Review: Rubik’s WOWCube Zauberwürfel im Test
Vermutlich kennen nahezu alle den Rubik-Würfel aus den 1970er Jahren. Der ungarische Bauingenieur Ernő Rubik erfand das Drehpuzzle aus den 3x3x3 grossen Flächenwürfel in sechs verschiedenen Farben, der vor allem in den 80ern in weltweit zu grosser Beliebtheit kam. Durch Drehen des Zauberwürfels können beim Rubik’s Cube bekanntermassen die 26 der 27 Steine und so 48 der 54 Flächen nahezu beliebig im dreidimensionalen Raum bewegt werden. Von 2x2x2 bis 4x4x4 und unregelmässige bis kugelförmige Zauberwürfel haben wir in den Jahrzehnten verschiedene Varianten gesehen. Nun ist mit dem Rubik’s WOWcube ein neues Spielkonzept auf den Markt gekommen, denn der Würfel im Format 2x2x2 kommt mit 24 IPS-Bildschirmen sowie Dreh- und Neigesensoren daher und macht das ganze Konzept nunmehr smart. Wir haben den WOWCube aus Florida für euch getestet.
Inhaltsverzeichnis
Lieferumfang des Rubik’s WOWCube
Im Karton enthalten ist neben der Ladestation für den WOWcube zudem ein Sticker, ein USB-C-Kabel und USB-Steckernetzteil sowie eine englischsprachige Kurzanleitung und ein Mikrofaser-Tragebeutel. Mehr nicht, denn alles Weitere wird per App gesteuert.
Hardware und Eigenschaften
Der Rubik’s WOWcube ist 70 x 70 x 70 cm gross, schwarz und wiegt 320 Gramm. Das Gerät besteht aus acht Modulen mit jeweils drei IPS-Displays von knapp 25 x 25 mm, die jeweils mit 240 x 240 Pixel auflösen. Die Displays kommen mit 1.4 Zoll Diagonale somit auf eine Bildpunktdichte von 243 PPI. Damit kommt eine Auflösung insgesamt von 5760 х 240 Pixel zusammen. Alle acht Module können um einen zentrale, kugelförmige Halterung gedreht und verschoben werden. Dadurch können sie in einer Schicht um drei zueinander senkrechte Achsen um vier Grad gedreht werden.

Als Akku kommt ein Lithium-Ionen-Akku mit acht Zellen zu 450 mAh zum Einsatz, weil jedes der acht Module ebenfalls über einen eigenen Akku verfügt.
Somit kommt eine Gesamtkapazität von 3600 mAh und eine Spielzeit von bis zu sieben Stunden zusammen.
Jedes Modul hat auch einen eigenen Lautsprecher mit optimierter Speaker-Kammer und digitalem Verstärker, womit acht Speaker im WOWcube verbaut sind.
Ein hochpräzises Gyroscope und ein 6-Achsen Beschleunigungssensor dienen zur Lageerkennung und Steuerung. Der SoC wird vom Hersteller nicht näher spezifiziert.
Als Arbeitsspeicher sind 8 MB pseudostatisches RAM (PSRAM) verbaut und für Spielinhalte ist eine ist eine 120 MB SD-MMC vorhanden. Das reicht für 24 bis 36 Spiele.
Kommunizieren kann der Zauberwürfel per Bluetooth und BLE und verbindet sich so zur Basisstation, die per WLAN im 2.4-GHz Frequenzband mit dem Internet kommunizieren kann. In der Dockingstation steckt ein ESP32-S3 und eine konfigurierbare RGB-Beleuchtung. Wenn der WOWcube zum Laden aufgesteckt ist, kann die Dockingstation auch direkt mit dem Würfel kommunizieren. Auch sind zwei Mikrofone verbaut, die für KI-gestützte Spracherkennung genutzt werden. Bislang macht das aber keine App.
Bilder: PocketPC.ch / Jeanrenaud
Zur Stromversorgung dient ein USB-C-Anschluss auf der Rückseite, der USB PD (Power Delivery) unterstützt und so den WOWCube schnell aufladen kann.
