Di. 29. Januar 2019 um 7:52

Zuckerberg bricht sein Versprechen – WhatsApp, Instagram und Facebook Messenger werden eins

von Yves Jeanrenaud3 Kommentare

Es war abzusehen, aber von Anfang an negiert worden. Die beliebten Messenger-Dienste WhatsApp und FB Messenger werden, ebenso wie Instagram zusammengeführt. Das hatte man damals, als WhatsApp von Facebook gekauft wurde, gleich abgestritten. Die Apps blieben getrennt und würden keine Informationen austauschen. Ähnlich war es bei Instagram. Dass das nicht eingehalten wurde, war schon länger klar. Der Datenweitergabe zwischen Facebook und Whatsapp musste an einem Punkt aktiv widersprochen werden. Und auch das half nicht so wirklich immer. Nun hat Mark Zuckerberg, Gründer und CEO von Facebook beschlossen, dass die drei Apps, WhatsApp, Facebook Messenger und Instagram, eine gemeinsame Basis bekommen. Das betrifft derzeit zweieinhalb Milliarden Menschen weltweit. 

Big Boss Zuckerberg bestimmt

Und es kommt nicht von ungefähr, dass viele zurecht empört sind. Zuckerberg bricht seine Versprechen, die er Nutzer und Nutzerinnen gegenüber ebenso wie den Angestellten bei Instagram und WhatsApp bei deren Übernahme gab: Die Firmen und Dienste blieben unabhängig und die Daten würden sicher sein. Dass dies nicht so sei, hat man schon an den Kündigungen der WhatsApp Gründer aus Datenschutzgründen ablesen können.

Gerade die WhatsApp-Initiatoren haben immer wieder öffentlich betont, wie sehr sie Werbung und Tracking verachteten und damit die zentralen Säulen von Facebooks Geschäftsmodell. Dass Zuckerberg die Gründer mittlerweile aus dem Konzern vertrieben hat, kommt auch nicht von ungefähr. Der Datenhunger des Anzeigen-gestützten Facebook-Unternehmens ist unersättlich und dessen oberster Chef, Mark Zuckerberg, regiert nun weiter mit eiserner Faust.

Er führt Facebook zu einem Monopol, dass die digitale Kommunikation in ein eigenes Universum von Apps einpfercht, aus dem auszusteigen immer schwieriger werden dürfte. Wer nicht mehr WhatsApp nutzen mag, kann in Zukunft vermutlich wohl auch kein Instagram oder Facebook mehr nutzen und umgekehrt. 

WhatsApp, Facebook Messenger und Instagram bleiben eigenständige Apps

Die drei Apps bleiben eigenständig, was ja auch schon deswegen sinnvoll scheint, da Instagram für Bilder und kurze Videos vorgesehen ist, WhatsApp hingegen für Katzen-Memes – nein, natürlich nicht, sondern wie Facebook Messenger für Chats ausgelegt wurde. Aber sie bekommen alle drei eine gemeinsame Infrastruktur. Das heisst, was ihr per WhatsApp schreibt, könnt ihr unter Umständen auch bei Instagram sehen und umgekehrt auch bei Facebook Messenger. Dieser Schritt festigt die Vormachtstellung von Facebook Inc. auf dem Markt noch mehr und bedroht noch mehr personenbezogene Daten, als je zuvor.

Zunächst bringt das natürlich Vorteile für Nutzerinnen und Nutzer. Wie so oft kommt der Preis der Unfreiheit im angenehmen Gewand daher.

Erstens werden die Chats zwischen allen drei Programmen und Personen, die ihr darin anschreibt, End-to-End-verschlüsselt. Das ist an sich eine sehr gute Sache.


SMS, WhatsApp und Co.
WhatsApp, Instagram und Facebook Messenger: Bleiben eigene Apps, aber werden eins – und damit ein Problem.

Verschlüsselt heisst doch sicher, oder?

Doch garantiert sicher und frei sind die Daten, die wir über die Apps versenden immer noch nicht. Denn die Metadaten, wann wo wie mit wem und was, verraten viel zu viel über uns und sind viel zu wertvoll. Das digitale Öl, die personenbezogenen Daten, sind das Geschäftsmodell Zuckerbergs. Und bei der noch grösseren Marktmacht ist es nicht abzusehen, wie sicher diese Verschlüsselung schlussendlich sein wird. Nicht nur, dass dann alle Daten in den USA liegen und die NSA direkten Zugriff qua Gesetz haben. Auch dubiose Dritte, etwa Cambridge Analytica zuvor, werden höchst wahrscheinlich Begehrlichkeiten haben und diese auch befriedigen dürfen. Wir dürfen an dieser Geschichte nicht vergessen, dass Cambridge Analytica damals nichts von Facebook verbotenes getan hat. Sie haben im Grunde genau das gemacht, was die Schnittstelle für die Apps auf Facebook vor sah, wofür sie eigentlich gemacht wurde. So wird es vermutlich auch in Zukunft Mittel und Wege geben, viel mehr Daten über viele Milliarden Menschen mehr von Mark Zuckerberg zu erhalten, ohne dass diese so genau davon wussten – geschweige denn, was damit passiert.

