So. 15. November 2015 um 21:54

Review: Xiaomi Redmi Note 2 im Test – Sehr viel Phablet für wenig Geld

von Marcel Laser0 Kommentare

Xiaomi ist mittlerweile nicht nur in China ein absoluter Tophersteller. Die Mädels und Jungs aus China haben derzeit viele sehr interessante Modelle auf dem Zettel und gelten als richtige Importschlager. In Asien ist Xiaomi zur festen Grösse geworden und man erkennt nicht nur rein zufällig einige Parallelen zu Branchenprimus Apple. Das Redmi Note 2 von Xiaomi ist ein sehr günstiges Phablet mit angemessener Ausstattung, doch taugt es auch was? Wir haben es importiert und angeschaut.

Inhaltsverzeichnis

Unauffälliges und zeitloses Design aus Polycarbonat

MediaTek Helio X10: Top CPU und GPU Leistungen

Annehmbares Display und Software mit Schwächen

Eine „für den Preis“ ganz ordentliche Kamera

Schwache Akkulaufzeit der grösste Knackpunkt

Fazit: Extrem viel Phablet für extrem wenig Geld!

Unauffälliges und zeitloses Design aus Polycarbonat

Wer Kunststoff generell als Fehlkonstruktion in einem Smartphone sieht, liegt oft stark daneben. Dass viele Hersteller „Plastik können“, haben nicht nur Nokia und Microsoft bewiesen. Auch Xiaomi setzt beim Redmi Note 2 auf eine Kunststoffschale für den Rücken, die zudem wirklich leichtgängig zu entfernen ist. Das Design ist sehr auffällig unauffällig. Schlichtes mattes Weiss für den Rücken, eine glänzende schwarze Front und keinerlei Akzente. Schlimm ist das nicht! Im Gegenteil, das Design ist zeit- und schnörkellos. In subjektiver Hinsicht muss das für viele kein Vorteil sein, hübsch ist es dennoch.

 

Die Abmessungen der Dimensionen sind für die Klasse ebenfalls üblich und somit eher unauffällig. 152 x 76 x 8.2 mm sind daher nichts wirklich besonderes und durch das Kunststoffgehäuse fühlt es sich weder zu schwer, noch zu leicht an. Diverse Spaltmasse oder ungleichmässig verarbeitete Kanten sucht man beim Redmi Note 2 vergeblich, was für eine gute Verarbeitungsqualität spricht.

 

Auch die Druckknöpfe in Form der Lautstärkewippe und dem Standbybutton sind sehr knackig angelegt und wackeln keinen Millimeter. Ist die Rückschale nach dem Einsetzen des austauschbaren Akkus erst einmal aufgesetzt, kann das Redmi Note 2 auf eine sehr schlichte Art und Weise überzeugen. Einen Design-Award gewinnt das Gerät mit Sicherheit nicht, aber manchmal darf es einfach auch ein wenig… weniger sein.

MediaTek Helio X10: Top CPU- und GPU-Leistungen

In erster Linie muss man sich vor Augen halten, dass man hier auf ein sehr günstiges Gerät blickt. Man darf also keine exorbitanten Leistungen erwarten. Immerhin liegt das Redmi Note 2 bei deutlich unter 200 Euro bzw. 200 SFr, selbst durch anfallende Importkosten (je nach Händler). Die Ausstattung liest sich allerdings selbst dafür hervorragend.

 

Ein MediaTek Helio X10 übernimmt mit 2.0 GHz die Rechenleistung gepaart mit 2 GB RAM und 16 GB Speicherplatz. Das Display misst Phablet-taugliche 5.5 Zoll und löst mit scharfen 1080p auf. Auch die Kameras scheinen mit 13 MP auf dem Rücken und 5 MP für Selfies in der Front für den Preis hervorragend aufgestellt. Micro-SD-Karten werden mit bis zu 32 GB unterstützt und der Akku spendet eine Leistung von 3’060 mAh. Schmankerl: Das Redmi Note 2 unterstützt Dual-SIM in Form von zwei Micro-SIM-Karten, auf Nano-SIM wird gänzlich verzichtet. In einer etwas teureren Variante bekommt man 32 GB internen Speicher und 200 MHz mehr auf den Prozessor.

