Hallo Freunde,
hier schon mal mein persönlicher Erfahrungsbericht nach knapp zwei Wochen G1 (Android-) Benutzung.
Bitte dabei beachten, dass ich eigentlich kein typischer PocketPC-/WindowsMobile-Benutzer bin. Zwei Monate lang war ich ein anfangs durchaus stolzer, später zunehmend unzufriedener Benutzer des XPERIA X1. Die meisten anderen Benutzer haben bessere Meinung über MS Windows Mobile.
BEZUGSQUELLE, PREIS UND LIEFERZEIT
Das Android-Etwicklerhandy "Android Dev Phone 1" hatte ich über Google bestellt. Man muss sich dafür als Android-Softwareentwickler registrieren (einmalig 25 USD). Das Gerät selbst kostet 399 USD, Versandkosten betragen weitere fast 190 US-Dollar, beinhalten aber auch Importzölle und Umsatzsteuer. Alles zusammen macht umgerechnet rund 450 EUR - ein durchaus fairer Preis. Das Handy kam nach genau einer Woche über UPS schon an, wobei Versandbestätigung erst einige Stunden später per Email eintrudelte.
VERPACKUNG, LIEFERUMFANG, DESIGN
Das Handy ist in einem neutralen weißen Karton verpackt. Als Zubehör findet man USB Kabel, USB-Netzteil (mit US-Netzstecker) und eine "Quick Start"-Anleitung auf Englisch. Im Handy steckt bereits eine 1 GB MicroSD-Karte. Das Design des Gerätes haut wohl niemanden vom Hocker... verwendete Materialien und Verarbeitung sind aber sehr gut und das Gerät füllt sich in den Händen warm und geschmeidig an. Hardwaremäßig ist es ein T-Mobile G1 (auch bekannt als "HTC Dream"), nur ohne T-Mobile Logo (dafür mit einem originellen Muster auf der Rückseite) und ohne jeglichen Sperrer. Man kann es also nicht nur in allen Netzen betreiben, sondern auch alternative (z.B. selbstkompillierte) Versionen des Systems installieren.
INBETRIEBNAHME
Gleich nach dem Einschalten muss man die Google-Anmeldedaten eintippen. Ohne Google kommt man in dieser Android-Version gar nicht weiter. Hier musste ich erst mal feststellen, dass die Datenverbindung nur in den T-Mobile Netzen sofort funktioniert. In allen anderen Netzen kommt nach einiger Zeit lediglich eine nicht wirklich Fehlermeldung über das Fehlschlagen der Google-Anmeldung. Die Lösung (die ich auf dem PC im Internet gefunden habe) lautet: Menütaste drücken und einen neuen Datenzugrifspunkt einrichten (in meinem Fall eins für e-plus). Nach der Google-Anmeldung hat man noch Gelegenheit, einige Einstellungen vorzunehmen (Datum, Zeit, Datums- und Zeitformat), und schon ist das Gerät betriebsbereit.
HARDWARE, ERGONOMIE
Ergonomisch finde ich das Handy sehr gut gelungen. Die Tastatur unter dem Display ist erstklassig: die Tasten sind in 4 Reihen angeordnet (mit dedizierten Nummerntasten oben), sind nicht zu nah aneinander und haben einen guten Druckpunkt. Buchstaben und Zahlen darauf sind weiß und Sonderzeichen hellblau. In Dunkelheit werden sie entsprechend beleuchtet und sind bei allen Lichtverhältnissen stets gut zu erkennen. Mit der Tastatur komme ich viel besser zurecht, als z.B. mit einer von SE Xperia X1, die lediglich 3 Tastenreihen hat und in Dämmerung ganz ungünstig beleuchtet wird. Leider ist die Tastatur aus verständlichen Gründen US-Amerikanisch, also ohne Umlaute. Das Handy hat 5 weitere Hardwaretasten und einen Mini-Trackball, der herforragend funktioniert (baugleich mit dem von BlackBerries). Der Bildschirm ist etwas kleiner, als der von iPod, bei gleicher Auflösung (HVGA: 480 x 320 px). Vergleich mit SonyEricsson Xperia X1 fällt anders aus: der Bildschirm ist etwas größer jedoch nicht so scharf. Diesen Schärfeunterschied merkt man zwar sofort, vergisst man aber schnell und vermisst dann kaum. Das Handy hat eigentlich einen Multitouch-Bildschirm, diese Fähigkeit ist aber deaktiviert (im Android-Quellcode auskommentiert), vermutlich weil Multitouch-Bedienung von Apple patentiert ist. Das Handy hat keinen Lichtsensor und keine Front-Kamera für die Mobiltelefonate, dafür aber einen Kompass und Lage-/Beschleunigungssensoren sowie eine 3 M Fotokamera, die (noch) keine Videos aufnimmt und auch sonst ziemlich träge ist.
