Sa. 19. November 2016 um 14:21

Gadget Review: Withings Thermo Infrarot-Thermometer im Test

von Yves Jeanrenaud2 Kommentare

Withings ist für uns ja niemand unbekanntes. Die Firma, die von Nokia übernommen wurde, macht neben schicken Smartwachtes wie der Activité oder der Activité Steel auch diverse Smart Health-Produkte. Heute geht es eben um das Withings Thermo, ein Infrarot-Thermometer mit Bluetooth- und WLAN-Anbindung.

 

Das Withings Thermo wird geliefert zusammen mit einer Kurzanleitung und Garantiebestimmungen, einer grünen Silikon-Schutzkappe sowie zwei bereits eingelegten, handelsüblichen AAA-Batterien. Das Thermometer selbst ist 11.8 x 3.2 x 3.2 cm gross und wiegt lediglich 75 Gramm inklusive Batterien. Es besteht mehrheitlich aus weissem Kunststoff und ist vorne mit einer grünen, trichterförmigen, gummierten Öffnung versehen, in deren Mitte eine Linse zu finden ist.

 

Die Vorderseite beherbergt neben einer einzigen 1 cm grossen Taste eine LED-Punkjtmatrix-Anzeige sowie eine mehrfarbige Info-LED unter dem weissen Kunststoffgehäuse. Die Rückseite birgt eine per Magnethalterung angebrachte Klappe, unter der die Batterien zu finden sind. Das Ganze ist einwandfrei verarbeitet und macht einen hochwertigen Eindruck.

Der Einsatz des Withings Thermo ist denkbar einfach: Nachdem die kostenlose App installiert ist und ein Withings-Account registriert wurde, kann das Gerät via Bluetooth eingerichtet werden. Dabei wird optional ebenfalls ein WLAN-Zugang (802.11b/g/n im 2.4 GHz-Band) eingerichtet, so dass die Synchronisation auch ohne Smartphone funktioniert, doch dazu später mehr. Anschliessend richtet man eines oder mehrere Profile, bestehend aus Namen, Vornamen, Geschlecht, Geburtsdatum, Gewicht und Körpergrösse ein, so dass die App und das Thermometer bessere, individuelle Einschätzungen der Messungen anstellen können. Auch kann in der App natürlich die Temperatureinheit, als Fahrenheit oder Celsius, angegeben werden.

 

Nunmehr wird das Thermo durch einen einfachen Druck auf die Taste eingeschaltet und ist sofort in Messbereitschaft, was mit einer kurzen Vibration bestätigt wird. Von der Stirnmitte zur Schläfe hin geführt findet das Infrarot-Thermometer ohne direkten Körperkontakt (aus bis zu 1.3 cm Abstand) mit einer Withings HOTSPOT SENSOR genannten Technologie aus 16 Infrarot-Sensoren, die innerhalb weniger Sekunden über 4000 Messungen durchführen, den wärmsten Punkt vor der Linse. Die erfolgte Messung wird durch zwei kurze Vibrationen bestätigt. Die gemessene Temperatur wird direkt auf dem LED-Display angezeigt und mit einer farbigen, zusätzlichen LED, die direkt neben dem Button links vom Display zu finden ist, unterstützt. Diese LED ist entweder grün und zeigt damit kein Fieber an, gelb für erhöhte Temperatur oder rot für hohes Fieber.

 

Für diese Einschätzung benötigt Withings eben auch die Parameter wie Alter und Grösse aus den Profilen. Nach der Messung kann diese durch ein Wischen über den rechten Rand des Diplays einfach einem Profil zugeordnet werden. Doch auch ohne diese Zuordnung wird die Temperaturmessung in die Cloud übermittelt, eben per WLAN oder Bluetooth und kann im Nachhinein dann zu einer Person zugeordnet oder aber auch gelöscht werden.

