Sa. 21. Mai 2016 um 16:20

Review: Jumper EZpad 5s im Test

von Yves Jeanrenaud3 Kommentare

Das Reich der Mitte ist gerade bezogen auf das mobile Leben seit langem nicht mehr nur bekannt für billige Geräte ohne Marktchancen. Der hierzulande weitgehend unbekannte Hersteller Jumper hat nunmehr mit dem EZpad 5s, welches im Rahmen des MWC 2016 angekündigt wurde, vor wenigen Wochen auf den Markt gebracht. Auf den allerersten Blick handelt es sich um einen Nachbau von Microsofts Surface Pro 3, allerdings mit 11.6 Zoll Display und zu weniger als einem fünftel des Preises, den Redmond abruft. Doch lohnt sich das überhaupt, ein solches Gerät zu kaufen? Wir haben das Jumper EZpad 5s für euch getestet, das seit Mitte Mai bei Gearbest für unter 230 US-Dollar zu bekommen ist.

Inhalt

  1. Lieferumfang
  2. Hardware
  3. Software
  4. Verarbeitung und Leistung
  5. Preis
  6. Fazit

 

Lieferumfang

Verschickt wird das EZpad 5s in einem schlichten, schwarzen Pappkarton mit Schaumstofffüllung. Zwar sind die technischen Details des Tabelts seitlich ausgedruckt, doch auf Chinesisch. Im minimalistischen Lieferumgang ist auch neben dem Tablet selbst nur ein Netzteil zu finden, das 5 V bei 3 A auf einen kleinen 2.5 mm-Hohlstecker liefert. Das Steckernetzteil indes ist zwar für 110 V und 220 V Wechselstrom geeignet, verfügt aber nicht über für Deutschlad, Österreich und die Schweiz passende Kontakte, so dass ein zusätzlicher Adapter her halten muss. Dieser ist im Lieferumfang nicht enthalten, jedoch an jeder Strassenecke zu für Kleinstgeldbeträge zu bekommen.

Hardware

Ein 29.95 x 18.58 x 1.05 cm Metallgehäuse aus einer Aluminium-Edelstahllegierung macht das EZpad 5s mit 927 Gramm durchaus angenehm leicht, wenn es auch kein Fliegengewicht ist damit. Es ist silbern, während die Vorderseite von einem Display mit kapazitivem Windows-Logo-Button darunter und schwarzem Rahmen (durchwegs 2 cm breit, nur unterhalb des Displays 1.8 cm) dominiert wird.

Das Tablet verfügt wie bereits erwähnt über ein 11.6 Zoll IPS-Display im 16:9-Format mit einer FullHD 1080p-Auflösung, was also eine Pixeldichte von immerhin 189.91 ppi ergibt. Das ist nicht berauschend, aber auch nicht sehr schlecht. Der Bildschirm mit einwandfreiem und schnellem 10-Finger-Touch-Support selbst wird bei Auslieferung von einer Folie geschützt und ist mit einer weiteren Schutzfolie ausgestattet, die auf dem Kunststoffdisplay verbleiben kann, um dies zu schützen. Diese Schutzfolie spart die 2 Megapixel-Kamera in der Mitte oberhalb des Displays jedoch aus. Oben am Gerät finden sich in er linken Ecke die Mikrofonöffnung sowie der Ein/Aus-Schalter, daneben die Lautstärkewippe. Linksseitig sind ein 3.5 mm-Stereoklinken-Anschluss, ein USB-3.0-Anschluss, der Anschluss für das Netzteil sowie ein miniHDMI-Ausgang und drei Lautsprecheröffnungen zu finden. Rechts sind zwei weitere USB-Anschlüsse, diesmal jedoch lediglich USB-2.0-kompatibel sowie wiederum drei Lautsprecheröffnungen untergebracht. Die Unterseite des Gehäuses des EZpad 5s beherbergt einen fünf-poligen Anschluss und zwei Aussparungen für die Magnethalterung der dazugehörigen Tastatur in Form eines Type Covers, welches leider liefertechnisch bedingt in einem separatem Test präsentiert werden muss. Auf der Rückseite ist mittig oben die 5 Megapixel Kamera untergebracht und die Anschlüsse sowie Tasten sind hier beschriftet. Die Hälfte des Tabletrückens jedoch nimmt der 9 cm lange Kickstand ein, der in zwei Positionen – 45 Grad und 80 Grad – aufgestellt werden kann und so das Tablet sicher und praktisch stützt. Der Klappständer ist vollständig aus Metall und gibt hochgeklappt den Blick frei auf einen darunterliegenden microSD-Slot, mit dem man die 64 GB internen Speicherplatz bequem um bis zu 128 GB per Speicherkarte erweitern kann. Bei Auslieferung sind vom auf 57.6 GB formatierten und zurecht gerechneten Platz etwa 13.5 GB durch das System belegt, also noch 44.1 GB frei.