BENUTZEROBERFLÄCHE
Wow, da kommt die Freude auf! Die Android-Oberfläche ist logisch aufgebaut und flexibel gestaltbar. Sie ist für die Bedienung mit den Fingern optimiert (auf Stylus reagiert der Bildschirm nicht mal). Fast alle Aufgaben kann man sogar in einer Hand mit dem Daumen erledigen. Programme starten sehr zügig und man kann sehr schnell zwischen mehreren Applikationen umschalten. Je nach Implementierung (=je nach Bedarf) werden die Programme mit dem Druck auf "Home" oder "Zurück" entweder komplett geschlossen oder laufen sie im Hintergrund weiter, wobei auch da mehrere Möglichkeiten bestehen: entweder bleiben die Programme im Hintergrund aktiv (um z.B. WLAN-Zugriffspunkte automatisch zu erfassen) oder werden sie in einen "gefriergetrockneten" Zustand versetzt, in dem sie kaum Prozessor- und somit Aku-Leistung benötigen. Als Benutzer weiß man eigentlich nie, wie viele Programme sich gerade im welchem Zustand befinden, und hat auch keine Möglichkeit, Programme gezielt zu beenden. Man brauch das eigentlich auch nicht, weil das System selbst sehr gut alles regelt. Nach zwei Wochen aktiver Benutzung habe ich noch nie Abstürze oder Verlansgamung des System beobachtet. Dabei startet Browser oder Email-Applikation stets in 0,5 - 1 Sek! Interessanterweise hat Android bis jetzt keineb virtuelle Tastatur. Diese sollte in wenigen Wochen mit dem ersten größeren Upgrade des Systems kommen.
BASIS-SOFTWARE
Out-Of-The-Box bekommt man schon Vieles, was man von einem Handy erwartet: Programme zum Anrufen und SMS-/MMS-Schreiben, Kalender und Kontaktverwaltung (die stets mit Google synchronisiert werden), Musikplayer, Bildbetrachter, GoogleMail-Client, allgemeine Email-Applikation, Browser, GoogleMaps-Programm (mit StreetView und Kompass-Unterstützung), YouTube-Applikation sowie Einiges mehr. Benutzer eines klassischen Smartphones werden aber Einiges auch vermissen: es gibt z.B. keine Software für die PC- (Outlook-) Syncronisation und auch keine Office-Programme a-la Word oder Excel. Es gibt aber mehrere kostenlose Tools, um Outlook oder Lotus Notes mit den Google-Daten (Emails/Kontakten/Kalender) zu synchronisieren, und auch Office-Software für Android wird es sehr bald geben. Angenehm schnell ist der Browser, der alle Webseiten schnell lädt. Man kann dann sehr angenehm und flüssig rumscrollen (Webseite mit den Fingern verschieben) und weniger gut zoomen (mit speziellen Symbolen größer oder kleiner machen). Dabei merkt man schon, dass z.B. XPERIA eine bessere Auflösung hat, vermisst sie aber kaum, weil man zum Lesen den Text sowieso größer macht. Für die jüngeren Benutzer mit sehr guten Augen mag der Bildschirm vielleicht zu wenige Punkte haben, für micht ist er aber völlig ausreichend. Ein Minus beim Standard-Browser: Copy+Paste des Textes geht (noch) nicht.
