschiede zwischen iPhone 7 Plus und iPhone X feststellen, zumindest was das reine Öffnen von Apps betrifft. Beim Aufrufen von Webseiten hingegen kann man zwar schon einen kleinen Schub registrieren, aber dieser ist eher unerheblich. Kommen wir aber wieder zurück auf rechenintensive Aufgaben, wie das Laden von grösseren Spielen, denn da kann der A11 Bionic sich wieder mühelos vom Vorgänger absetzen und gibt so richtig Gas.

 

Face-ID

Die Idee des Entsperrens des Telefons per Gesichtserkennung ist nicht neu. Apple schafft es aber, das Feature so zu implementieren, dass es wirklich gut, schnell und zuverlässig funktioniert. In unserem Test konnten weder Geschwister, noch Kinder das iPhone X entsperren, wohl aber ich selbst in beinahe jedem Zustand. Ob mit Brille oder ohne, mit Schal und Mütze und ohne, im Halbschlaf beim Aufwachen und sogar ziemlich betrunken und nicht mehr wirklich geradeaus-guckend. Für Face-ID war all dies überhaupt kein Problem. Schaut die “falsche” Person ins Gerät, gibt es ein kurzes haptisches Signal. Nach fünf missglückten Versuchen muss man dann doch den Code eintippen, um Face-ID wieder zu aktivieren. Ausserdem ist nur ein einziges Gesicht registrierbar, man muss also den Pin-Code weitergeben, wenn man das Gerät teilt oder von jemand anderem entsperren lassen möchte.

Bei all den Diskussionen um die Gesichtserkennung, die es in den letzten Tagen gab, darf man nicht ausser Acht lassen, dass man bei der Ersteinrichtung wirklich gute Lichtbedingungen haben sollte, damit das Gesicht mit all seinen Markern erfasst werden kann.

3. Display

Apple verbaut im iPhone X zum ersten Mal ein OLED-Panel. Diese Technik wird oft bei anderen Herstellern eingesetzt, allen voran bei Samsung. Übrigens: Das Display im iPhone X ist von Samsung hergestellt worden. Die Feinjustierung für die Anzeige übernahm allerdings Apple. Man kann es also schon fast als Partnerarbeit bezeichnen. Apple setzt hier übrigens erstmals auf ein Panel über 5.5 Zoll, dass noch im iPhone 8 Plus zum Einsatz kommt, und bringt es sogar auf bis zu 5.85 Zoll. Grösser war ein iPhone-Display also noch nie. Die Auflösung beträgt 2’436 x 1’125 Pixel, was eine recht merkwürdige Zahlenkombination scheint. Man kann sagen, dass es sich hier um eine FullHD+ Auflösung handelt, die allerdings schon deutlich an 2K kratzt, mit 458.67 PPI.

 

Auffällig ist hier die Zahl in der Länge von 2’436 Pixel, das ist deutlich mehr als doppelt so viel als in der Breite (1’125). Wir schauen hier deshalb nicht auf ein 18:9 oder auch 2:1 Display, wie viele Hersteller es verbauen (Samsung nimmt sogar 18.5:9 bei seinem Galaxy S8). Setzt man die Diagonale an der obersten Ecke an und zieht sie bis zum Ende hin durch, dann entspricht das Seitenverhältnis sogar 19.5:9 (!). Das iPhone X Display ist damit im Verhältnis zu anderen Geräten das längste Display in der Branche.

 

Dass Apple bereits bei seinen LCD-Boliden (iPhone 8 etc.) ein gutes Händchen besitzt, wirkt sich auch auf das OLED-Panel aus. Anders als bei Samsung scheint das OLED-Display des iPhone X eine sehr natürliche Farbdarstellung gewählt zu haben. Natürlich sind andere OLED-Anzeigen mittlerweile auch weit von dem entfernt, was früher noch als “sexy” unter den Displays galt: Extreme Kontraste. Aber Apple geht hier einen mutigen Schritt, indem die Farbwiedergabe zwar immer noch kontrastreich ist, man aber eine sehr natürliche Optik wählte. Bei Samsung-Geräten müsste man in den Einstellungen manuell stark nachjustieren, um diese Anzeige zu “kopieren”. Dafür kann man die Anzeige des iPhone X manuell nicht weiter nach seinen Bedürfnissen anpassen, wie man es von anderen Geräten her kennt, was manche sicher als störend empfinden.