 

Im Innern schlummert neben den 64 GB Speicher, die im Gerätemanager als Laufwerk mit dem Namen „Generic NCard“ angezeigt werden, ein Intel Atom x5-Z8300, den kleinsten der aktuellen Cherry Trail-Serie, der mit der Kraft von vier Kernen zu 1.44 GHz arbeitet, die bei Bedarf auf 1.84 GHz hochgetaktet werden können. Damit verbunden ist eine Intel HD Graphikeinheit der achten Generation. 4 GB DDR2L-Arbeitsspeicher unterstützen den Atom SoC und weiter sind 802.11n WLAN, jedoch nur im 2.4 GHz-Frequenzband, Bluetooth 4.0 sowie ein Beschleunigungs- und Lagesensor verbaut. Ein Akku mit einer Kapazität von 8500 mAh versorgt das Tablet mit Strom. Dieser wird aber vom Netzteil mit einer Stromstärke von 3 A nur langsam aufgeladen und unter Vollast kann es den Ladezustand nur noch beibehalten, aber nicht erhöhen So sieht man sich öfter genötigt, das Tablet im Standby-Modus liegen zu lassen, um es schneller aufzuladen.

Software

Als Betriebssystem ist Microsoft Windows 10 Home in der x64-Variante und auf Englisch und Chinesisch vorinstalliert sowie aktiviert – und das nahezu unverändert. Einzig eine chinesische Dropbox-Alternative und Cloud-Speicher-Applikation namens 360 Cloud ist von Haus aus mit dabei, die sich jedoch problemlos deinstallieren lässt. Dazu empfiehlt es sich jedoch, den lokalen Administrator zu aktivieren und zu benutzen, da sonst eine unschöne verwaiste Verknüpfung in der „Dieser PC“-Ansicht von anderen Accounts zurück bleibt. Die Windows 10-Edition lässt sich übrigens auch problemlos upgraden, einen entsprechenden Produktcode vorausgesetzt, auch von Windows 7 oder 8 etwa, und so zum Beispiel zu einem Windows 10 Pro machen. So kann man die Systemsprache auf Deutsch umzustellen und vieles mehr. Implementiert scheinen auch die Treiber und Firmwareschnitttstellen ganz gut. Windows Update findet für fast alle Systemkomponenten die entsprechenden Treiber online und alles scheint zu funktionieren. Das ist selbst bei namhaften Laptopherstellern nicht immer der Fall. Die Bildschirmrotation ist im Übrigen schnell und durchaus präzise. Der entsprechende Sensor verrichtet seine Arbeit im EZpad gut. Einzig ist wohl bei den Powermanagment-Schnittstellen irgend etwas im Argen, denn die verbleibende Akkulaufzeit wird immerzu nur berechnet, anstatt das eine voraussichtliche Dauer angezeigt wird. Dies könnte auch ein generelles Problem der Cherry Trail-Reihe sein, die schon zu Bay Trail-Zeiten für Probleme sorgte und durch Firmwareupdates seitens der Gerätehersteller behoben werden musste. Ob wir auf Derartiges bei dem Hersteller Jumper je hoffen könnten, ist unklar, aber nicht undenkbar.