GOOGLE-INTEGRATION
Wenn jemand bereits einen Google-Account mit Emails, Kontakten und Kalender aktiv nutzt und es mag (oder auf Google umzusteigen bereit ist) - der wird begeistert sein! Neu eintreffende Emails werden innerhalb weniger Sekunden auf dem Handy angezeigt und man kann damit quasi gleichzeitig auf dem PC und auf dem Handy arbeiten, z.B. eine Antwort aufm Handy beginnen, sie als Entwurf speichern und zuhause am PC zu Ende schreiben. Alle Emails, alle Kontakte und alle Termine sind stets synchron, ohne sie explizit synchronisieren zu müssen. Das heißt aber, dass das Handy normalerweise immer online ist und immer wieder kleine Datenpakete rumschickt und empfängt. Eine Datenflatrate ist aber kein Muss, weil der Traffic durch die schlanken Datenprotokolle minimiert wird. Meine 250 MB monatlich sollten mir locker reichen, wenn ich unterwegs den Browser nicht allzu oft benutzen werde. Freundlicherweise trennt das Handy alle Datenberbindungen beim Verlassen des Heimnetzes (im Ausland) und fragt mich nach, ob ich sie explizit erlauben will, damit keine Kosten wegen Roaming entstehen. So überprüfe ich z.B. im Frankreich meine Emails bei jedem McDonalds oder Quick umsonst über WLAN.
Aber falls einer etwas gegen Google hat und seine Dienste nicht benutzen kann oder will -- der soll lieber abwarten, bis andere Hersteller (Samsung, LG, Motorola, SonyEricsson, HTC) seine Android-Phones in einigen Monaten herausbringen. Manche von denen werden bestimmt komplett Google-frei sein.
ZUSATZ-SOFTWARE, ANDROID-MARKT
Android ist bekanntlich modular aufgebaut und alle Module sind dabei gleichberechtigt. Das heißt, auch solche Grundfunktionen wie SMS-Schreiben oder Kontaktverwaltung sind schnell and einfach austauschbar: jeder Entwickler kann ein Modul (Java-Applikation mit entsprechenden Schnittstellen) schreiben und zur Verfügung stellen, welches das Originalmodul des Systems ersetzt. Hoffentlich kann man dabei nicht viel kaputt machen
Es gibt bereits jede Menge an Zusatz- (und Ersatz-) Software, obwohl Android noch sehr jung ist. Diese Programme kann man direkt übers Handy vom Google-Market herunterladen und installieren. Über einen PC-Browser ist dieser Dienst nicht erreichbar. Bis Ende des Jahres sind alle Programme dort kostenlos, ab Januar sollte auch kommerzielle Software geben. Mehrere bekannte Softwarehäuser haben schon verschiedene Programme und Programmpakete für Android angekündigt und warten nur darauf, sie dort verkaufen zu können.
Da der Android-Markt nicht zentral verwaltet wird und jeder, der 25 USD für die Registrierung bezahlt hatte, theoretisch jeden Schrott hochladen kann, sind dort entsprechend viele minderwertige oder halbfertige Programme und unnützliche Demos zu finden. Zum Glück werden alle Programme auch sehr schnell von vielen begeisterten Benutzern ausprobiert und bewertet, was den Auswahl erheblich erleichert. Mit zunehmender Anzahl der Programme wird der Markt aber zunehmend unübersichtlich.
Neben einigen wenigen Spielen habe ich folgende "3rd party"-Applikationen ausprobiert und für nützlich befunden: "Any Cut" (Shortcut-Verwaltung fürs Desktop), "aTrackDog" (um Programmversionen zu überprüfen und Updates zu finden), "Bubble" (Wasserwaage), "OI File Manager" (Dateiverwaltung), "Power Manager" (um Akku zu schonen), "WifiScan" (um WLAN-Zugriffspunkte zu finden). Alle Programme lassen sich sehr leicht installieren und wieder deinstallieren.