 

Pluspunkte gibt es für die Helligkeit, denn das iPhone X ist das beste Smartphone bei direkter Sonneneinstrahlung, das wir bisher in unseren Tests hatten. Nie liess sich ein Display derart klar ablesen und wir wussten in erster Linie nicht, ob das streckenweise auch noch besser funktionieren würde. Apple hat hier einiges investiert und das leuchtstärkste OLED-Panel in einem Smartphone integriert und erreicht weit über 700 nits.

 

Ebenfalls erstmals in einem iPhone ist die Integration von HDR10 und Apple legt Dolby Vision als zusätzlichen HDR-Standard drauf. Die Galaxy S8 und Note 8-Geräte können zwar auch HDR10, allerdings verbaut man den von LG signierten Dolby Vision Standard nicht (wahrscheinlich aus Lizenzgründen). Bei Apple bekommt man beide HDR-Standards serviert und sollten Videos diese unterstützen, laufen sie dank der sehr hohen Farbtreue mit einem enormen Detailgrad auf dem iPhone X.

 

Die aufgetretenen technischen Displayprobleme, von denen vereinzelt zu lesen war, wie etwa grüne Farbstreifen, die sich über den Bildschirm ziehen, konnten wir bei unserem Testgerät nicht feststellen. Vor dem Update auf iOS 11.1.2 gab es allerdings bei fettgedruckten schwarzen Texten sowie hellgraue Bereiche beim Scrollen grünliche Verfärbungen an den Buchstaben- und Formenrändern. Dieser Bug wurde aber mittlerweile behoben und trat auch nicht wieder auf.

4. Software und Bedienung

Vorinstalliert ist natürlich iOS 11 und sollte nicht die aktuellste iOS 11-Version bei euch auf dem Gerät sein, raten wir aus dem Grund des letzten Abschnittes bei Display, dieses nachzuholen. Aber davon einmal abgesehen lässt sich das iPhone X so bedienen wie jedes andere iPhone auch. Egal ob das Wischen durch die Homescreens, das Durchscrollen der Widgetleiste oder andere Kleinigkeiten. Dennoch hat sich durch den Wegfall des Homebuttons einiges geändert und erstmals in der Geschichte des Unternehmens aus Cupertino fällt die Lernkurve für ein neues Gerät im Vergleich erheblich höher aus.

Steuerung des iPhone X ohne Homebutton

Das klingt jetzt erschreckender als es vielleicht ist, da diese gemessen an der Konkurrenz angenehm niedrig anmutet, wenn man von Oberfläche zu Oberfläche hüpft, doch muss man sich auch hier auf neue Dinge einstellen. So erreicht man das Multitasking-Menü mit einem Wischen vom unteren Rand aus nach oben, da es keinen Doppelklick mehr auf den Homebutton gibt. Als Indikator dafür dient ein kleiner Balken am unteren Rand des Bildschirms. Siri ruft man mittels Stimme mit “Hey Siri” oder einem langen Druck auf den seitlichen Power-Knopf auf. Drückt man diesen fünfmal schnell hintereinander, wird ein Notruf abgesetzt, auch wenn das Gerät gesperrt ist. Um das iPhone X auszuschalten oder neu zu starten drückt man gleichzeitig den Power- und den Leise-Button, zum Screenshot machen wie immer den Power- und den Lauter-Button gleichzeitig.

