So. 03. März 2019 um 8:33

Gedanken: Zum No Phone Day und dem Day of Unplugging

von Yves Jeanrenaud1 Kommentare

Am ersten März ist in Grossbritannien der National Day of Unplugging. Ein Tag, der 2003 von Reboot ins Leben gerufen Wurde, mit dem Aufruf, heute nennt man es Challenge, 24 Stunden lang alle elektronischen Geräte ausgeschaltet zu lassen. Ziel ist es, mehr Zeit mit entspannenden Tätigkeiten zu verbringen, mit dem Freundeskreis, mit der Familie, in der Natur.

Ja, und all das ohne Selfie, ohne Status-Update und ohne Gruppennachricht!

Das klingt ein wenig nach dem guten alten Peter Lustig, wenn er immer augenzwinkernd sagte “Und jetzt, abschalten!”

 

Doch es geht auch etwas kleiner. Denn TV, Mikrowelle, Aufzug, Elektroherd und Waschmaschine sind doch sehr angenehme Errungenschaften der modernen Zeit, mag man meinen, und auch auch kleinere Geräte können wir doch schier nicht mehr verzichten. OnePlus, der famose Hersteller mehrerer Flaggschiff-Killer Smartphones, unterstützt passend dazu den NoPhoneDay und ruft dazu auf, bewusster mit unseren geliebten Smartphones umzugehen und die Zeit, die wir ihnen widmen, genauer zu beleuchten. Darum soll mal ein Tag lang Schluss sein mit dem Tech-Stress, aber nur mit dem Smartphone. 


OnePlus #NoPhoneDay

Wir haben am Freitag keine News gebracht. Nicht, weil NoPhoneDay war oder wir alle elektrischen Geräte, dem National Day of Unplugging folgend, ausgesteckt hätten. Auch nicht, weil es nichts interessantes zu berichten gegeben hätte – es ist schliesslich Mobile World Congress. Nein, der Grund ist viel, viel trauriger.

 

 

Ein langjähriges Mitglied des Teams von PocketPC.ch, der über die Jahre zum Kollegen und für manche auch zum Freund geworden war, hat den Kampf gegen den Krebs verloren. Das macht mich weiterhin fassungslos. Anfang Mitte dreissig ist einfach kein Alter, in dem man ans Sterben denken soll. Ich persönlich habe es zu oft in Familie und Verwandtschaft ebenso wie im Freundeskreis erfahren, wie unfair es ist und grausam Krebs zuschlägt. Ich weiss fürwar, dass es auch anders kommen kann und dennoch ist jedes Leben eines zuviel und kostbar und macht mich tieftraurig und bestürzt.

 

 

Wir verrennen unsere ach so wichtige Zeit doch viel zu oft in der Jagd nach faltbaren Smartphones und dem neuesten technischen Schnickschnack. Wir ärgern uns über fehlende Features und freuen uns über neue Chipsets, die vermeintlich mehr Leistung, hoffentlich endlich schnellere Geräte, zuguter letzt die heissersehnte Zeitersparnis mit sich bringen werden. Doch eigentlich drehen wir uns nur im Kreis um uns selbst und sind alle irgendwo gefangen in einer neoliberalen kapitalistischen Verwertungslogik zwischen Massenkonsum und Individualisierung, zwischen vorgegaukelter Intimität und virtueller Einsamkeit. Und wozu? Das müssen wohl alle für sich selbst beantworten.

 

Darum kommt an dieser Stelle auch kein Appell zum NoPhoneDay oder zum Ausstecken, kein Aufruf, die Zeit, die uns gegeben ist, besser mit unseren Liebsten und in unserem Freundeskreis zu verbringen. Ihr wisst alle selbst, was ihr macht und was ihr machen wollt und ich masse mir nicht an, euch zu bevormunden. Ich wünsche euch darum einfach ehrlich allen, dass ihr ein schönes Wochenende habt und zufrieden sein könnt mit dem, was ihr habt und was ihr erreicht. Dass ihr eine Familie und einen Freundeskreis habt, die euch Halt und Zuversicht geben, mit denen ihr Lachen, Weinen und Feiern könnt, die aber auch immer da sind, wenn ihr sie wirklich braucht.

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Eine Antwort zu “Gedanken: Zum No Phone Day und dem Day of Unplugging”

  1. jrahe sagt:

    Danke Yves Jeanrenaud,
    …gerade diese menschlichen Beiträge jenseits des alltäglichen “Technik-Wahns” machen dieses Forum so wertvoll.
    Mein/unser Mitleid gilt dem so jung verstorbenen Team-Mitglied.
    Liebe Grüße aus Schleswig-Holstein
    Jörg

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