Man kann in dem Android-Market übrigens auch einen alternativen Browser "Steel" finden und installieren, der etwas anders zu bedienen ist und z.B. den Lagesensor unterstützt. Ich habe ihn ausprobiert aber wieder deinstalliert, weil so viel anders und/oder besser ist er noch nicht. In einigen Wochen werde ich bestimmt eine neuere Version wieder testen.
VERGLEICH MIT SONY ERICSSON XPERIA X1 (WM 6.1)
NACHTEILE:
Schwacherer Akku (muss fast jeden Tag geladen werden)
Kein Lichtsensor = keine automatische Anpassung der Helligkeit
Schlechtere Bildschirmauflösung
Kein dedizierter Kopfhörer-Anschluss
Keine direkte Synchronisation mit PC, nur über Google (später bestimmt verfügbar)
Keine Office-Funktionen (Anfang 2009 als Zusatz-Software verfügbar)
Keine virtuelle Tastatur (nach dem OS-Update sehr bald verfügbar)
Keine Videoaufnahme (nach dem OS-Update bereits verfügbar!)
Nur zwei einfachste BlueTooth-Profile (nach dem OS-Update bereits zwei weitere verfügbar)
Ohne Google derzeit kaum zu gebrauchen (es wird sich später bestimmt ändern)
Oberfläche derzeit nur komplett in English (andere Sprachen bereits in Vorbereitung; Deutsch sogar sehr bald)
Einige Module und Applikatione noch nicht ausgereift (es wird daran gearbeitet)
VORTEILE
Insgesamt viel schneller und stabiler
Einfach und intuitiv zu bedienen (auch mit einer Hand und ohne Stylus)
Bessere Tastatur
Trackball besser als optischer Joystick
Lautsprecher ist besser
Akku wird deutlich schneller (auch vom PC) geladen
Kompass und Lage-/Beschleunigungs-Sensoren eingebaut
Starke Integration der Google-Dienste (Email, Kontakte, Kalender)
Zusatzprogramme dank Android-Market schnell zu finden und einfach zu installieren
Alle Programme haben normalerweise gleichen "Loock-And-Feel" = gleiche intuitive Bedienung
Ist Open Source
Wird sehr aktiv weiterentwickelt
Wie man sieht können die meisten Nachteile, die ich persönlich sehe (andere Benutzer können bestimmt andere Mängel finden) bereits in wenigen Wochen oder Monaten durch Software-Upgrades beseitigt werden, und spätestens im Sommer 2009 wird es bestimmt mehrere weitere Geräte geben, mit besseren Bildschirmen, stärkeren Akkus und 3,5 mm Kopfhöreranschlüssen.
FAZIT
Android ist derzeit (noch) nicht jedermanns Sache, hat aber unglaublich viel Potential. Ich persönlich benutze dieses System bereits jetzt sehr gerne; Benutzerfreundlichkeit und Geschwindigkeit begeistern mich immer wieder! Und wenn in einigen Wochen und Monaten größere Updates kommen und weitere Zusatzsoftware (u.A. Slovoed Wörterbücher und Garmin Navi-Software) sowie neue (bestimmt auch weniger Google-zentrische) Geräte der großen Herstellern ....
NACHTRAG
Fragen und Bemerkungen aller Art sind willkommen. Dabei, wie der Modertor sagte: eine öffentliche Frage = ein Thread.
In den kommenden Tagen werde ich einige Zeitmessungen vornehmen und hier veröffentlichen: wie lange braucht jeweils SE Xperia X1 und Android Dev Phone 1 nach dem Einschalten um betriebsbereit zu sein, wie schnell lädt der Browser eine oder andere Webseite usw.









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