 

Das Controllcenter befindet sich daher auch nicht mehr unten, sondern in der rechten oberen Ecke und Benachrichtigungen lassen sich von oben links herunterziehen. Eine eigentlich recht gute Anordnung, aber daran gewöhnen muss man sich dennoch. Vieles erinnert ein wenig an vergangene Palm-Pre-Zeiten mit WebOS oder Jolla mit Sailfish OS, was wir aber nicht schlimm, sondern eher spannend finden. Gestensteuerung ist seit iOS 7 sowieso ein grösseres Thema geworden, vor allem seit der Implementierung des 3D-Touch Bildschirms.

 

Besonders gut gefallen hat uns die Möglichkeit, Apps innerhalb der Programme selbst schnell zu wechseln. Der untere Balken bleibt in jeder App nämlich aktiv, damit ihr jederzeit in den Homescreen oder eben ins Multitasking-Menü kommt. Streicht ihr aber nur seitlich darüber gelangt ihr direkt in die nächste geöffnete App, was enorm komfortabel ist. Generell fühlt sich iOS 11 erst auf dem iPhone X als absolute Bereicherung an. Während man das Update auf den anderen iPhones installierte und eben “nur mitnahm”, erscheinen viele Funktionen für das iPhone X einfach nur sinnig.

Kompatibilität

Schwieriger wird es aber, wenn wir in Richtung Kompatibilität gucken. Viele Apps sind noch nicht richtig an das Display angepasst, was im schlimmsten Fall dazu führt, dass diverse Menüs in den obersten Ecken nicht zu erreichen sind. Die Lösung hier ist einfach – aber nervtötend: Warten bis entsprechende Updates für die Programme im Store stehen. Da muss man sich unter Umständen gedulden. Dennoch konnten wir bisher feststellen, dass mindestens jedes zweite neue Update für diverse Apps bereits im Changelog “Optimierung für iPhone X” beinhalten. Damit dürfte es nicht all zu lange dauern und man stellt sich in den Softwareschmieden bereits darauf ein.

 

Apropos Kompatibilität… Die “Notch”, also die Fläche von Face ID im oberen Teil des Displays stört in erster Linie bei der normalen Verwendung des iPhone X gar nicht. Im Gegenteil, man bemerkt sie nach kürzerer Zeit überhaupt nicht mehr. Sie wird aber zum Problem, wenn Videos im Vollbild abgespielt werden müssen und Spiele sich über das gesamte Display erstrecken. Beim Schauen von Videos gleiten die Augen immer über dem Bildschirm, um das gesamte Bild zu erfassen und wenn man etwas am Rand wahrnehmen will, schneidet der Face-ID-Bereich immer einen kleinen Teil des Films ab. Das lässt sich schwer übersehen, die Notch ist an dieser Stelle einfach präsent. Das gilt auch für Spiele, dessen Bedienelemente unter dem Cutout verschwinden können. Hier müssen die Entwickler_innen Lösungen finden und Videos sollten vielleicht nicht immer im Vollbild genutzt werden.

5. Kamera

Die Hauptkamera des iPhone X ist identisch zu der im iPhone 8 Plus, was die Megapixel an geht. Diese ist ein wirklich exzellentes Stück Technik und gehört zu einer der besten Smartphonekameras auf dem Markt. Sie kommt an die des HTC U11 und des Google Pixel XL 2 heran, wenn auch nicht ganz an die des Samsung Galaxy S8. Bei schlechteren Lichtverhältnissen schlägt sich die 12 MP starke Cam ganz gut, wenn auch nicht optimal. Zwar sind auch Details gut zu erkennen und das vorhandene Licht wird gut eingefangen, ohne grosse Fotografiekenntnisse wird es aber schwierig, Bilder ohne starkes Rauschen oder Unschärfen zu produzieren. Bei Tageslicht hingegen kann die Kamera überzeugen. Die Aufnahmen werden scharf und die Farben natürlich und nicht überzeichnet wiedergegeben. Lediglich beim Fokussieren auf kleine sehr nah stehende Objekte hatten wir Mühe, scharf zu stellen und brauchten teilweise mehrere Versuche.