 

Grosse Leistungssprünge verrichtet das Redmi Note 2 von Xiaomi allerdings nicht, jedenfalls nicht in der Highend-Klasse. Ein Snapdragon 810 wäre theoretisch deutlich schneller, allerdings muss man hier die Hitzeprobleme des SoCs berücksichtigen. Das Navigieren auf der Oberfläche ist nahezu „schluckauffrei“, was nicht einmal dem ein oder anderen Highend-Device gelingt. Zu verdanken hat das Redmi Note 2 das wohl einer sehr sauberen Optimierung der eigenen Android-Oberfläche namens MIUI, welche übrigens – genau wie bei Huaweis EMUI – durch Tausende von Themes anpassbar ist. Wo liegen wir also? In erster Linie ist die Leistung der CPU mit einem Snapdragon 808 vergleichbar. Zwar deutlich schneller als ein Snapdragon 801, aber auch langsamer als der aktuellste Chip. An einen Exynos 7420 kommt der Helio X10 bei weitem nicht heran, dafür ist die Singlecore Leistung des Helio X10 einfach nicht stark genug.

 

Während die CPU ganz ordentliche Leistungsdaten vorweisen kann, schauen wir uns nun einmal die GPU an. Wir haben einige grafikintensive Games über den Chip laufen lassen. Real Racing 3 auf dem Mazda Raceway Laguna Seca mit 21 Gegnern kann bei all dem Staub und den vielen Kontrahenten zur Belastungsprobe werden. Man merkt dem Spiel zwar den ein oder anderen Framedrop in hitzigen Situationen an, doch meistert das Redmi Note 2 die Aufgabe exzellent. Allerdings muss man im Hinterkopf behalten, dass Real Racing auf dem Redmi Note 2 seine Optik leicht herunterskaliert, um der GPU entgegen zu kommen. Das resultiert aber in einem durchweg angenehmen Spielbetrieb. Anders aber beim optischen Future-Racer Riptode GP 2: Das Redmi Note 2 kommt ohne jegliche grössere Abstriche mit dem Spiel klar.

 

Noch einmal: Wir haben hier zwar kein Highend-Phablet aus dem oberen Segment sitzen, aber das Redmi Note 2 kommt diesem Erlebnis schon sehr nahe! Stärker als ein Huawei Mate S oder vergleichbare Geräte ist es allemal, es reicht am Ende nur nicht mehr für die absolute Oberklasse.

Annehmbares Display und Software mit Schwächen

Die Mattscheibe ist auch in diesem Fall nichts Besonderes, aber die Qualität an sich kann als ganz in Ordnung bezeichnet werden. Das 5.5 LCD Panel ist durch die 1080p schön scharf und stellt die Farben sehr natürlich dar. Ein „Kontrastmonster“ oder ganz besondere Farbspektren zaubert uns der Bildschirm aber leider nicht vor die Augen. Muss er aber auch an dieser Stelle gar nicht, denn das Gebotene recht völlig aus. Als herausragend empfanden wir allerdings die sehr exzellente Blickwinkelstabilität, die auch mit den Topmodellen auf dem Markt konkurrieren kann.

