Do. 16. Juni 2016 um 10:01

Review: ZTE Blade V7 im Test

von Marcel Laser0 Kommentare

Das ZTE Blade V7 ist nicht neu, im Gegenteil. Es wurde bereits zum MWC 2016 in Spanien gezeigt, allerdings kam es in der DACH-Region erst einmal nicht in den Handel. Nun wurde es im Rahmen der Kooperation mit dem deutschen Bundesligisten Borussia Mönchengladbach erneut vorgestellt und grünes Licht für den deutschen Markt gegeben. Wir haben ein Testgerät nach der Vorstellung im Borussia Park (Stadion) in die Hand gedrückt bekommen und es uns nun genauer angeschaut.

Inhaltsverzeichnis

Aluminum-Rückseite mit Kunststoffeinsätzen für die Antennen

Aluminium liegt im Trend und so verwundert die Verarbeitung des Metalls in der Mittelklasse, wie eben beim Blade V7 von ZTE, absolut nicht mehr. Am Ende bleibt allerdings immer wieder die Frage offen, ob auch in diesen Preisregionen die Verarbeitung überzeugen kann und das tut sie hier durchaus. Das Blade V7 liegt sehr gut in der Hand, was dem ganz leicht gebogenen Rücken zu verdanken ist. Die Oberfläche scheint allerdings der gewisse Grip zu fehlen, daher wirkt es recht rutschig. Der obere und untere Teil des Rückens ist mit Kunststoffabdeckungen versehen, denn dort sitzen die Antennen, die ungehindert funken möchten.

 

Ebenfalls dem Trend entsprechend, hat man sich beim Display auf ein 2.5D-Glas als Schutz entschieden, allerdings bekommt man davon nicht sonderlich viel mit. Schaut man nämlich genauer hin, so erkennt man einen Kunststoffrahmen, der das Display ringsherum einzufassen scheint. Ob damit den 2.5D-Gedanken vortäuschen wollte, ist nicht erkennbar. Zwar wirkt das Gerät im Grossen und Ganzen recht hochwertig, doch hat gerade dieser kleine Rahmen einen eher gegenteiligen Effekt.

 

Mit den Abmessungen 146 x 72.5 x 7.95 mm wirkt das Blade V7 alles andere als klein, das Huawei P9 beispielsweise ist von den Abmessungen her bedeutend zierlicher bei gleicher Displaygrösse, welche bei beiden Geräten rund 5.2 Zoll misst. Grade die 7.95 mm Tiefe scheinen das Smartphone ein wenig bulliger rüberkommen zu lassen, als dieses am Ende effektiv wirklich ist. Nachteilig ist dieses aber nicht.

 

Noch eine kurze Anmerkung zum Design: Das Logo von Borussia Mönchengladbach findet sich ebenfalls auf unserem Testgerät wieder, ist aber natürlich im Handel so nicht erhältlich. Da das Device im Borussia Park des deutschen Erstligisten zum Deutschlandstart vorgestellt und ebenfalls eine grössere Kooperation des chinesischen Herstellers als einer der Co-Sponsoren mit dem Fussballverein angekündigt wurde, hat man ein entsprechendes Gerät mit einer „Erinnerung“ daran hergestellt. Das Endgerät im Handel hat dieses Logo natürlich nicht auf dem Rücken platziert.

MediaTek-Prozessor mit unterdurchschnittlicher Leistung

Die Ausstattung ist der Klasse entsprechend nicht die schnellste, will das Blade V7 aber auch an dieser Stelle gar nicht sein, sondern eher den preisbewussten Menschen noch genug Leistung zur Verfügung stellen. Ausgestattet ist das Blade V7 mit einem MediaTek MT6753 Prozessor im OctaCore-Design, 2 GB RAM und 16 GB internem Speicher. Das Display misst die erwähnten 5.2 Zoll, setzt auf ein LCD-Panel und löst mit 1920 x 1080 Pixel auf. Der interne Speicher kann zwar per microSD erweitert werden, laut Hersteller aber nur mit bis zu 32 GB, was in der heutigen Zeit einfach viel zu wenig ist. Allerdings konnten wir im Test das Device auch mit einer 64 GB Karte von SanDisk füttern, was problemlos funktionierte. Eine Karte von Samsung mit 128 GB hat das Blade V7 in unserem Test aber verweigert. Dafür verbaut man allerdings zusammen mit dem Funkmodul auch die Fähigkeit, LTE zu nutzen. Der SIM-Slot ist eine Hybridkombination aus microSD- und SIM-Schacht. Zwei SIM-Karten können also bedenkenlos genutzt werden, doch sobald eine microSD rein soll, muss eine SIM dafür raus. 