Der Inhalt ist sicher, aber die Metadaten werden verkauft?

Es ist schwer davon auszugehen, dass die Metadaten – also wer, wann und mit wem, wie und wie lange kommuniziert, nun aus den bislang getrennten Systemen zusammengeführt werden müssen und das eine Analyse einer gigantischen Verhaltensdatenbank ermöglicht. Die Metadaten sind nämlich für die Werbung, und Facebook ist im Grunde nichts weiter als ein Werbe-Netzwerk, enorm viel wertvoller als die Inhalte. Die maschinelle, sprich KI-gestützte Auswertung von Text, Bild und Links in den Chats und Posts, ist zwar enorm weit fortgeschritten in Menlo Park, doch Metadaten sind sehr viel leichter auszuwerten und hilfreicher für Werbetreibende. Denn es erfordert kaum Kontext-Interpretation. Wer mit wem kommuniziert, ist faktischer interpretierbar, als ob das Katzen-Bild aufmunternd, ironisch oder sonstwie gemeint war. Und darauf basiert die automatisierte Werbe-Ausspielung von Facebook, Google & Co. Ähnliche Interessen werden aufgrund der Metadaten analyisiert.

Diese Metadaten sind aber genauso gefährlich. Denn nun werden WhatsApp-Nummern ja schon mit Facebook-Profilen verknüpft. Zukünftig aber eben auch noch mit Instagram-Posts und so ergeben E-Mailadressen (von Facebook- und Instagram-Logins) zusammen mit Telefonnummern (aus allen drei Systemen) und echten Namen (Facebook) sowie den Likes und den Adressbüchern (alle drei) sehr schnell sehr umfangreiche Personenprofile. Da träumt jedes Doxing davon! Und diese Profile lassen sehr einfach Rückschlüsse auf die Vernetzung der Personen zu, beispielsweise von jenen, die politisch aktiv sind. So werden aber auch viele Menschen in viele Töpfe geworfen, die vielleicht gar nicht so gut passen. Big Data eben: Ähnliche Interessen wird sich vermutlich ähnlich Verhalten und umgekehrt. Also kann man Personen, die ähnliche Leute kennen auch ähnliche Produkte verkaufen. Kann gut gehen, muss es nicht. Aber darauf fusst ein Grossteil der digitalen Industrie und mit der Fusion von WhatsApp, Instagram und Facebook nun umso mehr.

Und wie erwähnt baut Zuckerberg sein Kommunikations-Monopol weiter aus, was uns nicht erst seit Wahlkampf und Fake News ein Alarmsignal sein sollte. Dass hier der Datenschutz, Wettbewerbskommissionen und auch die Zivilgesellschaft Sturm läuft beziehungsweise laufen sollte, gerade im Hinblick auch auf die DSGVO, mehr als deutlich.

 

 

Quelle: Facebook, Süddeutsche

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3 Antworten zu “Zuckerberg bricht sein Versprechen – WhatsApp, Instagram und Facebook Messenger werden eins”

  1. haep1 sagt:

    Na das ist aber mal eine furchtbare Clickbait Überschrift.

    Die Apps werden eben nicht eins sondern erhalten nur eine gemeinsame Basis, was für die Benutzer überhaupt keine sichtbare Änderung bringt.

    Und das ist eher aus technischer Sicht interessant. Die Daten teilen sich die Apps doch sowieso schon lang…

  2. RuedKlein sagt:

    Kann mir das jemand als Leihe erklären? Wie FB wissen ob ich WA oder Insta habe?

  3. Anaya sagt:

    Finde ich heikel, sehr heikel…
    nicht dass ich die(e) Dienste absolut meiden würde – problematisch ist nun mal wenn alles aus einer Hand kommt.

    Mich persönlich hat die Integration bereits genervt, als ein Bullaugen-Pop up in Whatsapp auftauchte, nur um mir Facebook-Messages unter die Nase zu reiben.

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