So. 14. Mai 2017 um 12:19

One’s Two Cents: Diese Branche ist mittlerweile eine einzige Katastrophe!

von Marcel Laser4 Kommentare

Mittlerweile kann man echt sauer sein, es wird nämlich vor allem für die Endverbraucher_innen immer schwieriger. Vielleicht nicht für viele von uns technikversierter Freaks, allerdings für den gesamten Markt dann schon. Die gesamte Branche ist nur noch ein Knäuel von Verwirrung. Nachdem Samsung und LG auch noch neue Display-Formate vorgestellt haben und Samsung sogar in meinen Augen ein wenig den Vogel abschiesst, ist mir persönlich nun der Kragen geplatzt. Daher gibt es derzeit einige Dinge in dieser Branche, die mich immens stören und in Zukunft sogar problematisch werden könnten.

USB-Type-C ist nicht gleich USB-Type-C: Netzteilchaos Deluxe!

Fangen wir erst mit einer Sache an, die vielleicht weniger schlimm ist und mit zugekniffenen Augen eventuell noch hinnehmbar scheint: USB-Type-C ist an dieser Stelle vielleicht ein durchgängig gleichbleibendes Verbindungssystem, allerdings muss man sich innerhalb dieses “Standards” deutlichen Unterschieden stellen. Das fängt bei den Übertragungsraten an, die sich nicht nur im Gerät selbst unterscheiden, sondern mittlerweile auch vom Kabel abhängig sein können und hört bei den Netzteilen auf, weil jede Firma mit jedem anderen SoC eine andere Ladetechnik implementiert.

 

Die Schnellladegeräte von Samsung funktionieren nicht an OnePlus-Smartphones (Schnellladetechnik) oder die HTC-Netzteile können Sony-Smartphones nicht schneller aufladen. Ein Phänomen, welches sich durch die gesamte Branche zieht: “Dash Charge” vs. “Quick Charge” vs. “Samsung Charge” vs. “Huawei Charge” und was da nicht noch alles kommen mag. Es ist noch nicht einmal die basale Aussicht gegeben, dass ein Smartphone mit Qualcomm-Chipsatz und der Qualcomm-Schnellladetechnik auch mit dem Schnellladenetzteil eines anderen Herstellers mit gleichem Chipsatz funktioniert!

 

Aber gut, immerhin kann man sagen, dass man wenigstens überall Laden kann, egal ob schnell oder nicht. Das wäre dann auch schon der Vorteil des USB-Type-C diebezüglich. Natürlich ermöglicht USB-Type-C noch viel mehr als Laden. Die Schnittstelle an sich ist allerdings durch die extreme Abänderung der Hersteller an sich alles andere als ein einheitlicher Standard geworden und es sieht nicht so aus, als wenn sich das in naher Zukunft einmal ändern wird. Im Gegenteil: Es könnte bald noch schlimmer werden.


usb type-c
USB-Type-C: Einheitlicher Stecker, aber ganz weit davon entfernt, ein einheitlicher Standard zu sein.

Software, Oberflächen, Updates und andere Aktualisierungsprobleme

Ebenfalls schwierig ist es mit der Software und hier fängt es bei Oberflächen an und hört bei schwerwiegenden Updatefehlern nicht wieder auf. Und da müssen sich alle Hersteller, auch Apple, einmal mehr selbst in die Pflicht nehmen. Der Vorteil der vielen Oberflächen ist vor allem der, dass für jeden Geschmack wohl ein anderes Design bereit steht. Allerdings muss man einmal versuchen abzuzählen, wer denn heutzutage noch seine Smartphones nach der Benutzeroberfläche aussucht? (An dieser Stelle klammere ich die Technik-begeisterte Userschaft einmal wieder aus)

 

Aber von der Vielfalt einmal abgesehen, stellt das eine Grosszahl an Menschen vor viele Probleme: “Das sieht ja ganz anders aus, als bei meinem alten Smartphone? Ich finde gar nichts mehr wieder!” – “Ja, das liegt auch daran, dass das ein LG-Smartphone ist und du vorher ein Samsung hattest” – “Aber du hast mir doch gesagt, das wäre auch Android?!”. Ich habe an dieser Stelle ein Gespräch mit mehreren hundert Zeilen meiner Tante auf drei Sätze runter gebrochen, aber es trifft in etwa den Kern des Ganzen. Dabei sind Designunterschiede noch das kleinste Problem bei dem Chaos.

