Di. 23. Februar 2016 um 18:44

Review: Samsung Gear VR 2 im Test

von Barbara Walter-Jeanrenaud2 Kommentare

Es fällt schwer, bei einer VR-Brille wie der Gear VR 2 von Samsung eine klare Grenze zwischen dem allgemeinen Trend Virtual Reality und dem Gerät selbst zu ziehen. In dieser Review beziehen wir uns rein auf das technische Gerät. Die Gedanken zum Trend VR als solches werden dann in einem gesonderten Artikel behandelt. Für einige Wochen konnten wir eine Samsung Gear VR mit dem Galaxy S6 verwenden. Unsere Erfahrungen haben wir für euch im Testbericht festgehalten.

Samsung Gear VR 2

Bei der Gear VR 2 handelt es sich um die zweite Generation der Virtual Reality-Brillen des südkoreanischen Herstellers Samsung. Der grösste Unterschied liegt allerdings in dem benutzten Smartphone, brauchte man für die erste Gear VR ein Samsung Galaxy Note 4 von 2014, funktioniert die zweite Generation der futuristisch anmutenden Brille in der Consumer Version mit dem Samsung Galaxy S6, dem S6 edge, dem S6 edge Plus sowie dem Note 5 von 2015.

Bedienung

Die Handhabung der Gear VR von Samsung ist recht einfach. Das Smartphone wird vorn in die dafür vorgesehene Halterung eingelegt. Dann setzt man die Brille auf und schaltet sie ein. Eine schöne Sache ist, dass man das Gerät während des Tragens laden kann. Zum Anziehen der Brille gibt es das Hauptband, das um den Kopf gelegt wird und ein Kopfband, welches vorn mittig an der Brille und hinten mittig am Hauptband sitzt. Dadurch ist die Brille sehr gut gesichert und rutscht nicht vom Kopf. Die Bedienung erfolgt über ein Trackpad an der rechten Seite der Brille. Dies funktioniert einwandfrei und man hat sich sehr schnell daran gewöhnt und kann präzise schalten und walten. Um Virtual Reality zu geniessen, muss das Smartphone nun wieder aus der Gear entfernt werden und die Oculus VR App intalliert werden. Nach einem kurzen informativen Tutorial kann es auch schon losgehen.

Spiele, Filme, Bilder

Zunächst betritt man eine Art grossen Raum, in dem man dann aus verschiedenen Angeboten auswählen kann. So gibt es Filme, Bilder und Spiele zu entdecken, die man sich wirklich in einem Rundumblick zu Gemüte führen kann. Beeindruckend ist etwa der Beitrag des Cirque du Soleil, man kann die Akrobat_innen beim Turnen sehen und erlebt den Zauber der Vorstellung extrem nah. Auch die Naturaufnahmen und Actionfilmszenen sind sehenswert, genauso wie die Fotos. Mit einem Tippen auf die Seite der Gear VR kann man in die Szenerien eintauchen und sich ganz genau umschauen.

 

Eine weitere schöne Sache sind die Spiele. So kann man beispielsweise den Klassiker Temple Run spielen, allerdings ist die Bedienung per Trackpad etwas ungewohnt. Hier bietet sich als Zusatzgadget der Controller für die Gear VR an, um das Spiel wirklich geniessen zu können. Ruhiger geht es beim Krimi-Spiel Dead Secret zu, in diesem Point and Click Spiel klärt man einen komplizierten Mordfall auf und kann dabei Schränke, Schubladen etc. durchwühlen. Für die kurzweilige Unterhaltung ist dies eine feine Sache, stundenlange Gamingsessions sind derzeit noch nicht wirklich realistisch, dies verhindert (noch!) der Tragekomfort.

Tragekomfort und Darstellungsqualität

Zwar ist die Gear VR 2 wesentlich leichter als noch das Vorgängermodell, allerdings merkt man einfach zu jeder Zeit, dass „man da was auf der Birne hat“. Als Brillenträgerin war ich überrascht: Die Brille kann ich nun aufbehalten, nichts drückt. Und das, obwohl ich ein recht grosses Kunststoffmodell trage. Bei einem ersten Antesten der noch nicht marktreifen Gear VR im vergangen Sommer war dies noch nicht möglich und es wird auch immer noch empfohlen, die eigene Brille abzunehmen, allerdings ist durch das Scharfstellen nicht jede Sehschwäche ausgleichbar, insbesondere Menschen mit Hornhautverkrümmung werden an ihre Grenzen stossen. Mit der Brille auf der Nase und der Gear VR darüber sieht man die Inhalte ordentlich scharf, so wie alle nicht-Brillenschlangen auch. Sehr schön!