Testeindruck
Der WOWcube ist gut verarbeitet und macht einen hochwertigen Eindruck. Die Module des smarten Zauberwürfels lassen sich präzise, leicht und angenehm drehen und verschieben. Sie rasten hörbar ein, ohne dabei besonders schwergängig zu sein.
Vorinstalliert ist eine englischsprachige Kurzanleitung als App, eine App zur Diagnose und für Einstellungen. Hier kann die Helligkeit von 5 Prozent bis 100 Prozent und die Lautstärke ebenfalls in zehn Prozent-Schritten eingestellt werden. Die Lautstärke jedenfalls kann auf null gedreht werden. Spiele sind von Haus auch schon installiert, darunter Cut the Rope, 2048, Steam Pipes und ein Puzzle-Spiel mit Schmetterlingen sowie eines mit Marienkäfern gleich vorhanden. White Rabbit ist ein Pacman-Klon mit einem weissen Hasen. Zudem gibt es einen 2×2 Rubik-Würfel mit sechs Farbflächen und sechs amerikanische Präsidenten (darunter nicht der derzeitige) als Rubik Rätsel. Aquarium ist eine Art Nachtlicht mit Fischen, die im würfelförmigen Wasserbehälter simuliert werden. Mehr gibt es per App für Android und iOS zum Nachinstallieren.
Die App erfordert eine kostenlose Registrierung per E-Mail und ist nur auf Englisch zu haben. Hier lassen sich auch Updates installieren und Spiele und Apps deinstallieren.
Screenshots: PocketPC.ch / Jeanrenaud
Manche über 50 Apps sind kostenlos, manche sind vorerst nur angekündigt, andere kosten Geld. Dafür wird eine In-App-Währung namens CC$ verwendet, wobei diese US-Dollar entsprechen und per App Store als In-App-Kauf erstanden werden müssen. Ein Spiel wie Space Invaders Cubed kostet sodann auch stolze 30 US-Dollar.
Zudem erlaubt die App, eigene Spiele zu erstellen. Derzeit ist es aber nur möglich, bis zu sechs Bilder zu einem Rubik’s Cube zusammenzustellen. Mit Widgets können Wetterübersichten für nahezu beliebige Orte weltweit, Mondphasen, Uhren und Aktienkursinformationen auf den 24 kleinen Bildschirmen angezeigt werden.
Die Spiele, ob Space Invaders oder 2048, aber auch die verschiedenen Puzzle-Spiele und Zauberwürfel-Apps funktionieren soweit gut und flüssig auf dem WOWCube. Es ist erstaunlich befriedigend, beispielsweise den kleinen roten Ball durch das Labyrinth zu bugsieren, dieses physisch zu drehen und zu verändern, um in den Mund des grünen Monsterchens fallen zu lassen im Klassiker Cut the Rope. Das macht richtig, richtig viel Spass und fesselt einem problemlos auch stundenlang an den digitalen Zauberwürfel. Drehen und kippen, Segmente verdrehen und mit Schütteln und Antippen das Menü steuern fühlt sich sehr schnell sehr intuitiv an.
Auch die Rubik-Rätsel wie “The Art of Science” mit den (ki-generierten) Comic-Gesichtern von Berühmtheiten aus den Naturwissenschaften oder “Presidents” mit sechs amerikanischen Präsidenten sind unterhaltsam zu lösen. Immer, wenn man ein Gesicht erfolgreich aus seinen vier Einzelteilen zusammengestellt hat, wird eine kurze Informationsseite zu der Person eingeblendet. Leider ist diese Belohnung auch lediglich auf Englisch verfügbar.
Video: Cubios
Das alles klappt soweit ganz gut und meist auch zuverlässig. Die Akkulaufzeit ist mit fünf bis sieben Stunden gut bemessen und mehr als ausreichend zumal der Ladevorgang auch schnell vonstattengeht.
