Die Nintendo Switch hat einen unglaublichen Siegeszug hingelegt und Nintendo hat mit sehr viel Stolz die über 155 Millionen verkauften Einheiten Ende Januar präsentiert. Interessant ist aber das Verhältnis zur Switch 2 und wie diese sich derzeit platziert. Denn irgendwas stimmt da nicht und Nintendo ist seit dem Herbst unglaublich verhalten, was den Erfolg der Switch 2 betrifft. Ich habe mich die Tage mal durch etliche Statistiken und Zahlen gewühlt und trotz des angeblichen “Erfolgs”, hat die Switch 2 einige fundamentale Probleme.
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Nintendo Switch 2 Verkaufszahlen schwanken massiv, je nach Region
Zwar ist die Switch 2 zum Start der Konsole, und auch noch die kurz darauffolgenden Wochen, die vermutlich am schnellsten verkaufte Konsole der Welt gewesen, das dürfte aber in Anbetracht des weltweiten Hypes auf einen Nachfolger der ersten Switch auch niemanden verwundern. Schliesslich ist der Vorgänger erst im sehr stolzen Konsolen-Alter von 8 Jahren abgelöst worden und das Warten auf die neue Konsole fühlte sich bereits wie eine Ewigkeit an.
Mittlerweile stellt sich aber Ernüchterung ein, denn die Verkaufszahlen sind in vielen Regionen derart heftig eingebrochen, dass Nintendo bereits seit Monaten unheimlich still über seine Switch 2 geworden ist. Allein in den USA soll das Weihnachtsgeschäft um über 35 Prozent eingeknickt sein. Auch in Europa sieht es nicht gut aus, wo die Verkaufszahlen der Switch 2 über Weihnachten ebenfalls deutlich einbrachen: Auf der Insel um 16 und in Frankreich sogar über 30 Prozent! Nintendo begründet das mit der schlechten Marktlage und Kaufkraft. Eine merkwürdige Antwort, wenn sogar die bereits über 5 Jahre alte PS5 sich deutlich besser in dieser Zeit verkaufte. Daher scheint die noch im Sommer 2025 am schnellsten verkaufte Konsole der Welt, mit unglaublicher Lichtgeschwindigket vor die Wand zu fahren. Zumindest im gesamten Westen, wie es scheint.
Denn während Nintendo in unseren Regionen seit Monaten sehr schmallippig ist, wird der Konzern nicht müde zu erwähnen, wie gut sich die Switch 2 doch in Japan verkaufen würde. Das ist auch aktuell das einzige Land, stabil hohen Absatz einfährt und nicht einmal im Preis nach weniger als 4 Monaten von Händlern reduziert werden musste. Allerdings ist Nintendo hier eine besondere Strategie gefahren, denn die Nintendo Switch 2 ist in Japan circa 150 Euro bzw. SFr. günstiger als im Rest der Welt! Die Konsole ist dort auch regional gesperrt und kann auch nicht in anderen Sprachen als japanisch verwendet werden. Die guten Verkaufszahlen in Japan, federn die extremen Einbrüche aber nicht ab.
Schlechte Spiele-Qualität, verärgerte Fans und Hardware-Rückschritte
Tendenziell ist die Nintendo Switch 2 keine schlechte Konsole, sie ist aber nicht die Art von Nachfolger, den man sich vielleicht gewünscht hätte. Auch unser Test der Switch 2 zeigt, dass Nintendo in einigen Bereichen nicht nur stagniert, sondern auch schlechtere Technik verbaut. Das verbaute LCD ist ein Rückschritt im Vergleich zur Switch OLED. Die Joy-Con haben die exakt gleiche Analog-Stick-Technik verbaut, wie der Vorgänger und daraus resultierend häufen sich im Netz wieder die Probleme mit Stickdrift. Dabei hatte Nintendo gerade in Europa explizit betont, man hege “grossen Stolz in die für Endkunden produzierte Qualität unserer Produkte” (so Nintendo auf der eigenen Webseite). Komisch, der Stolz ist so gross, dass wieder der gleiche Mist in den Joy-Con verbaut, der genauso schnell kaputt geht und noch schwieriger zu reparieren ist. Über die Verarsche mit den Game-Key-Cards rede ich jetzt besser nicht, das habe ich in einem anderen Meinungsbeitrag bereits zur Genüge getan.
Zu allem Überfluss kommt nun auch noch eine ungewohnt schlechte Spielequalität dazu, die man von Nintendo in dieser Form nicht gewohnt war. Mario Kart World zeigte sich im Test als kleine Katastrophe. Metroid Prime 4 ist mittlerweile nur noch belanglose Stangenware. Über die wirklich beschissene Qualität von Pokémon-Games müssen wir tatsächlich nicht mehr sprechen. Zwar hält Donkey Kong Bananza als Game-of-the-Year-Nominierung als einziges Spiel die Fahne hoch, um diese kurz danach wieder mit einem der beklopptesten DLC-Entscheidungen wieder zu verbrennen. Die exklusiven Games, auf die es auf einer Nintendo-Konsole nun einmal ankommt und warum Fans sich eine Nintendo-Konsole kaufen, sind entweder gerade eben nur Mittelmass oder im Falle von Pokémon Legenden A-Z sogar richtiger Schrott.