 

Durch den Schaumstoff, mit dem die Samsung Gear VR verkleidet ist, drückt auch nichts und man hat im Allgemeinen ein angenehmes Tragegefühl. Empfindliche Leute könnten allerdings nach einer Weile oder bei sehr schnellen Szenen Kopfschmerzen bekommen, bis sie sich an die VR-Brille gewöhnt haben. Dies ist aber ein generelles Thema und hat nichts mit dem Samsung-Gerät zu tun.

 

Zum Tragekomfort bzw. Sehkomfort gehört aber auch die Darstellungsqualität. Natürlich ist die Technik noch nicht so weit, dass man wirklich feinste pixelfreie Qualität bekommt, wenn man durch die Gear VR schaut. Stellenweise ist die Darstellung aber doch recht verwaschen und man muss noch einmal nachjustieren. Bei kurzen Clips, Fotos und Spielen fällt dies nicht so sehr auf, beim Test von Filmen auf Netflix kam die Brille im Test aber an ihre Grenzen. Man kann seine Serie schauen, allerdings ist es um Einiges anstrengender für die Augen als im TV oder am Laptop. nach spätestens zwanzig Minuten bekommt man das Gefühl, nun quadratische Augen zu haben – Mami hatte also recht – auch weil die Virtual Reality sich eben so nah an den Augen abspielt. Für die ein oder andere Episode der Lieblingsserie ist es kein Problem, allerdings muss man wirklich hin uns wieder Pausen einlegen. Bei einem ganzen Film findet dies etwa im Rhythmus von Werbeunterbrechungen statt, ansonsten hält man nicht wirklich durch, ohne dass man sich nach einer Weile komplett beduselt vorkommt.

Fazit

Besitzt man bereits ein aktuelles Highend-Smartphone von Samsung, wollte VR wirklich einmal ausprobieren und hat zufällig 99 Schweizer Franken oder Euro übrig, dann ist es eine gute Idee, sie in die Gear VR zu investieren. Man bekommt sehr gut abgestimmte Technik und kann in die Welt der Virtual Reality eintauchen. Die Gear VR macht unglaublich viel Spass, auch wenn man sich schon öfter einmal fragt: Brauch ich das? Die Antwort ist: Eigentlich nein, aber es ist schon ein cooles Stück Technik.

 

Wer sich noch unschlüssig ist, sollte vielleicht zunächst auf die Google Cardboard Papp-VR-Brille zurückgreifen, wer vom VR-Fieber schon gepackt ist, kann guten Gewissens zugreifen.

 

Der Tragekomfort ist sehr gut, die Gear VR ist leicht und bequem. Die Spiele sind gut gemacht und sicherlich die Zukunft für VR, vielmehr noch als Filme oder Fotos. Auch im Bildungsbereich sind VR-Brillen denkbar. Für aufwändige Actionspiele sollte man allerdings den Controller in Betracht ziehen, da die Bedienung über das seitliche Trackpad der Gear VR zwar als normale Steuerung sehr gut ist, beim schnellen Reagieren aber an seine Grenzen kommt.

Die Darstellungsqualität ist insgesamt noch nicht dort, wo sie in wenigen Jahren sein wird. Alles wirkt noch leicht pixelig und verwaschen, intensives Tragen ist sehr anstrengend für die Augen, etwa vergleichbar mit dem Tragen von 3D-Brillen. Aber für die heutigen Möglichkeiten ist die Gear VR wirklich sehr stark in diesem Bereich.

 

In den nächsten Monaten werden noch andere VR-Brillen auf den Markt kommen, allen voran hat LG mit der 360 VR eine frisch vorgestellt. Diese gilt es nun auch zu testen und zu schauen, ob und was LG besser machen konnte. Für Brillen, mit denen man sich im Raum bewegt, wie die HTC Vive etwa, benötigt man extrem starkes Computer-Equipment. Diese Geräte spielen in einer anderen Liga und sind demnach auch nicht als Konkurrenzprodukte anzusehen.

 

Die Samsung Gear VR gibt es in der Farbe weiss für 99 Schweizer Franken bzw. Euro bei den üblichen Verdächtigen, also digitec.ch, Amazon, Media Markt usw. Die Brille ist nur mit ausgewählten Oberklasse-Smartphones der Firma Samsung zu gebrauchen, dies sollte also entweder schon vorhanden sein oder aber in einem Bundle gekauft werden.

vg-wort
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2 Antworten zu “Review: Samsung Gear VR 2 im Test”

  1. supermanlovers sagt:

    Mit welchem Smartphone wurde den genau getestet? Die ppi von S6, S6 Edge Plus und Note 5 unterscheiden sich deutlich.

  2. Barbara Walter-Jeanrenaud sagt:

    Oh, das stand nur im Vorschautext, mea culpa. Getestet wurde mit einem Samsung Galaxy S6 (577 ppi). Wurde auch im Haupttext ergänzt.

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