 

Da es sich hier um das getestete Xiaomi Redmi Note 2 um ein Importgerät handelt, ist der nun nachfolgende zu bemängelnde Punkt eher mit einem Lächeln zu betrachten. Die MIUI Software auf dem Redmi Note 2 ist nur in Teilen übersetzt. So sehen wir uns mit einem Mischmasch aus Englisch, Deutsch und Chinesisch konfrontiert, welcher vor allem in den Einstellungen zu sehen ist. Abhilfe schafft die Einstellung, die Oberfläche komplett auf eine englische Systemsprache umzustellen, doch dann sollte man der Weltsprache auch mächtig sein. Wer sich also ein Redmi Note 2 importieren will, sollte diesen Aspekt im Hinterkopf behalten. Allerdings stellt die sehr fleissige deutsche MIUI Community bereits in der Sprache sehr ausgereifte ROMs für die DACH-Region bereit, dennoch sollte man hier vorher die Kompatibilität prüfen.

 

Ansonsten entpuppt sich MIUI als ein sehr schicker iOS-Klon, mit vielen ganz eigenen und tollen Akzenten. Darunter die tausenden Themes im Xiaomi Store, welche die Optik sehr flexibel gestalten können. Trotz Android 5.0.2 Lollipop gibt es auf der MIUI 7 Oberfläche keinen eigenen App-Drawer, stattdessen werden, wie bei Huaweis EMUI oder Apples iOS, alle Programme auf dem Homescreen abgelegt. Löscht ihr die Icons also vom Homescreen, deinstalliert ihr gleichzeitig auch die App. Interessant ist auch eine App für den integrierten IR-Blaster, denn das Redmi Note 2 kann auch als Fernbedienung für euren Fernseher oder anderen Geräten herhalten. Eine Verbindung mit einem Samsung-Fernseher der Reihe ES7090 kam allerdings nicht zustande.

 

Was ebenfalls ein wenig nerven kann, sind die teils vorinstallierten Apps. Klar, diese hat man zwar auf jedem System, aber unwichtige Programme lassen sich wenigstens oftmals auch deinstallieren. So haben wir zwei Spiele auf dem Homescreen wie Popbird und Texas Storm, welche nicht nur alles jegliche an Spass vermissen lassen, sondern zudem auch Speicher besetzen, der ohne Root-Zugriff auch nicht freigelegt werden kann. Die Apps können nicht einmal ausgeblendet werden, da es keinen App-Drawer gibt.

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Das Display ist wirklich nicht schlecht, aber auch nicht herausragend.

Eine „für den Preis“ ganz ordentliche Kamera

Auf die Goldwaage wollen wir die Kamera an dieser Stelle definitiv nicht legen. Sie macht ihren Job auf eine wirklich gute Art und Weise und die Schnappschüsse gelingen daher recht ordentlich. Natürlich sollte man hier keine Wunder erwarten, denn auffällig sind vor allem leichte Unschärfen an den Rändern, die Kamera hat generell Probleme, nähere Objekte zu fokussieren und auch der Kontrast wirkt nicht sehr natürlich, sondern eher etwas farblos, bzw. kann je nach Situation etwas zu stark überbelichten. Dennoch kann man hier guten Gewissens sagen: Absolut ausreichend.

 

Generell schiesst der 13 MP Knipser ansehnliche Ergebnisse. Die Details stimmen für die Auflösung, auch wenn diese selbst bei leicht schwankenden Lichtverhältnissen stark verändern können. Besonders sieht man das unter künstlichem Lichteinfluss, denn die Bilder wirken dann stark überbelichtet. Als Dreingabe gibt es allerdings noch einige nette Features, welche man auch von Highend-Geräten kennt: So dürft ihr Filter über geschossene Fotos legen oder Timelapse- bzw. Zeitlupenvideos in 1080p drehen. Die Qualität entspricht dann in etwa dem oben genannten Gesamtbild. Aber hey! Es reicht vollkommen aus. Vor allem zu dem Preis! (Kommt euch das bekannt vor?)