Auch wir stellten in einem anderen Artikel bereits fest, dass Nintendo anscheinend völlig den Faden zu seinen Fans verloren hat (hier geht es vor allem um Nintendos Geschäftspraktiken auch ausserhalb der Konsolenwelt). Ein weiteres tolles Beispiel war hier der 40. Jahrestag von Super Mario. Zwar kündigte Nintendo einen Super Mario Galaxy Film an, doch aus Gaming-Sicht kam nichts relevantes. Stattdessen hat Nintendo Super Mario Galaxy 1+2 als Bundle für heftige 70 Flocken nahezu unangetastet “neu aufgelegt”. Einzeln kosten die nur in der Auflösung aufpolierten Spiele 40 Zähler! Die Fans sind sauer und Nintendo scheint es völlig egal zu sein.
Und dem allem steht ein ebenfalls unglaublich hoher Preis von mindestens 450 Euro bzw. Schweizer Franken für die Konsole entgegen, der nichts von dem rechtfertigt, was da aktuell passiert. Zumal Nintendo offen darüber nachdenkt, die Switch 2 bereits in Kürze noch teurer zu machen. Grund dafür ist der aktuelle Hardwaremarkt und die Speicherkrise. Danke an dieser Stelle, ihr bescheuerten KI-Tech-Bros, die gerade die Weltökonomie an die Wand fahren! “To be fair”: Microsoft und Sony haben die Preise für ihre Konsolen bereits vor einiger Zeit erhöht. Gaming ist derart teuer geworden, dass es mittlerweile nicht mehr nur ein Kulturgut für alle ist (so, wie es sein sollte), sondern mittlerweile zum Luxusgut für höhere Einkommensschichten wird.
Nintendo, was nun? Es sieht wirklich nicht gut aus
Ganz ehrlich, für Fans ist das alles eine mittelschwere Katastrophe. Würde Nintendo wenigstens bei den Spielen abliefern, dann könnten man vielleicht noch auf einem anderen Niveau reden, aber hier steht ein Preis im Vergleich zur gebotenen Leistung im Vordergrund, dass der Absturz der Verkaufszahlen zumindest an dieser Stelle zeigt: die Fans lassen sich nicht mehr alles gefallen und was noch viel schlimmer ist… sie können sich auch nicht mehr alles leisten. Die Verkaufszahlen der Switch 2 sind zwar nicht schlecht, liegen aber hinter den Erwartungen zurück. Das gleiche gilt für die Spiele. Metroid Prime 4 Enttäuscht in Zahlen, denn etwas über 1 Million verkaufte Exemplare zusammengerechnet für BEIDE Switch-Konsolen, ist unglaublich wenig für so ein heisserwartetes Zugpferd. Auch das neue Mario Tennis Fever verkauft sich nach aktuellen Schätzungen ebenfalls nicht gut. All das hat natürlich seinen Grund.
Nintendo wirkt in seiner Geschäftspraktik mittlerweile so weit von den Fans und der Realität entkoppelt, dass es einfach zu diesem Kollaps kommen muss. Sie melken uns, die gerade wirklich auf gute (und bezahlbare) Unterhaltung in dieser wirklich sehr schlimmen Welt angewiesen sind, bis auf den letzten Tropfen und haben lediglich die Menschen im Blick, die ihnen am meisten Nützen: Menschen mit Anteilen in Aktien, die den Kurs steigen sehen wollen. Dass das Melken von uns Fans aber zur “Milchmädchenrechnung” werden könnte, zeigt sich aktuell auch am Widerstand der wirklich bis ins Mark geschüttelten Hardcore-Fanszene. Denn wenn selbst diese mittlerweile die Schnauze voll haben, könnte ja vielleicht etwas passieren. Die Hoffnung will man ja tatsächlich nicht aufgeben.
Bislang zeigt der traditionsreiche, japanische Spielegigant aber keine Einsicht. Weder bei der Hardware, noch bei den Spielen. Jüngstes Beispiel ist der 40. Geburtstag von “The Legend of Zelda”, den Nintendo nicht einmal in irgendeiner Form gefeiert hat. Die Fans gehen auch hier wieder mit leeren Händen nach Hause, zumal es bis auf ein mittelmässiges Spin-off bisher kein neues, echtes Zelda-Spiel im Raum steht. Bleibt am Ende nur die Frage: wie lange machen wir, die Nintendo zu dem gemacht haben was sie sind – die Fans, die all diese Franchises über alles lieben – das alles noch mit?
