So. 18. Dezember 2016 um 10:33

One’s Two Cents: Microsoft wird zu Apple und Apple wird zu Microsoft?

von Marcel Laser5 Kommentare

Und dabei reden wir hier wirklich nicht von Smartphones, das Thema ist für Microsoft für’s Erste eh gegessen. Naja, noch! Wir werden sehen. Interessant ist allerdings, was Microsoft derzeit aus seiner Surface-Sparte raus holt und das fängt bereits bei den Präsentationen dafür an. Eine Paradedisziplin die Apple bisher mustergültig lag und zu der ich mich bereits vor Monaten darüber ausgelassen habe, warum andere Hersteller nicht endlich eine ähnliche Qualität auf die Bühne bringen können. Microsoft hat es nicht nur verstanden, zu präsentieren, sondern mittlerweile auch die Produkte so zu designen, dass der „Haben will“-Effekt unterdessen ebenfalls sehr gross geworden ist.

„Haben will!!“: Microsoft hat nach und nach gelernt, sich zu präsentieren

Nach der Präsentation des Surface Studio sass ich hier und dachte mir nur „Woah, wie geil war das denn bitte jetzt?!“. Ein Teil dieses Gedankens lag dabei nicht nur auf dem Produkt selbst, sondern tatsächlich auch auf dem, was Microsoft da auf der Bühne machte. Das Spielen mit den Journalist_innen, der lockere Witz auf der Bühne, die tollen Präsentations-Videos und am Ende auch die klare Positionierung des Produktes: Es passte einfach alles.

 

Ein magischer Moment bei Apple-Präsentationen ist oft (ob magisch hier tatsächlich passt, sei einmal dahingestellt), dass der Preis sehr häufig zur Nebensache wird. Da kann man ruhig noch einmal 100 US-Dollar teurer werden, auch wenn man sich nicht wirklich für das Produkt interessiert, der Effekt, am Ende es doch irgendwo haben zu wollen, zuckt recht häufig durch einen durch. Ähnlich war es auch bei der Präsentation der neuen MacBooks mit OLED-Touch-Leiste, allerdings war hier schon viel vom Zauber verloren gegangen.

 

Als Microsoft sein Surface Studio zeigte und welche Anwendungsbereiche es nutzt, war ich hin und weg. Das umklappbare Display mit extremer Auflösung und das enorm gelungene Design (wieso kam mir da Apple in den Sinn?) des Gerätes haben während der gesamten Präsentation eine enorme Faszination auf mich ausgeübt. Zumal viel über die Möglichkeiten des Surface Studio geredet wurden und wie dieses in das Design einflossen. Ein Stilmittel, welches Apple bis zur Perfektion beherrscht.

Die Präsentation des Surface Studio war grossartig. Ein „Haben will!!“-Gefühl nach dem anderen. So muss das auch sein. (Bild: The Verge)

Surface vs. Apple Mac – Die Schlacht um Design und Nutzen

Ich erinnere mich haargenau noch daran, als Apple damals die Magic Mouse vorstellte. Eine Computer-Maus, die in der Lage ist, Multitouchgesten zu verarbeiten und damit das Arbeiten am Mac enorm viel effizienter gestalten konnte. Der Wow-Effekt war riesig zu der Zeit und Apple hat das Zubehör seinen bereits sowieso schon toll designten Produkten immer stark in Optik und Funktionalität angeglichen. Das Microsoft das mittlerweile auch kann, haben sie aber über die letzte Zeit ebenfalls gezeigt.

 

Das Surface Studio kann mit dem Surface Dial bedient werden, einem aufsetzbaren Scrollrad, welches durch das Display sogar an Ort und Stelle erkannt wird. Die Möglichkeiten mit einem solchen Gadget sind auf Touch-Oberflächen dieser Grösse und Schärfe enorm. Egal, ob man in der Malerei nun Farbpaletten auswählt, Schriftarten oder Druckstärken. Radiale Menüs in dieser Form zu nutzen ist einfach absolut „Wow!“ für mich gewesen, eben so ähnlich wie das Bedienkonzept der damals neuen Magic Mouse.

 

Zumal Microsoft generell mit der Surface Reihe etwas sehr ansprechendes geschaffen hat. Während ich das Surface RT zum Start eher als Witz betrachtet habe (Sorry für diese unverblümten Worte), kam mit der Surface Pro-Reihe mein in Technik war gewordener Traum auf die Bühne! Windows 10, Intel Core-i-Hardware und das alles als Tablet. Danke Microsoft! Auch das Surface Book lässt mich hart am MacBook zweifeln.

 

In den Pressezentren der richtig grossen Events wie IFA, MWC oder CES sah ich über die Jahre hinweg überwiegend fast nur MacBooks. Die Zahl reduziert sich allerdings mittlerweile zunehmend durch die neuen Surface-Geräte von Microsoft. Der Markt zeigt das zudem auch, wie wir vor kurzem berichteten: Die Menschen mögen das Konzept und es geht auf. Apple führt die Riege um diese Bereiche zwar noch an, aber Microsoft ist stärker als je zuvor und das sogar mit einer eigenen Produktpalette.

 

Als Apple dann noch nach dem Surface Studio sein MacBook mit Touch-Bar vorstellte, fand ich das anfänglich zwar ganz cool, allerdings blieb mir der grosse Nutzen eher verborgen. Zusätzliche Touchdisplays sind nicht neu: Das Razer Blade-Notebook kam beispielsweise ebenfalls mit einem zweiten Touchpad daher, welches sich für Hotkeys im Gaming-Bereich konfigurieren liess. Nett, aber nicht wirklich innovativ. Apples Touch-Bar hat in meinen Augen ein ähnliches Problem: Es ist ein praktisches Feature, dass durchaus Spass macht und seinen Zweck erfüllt, aber der Wow-Effekt, den ich mir erhofft hatte, blieb für mein Empfinden aus. Ein Bruch, den ich so schnell in Apples Produktphilosophie nicht erwartet hätte.