True Depth-Kamera

Besonderes Highlight des iPhone X ist aber die True Depth-Kamera. Diese ist zum einen für Face-ID verantwortlich und kann mittels Infrarot Gesichter scannen, zum anderen ist sie für die Augmented Reality Features, auf die das Gerät schon angelegt ist, ausgerichtet. Was genau Apple mit AR in Zukunft plant, ist noch offen, allerdings verspricht die Technologie schon viel.

Eine coole Spielerei sind die Animojis. Dies sind Emojis, die mittels True Depth-Kamera und dem eigenen Gesicht animiert werden. Man kann kleine Animoji-Clips aufnehmen und per iMessage an andere iPhones schicken. Dies ist nur vom iPhone X aus möglich, obwohl augenscheinlich die normale Facetime-Kamera dafür zuständig ist. Hält man nämlich die True Depth-Cam zu, kann man ganz genauso Animoji-Clips aufnehmen. Es besteht also Hoffnung, dass auch für die anderen iPhones in Zukunft diese Möglichkeit implementiert wird. Animojis sind zwar nicht weltbewegend, aber auf jeden Fall witzig.

Auch mit der App Clips kann man die True Depth-Kamera nutzen und tolle Videos drehen. Neben vielen optischen Effekten kann man sich zum Beispiel direkt in Filme hineinschneiden, was immer ein toller Party-Gag ist. Aber auch für Videos, die über die sozialen Netzwerke geteilt werden sollen, eignen sich die Möglichkeiten von Clips sehr gut. In unserer App-Review erfahrt ihr hierzu Näheres.

6. Akku

Bei normaler Nutzung hält der Akku gut über einen Tag lang durch. Im direkten Vergleich mit dem iPhone 8 Plus, welches im Punkt Akkuleistung sehr gut abschnitt, liegt das iPhone X ein wenig hinter diesem. Es kommt bei gleicher Nutzungsintensität auf ca. zwei Stunden weniger Laufzeit, was angesichts der Tatsache, dass es insgesamt erst nach anderthalb Tagen in die Knie geht, ok ist. Unser Alltagstest umfasste wie immer intensive Nutzung der Messengerdienste, Spiele wie Candy Crush Saga und Fire Up! sowie Real Racing 3, das Synchronisieren von vier E-mailkonten, Telefonie und natürlich gelegentliches Surfen. Greift man zu Ingress oder Pokémon Go, so ist der Akku logischerweise schon schneller leergesaugt. Auch bei intensiver Nutzung der Kamera, sei es beim Fotografieren oder beim Herumspielen mit Clips oder den Animojis, verliert der Akku recht schnell an Prozenten.

 

Das Laden des Akkus läuft genauso ab wie beim iPhone 8 und 8 Plus: Es kann sowohl per Lightning-Kabel geladen werden, als auch drahtlos mit QI. Hierzu hatten wir dieselben Ladestationen bzw. Kissen wie bei unseren anderen Geräten im Test und kamen zu dem Ergebnis, dass das iPhone X problemlos und schnell mit allen auflädt. Das Smartphone wird nicht heiss, sondern maximal warm, wenn es auf der Platte liegt und beispielsweise gleichzeitig Musik abspielt. Die Belkin-Ladestation, die Apple offiziell zertifiziert hat und vertreibt, funktioniert wunderbar. Auch das Aufladen per Kabel klappt natürlich einwandfrei.

7. Sound und Verbindungsqualität

Spielt man einen Film ab, so wird man vom Sound gleich abgeholt und mitgenommen. Der Klang der Lautsprecher ist für ein Handy sehr satt und gut. Selbst wenn man den Ton auf sehr laut stellt, scheppert es nicht und alles bleibt gut verständlich. Ebenso reicht eine relativ niedrig eingestellte Lautstärke aus, um den Film bzw. die Musik gut zu verstehen.

