So. 18. September 2016 um 12:37

Review: Tile Bluetooth-Tracker im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Bluetooth-Tracker als Schlüsselanhänger oder in anderen Formen, um Brieftasche, Kamera, Laptop oder vieles mehr zu tracken, gibt es mittlerweile ein paar auf dem Markt. Die Tile Tracker, ursprünglich erfolgreich durch Crowdfunding finanziert, sind jedoch etwas anders als manche Mitbewerbsprodukte aufgebaut. Geliefert wird der Tile-Tracker zusammen mit einer kurzen Anleitung, wobei es sich dabei lediglich um die Aufforderung handelt, die entsprechende, kostenlose App für iOS oder Android zu installieren.

 

Der Tile selbst, mittlerweile in der zweiten Generation auf dem Markt, besteht aus einem 37 x 37 x 5.3 mm kleinen und 9 Gramm leichten weissen Quadrat mit runden Ecken und einer circa 1 cm grossen Öffnung in der oberen, linken Ecke zur Befestigung. Durch diese relativ grosse Öffnung passen auch dicke Schlüsselringe oder andere, sperrigere Befestigungen gut. Der Tile-Tag ist nach IP5-Schutznorm wasserfest.

 

Die Vorderseite ist vom hellgrauen Schriftzug „tile“ geprägt, wobei unter dem Buchstaben E eine Hardwaretaste mit deutlich spürbarem Druckpunkt versteckt ist. Die Rückseite birgt drei kleine, punktförmige Öffnungen für den Lautsprecher sowie Modell-, Serien- und FFC-Nummern. Mehr nicht. Der Tile kann nämlich nicht nur angepeilt werden, sondern ist ebenfalls in der Lage, laut zu klingeln, so dass man ihn und den daran befestigten Gegenstand, sodann man in der Nähe ist, schneller wieder findet. Ebenfalls kann man mittels der E-Taste sein Smartphone oder Tablet klingeln lassen, sobald man in der Nähe ist und zwei mal auf die Taste drückt. Das funktioniert sogar dann, wenn das Smartphone auf Lautlos gestellt ist.

 

Die Verarbeitung lässt nichts zu wünschen übrig und das Gadget macht einen sehr guten Eindruck. Trotz des geringen Gewichts, ist es robust und stabil verarbeitet und auch an einem grossen Schlüsselbund nicht so schnell zerkrazt oder beschädigt. Die verbaute CR2-Knopfzelle soll für mindestens zwölf Monate ausreichen und kann nicht selbst ausgewechselt werden. Es muss also das ganze Gerät getauscht werden. Schade – und nicht gerade Umweltfreundlich, wenngleich Tile Inc., die Firma dahinter, angibt, er Bluetooth-Tag wäre weitgehendst recyclebar.

 

Dazu gibt es vom Hersteller das sogenannte reTile-Programm, bei dem man einen Nachfolge-Tracker für den halben Preis bekommt, wenn man den alten Tile im vorfrankierten Rückumschlag an den Hersteller zurückschickt. Das gilt übrigens nicht ausserhalb der USA. In unseren Breitengraden wird man gebeten, den alten Tile entsprechend dem örtlichen Recycling zuzuführen, erhält aber dennoch 50% Rabatt auf einen Nachfolge-Tracker. Für die Schweiz ist das reTile-Programm (noch nicht) verfügbar, da Tile Inc. nicht in die Schweiz verschickt. Österreich und Deutschland hingegen werden abgedeckt. Schade, dass wir an dieser Stelle wieder einmal das Nachsehen haben.

Die kostenfreie Tile-App für iOS und Android, die leider nicht für Windows Phone verfügbar ist, lässt sich schnell und unkompliziert aus den jeweiligen Stores installieren. Einzige Voraussetzung ist ein Gerät mit Bluetooth LE-Unterstützung, iOS 8.1 bzw. Android 4.4 oder neuer benötigt. Unter Android 6.0.0 gibt es jedoch ein paar Schwierigkeiten mit der BT-Verbindung, so dass mindestens das Update 6.0.1 eingespielt sein muss, um Tile fehlerfrei nutzen zu können.

