Di. 20. Oktober 2015 um 20:50

Android 6.0 und die SD-Karte im Detail

von Marc Hoffmann4 Kommentare

Als Android in seiner ersten Version 1.0 mit dem T-Mobile G1 vor sieben Jahren auf den Markt kam, waren microSD-Karten ein essenzieller Bestandteil des Systems. Bei den ersten Androiden hatte man nur wenig internen Speicher, die sogenannte Userdata-Partition, und darauf keinen Zugriff. Diese diente nur zum ablegen der Apps in Form einer APK-Datei, die geschützten App-Daten und den Cache. Wollte man mit der Kamera aber Fotos schiessen, mit Apps weitere Dateien herunterladen oder erzeugen oder gar eigene Dateien auf dem Smartphone ablegen, musste man dafür eine Speicherkarte nutzen. Später gab es auch Geräte, welche nicht über eine physische Speicherkarte verfügten, aber mehrere Gigabyte internen Speicher enthielten, wie das Sony Xperia S mit 32 GB Speicher und Android 2.3, bei dem der interne Speicher fest unterteilt war in eine 4 GB Userdata-Partition und eine 24 GB fassende Media-Partition, welche wie eine SD-Karte behandelt wurde.

 

Mit dem Release von Android 3.0 für Tablets und später Android 4.0 für beide Geräteklassen wurden Speicherkarten allerdings zu einem sprichwörtlichen Anhängsel degradiert. Hier wurde die bisherige Media-Partion als virtueller Speicher in die Userdata-Partition integriert, was in erster Linie Geräten zugute kam, welche nur über viel Festspeicher, aber nicht über eine SD-Karte verfügten. Günstige Smartphones mit nur wenigen Gigabyte internem Speicher und einem microSD-Slot hatten hier das Nachsehen, da man für Apps und auch speicherhungrige Spiele vollständig auf den internen Speicher angewiesen war. Abhilfe konnte auch das portierte App2SD-Feature von Android 2.2 nicht mehr schaffen, da dieses zwar Teile der APK, nicht aber die zusätzlich heruntergeladenen Daten von Apps auf SD verschieben konnte. Bis auf wenige Apps, welche spezielle SD-Unterstützung implementiert hatten, war man also auf den internen Speicher des Gerätes angewiesen.

Mit Android 6.0 ist die SD Karte eine echte Speichererweiterung

Unter Android 6.0, bisher auf Googles Nexus-Geräten und bald auf dem HTC One A9, hat Google es endlich geschafft, die Speicherkarte wieder als vollwertige Speichererweiterung für Android-Geräte zur Verfügung zu stellen. Dafür bietet das System zwei mögliche Varianten an, wie die microSD-Karte verwenden wird und fragt dies bereits bei der Ersteinrichtung ab:

  1. Die Speicherkarte wie bisher auch als reinen Medienspeicher verwenden, auf den man seine Musik, Videos und Fotos speichert und nur einige Apps ihre Daten dort auf Wunsch ablegen können.
  2. Die Speicherkarte als zusätzlichen, verschlüsselten internen Speicher formatieren. Doch hier wird es auf den ersten Blick etwas kompliziert, weswegen wir uns das mal auf einem Xperia Z3 mit Sony Concept Firmware mit Android 6.0 für euch angeschaut.

Grundsätzlich ist es so, dass nach der Formatierung der microSD als internen Speicher sich diese so verhält, als hätte man eine zweite Userdata-Partition wie unter Android 4.0. Als Nutzer_in hat man aber dann selbst keinen Zugriff darauf, sondern weiterhin nur auf die virtuelle Media-Partition, welche sich noch immer im internen Speicher befindet. Apps werden weiterhin automatisch in den internen Speicher installiert. Doch nun hat man die Möglichkeit, Apps – also nur die APK-Hauptdatei – vollständig zwischen den beiden Userdata-Speichern zu verschieben. Doch das Hauptproblem, nämlich riesige OBB-Dateien, welche Zusatzdaten zu Apps aus dem Play Store enthalten und bei Spielen gern mehrere Gigabyte gross sind, wird damit noch nicht gelöst. Installiere Apps „sehen“ nämlich auch keine Speicherkarte mehr, sondern nur noch einen einzigen Speicher. Über die Speicherverwaltung von Android 6.0 Marshmallow kann man nun die Speicherkarte aufrufen und über die Menüpunkte die Option Daten Migrieren auswählen. Danach wird der gesamte Inhalt der virtuellen Media-Partion auf die mircoSD-Karte verschoben und diese komplett umgelagert. Die Apps selbst verbleiben aber in dem Userdata-Speicher, in dem sie auch vorher lagen.