 

Mit gemischten Gefühlen geht man an die Wertung der hier gebotenen Ausstattung, was nicht zuletzt am MediaTek MT6753-Prozessor liegt. Der im März 2015 vorgestellte Mittelklasse-Prozessor ist mittlerweile alles andere als schnell. Der bereits in der Mittelklasse etablierte Snapdragon 650/652 Prozessor hingegen schlägt sogar fast den damaligen Highend-SoC Snapdragon 810 und ist damit die deutlich schnellere Alternative. Wer also etwas aufwändigere Spiele oder Berechnungen auf dem Smartphone ausführen will, wird wohl enttäuscht. Aufwändige Spiele wie Real Racing 3 oder Riptide GP 2 stellen das ZTE Blade V7 mit Mali-T720 MP4 GPU vor Probleme und es kommt zweifelsfrei zu unerwünschten Rucklern. Besonders arg ist es mit dem Rennspiel Asphalt 8 bestellt, dass in seinen höchsten Einstellungen sogar den Dienst nahezu quittiert. Erst auf den niedrigsten Einstellungen ist das Spiel noch zu ertragen. Für kleinere Games reicht der Chipsatz allerdings aus, man sollte lediglich die Grafikkracher meiden.

 

Um die Performance des Blade V7 mit anderen Smartphones einigermassen vergleichen zu können, setzen wir auch hier wieder auf synthetische Benchmarks. Es gibt einen ungefähren Einblick darüber, wo sich das Device im Vergleich zu der Konkurrenz befindet. Mit rund 36’000 Punkten im neusten AnTuTu Benchmark platziert man sich im unteren Mittelfeld. Wie man an 3DMark erkennt, unterstützt das Blade V7 zwar die neuere ESGL 3.1 Schnittstelle für Grafikberechnungen, ist allerdings mit lediglich 197 ausgewiesenen Punkten mit ESGL masslos überfordert, was unsere Erfahrungen mit aufwendigen Spielen noch einmal deutlich untermauert.

 

Wer auf schicke Games verzichten kann, wird aber auf der Oberfläche des Blade V7 mit einer soliden Leistung versorgt. Die von ZTE MiFavor genannte Benutzeroberfläche läuft weitestgehend sehr flüssig und auch handelsübliche Programme wie Facebook, WhatsApp oder andere Dienste befeuert das Smartphone definitiv schnell genug.

Gutes Display für die Preisklasse mit leichten schwächen

Das Display geht durchaus in Ordnung, wenn wir uns den Preis des ZTE Blade V7 vor Augen führen. Die 5.2 Zoll sind ein guter Kompromiss zwischen grösser als klein und kleiner als zu gross. Auch die Auflösung kann mit 1920 x 1080 Pixel durchaus überzeugen und liefert in Anbetracht der Grösse ein ideal scharfes Bild.

 

Zum Einsatz kommt ein IPS Panel, welches uns sehr ordentliche Kontrastwerte und eine gute Blickwinkelstabilität liefert. Allerdings konnten wir einen feinen Rotstich bei helleren Farbflächen ausmachen. Der Kontrast ist in der Farbdarstellung dennoch wirklich sehr gut und der Hang zum Rotstich ist nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar.

 

Die Helligkeit spielt hingegen in der absoluten Oberklasse und kann durchweg überzeugen. Auch an sonnigen Tagen werdet ihr noch alles auf der Mattscheibe erkennen können. Allerdings sollte man die direkte Sonneneinstrahlung meiden, da das Display dann doch teils deutlich spiegelt.

ZTE Blade V7 Display
Das Display ist gut. Trotz des leichten Rotstiches, der wirklich nur schwer zu erkennen ist.