Tile
Entwickler: Tile Inc.
Preis: Kostenlos

Die App funktioniert dabei sehr einfach: Nach dem einmaligen Registrieren mittels E-Mailadresse, werden ein oder mehrere Tiles aktiviert und mit dem eigenen Account verknüpft. Dies ist aus Sicherheitsgründen ein ebenfalls einmaliger und unumkehrbarer Prozess. So kann niemand ein gefundenes Tile zurücksetzen und neu registrieren, aber auch nicht auf den Account zurückführen. Will man dennoch ein Tile weitergeben, muss der Support via E-Mail kontaktiert werden.

 

Weiter ermöglicht die App es, mehrere Tile-Tracker zu verwalten und mit individuellen Bezeichnungen, eigenen Fotos oder Bildern aus der Datenbank der App zu versorgen, um sie leichter auseinander halten zu können. Die Tile App benötigt indes eine ganze Menge Berechtigungen, darunter eben auch die Möglichkeit, die Lautstärke des Telefons zu ändern und den Standortdienst auch im Hintergrund nutzen zu dürfen. Denn dadurch, das ein Tile untrennbar mit dem eigenen Account verknüpft wird, ist es aber eben auch möglich, mit Hilfe der Community von über 6 Millionen Tiles weltweit verlorene Gegenstände wiederzufinden, denn alle angemeldeten Tile-Apps melden Positionen anderer erkannter Tiles in ihrer Umgebung, so dass man deren Position in der eigenen App sehen kann. Dabei weiss aus Datenschutzgründen natürlich auch niemand sonst, dass der betreffende Tracker und der zugehörige Gegenstand vermisst wird. Sucht man sein Tile jedoch nur in der näheren Umgebung – die App speichert natürlich die Position, bei dem der betreffende Tracker zuletzt näher als 100 Meter im Umkreis des Smartphones oder Tablets und somit per Bluetooth LE sichtbar war, so kann man sich auch einfach den Ort per Kartenansicht anzeigen lassen. Dort angelangt kann man den Tile anpeilen und sobald die drahtlose Bluetooth-Verbindung besteht, klingeln lassen. Die piepende Melodie dabei ist mit 90 dB erstaunlich laut und auffällig genug.

 

Das Ganze funktioniert hervorragend und ist eine erstaunlich zuverlässige Methode,  verschiedene Dinge, vom Fluggepäck bis zur Brieftasche oder dem geliebten Eingangrad, wieder zu finden.

Preis

Tile gibt es beispielsweise bei Amazon für 29.99 Euro. Als Spar-Pack kann man für 152.72 Euro auch gleich vier Tile kaufen, bzw. gleich zum billigeren 8er-Pack für 139 Euro greifen. Für 34.99 gibt es den Tile Slim, der beispielsweise in das Portemonnaie gut hinein passt, aber nicht Gegenstand dieses Tests war. Im 4er-Sparpaket kostet Tile Slim 109.99 Euro. Direkt beim Hersteller fallen 25 US-Dollar für den Tile an.

Fazit

Tile ist ein sehr interessantes, einfach zu verwendendes Tracker-Gadget für Smartphones und Tablets mit Bluetooth-LE-Anbindung. Die weltweite Community stellt wirklich das vermutlich „grösste Fundbüro der Welt“ dar, wie Tile Inc. das Feature bewirbt. Das ist einiges zuverlässiger, als ein „bitte zurückschicken – Belohnung“-Aufkleber, da der Tracker nur in die Nähe eines Geräts mit installierter Tile-App kommen muss und niemand aktiv den Gegenstand zu melden braucht.

 

Leider frisst die App naturgemäss ordentlich Ressourcen und verringert die Laufzeit eines Android-Smartphones um gut zehn Prozent. Unter iOS sind circa sieben Prozent weniger Akkulaufzeit zu beobachten, wenn die Tile-App installiert und aktiv ist. Auch ist der Tracker nicht gerade der billigste auf dem Markt und die nicht-austauschbare Batterie verkürzt die Lebenszeit des Bluetooth-Anhängers doch drastisch, was die Anschaffungskosten nochmals etwas höher erscheinen lassen. Auch wenn dies mit dem reTile-Programm etwas aufgefangen werden kann, wäre eine austauschbare Batterie nicht nur ökologischer, sondern auch nützlicher und am Ende wohl auch preiswerter.

vg-wort
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