Verarbeitung und Leistung

Das EZpad 5s Tablet ist erstaunlich gut verarbeitet. Keine Spaltmasse, kein Knirschen, kein Knacken. Alles passt und sitzt, sieht gut aus und wirkt durchdacht. Klar, das Display wird von einer Kunststoffscheibe und nicht durch Glas geschützt, aber das bleibt verkraftbar gerade in Anbetracht des Preises. Durch die vorinstallierte Schutzfolie spiegelt das Tablet nur wenig und ist auch bei Sonnenlicht noch zu gebrauchen, wenngleich auch nur mit maximaler Helligkeit. Das IPS-Panel wirkt insgesamt etwas ungünstig hintergrundbeleuchtet, den ein schwarzer Bildschirm ist einfach nicht ganz schwarz, sondern hat einen leichten Lila-Stich. Insgesamt ist das Display nicht sonderlich blickwinkelstabil und die Farben sowie die Helligkeit variieren zum Teil beachtenswert. Dennoch sieht das FullHD-Bild nicht schlecht aus und ist für die meisten Situationen wohl durchaus mehr als akzeptabel. Auch die maximale Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung ist nicht die geringste, wenngleich auch nicht die allerhellste. Die verbauten Stereolautsprecher geben einen satten, ausgewogenen Klang von sich und scheppern auch bei voller Lautstärke nicht, wobei sie doch ordentlich Lärm von sich geben können. Klar, die Kameras sind mit 5 MP und 2 MP weitab von der Auflösung derer in anderen aktuellen Tablets und Smartphones und selbst für Schnappschüsse sind sie nicht wirklich geeignet. Artefakte und Rauschen dominieren die Fotos – die merklich langsamen Sensoren sind schlicht mit fast allen Situationen ziemlich überfordert und keineswegs auch nur annähernd auf dem Stand der möglichen Technik. Auch die Farben wirken selbst unter optimalen Lichtverhältnissen verfälscht und blass. Um mal eben zu skypen reicht es vielleicht, aber schön ist anders.

Hingegen vermag der Atom-SoC, auch wenn er natürlich keine Rennsemmel ist, durchaus zu gefallen. Für die meisten Anwendungen wie Office und Web-Browser reicht die Leistung durchaus aus und die 4 GB RAM sorgen dafür, dass der Intel CPU nicht so schnell die Puste aus geht. Anspruchsvolle 3D-Spiele sind selbstverständlich nicht möglich, aber casual gamer werden beispielsweise mit Tower-Defense-Spielen wie Royal Revolt 2 durchaus gut unterhalten und bekommen eine hübsche, angemessen schnelle Grafik präsentiert. Aber auch Modern Combat 5:Blackout lässt sich spielen, wenn man zwischen den Missionen auch mal warten mag. Dabei ist übrigens selbst unter langanhaltender Vollast ist keine deutliche Wärmeentwicklung zu verspüren. Die linke obere Ecke wird nur ganz leicht wärmer und das mekrt man auch nur, wenn man gezielt danach sucht. Hier wurde anscheinend klug passiv gekühlt, einen Lüfter hört man indes nämlich nie.

Die verbaute 64 GB grosse embedded-SD-Karte, das verrät zumindest der Gerätepfad in der Systemsteuerung, ist übrigens auch nicht gerade die langsamste: Mit einer Schreibrate von etwa 38 MB/s und einer Leserate von 76.6 MB/s kann man durchaus arbeiten. Natürlich ist auch das nicht der Ingenieurkunst letztes Stück, aber ausreichend schnell dimensioniert in Anbetracht der Rechenleistung des SoC. Damit kommt es zwar im Alltag schon mal zu kurzen Wartezeiten, diese sind jedoch vornehmlich auf die mit Hintergrund- und Schreibprozessen beschäftigte CPU zurückzuführen. Wenn beispielsweise gerade eine Windows Update-Installation läuft, ist dies deutlich im System zu spüren, wenngleich man durchaus weiter arbeiten kann währenddessen, aber eben etwas langsamer.

Der natürlich fest verbaue Akku liefert Strom für gut vier bis sechs Stunden Nutzung. Mit Helligkeit auf 25%, ohne Bluetooth und rein zum Surfen benutzt hält das EZpad aber durchaus mal acht Stunden oder länger durch. Ein guter Wert in dieser Preisklasse. Das Netzteil hingegen wirkt etwas unterdimensioniert, kann es doch das Tablet bei Benutzung nur sehr, sehr langsam bis gar nicht aufladen und erhält vielmehr die Ladekapazität des Akkus auf dem aktuellen Stand. Man muss also häufig zum Aufladen des Geräts dieses erst mal in den Standby schicken.

