Do. 22. Januar 2026 um 7:14

Big Tech hat 2025 rund 3 Billionen US-Dollar zugelegt

von Yves Jeanrenaud 0 Kommentare
Lesedauer: 4 Minuten

Die Aktienkurse der sieben grössten US-Technologieunternehmen sind in diesem Jahr um rund 3 Billionen US-Dollar gestiegen. Die gesammelte Rechenleistung dieser Unternehmen liegt im Gigawattbereich. Zum Vergleich: Das Kernkraftwerk Sizewell in Suffolk, Grossbritannien, würde etwa acht Monate benötigen, um nur ein Gigawatt Energie zu produzieren. Seine jährliche Produktionskapazität beträgt 1.2 Gigawatt pro Jahr, während die grössten Technologieunternehmen mit Hunderten von GW pro Jahr handeln. In den USA ist es mittlerweile so weit gekommen, dass Unternehmen wie Google bereit sind, mehr als den Grosshandelspreis für Strom zu zahlen.

 

Fast jeder zehnte US-Dollar der Investitionsausgaben in den Vereinigten Staaten fliesst im Jahr 2025 in künstliche Intelligenz. Diese Ausgaben waren laut einer Reihe von Ökonomen so umfangreich, dass sie das US-BIP in diesem Jahr um etwa ein Prozent erhöht haben.


künstliche Intelligenz

Aktienmarkt von wenigen Aktien dominiert

25 Prozent des gesamten globalen Aktienmarktes bestehen aus nur sieben Aktien.

Aber wohin führt das alles, und für die Kundschaft, deren Portfolios voll mit Aktien sind, die von künstlicher Intelligenz profitieren, in was genau investieren sie und wie entwickeln sich die Aussichten?

 

Die beiden Big Tech Aktien, aber auch andere Unternehmen waren im Jahr 2025 bisher volatile Anlagen, die im April aufgrund von Befürchtungen hinsichtlich Zöllen und im November unter den Analysen, dass die enormen Ausgaben für KI sich als unproduktiv erweisen könnten, an Wert verloren haben.

Grosse Programme können grosse Gewinne bedeuten

Diejenigen, die eine positivere Sicht auf die Investitionsmöglichkeiten für grosse Technologiewerte haben, darunter Paul Niven, der den F&C Investment Trust leitet, verweisen aber darauf, dass viele der beteiligten Unternehmen höchst profitabel sind. Auch wenn ihre KI-Produktanwendungen teilweise fraglich sind. 

 

Damit meint er Unternehmen wie Nvidia sowie Alphabet und Meta, die riesige KI-Programme betreiben, aber auch profitable Geschäfte haben.

 

Der Dotcom-Boom bis zum Platzen der Blase im März 2000 basierte auf der Prämisse, dass das Internet die Wirtschaft verändern würde. Das erwies sich später als teilweise durchaus zutreffend. Aufgrund übermässiger Spekulationen lösten sich aber die Aktienkurse von den Fundamentaldaten, und Überinvestitionen führten zu schlechten Renditen. Bei generativer KI stehen schon lange ähnliche Befürchtungen im Raum.

 

Denn es gibt Ähnlichkeiten in Bezug auf die Begeisterung über die vermuteten oder erhofften weitreichenden und tiefgreifenden Auswirkungen der KI auf viele Bereiche der Wirtschaft. Das Thema dominiert derzeit die Märkte, und angesichts der Investitionsentwicklung dürfte dies auch im laufenden Jahr so bleiben.

Gewinne um rund 40 Prozent gestiegen

Die Gewinne der grössten Technologieunternehmen in den USA in den letzten zwei Jahren sind um 40 Prozent gestiegen. Im Fall von Nvidia sind die Gewinne stärker gestiegen als der Aktienkurs, was bedeutet, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien gesunken ist. Mit anderen Worten: Gemessen an mindestens einem Bewertungsmassstab sind die Aktien heute günstiger als noch vor einem Jahr. Die Anzeichen für Ablösung von Realzahlen stehen also auch hier deutlich im Raum.

 

Unterschiedliche Fonds-Manager, etwa bei BlackRock oder Rathbones, gewichten Alphabet oder Nvidia als grösste Position. Letztere zeigten ein Umsatzwachstum von 62 Prozent. Eine ungewöhnliches Wachstum in einer Grössenordnung, wie sie bei einem etablierten Unternehmen sehr selten ist.

KI-Aktien drei mal mehr rentabel

Ein Korb von KI-Aktien verzeichnete im Jahr 2025 ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 13 Prozent, während Nicht-KI-Aktien in den USA ein Gewinnwachstum von 4 Prozent erzielten. Analysen sind jedoch eher verhalten, weil derzeit fast 43 Prozent aller gehandelten Unternehmen in den USA KI-Aktien sind. Die Branche hat sich massiv vernetzt und Firmenchefs geben gern in den Unternehmensabschlüssen einen Hinweis darauf, dass es sich um eine KI-Aktie handelt. Dies führt fast immer zu einem sofortigen Anstieg des Aktienkurses. Und das ohne konkrete Belege für die Zukunftsfähigkeit, Innovationskraft oder Rentabilität etwaiger Produkte.