Microsoft Surface Book 2 Teaser
Immer noch fester Bestandteil der Gerüchteküche: Das Surface Book 2 ist bis heute noch ein grosses Thema.

Diese Begeisterung muss bis zum Surface Phone durchhalten

Im Endeffekt ist das Konkurrenzbestreben in dieser Form also sehr angenehm. Microsoft weiss endlich, wie man die Geräte unter die Leute bringt und damit mein ich nicht nur den Business-Bereich. Surface Tablets und auch das Surface Book können auch für den hausüblichen Casual-Bereich sehr interessant sein und der Absatz scheint ja wirklich zu stimmen.

 

Auch wenn das iPhone den Löwenanteil am Geschäft von Apple trägt, so will man ganz bestimmt nicht die im professionellen Bereich viel eingesetzten iMacs und MacBooks hinten anstehen lassen. Zumal mir in der letzten Präsentation zum MacBook Pro mit Touch-Bar die absoluten Alleinstellungsmerkmale gefehlt haben. Man darf das aber auch nicht falsch verstehen: Apple hat den Kampf alles andere als verloren, aber es scheint ein wenig so, als würde es ihnen ein wenig aus den Fingern gleiten.

 

Am Ende musste ich also für mich persönlich feststellen, dass Microsoft viel von Apple geerbt bzw. besser gesagt gelernt hat und bei Apple hat man seit den neuen MacBook Pro eher das Gefühl, dass diese sich von dem, was das Unternehmen auszeichnete – die Begeisterung, das Gespür für Design und Nutzen und die Überzeugung in der Präsentation – ein Stück weit von entfernt hat. Das was wir noch beim iPhone 7 gesehen haben, war beim MacBook Pro so nicht mehr zu spüren. Für mich ist es seit der Surface-Reihe ein kleiner Sieg für Microsoft, mit vielleicht grösser Rückwirkung, als man zunächst denkt.

 

Jetzt fehlt nur noch, das Microsoft genau diesen Rückenwind auch auf ein mögliches Surface Phone übertragen kann. Schafft das Unternehmen aus Redmond dieses Unterfangen auch, dann sollte einer neuen Ära der mobilen Plattform von Microsoft wieder ein Auftrieb zu erwarten sein und der Preis wird ein Stück weit wieder zur Nebensache.

vg-wort
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5 Antworten zu “One’s Two Cents: Microsoft wird zu Apple und Apple wird zu Microsoft?”

  1. Dave2299 sagt:

    Toller Kommentar und bestätigt mein Gefühl zu dem Thema!

  2. Cofrap sagt:

    Sehe ich auch so.
    Apple hat in den letzten Jahren stark an Reiz verloren.
    ich denke zwar das ich auch weiterhin ein iPhone besitzen werde, aber es gibt ansonsten kein Apple Produkt dass ich haben muss.
    Mein iPad Air wird noch einige Zeit dienlich sein, aber hier werde ich zukünftig auf ein SurfaceBook zurückgreifen.

    Ich finde es auch sehr erstaunlich das Apple nicht viel für die Integration ihrer Produkte in andere Ökosysteme macht.
    Auch hier ist MS viel weiter. Sicher auch notgedrungen da es MS einfach an einem Smartphone mangelt.
    Sinjann aus einer Schwäche eine Stärke werden.

  3. Kommandant sagt:

    Sehr schöner Artikel. Nur fand ich das iPhone 7 alles andere als magisch. Eher langweilig und öde.

    Aber sonst (Ich als Apple Fan und User) hab auch das Gefühl das Apple die Ideen ausgeht. Warum wohl ? Steve Jobs, der Visionär ist leider verstorben und somit auch der Kopf von Apple.

    Allein MAGSAFE entfernen hat mich so dermaßen enttäuscht…

    Mein Iphone ist seit 1 Monat in Rente und ich bin Blackberry User geworden. Erst wenn Apple sich mal wieder anstrengt und auch für die saftigen Preise eine saftige Innovation bringt, wechsel ich vielleicht wieder 🙂

  4. Entrail sagt:

    Für mich war das iPhone 7 auch sehr sehr mau. Die Vorstellung erinnerte mich an das 6s wo sie auch die Kamera so gepriesen haben. Im Endeffekt war sie nur sehr marginal besser als die des 6ers. Beim 7er gleiches Spiel. Der Zoom des Plus ist wirklich schwach. Die zweite Linse ist von den Farben deutlich schlechter und so viel schärfer scheint es dann auch nicht zu sein.

    Wie dem auch sei bin auch ich sehr überzeugt von den Surface Geräten. Besitze seit 4 Monaten das SP3 und kann kaum etwas schlechtes darüber sagen. Nur als Tablet gefällt mir Windows 10 bisher immer noch nicht wirklich. Ich bin allerdings immernoch der Meinung sie sollten die Surface Pro und die Surface Book Linie verschmelzen. Beide wollen Tablet und Notebook sein – beide haben das Potential dazu. Für mich wäre es denkbar nur noch ein „Basetablet“ mit Kickstand zu designen von mir aus in 12 und 13,5″ und dann das Typecover oder das richtige Tastatur Dock seperat anzubieten.

  5. heuby sagt:

    Solange die Apps im Appstore von MS weiterhin so unterirdisch sind (Qualität und Funktionsumfang gegenüber iOS und Android) wird das nichts.

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