 

So erhält man zu den vorhandenen Profilen einen Gesundheitsverlauf und kann auch Erinnerungen zu erneuten Messungen, zur Medikamentierung oder zu Symptomen miteinbeziehen. Die Thermo App erteilt nämlich auch weitergehende, medizinische Empfehlungen. Eine Funktion namens Thermia ist in der App integriert, welche vom Boston Children’s Hospital entwickelt wurde und neben medizinischen Hinweisen zu Fieberverläufen und Therapien auch professionelle Informationen zu den richtigen Medikamenten und Dosierungen bietet. Natürlich leistet Thermia keine medizinische Beratung und ist kein Ersatz für eine professionelle, medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt. Es ist lediglich eine informierende Funktion, welche aber durchaus zufriedenstellend erfüllt wird.

Die App kann darüber hinaus unter iOS auch mit Apple Health Kit kommunizieren und diverse Daten synchronisieren. Google Fit hingegen wird unter Android (noch) nicht unterstützt und Windows 10 Mobile bleibt leider auch hier aussen vor, was wir persönlich sehr schade finden.

 

Withings Thermo
Entwickler: Withings
Preis: Kostenlos
Withings Thermo
Entwickler: Withings
Preis: Kostenlos

 

Die Messungen mit dem Withings Thermo erfolgen in der Tat sehr schnell, gerade im Vergleich zu herkömmlichen Körpertemperaturmessmethoden. Zwei Sekunden und ein Ergebnis wird angezeigt. Dabei stehen die Messungen in Sachen Genauigkeit anderen Temperaturmessungen kaum etwas nach. Im Vergleich mit handelsüblichen Fieberthermometern ist eine Abweichung von weniger als 0.5 Grad zu verzeichnen. Voraussetzung ist allerdings eine relativ freie Sicht auf die Hautoberfläche und eine Angleichung an die Umgebungstemperatur. Dazu muss das Thermo ca. 15 Minuten im selben Raum wie die zu messende Person gewesen sein.

 

Viele dunkle Haare oder viel Schweiss etc. machen das Messen etwas schwieriger, doch nach etwa drei Messungen kann man sich auch hier sicher sein, eine zutreffende Temperatur ermittelt zu haben. In der Regel funktioniert die Temperaturmessung aber auch beim ersten Anlauf einwand- und störungsfrei. Leider lässt sich die Rückmeldung per Vibration nicht deaktivieren, so dass die Fiebermessung nicht komplett geräuschlos bleibt. Die mitgelieferte Gummikappe hilft, das Gerät sicher und sauber zu verschliessen, ohne dabei unnötig kompliziert zu werden.

Preise und Verfügbarkeit

Das Withings Thermo Infrarot-Schläfenthermometer kostet bei Amazon 98,99 Euro und ist für 124.10 SFr. bei microspot.ch zu haben.

Fazit

Das Tolle am Withings Thermo ist vor allem die Möglichkeit, nicht nur bei Kleinkindern und Babys hygienisch einwandfrei und ohne Entkleiden und andere störende Prozeduren die Körpertemperatur zu bestimmen. Leider bleibt der Vibrationsmotor dennoch leise hörbar und kann nicht ausgeschaltet werden. Aber das Messen funktioniert auch bei schlafenden Personen einwandfrei und mit der App-Anbindung bzw. der Synchronisation der Messdaten in die Cloud bekommt man ein einfach und intuitiv zu verwendendes Instrument, den Temperaturverlauf zuverlässig zu protokollieren. Leider kann man weder auf die Cloud-Synchronisation noch auf die App-Anbindung verzichten. Zumindest zur erstmaligen Inbetriebnahme ist die App erforderlich.

vg-wort
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2 Antworten zu “Gadget Review: Withings Thermo Infrarot-Thermometer im Test”

  1. Grisu 1968 sagt:

    Bis wie hoch geht denn da der Meßbereich? Wenn da ein Abstand von 1,5 Zentimeter reicht könnte ich mir das auch für Temperaturmessung im Elektronikbereich vorstellen wenn da auch Temperaturen bis 90°C angezeigt werden können.

  2. Yves Jeanrenaud sagt:

    darüber finden sich leider keine Angaben und schon beim Kochtopf ist Schluss. Es ist generell nicht mit reflektierenden Oberflächen zu arbeiten, also ich glaube, für deinen intendierten Einsatzbereich eignet sich das Withings Thermo nicht.

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