So. 22. März 2015 um 19:15

Review: Samsung Gear S im Test

von Barbara Walter-Jeanrenaud2 Kommentare
  1. Einleitung

  2. Lieferumfang und Verpackung

  3. Haptik und Design

  4. Technische Daten

  5. Display

  6. Inbetriebnahme

  7. Software und Akku

  8. Verbindungsqualität

  9. Fazit

1. Einleitung

Wer wollte nicht schon immer einmal mit einer Uhr telefonieren? Michael Knight machte es vor und nun ist es Wirklichkeit: Die Smartwatch Gear S aus dem Hause Samsung verfügt neben vielen weiteren Funktionen über genau diese und stellt somit eine besondere Uhr dar. Doch was taugt sie im Alltag? Wie gut funktioniert die Telefonie, SMS und Messagingfunktion ohne Smartphone? Und – bei einer Smartwatch alles andere als unwichtig – wie tragbar ist sie im Alltag? Diese Fragen werden wir in der folgenden Review versuchen zu beantworten.

 

2. Lieferumfang, Verpackung und Verarbeitungsqualität

Die Samsung Gear S kommt in einer beigefarbenen, stabilen Pappschachtel daher und enthält neben der Uhr ein Netzteil, eine Ladeschale, einen SIM-Kartenslot-Öffner sowie einer Kurzanleitung in verschiedenen Sprachen. Der Lieferumfang ist demnach praktisch bemessen und auch die Pappschachtel in schicker Würfelform macht einen guten Eindruck.

Die Qualität der Verarbeitung ist einwandfrei. Die Uhr wirkt wie aus einem Guss, an keiner Stelle gab es Kratzer oder knarzende Stellen. Die Schliesse des Armbands ist, wie das Armband selbst auch, stabil und nicht zu steif oder schwergängig, alles sitzt und passt sehr gut.

Samsung Gear S Lieferumfang
Der Lieferumfang der Samsung Gear S

3. Haptik und Design

Unter der Hand wurde die Gear S von Samsung in Pressekreisen kurz nach der Vorstellung als Schweissband bezeichnet. Und irgendwie ist das nicht untreffend formuliert: Die Samsung Gear S ist gross, ja. Aber auf eine angenehme Art und Weise nicht klobig, sie wirkt vielmehr sehr sportlich. Das Design an sich macht wirklich etwas her, das Armband fügt sich nahtlos an das Gehäuse, das 2 Zoll grosse Display ist länglich und genauso breit wie das Armband selbst. Natürlich fällt die Smartwatch am Handgelenk auf, vielleicht in der Farbe weiss mehr als unser schwarzes Testgerät, allerdings gibt es doch mehr als genug Leute, die genau das suchen: Ein Designerstück für’s Handgelenk.

 

Am unteren Ende des Displays befindet sich der Home-Button, der in einem für Samsung typischen Design gehalten ist. Rechts und links daneben befinden sich zwei kleine Sensoren, einer für die UV-Messung und einer für die automatische Einstellung der Bildschirmhelligkeit. Auf der Unterseite befinden sich der SIM-Kartenslot, das Fenster für den Pulsmesser sowie der Akkuladeanschluss.

4. Technische Daten

BetriebssystemTizen
Abmessungen58.1 mm x 39.9 mm x 12.5 mm
Gewicht84 g (weiss), 67 g (blau-schwarz)
Akku300 mAh
Prozessor1 GHz Dualcore Prozessor
Arbeitsspeicher512 MB
Interner Speicher4 GB (ca. 2 GB zur freien Verfügung)
DisplayCurved S-AMOLED 480 x 360 Pixel (300 ppi)
SensorenBeschleunigungssensor, Barometer, Lagesensor, Geomagnetischer Sensor, Pulssensor, Umgebungslichtsensor, UV-Sensor
KonnektivitätBluetooth v4.1, GPS und GLONASS, WLAN 802.11b/g/n 2.4 GHz, USB 2.0, GSM, UMTS
SIM-KarteNano-SIM

 

5. Display

Das AMOLED-Display der Samsung Gear S ist ein Traum. Ernsthaft, es ist gestochen scharf, die Farben bluten an keiner Stelle aus und wirken sehr lebendig, ohne nach Kindergeburtstag auszusehen. Die Grösse von 2 Zoll erlaubt ein recht gutes Arbeiten mit der Uhr, mit ein bisschen Übung und Geschick gelingt es schnell, zuverlässig richtig zu tippen. Die Eingaben sind sehr präzise und kommen dort an, wo sie sollen. Lediglich die Beschichtung des Displayglases ist ein bisschen sehr anfällig für Fingerabdrücke und Schlieren.

Das Display löst mit 480 x 360 Pixel auf und bietet eine ppi von 300. Das sind für ein Wearable absolut fantastische Werte. Die Blickwinkelstabilität ist sehr gut und auch bei direkter Sonneneinstrahlung sind die Bildschirminhalte einwandfrei zu sehen. 

6. Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme ist ziemlich fummelig. Zunächst benötigt man zwingend ein Samsung-Smartphone. Die Gear S ist somit nicht einmal zu anderen Android-Geräten kompatibel, was den Markt schon sehr einschränkt. Im Test verwendeten wir zum Koppeln ein Samsung Galaxy S5.

Die Smartwatch lässt sich ohne Smartphone zwar einschalten, bleibt jedoch mit der Meldung, sie müsse die Gear App aus dem Samsung-eigenen Store installieren, stehen. Nun muss also die App auf das Smartphone geladen werden und anschliessend das Phone mit der Gear S gekoppelt werden. Nach dem obligatorischen Ersteinstellungsmenü verlangt die Uhr nach mehreren Updates, die sie sich herunterlädt. Dabei muss ausserdem das ein oder andere Mal auf das Smartphone zugegriffen werden.

 

Alles in allem dauerte diese Ersteinrichtung der Uhr rund 45 Minuten und war nicht gerade intuitiv gelöst. Zwar traten an keiner Stelle Schwierigkeiten auf, jedoch muss man schon wissen, was man tut, um das Prozedere ohne Probleme über die Bühne zu bringen.

Ist die Einrichtung geglückt, gelangt man auf den Startbildschirm und kann mit der Bedienung der Uhr beginnen. Am besten macht man sich dazu erstmal mit den verschiedenen Wischgesten vertraut und probiert diese aus. Mit einem Wisch nach links gelangt man beispielsweise zu den Nachrichten, nach rechts geht es ins Menü und zu Funktionen wie dem Pulsmesser, dem Wetter oder auch die Sport-App.

7. Software und Akku

Als Betriebssystem kommt bei der Gear S nicht etwa Android Wear zum Einsatz, sondern Tizen. Das hat den Grund, dass Android Wear eine eigenständige Nutzung von Smartwatches nicht unterstützt. Tizen wird gemeinsam von Samsung, Intel und der Linux Foundation entwickelt und kam in der Vergangenheit auch schon auf einigen wenigen Smartphones zum Einsatz.

 

Das Gerät und das Betriebssystem passen gut zusammen und sind aufeinander sehr fein abgestimmt. Ein kleiner Minuspunkt betreffend Tizen ist allerdings, dass mittlerweile für Android Wear doch schon einige Apps vorhanden sind, die sich mit Tizen nicht benutzen lassen. Im Store finden sich allerdings einige Apps für die Samsung Gear S, die sehr attraktiv sind. Spiele, Kamera-Apps etc. sind vorhanden, die meisten Programme sind allerdings kostenpflichtig. Ausserdem ist das Betriebssystem der Uhr wohl auch dafür verantwortlich, dass die Smartwatch ausschliesslich mit Samsung-Geräten in Betrieb genommen werden kann. Auch Apps für die Uhr lassen sich nur mit einem Samsung-Smartphone herunterladen, verwalten und bedienen. Das ist sehr schade, denn auf diese Weise ist die Gear S für sehr viele Leute komplett wertlos, so schön und funktional sie auch ist.

 

Die Bedienung der Uhr ist sehr intuitiv und einfach gestaltet. Mit einem Druck seid ihr stets zurück auf dem Homescreen, mittels Wischgesten nach links, rechts, oben und unten kommt ihr durch die Menüs und zu den verschiedenen Funktionen. Nach ungefähr einer halben Stunde Eingewöhnungszeit fällt dies sehr leicht und man muss nicht mehr lange nachdenken, um an bestimmte Nachrichten oder zu seinen Apps und Daten zu kommen. Die Smartwatch reagiert stets prompt auf die Gesten und es konnten im Test keine Ruckler festgestellt werden.

 

Die vorinstallierten Apps und Features funktionieren gut und halten sich zudem in Grenzen. So ist beispielsweise eine Musik- und eine Sport-App sowie der Pulsmesser mit an Bord. Verglichen mit anderen Wearables zeigten sich Schrittzähler und Pulsmesser als recht präzise. Es gab keine grossartigen Abweichungen über die Messtoleranz hinaus im Vergleich zu einem Fitbit, der Smartphone Health-App sowie einer LG G Watch R. Es stehen zudem verschiedene teilweise sehr geschmackvolle Watchfaces zur Verfügung, aus denen ausgewählt werden kann. Hier ist von verspielt bis sportlich für Alle etwas dabei.

 

Zum Aufladen des Akkus kommt ein Ladedock zum Einsatz, wie man es von anderen Smartwatches her kennt. Dazu wird die Gear S fest in das Dock gedrückt und für etwa zwei Stunden an den Strom angeschlossen. Der 300 mAh starke Akku hält erstaunlich lang durch. In Verbindung mit einem Samsung Galaxy S5 hält der Akku gute zwei Tage durch. Nutzt man sie jedoch eigenständig, womit das GSM-Modul sowie GPS in Betrieb sind, so beschränkt sich die Laufzeit auf durchschnittliche zehn bis zwölf Stunden. Man kann allerdings die Ladestation aufladen und mitnehmen, sie fungiert dann als kabellose 350 mAh starke Powerbank und kann den Akku unterwegs aufladen, eine gute Idee von Samsung!