Äusserlich mobil

Das Problem sei, so Analysen, aber weniger die Höhe der Geldzuflüsse in diese Unternehmen, sondern vielmehr die Art und Weise, wie diese Gelder verteilt werden. Dass die Aktienkurse in letzter Zeit sich so stark verändert, ist wohl vielmehr eine Folge des Versuchs des Marktes, zukünftige Werte der Investitionen von Tech-Unternehmen zu ermitteln und deren Renditechancen abzuschätzen. 

 

Dabei ist nicht nur die Renditeangst ein Faktor. Alphabet wie auch Meta oder Nvidia konnten lange auf eine kapitalarme Weise wachsen. Das heisst, sie konnten expandieren, ohne viel zusätzliches Kapital zu benötigen. Aber diese Unternehmen geben jetzt Hunderte von Milliarden für Forschung und Entwicklung sowie für Infrastruktur aus, um im Bereich der künstlichen Intelligenz zu wachsen. Es sind milliardenschwere Wetten auf KI. Ähnliches war früher schon zu beobachten, wie etwa bei Amazon und Microsoft, die aus ihren traditionellen Geschäftsbereichen generierten Barmittel in die Entwicklung von Cloud-Computing-Geschäften investiert haben, die heute sehr profitabel sind.

Mehr Skepsis an den Aktienmärkten

Doch der Anlagemarkt wird deutlich skeptischer. Nachdem Meta im November bekannt hab, Anleihen zu emittieren – also Schulden aufzunehmen – um sein KI-Programm zu finanzieren, hat dies Alphabet nicht getan. Doch dabei spielt auch ein Element der Zwanghaftigkeit eine Rolle. Wenn es um Investitionen geht, da beispielsweise Google sein seit langem etabliertes Suchgeschäft durch das Vordringen der KI bedroht sieht, müssen sie eben auch einfach mitziehen.

 

Der Vorteil dabei sei, so Analysen, dass sich nur wenige andere Unternehmen Ausgaben für KI in der Höhe leisten können, wie sie derzeit von den grossen US-Unternehmen getätigt werden. Das bedeutet, dass sie einen Vorteil haben, wenn der Sektor reift und tatsächlich Renditen erzielt sollten. Gleichzeitig wird es so aber auch für Mitbewerbsunternehmen kaum möglich, sich in die Märkte einzubringen. Auch läuft der Markt Gefahr, so in eine Überkapazität zu laufen. Das bedeutet, dass das Angebot die Nachfrage übersteigen würde. 

Alte Zyklen

Wie so oft, sahen wir solche Entwicklungen schon mehrfach: Wenn eine neue Technologie aufkommt, strömt Kapital mit viel Nachdruck in diese Technologie. Schliesslich kommt es zu einem Überangebot und an diesem Punkt wechseln viele ihr Investment zu den Unternehmen, die die Technologie einsetzen, anstatt zu denen, die sie herstellen. Bei KI ist das nicht ganz so einfach, da die Herstellung und Anwendung eng verwoben sind. Die Gefahr, das Angebot zu gross werden zu lassen, sehen nicht alle Analysen so gross an. Jedoch ist zu beobachten, wie Nvidia mit seinen Investitionsausgaben darauf abzielen, das Unternehmen “too big to fail” zu machen. Metas Kapitalaufnahmen hingegen werden sehr skeptisch beobachtet.

Neue Verteilung des Wohlstands

Neben dem Kapital, das direkt in den Technologiebereich des Marktes fliesst, gibt es jedoch auch erhebliche Spillover-Effekte auf die breite Volkswirtschaft. Investoren und Investorinnen können vom Wachstum im Zusammenhang mit KI profitieren, ohne selbst KI-Unternehmen zu besitzen.Beispielsweise ist die Baubranche davon beflügelt, da neue von Rechenzentren gigantische Projekte darstellen. Da verfügbarer und günstiger Strom für Nvidias Nachfrage ein potentieller Dämpfer sein kann, sind Investitionen in den Energiesektor erstaunlicherweise auch deutlich angewachsen. Nach mehreren Jahrzehnten, in denen die Energienachfrage weltweit stagnierte, ist nun ein Anstieg zu verzeichnen, insbesondere aufgrund der Nachfrage von Rechenzentren, die für KI erforderlich werden. In den USA sind unterdessen Unternehmen wie Alphabet und Microsoft bereit, mehr als den Grosshandelspreis für Strom zu zahlen, und mehrjährige und jahrzehntelange Verträge abschliessen, um Zugang zu Strom zu erhalten. Es scheint für die Unternehmen ein finales All-In-Investment zu sein.

 

Quelle: Financial Times, FT Adviser (Englisch) 

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