 

Ist dies einmal erledigt, wird der gesamte interne Speicher des Smartphones für Dateimanager blockiert. Dieser steht nun ausschliesslich für Apps, App-Daten, Cache und weitere Systemdaten zur Verfügung. Durch diese radikale Umschichtung des Speichers ist man nun auch nicht mehr darauf angewiesen, dass Apps die SD-Karte als Ablageort für Daten unterstützen, da diese nur noch einen Medienspeicher zu sehen bekommen, unabhängig davon, ob dieser intern oder auf der externen microSD-Karte liegt.

Verschwendeter Speicher auf High-End Android-Geräten

Klingt doch gut? Doch es gibt auch Geräte, bei denen man sich diese zweite Möglichkeit zweimal überlegen sollte. Die reinen Apps, ohne die Zusatzinhalte, welche dann auf der Speicherkarte liegen, sind nach Play Store-Richtlinien maximal 100 MB gross und wachsen im höchstens auf 200 bis 300 MB an, wie bei Facebook. Hat man also ein Smartphone, welches schpn 32 Gigabyte internen Speicher und einen microSD-Slot besitzt, müsste man schon 300 bis 400 Apps installieren, um den internen Speicher wirklich noch auszunutzen. Hat man nun eine 64 GB Speicherkarte im Gerät, welche als Medienspeicher festgelegt ist und nur wenige Apps, würde man gut 20 GB des internen Speichers verschwenden, ausgehend von etwa 5 GB installierten Apps, was durchschnittlich über 100 Apps entspräche. Bei 32 GB oder mehr internem Speicher sollte man sich also gründlich überlegen, ob man so viel Speicher wegwerfen will, nur um ein paar grosse Spiele installieren zu können, die nicht auf eine Media-Partition zugreifen können.

 

Auf Smartphones mit 16 GB oder weniger, wie z. B. das Xperia Z3 und 11 GB verwendbarem internem Speicher, lohnt sich dies aber vermutlich. Zudem lässt sich damit auch die microSD für die Offline-Musikdiensten nutzen, denn Spotify oder Microsoft Groove Music unterstützen keine Speicherkarten. Auch sollte man sich überlegen, wo man die Apps selbst installiert. Häufig genutzte Apps sollten auf jeden Fall im internen Speicher verbleiben, da dieser deutlich schneller ist und so die Performance nicht beeinflusst wird. Behält man alle Apps im internen Speicher und verlagert lediglich den Nutzerspeicher auf die SD-Karte, könnte sich dies sogar positiv auf die Performance auswirken, da Lade- und Speicherzugriffe auf der SD-Karte nicht die Performance des internen Speichers beeinflussen und das System auf beide gleichzeitig zugreifen kann.

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4 Antworten zu “Android 6.0 und die SD-Karte im Detail”

  1. Marulez sagt:

    Hört sich gut an und finde es gut das der Trend wieder hingeht zu den SD Karten evtl.

  2. Marc Hoffmann sagt:

    Ich habe das ganze jetzt seit 2 tagen im Einsatz und noch keinerlei Probleme festgestellt. Allerdings merkt man bei Spielen (die ihre großen Zusatzdaten nun auf die SD speichern), doch schon etwas längere Ladezeiten. Bei need For Speed: No Limits ist das zu spüren. Man sollte also durchaus darauf achten, eine schnelle SD-Karte einzusetzen. In meinem Fall eine Samsung Evo 64 GB, die bisher die schnellste MicroSD war, die ich im Einsatz hatte.

  3. cxxe sagt:

    Hallo Marc
    Danke für den informativen Artikel.
    Meine Frage: lädst doch die DD Karte auch nachträglich so ins System einbinden? Habe ein HTC M8 auf Marshmallow upgegradet, möchte es aber nicht neu aufsetzen müssen.
    Thx Chris

  4. cxxe sagt:

    Hallo Marc
    Danke für den informativen Artikel.
    Meine Frage: lässt sich die SD Karte auch nachträglich so ins System einbinden? Habe ein HTC M8 auf Marshmallow upgegradet, möchte es aber nicht neu aufsetzen müssen.
    Thx Chris

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