 

Denn besonders arg wird es, wenn Smartphones auf Updates warten müssen. Android 7.0 Nougat ist im Herbst 2016 veröffentlicht worden und kommt Stand jetzt nicht einmal auf fünf Prozent Marktanteil. Ein ganz grosses Stück vom Kuchen hat sogar noch Android 4.4 KitKat (20 Prozent)! Auch wenn dieses sich langsam zurückzieht. Selbst Android 6 (31 Prozent) kann nicht die Zahlen aufbieten, die Android 5 (32 Prozent) noch inne hat. Dann kam es zudem in Android 7.0 zu teils haarsträubenden Problemen, so das Hersteller wie Sony, ASUS und HTC ihre Updates wieder zurückziehen mussten, weil diese schwerwiegende Bugs verursachten. Das Warten ging danach noch einmal ein paar Monate weiter. HTC hat das Android 7.0-Update gleich dreimal ausgerollt – auch nicht gut.

 

Auch Apple muss sich an dieser Stelle an die eigene Nase fassen. Dem Unternehmen aus Cupertino muss man allerdings zugute halten, dass sie ihre Geräte bis zu fünf Jahre lang mit Updates versorgen und zwar nahezu immer mit dem neusten Betriebssystem. iOS 10 kommt auf weit über 85 Prozent aller kompatiblen Geräte zum Einsatz. Doch birgt das “wir aktualisieren alle Geräte mit dem neusten Update weltweit gleichzeitig!”-Kredo auch ein Risiko. Es kam ab und an Mal vor, dass auf einmal iPads nicht mehr funktionierten und durch die Medien Warnmeldung vor Updates ausgegeben werden mussten. Die Sorgfalt, mit der Mal Updates geprüft wurden, scheint stark in den Hintergrund zu rücken. Immerhin regelt Apple ein solches Problem innerhalb weniger Tage, meistens in zwei oder drei Tagen, selbst. Unangenehm bleibt es aber dennoch.

 

Microsoft muss man auch erwähnen, denn die Update-Politik hier ist trotz einheitlichem Systems wie bei Apple fast genauso Katastrophal, wie bei Android. Der Sprung auf Windows 10 Mobile wurde einem Grossteil ziemlich erschwert, zumal für einige Geräte das Update erst von der Person vor dem Smartphone-Screen manuell freigeschaltet werden musste. Somit will ich an dieser Stelle gar nicht wissen, wie viele Geräte auf dem Markt ihr “rechtmässiges” Update auf Windows 10 Mobile noch nicht erhalten haben. Aber Microsoft scheint das wohl auch nicht sonderlich zu stören oder gar zu interessieren. Zahlen sind jedenfalls keine zuverlässigen Verfügbar.

HTC rollte Android 7.0 in einer Region gleich dreimal aus und musste es daher zweimal zurückziehen.

Sprachassistentinnen: “Hey Siri”, “Ok Google”, “Hallo Bixby”, “Hey Cortana” und “Alexa”

Und schon sind wir bei den Sprachassistenzsystemen angelangt. Die Branche nennt es fälschlicherweise künstliche Intelligenzen, was natürlich leicht daneben liegt, aber hey: Es hört sich deutlich besser an. Diese Assistenzsysteme sind eigentlich eine Erweiterung zur mit dem Finger bedienenden Oberfläche. Im Allgemeinen nehmen sie nur Befehle entgegen und führen diese dann entsprechend aus. Ab und an machen sie im Fall von Google Assistant sogar ein paar Dinge aus dem Kontext heraus, aber ehrlich gesagt ist so etwas auch nicht immer der Regelfall.

 

Was mich allerdings mittlerweile abnorm stört, ist der Umstand, dass es viel zu viele werden! Microsoft Cortana, Amazon Alexa, Apple Siri, Google Assistant, HTC Sense Companion, Huawei verbaut auch seine eigene KI (künstliche Intelligenz, aber auf Prozessorebene) kooperiert aber auch mit Amazon und deren Alexa-System. Es ist einfach viel zu viel! Und jede Sprachassistenz kann etwas anderes, versteht die Leute völlig anders oder funktioniert im Fall von Samsung Bixby einfach nur (noch?) extrem schlecht.

 

Ich kann verstehen, dass Apple Siri auf ihrer eigenen Plattform etablieren wollen und ich kann genauso verstehen, dass an dieser Stelle Cortana genauso wichtig für das Microsoft-System ist. Aber ich verstehe den gesamten Rest nicht. Sogar LG baut da noch an etwas eigenem herum und wir haben auf der einen Seite ein extrem beschnittenes Samsung Bixby System, welches Produktübergreifend zum Einsatz kommen soll und Amazon verbaut sowieso nur überall Alexa. Dabei baut Google mit Assistant bereits ein für Android sehr fähiges Assistenzsystem von Haus aus ein.