 

Bei der Verbindungsqualität gab es im Test zunächst Probleme. Zwar funktionieren Bluetooth, WLAN und die mobile Datennutzung einwandfrei und auf einem sehr hohen Standard, bei Gesprächsverbindungen gab es aber Schwierigkeiten. Mitunter konnte das Gegenüber uns entweder nur sehr leise oder schlichtweg nicht hören, während wir den Anderen sehr gut und klar verstanden. Dies trat aber nicht ständig auf und auch in derselben räumlichen Situation mal schon, mal nicht. Nachdem wir zunächst vermuteten, dass es einen Schaden am Mikrofon geben könnte, fanden wir zufällig heraus, dass es wohl am Apple Leather Case liegen muss, da das Problem weder mit dem Silicon Case, noch ohne Hülle unter denselben Bedingungen auftrat. Dies werden wir weiter prüfen und halten euch auf dem Laufenden.

8. Preis und Verfügbarkeit

Die 64 GB Variante des iPhone X kostet 1’199 SFr. (1’149 Euro), die grössere 256 GB-Version kostet 1’389 SFr. (1’319 Euro). Die Farben Space Grey und Silver stehen zur Auswahl. Erhältlich ist das Gerät direkt bei Apple mit einer Lieferzeit von ca. zwei bis drei Wochen oder im Elektronikfachhandel sowie bei verschiedenen Mobilfunkanbietern. Die Lieferzeiten können hier variieren, mit etwas Glück kann man es direkt mitnehmen.

9. Fazit

Mit dem iPhone X bekommt man ein absolutes Top-Highend-Gerät zu einem hohen Preis. Es ist genauso wie das iPhone 8 Plus bockstark, verfügt über eine sehr gute Kamera, tollen Sound und einen ordentlichen Akku. Das OLED-Display ist erfreulich schön und scharf. Die Probleme, die wir mit dem Display anfangs hatten, lösten sich mit dem letzten Softwareupdate in Luft auf, so dass es nun nur noch Freude macht.

Die Schwierigkeiten, die wir teilweise beim Telefonieren hatten, traten nur mit dem Ledercase aus dem Hause Apple auf, im Silicon Case und ohne Hülle konnten wir die Mikrofonprobleme nicht beobachten. Hier sollte man wirklich ausprobieren, mit welcher Schutzlösung man am besten zurechtkommt.

Aufgrund des Materials sollte man das Gerät tatsächlich schützen. Eine schöne Hülle wird auch das Design nicht zu sehr beeinträchtigen, schliesslich sieht man dank des wegfallenden Homebuttons und des Edelstahlrands immer noch gut, dass es sich um ein iPhone X handelt.

Die neuen speziellen Features, die mit dem X kommen, sind praktisch und witzig. Face-ID und die Gestensteuerung funktionieren einwandfrei und sehr intuitiv, ähnlich wie beim Jolla Phone mit SailfishOS, welches sich aber ja nicht durchsetzen konnte. In Zukunft werden wir wohl mehr Hersteller ohne Homebutton oder Ähnliches erleben, wir freuen uns jedenfalls darauf!

 

Abschliessend können wir sagen, dass man mit dem iPhone X nichts falsch machen kann. Im direkten Vergleich zum iPhone 8 Plus sehen wir technisch gesehen keinen Mehrwert, der Prozessor ist derselbe, die Performance ist gleich schnell, stark und zuverlässig. Lediglich die zusätzlichen Features wie Face-ID und die True Depth-Kamera machen das X, neben seinem sehr schicken Design, zu einem speziellen Smartphone. Wer noch zwischen beiden Geräten schwankt, sollte sie einfach beide mal im Apple Store in die Hand nehmen und für sich vergleichen, welches besser passt.

vg-wort
Das könnte Sie auch interessieren

Eine Antwort zu “Review: Apple iPhone X im Test”

  1. PM sagt:

    Zitat: Die Hauptkamera des iPhone X ist identisch zu der im iPhone 8 Plus.

    Das stimmt so nicht ganz. Das X hat 2* optische Bildstabilisierung und beim ‘Tele’ eine (minim) grössere Blende.

Schreibe einen Kommentar

Teilen