Der HDMI-Ausgang funktioniert einwandfrei, ein entsprechender HDMI-zu-mini-HDMI-Adapter oder passendes Kabel vorausgesetzt. Das Bild ist glasklar und schnell auf dem externen Gerät angezeigt, die Erkennung verläuft, wenn die Gegenseite ordentlich Rückmeldung gibt, einfach und problemlos.

Der Sound, der aus den Stereolautsprechern des EZpads schallt, ist auch ordentlich und erstaunlich ausgewogen. Die Tiefen lassen etwas Druck vermissen, aber die Lautstärke lässt sich schön aufdrehen und selbst bei 100% scheppert nichts oder klingt blechern.

Preis

Das Jumper EZpad 5s bekommt man bei Gearbest ab 228.54 US-Dollar bzw. 202,10 Euro oder 226.- SFr. inklusive gratis Versand. Die Tastatur, die wie gesagt noch getestet wird sobald sie aus Fernost bei uns eintrifft, kostet einzeln 22.10 US-Dollar bzw. 19,53 Euro oder 21.90 SFr. Im Paket ist beides zusammen für 243.26 US-Dollar oder 215,02 Euro bzw. 240.90 SFr. erhältlich. 

Fazit

Mit diesem Tablet bekommt man ein solides Einstiegsgerät mit Windows 10 zu einem günstigen Preis. Kein Spielzeug, sondern ein passabler Rechner auf etwas mehr als Netbook-Niveau im Tablet-Format. Nicht mehr – aber auch nicht weniger. Zum Surfen, Filme schauen, kleine Spiele spielen absolut geeignet. Skype geht auch mal noch klar, aber die 2 MP-Kamera liefert einfach grausige Bilder.

Positiv hervorzuheben sind auf jeden Fall die solide Verarbeitung und das Material, die Anschlussvielfalt, Lautsprecher und Akku sowie der vergleichsweise grosszügige Arbeitsspeicher. Mitbewerbsprodukte haben oftmals nur 2 GB RAM bei derselben Atom-Ausstattung und kosten den gleichen Preis oder mehr. Am Display wurde ganz klar gespart, zwar nicht an der Auflösung, die mit 1080p noch durchaus im akzeptablen Bereich bleibt, aber durch das Verbauen einer Kunststoffscheibe an Stelle von Glas sind hier Fingerabdrücke sofort zu sehen und feine Kratzer nahezu unvermeidlich. Daher ist es sehr zu begrüssen, dass direkt eine Displayschutzfolie aufgebracht wurde. Die Akkulaufzeit des EZpad 5s ist gut und die Verarbeitung erstaunlich in Anbetracht des günstigen Preises. Was hingegen richtig nervt, ist die Notwendigkeit, das Gerät ab und zu in den Standby zu versetzen, um den Akku schneller aufzuladen. Auch muss man etwas aufpassen, den Netzteilstecker nicht aus versehen in den Kopfhöreranschluss zu stecken, da die beiden Anschlüsse sehr ähnlich aussehen und auf derselben Seite des Gehäuses untergebracht sind. Das sollte zwar theoretisch zu keiner Beschädigung führen, aber es lädt natürlich auch nichts auf. Die Kameras sind hingegen beide schlicht nicht zu gebrauchen. Die Farben sind verfältscht, die Bilder verrauscht und verpixelt.

Für den Preis ist das Windows 10-Gerät EZpad 5s von Jumper etwa als Couch-Tablet oder für den Einstieg durchaus zu empfehlen. Für mehr Geld gibt es auch mehr Leistung und sicherlich auch Garantie und Gewährleistung, aber wer sparen möchte, kann auch zu diesem Gerät greifen.

vg-wort
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3 Antworten zu “Review: Jumper EZpad 5s im Test”

  1. TheEngineer0815 sagt:

    Wie sieht es mit wer WLAN Stabilität aus?
    Mein letzter Ausflug zu einem China Tablet endete mit regelmäßigen nicht-behebbaren WLAN Abbrüchen, die sich durch Rumspielen einer Konfigdatei verbessern aber nicht abstellen ließen.

  2. Yves Jeanrenaud sagt:

    keine Probleme feststellbar.

  3. Pocketflocke sagt:

    Mal ne grundsätzliche Frage da ich mir überlege das Jumper 5SE zu ordern. Läuft das mit der Verzollung Problemlos ab?

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