Dank LG und Samsung sind Displays mein neuster Punkt in dieser Liste

Wie viele Jahre waren wir nun mit 16:9 Displays unterwegs? War es wirklich Zeit für einen Wechsel, weil nicht einmal ein Prozent der Filme, Videos und andere Dinge in 18:9 gedreht werden? LG präsentierte auf dem MWC 2017 mit 18:9 ein neues Displayformat. Es ist nicht breiter als 16:9, aber dafür länger und das auch nicht unerheblich. Apps müssen neu angepasst werden und auch Google hat nun einen “Warnschuss” abgegeben. Mountain View bittet die entwickelnde Gemeinschaft, ihre Programme entsprechend anzupassen.

 

Aber was mich fürchterlich irritiert, ist der Umstand, dass Samsung hier den Vogel abschiesst: Während LG mit seinem LG G6 ein 18:9 Display präsentierte, hat Samsung unbedingt ein 18.5:9 Display auf den Markt bringen müssen. In Worten ein achtzehnkommafünfzuneun Display? Warum in aller Welt sollte man so etwas tun und gleich zwei Display-Formate innerhalb eines Monats auf die Welt loslassen? Während die weniger als ein Prozent 18:9-Inhalte in Form von Videos und Medien immerhin noch perfekt im LG G6 dargestellt werden können, muss man beim Samsung Display immer noch Balken hinnehmen, auch wenn dieser kleiner sind als bei 16:9. Wenn man reinzoomt, schneidet man automatisch was vom Inhalt ab. Das kann doch so gedacht nicht sein?

 

Ich habe ehrlich gesagt noch nie gesehen, dass man so verbohrt anders sein muss, um überhaupt noch im Markt irgendwas zu erreichen oder seine Position nicht zu verlieren, auch wenn das Endergebnis vielleicht erst einmal wirklich drastisch über das Ziel hinausschiesst. Denn den Sinn eines 18.5:9 Displays erschliesst sich mir nach aktuellem Stand nahezu gar nicht. Versteht mich nicht falsch: Das Samsung Display ist rein technisch gesehen und auch optisch das wohl (auch in meinen Augen) beste Display derzeit auf dem Markt und das mit riesigem Abstand, aber warum mussten es ausgerechnet 0.5 länger werden, als das Display vom LG G6?!

 

Das macht weder für die Branche, noch für den Consumer-Markt irgendeinen Sinn. Es kann hier doch nicht einfach nur darum gehen, den Längsten … Pardon … das Längste zu haben? LG kann immerhin sagen, dass sie die 18:9 Filme auf Netflix und Amazon unterstützen, auch wenn das in Anbetracht der “Vielzahl” an Inhalten in diesem Format eher bedrückend klingt. Aber Samsung kann hier eher gar nichts zu sagen, ausser dass sie zwei Zeilen mehr Text anzeigen können und das kann doch bei aller Liebe nicht das Hauptargument sein.

Videos auf dem Galaxy S8+ in 16:9 werden nur mit einer Gesamtfläche von 5.5 Zoll dargestellt. (Bild: PhoneArena)

Mein persönliches Fazit: Alles scheiss egal, es kaufen eh alle das, was kommt!

Und nachdem ich mich nun ein wenig über diese Dinge ausgekotzt habe, die in meinen Augen fürchterlich schief laufen und eigentlich nur für absolute Verwirrung sorgen, statt einen wirklichen Mehrwert zu bieten, kommt man aber auch an dem Punkt an, dass Aufregen sowieso nichts bringt. Warum? Wir lassen im Endeffekt eh alles mit uns machen und die Rekord-Vorbestellungen des Galaxy S8 zeigen einmal mehr, wie fürchterlich egal es ist, sich über so unwichtige Dinge aufzuregen.

 

Denn am Ende ist es eben genau das, zumindest für die Hersteller: Unwichtig, denn den Geldbeutel zücken die meisten sowieso. Es treten immer so viele Menschen auf Apple ein mit den Worten “die Leute kaufen es ja sowieso weil ein Apfel drauf ist!”. Das mag in erster Linie stimmen, aber ich bin auch der festen Meinung, dass das weniger mit dem Apfel zu tun hat, sondern einfach weil es neu ist. Denn dieser Satz lässt sich auf alle Smartphones und Hersteller da draussen anwenden. Es ist einfach scheiss egal! Die Leute kaufen es sowieso, selbst wenn das Display einen irrwitzigen und unnötigen 18.5:9 Formfaktor hat. Apple kann selbst den Lightninganschluss fallen lassen: Die Leute werden es kaufen. Und Huawei könnte die erste Quad-Kamera im Rücken verbauen und deswegen 350 Euro mehr verlangen: Auch hier werden es die Leute dann kaufen. Es ist einfach der Markt, der so ist.