Schwache Akkulaufzeit der grösste Knackpunkt

Hier kommen wir allerdings nun an einen Punkt, der sich nicht einmal mit dem sehr niedrigen Preisschild schönreden lässt. Denn schon bei normaler Nutzung waren wir schon am späteren Nachmittag voller Panik auf Steckdosensuche. Trotz der eigentlich recht annehmbaren 3’060 mAh im Rücken des Redmi Note 2 ist der Akkudurst des Gerätes extrem monströs! Auch nach längerer Suche im System und mehrmaligem Neuaufsetzen des Devices konnte der Fehler nicht gefunden werden, sofern es überhaupt einer ist. So gut die MIUI Oberfläche auch angepasst sein mag, sie scheint im Hintergrund einiges an Laufleistung abzuverlangen. Wer zu Hause im WLAN sitzt und im Internet surfen sollte, kann bei mittlerer Displayhelligkeit schon nach kurzer Zeit die Prozente in den Keller laufen sehen, noch heikler wird’s dann beim Schauen von Full-HD-Videos auf YouTube, die dann auch noch gleichzeitig gestreamt werden müssen.

 

Erst als wir in den Einstellungen gruben und diverse Dauerbrenner wie GPS, Bluetooth und andere Dinge deaktivierten, konnten wir die Laufzeit leicht erhöhen. Zudem stellt einem die Software einige Profil-Voreinstellung zur Verfügung, um noch ein wenig mehr Saft auf dem Redmi Note 2 zu quetschen. Wir empfehlen dringend, sich die Systemeinstellungen genauer anzuschauen, um die Akkulaufzeit mitunter deutlich zu erhöhen. Lasst ihr das Redmi Note 2 von Xiaomi in den Standardeinstellungen werkeln, empfehlen wir eine Powerbank zum umschnallen mit Kabelverbindung über den Pulli in die Hosentasche. Sonst wird’s über den Tag gesehen oftmals eng.

Fazit: Extrem viel Phablet für extrem wenig Geld!

So, und jetzt kommen wir zum „für diesen Preis auf jeden Fall in Ordnung“-Fazit. Denn das, was Xiaomi hier mit dem Redmi Note 2 abfeuert, ist zwar keines Silvesters würdig, aber auf den Preis kann man schon einmal die Sektkorken knallen lassen. Für umgerechnet rund 135 Euro bzw. 140 SFr in der teuersten Version des Phablets bei Gearbest kommen vielleicht noch ein paar Importkosten dazu und selbst wenn die Mehrwertsteuer noch draufgeschlagen wird, ist das Redmi Note 2 nicht nur erheblich schneller, leistungsfähiger und besser ausgestattet als die meisten Geräte für über 300 Euro, es bietet einfach um ein Vielfaches mehr als deutlich teurere Smartphones seiner Klasse.

 

Dem zu Buche stehen eine „zu diesem Preis OK“-Kamera, ein wirklich performanter Prozessor, eine sehr gut auf die Leistung hin optimierte Oberfläche und ein riesiger Pool an Anpassungen für das Design des Launchers. Auch das in Full-HD auflösende Display kann durchaus überzeugen. Dagegen steht bisher nur eine fast katastrophale Akkuleistung, allerdings lässt sich mit diversen Einstellungen eine deutlich aufpolierte Laufleistung erzwingen. Auch, dass man vielleicht nicht alle Apps löschen kann und das Symbol von Popbird fürchterlich nervig ist, könnte eventuell durch den Preis noch verziehen werden.

 

Zusammengefasst: Ein besseres Smartphone für diesen Preis gibt es einfach nicht. Jedenfalls ist mir noch keines in die Hände gefallen. Selbst deutlich teurere Geräte schneiden in vielen Disziplinen sogar noch deutlich unter dem Redmi Note 2 ab. Wenn ihr das Akkuproblem mit einigen Tuning-Vorgängen in den Einstellungen auf ein erträgliches Niveau schieben könnt und euch das am Ende nicht all zu sehr stört, auch selbst Hand anzulegen, kann man zu dem Preis jedenfalls nichts falsch machen. Mehr Phablet ist für das Geld einfach nicht möglich, wenn man bedenkt hier Leistung in der Hand zu halten die stark an der Grenze zur Oberklasse kratzt.

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