ZTE eigene Features heben das Device ein wenig von der Masse ab

Seine Nutzeroberfläche mit dem Namen MiFavor wurde von ZTE ein wenig aufpoliert und mit ganz eigenen Features garniert. So könnt ihr auf dem ausgeschalteten Display die Buchstaben O, M, W oder C malen und damit diverse Programme starten, ohne das Gerät vorher aus dem Standby zu holen. Apps wie der Browser oder der Musikspieler sind bereits in den Voreinstellungen gelistet. Wer will, kann aber auch den Buchstaben andere Programme zuweisen. Ein wirklich interessantes Feature.

 

Ebenfalls interessant ist die Gestensteuerung über euer eigenes Ohr. Kommt ein Anruf rein, braucht ihr diesen nicht erst über die Touchbedienung anzunehmen, sondern müsst das Blade V7 nur an euer Ohr halten um diesen anzunehmen. Das funktionierte im Test sehr zuverlässig und wird schnell zur positiven Gewohnheit.

ZTE Blade V7
Display aus: Wer nun ein W oder ein M malt, kann auch aus dem Standby heraus Apps starten.

Durchschnittliche Kamera und Akkulaufzeit

Die Kamera ist ebenfalls in Ordnung, mehr aber auch nicht. Schnappschusspotenzial hat der 13 MP Sensor zwar durchaus, doch sollte man hier wirklich nicht all zu viel erwarten. Wer beispielsweise nur in weniger gut beleuchteten Umgebungen fotografiert, muss mit einem enormen Qualitätsverlusst der Bilder rechnen. Starkes Rauschen gefolgt von vielen Unschärfen, die sich vor allem bis zum rechten Rand der Bilder hinziehen. Auch bei Motiven mit vielen unterschiedlichen Kontrasten kommt das ZTE Blade V7 ins Schwitzen und kann vor allem helle Bildbereiche nicht mehr optimal darstellen. Ein schlechtes Fazit muss man der Kamera dennoch nicht bescheinigen. Sie arbeitet eben auf einem recht durchschnittlichen Level und ist weit von der Spitzenklasse entfernt, was man auch auf Grund des Preises erwarten sollte. Bei ausreichend Licht sind die Bilder aber grundsolide und als überdurchschnittlich gut zu bezeichnen.

 

Das selbe gilt übrigens auch für die Akkulaufzeit. Bisher kamen wir mit dem Device, trotz leicht überdurchschnittlicher Nutzung, immer über den Tag. Der knapp über 2’500 mAh angegebene Akku lässt euch zwar den Tag überstehen, aber es kam nur selten vor, dass wir auch deutlich an zwei Tagen Nutzung heranreichten. An die Steckdose am Abend muss das Blade V7 dann wohl doch. 

Fazit – Einfach nur mittelprächtig und ein etwas hoher Preis

Das ZTE Blade V7 ist ein durchaus interessantes Smartphone. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ZTE sich alle Mühe gibt, sich mit diversen Features ein wenig von der Masse abzuheben. Das Malen von Gesten auf dem ausgeschalteten Display, welche direkt Programme öffnet, ist durchaus beachtenswert. Allerdings krankt das Smartphone dann doch an seiner nicht gerade idealen Ausstattung und dem damit verbundenen Preis.

 

Zum Spielen ist das Blade V7 von ZTE absolut nicht geeignet. Spiele mit grossem Wuselfaktor, wie Clash of Clans mit grossem Basis-Bau, bringen das Smartphone ordentlich ans Limit. Das selbe gilt für grafisch aufwändige Games wie Asphalt 8, Riptide GP2 oder Real Racing 3. Die Akkulaufzeit ist ebenfalls nur knapp über dem Durchschnitt und die Kamera ist nur bei ausreichend Licht zu gebrauchen. Da rettet auch das wirklich sehr gute Display und die ausserordentliche Verarbeitung das Smartphone nicht mehr.

 

Der Preis von 249 Euro in Deutschland und Österreich erscheint uns daher zu hoch für das, was das Smartphone hier versucht zu leisten. Die Kamera und der Prozessor geben einfach zu wenig her, um diesen dann zu rechtfertigen. Preise und eine Veröffentlichung in der Schweiz wurden indes noch nicht genannt. Aber der Vorgänger – das Blade V6 – kostet bei diversen Anbietern in unserer Schweiz noch deutlich über 200 SFr., was nicht gerade Mut über eine gute Preisgestaltung für den Nachfolger macht. In Deutschland ist das ZTE Blade V7 bereits seit Anfang des Monats verfügbar.

vg-wort
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