 

Generell muss man der Branche aber auch diverse Zugeständnisse machen. Smartphones sind wohl evolutionstechnisch an einem Punkt angekommen, wo es nicht mehr all zu viel Neues zu erschaffen gibt. Grössere Displays (mit weniger Rand) und immer mehr Sprachassistenzsysteme sind wohl dann der nächste heisse Scheiss, der noch irgendwie möglich ist, das letzte Bisschen herauszuquetschen. Vielleicht werden noch VR und AR eine grössere Rolle spielen, aber da bin ich persönlich auch ein wenig skeptisch. Ich sehe es auch nicht als sonderlich Innovativ an, einen Fingerprintscanner unter das Display zu bringen, sondern eher als evolutionären Schritt.

 

Schauen wir am Ende einfach mal, was die Zukunft bringt. Alles in allem, und so sehr ich mich auch darüber aufrege, bleibe ich ja technik-verrückt und liebe Neues in der Branche! Denn so sehr mein Verstand auch gegen Dinge wie 18.5:9 Displays (das ist schon grausam zu schreiben!) rebelliert, so interessiert und scharf bin ich dann doch darauf, es nutzen zu können. Ich glaube, da sind einfach viel zu viele Menschen gleich gepolt. Es bleibt also unübersichtlich mit der Aussicht auf viel Schlimmeres, aber dennoch spannend.

vg-wort
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4 Antworten zu “One’s Two Cents: Diese Branche ist mittlerweile eine einzige Katastrophe!”

  1. Christian85 sagt:

    Danke für den Beitrag.

  2. Entrail sagt:

    Ich finde hier sollte man unterscheiden zwischen normalen Nutzern und Entwicklern.
    Beispielsweise die Displayauflösungen da sollte der Nutzer prinzipiell nichts von mitbekommen, abgesehen das er evtl ein verzerrtes Bild, schwarze Balken oder eben abgeschnittene Inhalte präsentiert bekommt. Das Hauptproblem haben hier aber die Entwickler.
    Hier denke und hoffe ich, dass sich der Markt einfach automatisch reguliert. Die einheitlichen Auflösungen haben sich ja irgendwann auch bei quasi allen Herstellern eingependelt. Das Hersteller da evtl mal versuchen raus zu kommen ist ja in Ordnung und sollte sich raus stellen, dass es eben besser ist als der Standard wird das ganze ja evtl auch von anderen aufgegriffen. Der Markt reguliert sich hier ja eigentlich gut von selbst.

    Die Sache mit USB-C dagegen ist leider das Problem, wenn man den Standart “beliebig” erweitern kann und dann immer noch seine eigenen Produkte auf den Markt bringt, das es dann eben schnell passiert das man noch ein extra Feature oben drauf packt. Das ist ein Problem was den Endverbraucher natürlich schon stark betrifft, denn er kann sich rein vom äußerlichen einfach gar nicht darauf verlassen was es denn genau für ein Anschluss ist. Usb 2? oder doch 3? Hat er Thunderbold etc.

  3. LoLboy sagt:

    Vielen Dank. Kann ich so unterstreichen.
    Man muss ja fast zum Experten werden bevor man sich ein einfaches Kabel kaufen kann.

  4. TiRohn sagt:

    Gut gebrüllt, Löwe! Stimmt leider so und ist mir auch schon in den Sinn gekommen: was macht meine Familie, wenn ich mal nicht gerade antworten kann, welches Kabel oder welches Ladegerät sie mit in den nächsten Urlaub nehmen sollen? Oder die “Beratung”, welche ich versuche, so Produktneutral wie möglich zu halten, in meinem Familien- und Bekanntenkreis, für das nächste neue Gadget. An die Assistenten denke ich schon gar nicht (nutze ich persönlich auch nicht wirklich, denn zur Zeit taugen Sie mir noch immer zu wenig, von wegen KI… 😛 ), denn hier ist echt das Chaos vorprogrammiert. Und die Android Devices? Genau dieses Chaos und das Feedback in meinem Geschäft, wenn wieder ein neuer Release für eine interne Mobile App ausgerollt werden soll, haben mich bis anhin abgehalten, zu Samsung, Huawei oder HTC zu wechseln. Da blätter ich halt etwas mehr Schotter auf den Tisch (sprich warte noch einen Zyklus länger zum wechseln) und wähle dann halt eher das – relativ – stabile Obst Device, muss ja nicht jeden Release von Beginn weg drauf laden, ich warte dann eben auch mal die ersten 2 – 3 Wochen ab. Ich hoffe echt, dass hier mal in naher Zukunft (sprich dass ich es noch erlebe) etwas mehr Einheit und Konformität daher kommt von den Herstellern, denn möglich ist es, und abheben von der Masse könnte man sich doch auch durch Service… 🙂

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