Ab und zu, und für meinen Geschmack zu oft, bleibt jedoch ein einzelnes Display irgendwo in seinem Zustand hängen. Da werden die Farben mal invertiert dargestellt oder das Segment bleibt komplett schwarz. Es hilft dann nur noch, den Würfel neu zu starten in dem er per Settings-App in den Standby geschickt und dann durch ein Einsetzen in die Dockingstation wieder aufgeweckt wird. Das ist nicht gut und auch mit dem letzten Firmware-Update nicht besser geworden. Irritierend ist auch, dass man nicht den ganzen Speicher, der in der App in Prozent angezeigt wird, mit Spielen und Apps für den WOWCube füllen kann. Nach 24 Apps ist plötzlich Schluss und man muss erst welche deinstallieren. Das liegt aber wohl an der Menüführung, denn zum Starten der Apps benutzt man jeweils einen der 24 Bildschirme des Zauberwürfels. Ordner wären hierfür vielleicht eine Lösung. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass diese Probleme auch behoben werden können.
Mehr Spiele und Inhalte sollen wohl kommen, auch wenn derzeit schon eine gute Auswahl an Apps im eigenen Store für den WOWCube vorhanden ist, zugegeben teilweise nicht gerade preisgünstig. Ein entsprechendes SDK für den WOWCube hat der Hersteller Cubios bereits veröffentlicht und schickt die Links zu den Visual Studio Extensions per E-Mail zu. Eine Einbindung in MindHub AI, einer Plattform zum Trainieren der eigenen kognitiven Fähigkeiten, ist ebenfalls angepriesen. Ein No-Code-Tool zum Programmieren eigener Spiele für den Zauberwürfel namens WOWCube Blocky soll ebenfalls bald folgen. Zudem gibt es mit WOWCube Studio die Möglichkeit, Würfel-Designs direkt am Rechner per Browser zu erstellen. Das klappt soweit auch ganz gut.
Video: Cubios
Preis und Fazit
Der Rubik’s WOWCube ist beim Hersteller aus Sarasota, Florida, für 399 US-Dollar erhältlich. Das ist happig. Mit dem Coupon-Code CHRISTMAS25 gibt es, auch wenn Weihnachten schon lang hinter uns liegt, derzeit noch 100 US-Dollar Rabatt auf den smarten Zauberwürfel. Hinzu kommt aber nochmal der Versand von etwa 60 US-Dollar.
Unser Zauberwürfel WOWCube wurde aus den Niederlanden verschickt, so dass wohl auch für andere in Europa keine gigantischen Einfuhrzölle auf amerikanische Waren anfallen dürften, aber der Preis ist dennoch unglaublich hoch angesetzt für ein Spielgerät. Auch wenn die Menschen von Cubios gerne von einem neuen Gaming- und Entertainment System sprechen, ist der Preis, für den man fast schon eine Nintendo Switch 2 bekommt, nur schwerlich zu rechtfertigen. Hinzu kommen noch die Spiele-Apps, die auch nicht alle kostenlos oder preisgünstig sind. Klar, die Firma ist klein und kann nicht auf eine immense Massenproduktion setzen, die Herstellungspreise drücken könnte. Aber über 300 SFr. bzw. Euro sind eine Menge Geld für ein digitales Spielzeug, dass eben das Risiko einer kleinen Klitsche mit sich bringt: Wenn der Hersteller morgen vom Markt verschwindet, ist es aus mit Updates, ja sogar mit Apps installieren auf dem tollen kleinen Zauberwürfel. Und bei den vielen Ankündigungen und Superlativen auf der Webseite von WOWCube wirkt das Ganze leider auch immer noch mehr wie ein Crowdfunding-Projekt als ein fertiges Produkt, wenngleich wir den Zauberwürfel in Händen halten und die Funktionen soweit alle halten, was die Produktbeschreibungen aufbieten. Das soll hier nicht falsch verstanden werden: Der Rubik’s WOWCube ist ein richtig tolles Produkt und macht irrsinnig viel Spass. Auch Kinder können die Finger kaum von dem Spielgerät lassen. Doch ob der abgerufene Preis wirklich so gut angesetzt ist, dass das Produkt den notwendigen und nachhaltigen Absatz am Markt generiert, ist aus meiner Sicht leider etwas fraglich.



Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.