8. Sound- und Verbindungsqualität

Die Soundqualität ist in Ordnung. Beim Musikhören über die Uhr gibt es nichts zu beanstanden – sie ist selbstverständlich keine HiFi-Anlage, aber zum Joggen oder Tramfahren reicht es definitv aus. Was positiv überrascht, ist die Qualität der Gesprächsverbindungen. Beim Telefonieren ist das Gegenüber stets einwandfrei zu verstehen und dabei auch ohne Headset wesentlich besser als über Lautsprecherfunktion am Smartphone. Auch die angerufene Person kann alles Gesprochene sehr klar verstehen und Umgebungsgeräusche werden anständig herausgefiltert.

 

Verbindungen können via Bluetooth, WLAN und GSM aufgebaut werden. Die Bluetoothverbindung zum Smartphone, aber auch zu Zubehör wie Kopfhörern, klappt einwandfrei. Einmal gekoppelt, bleiben die Geräte zusammen, solange sie nicht durch zu grosse Entfernungen getrennt werden, Störungen gab es nicht. Auch WLAN war stets recht gut empfangbar, zwar nicht auf demselben Niveau, wie bei dem im Test verwendete Samsung Galaxy S5, aber doch akzeptabel. Mit GSM lief im Test auch alles glatt. SIM-Karte rein und los kann’s gehen. Die Empfangsqualität der Uhr ist vergleichbar mit jener eines Smartphones, hier gibt es nichts zu beanstanden.

9. Fazit

Ist die Samsung Gear S also eine riesige Smartwatch oder ein winziges Smartphone für das Handgelenk? Nun, irgendwie ist sie beides. Das Design gefällt mir sehr gut, sie ist einfach mal so ganz anders als andere Smartwatches. So schick und unauffällig die runden Modelle auch sind, gegen einen sportlichen Hingucker kann man nichts sagen. Im Übrigen sieht die Gear S auch an dünnen Handgelenken oder Frauenarmen nicht schlecht aus, es ist einfach eine Frage des Anlasses oder gar des Gesamtstils, den die jeweilige Person verkörpert.

 

Die Akkulaufzeit der Gear S ist in Ordnung, schön wäre es, wenn sie um die drei Tage durchhalten würde. Die Option, das Ladedock mitzunehmen und die Smartwatch bei Bedarf ohne Kabel aufzuladen, ist eine gute und durchdachte Idee. Das Display ist ein wahr gewordener Pixeltraum. Es ist so gestochen scharf und die Farben werden so brilliant angezeigt, wie ich es bei noch keiner anderen Smartwatch gesehen habe. Es kommt sehr nahe an Top-Smartphonedisplays heran. Das Design ist schon ein Alleinstellungsmerkmal der Samsung Gear S, das AMOLED-Display ist es in Puncto Qualität aber auch.

 

Kommen wir zu den Knackpunkten: Was mir etwas sauer aufstösst, ist die Tatsache, dass die Gear S ausschliesslich mit Samsung-Smartphones verwendet werden kann. Dies könnte tatsächlich ein Eigentor Samsungs sein, schränkt sich dadurch der Markt doch sehr stark ein. Auch die Inbetriebnahme und erste Einrichtung mittels Smartphone-App ist umständlich und es dauert recht lang, bis es endlich losgehen kann. Etwas unbedarfte Personen und Nicht-Smartphone-Cracks werden damit sicherlich ihre Schwierigkeiten haben, was die Uhr nur bedingt zu einem Massenprodukt macht.

 

Die Samsung Gear S kostet 379 SFr. bzw. 399 Euro (UVP) und ist in den Farben White und Blue Black erhältlich. Mittlerweile gibt es auch Armbänder zum Wechseln, diese sind in den Farben Blue Black, White, Mocha Gray, Cobalt Blue und Supreme Red erhältlich. Immer mal wieder gibt es Aktionen bei verschiedenen Händlern, in deren Rahmen die Smartwatch auch deutlich günstiger erstanden werden kann.

vg-wort
Das könnte Sie auch interessieren

2 Antworten zu “Review: Samsung Gear S im Test”

  1. mac8520 sagt:

    Hallo, Test ist soweit richtig . Aber es stimmt nicht dass man mit der Gear S keine Nachrichten beantworten kann mit WhatsApp und Co. man kann ohne Zusatzsoftware auf die Nachrichten von WhatsApp und Co. über die Gear antworten! man kann die Tastatur benutzen oder die Spracheingabe benutzen, oder vorgefertigte Antworten benutzen dies kann man alles während der Antwort einstellen. ihr solltet euren Test noch mal revidieren . Liebe Grüße

  2. Barbara Walter sagt:

    Vielen Dank für den Hinweis, du hast natürlich vollkommen recht. Seit einem Update ist auch dies möglich, das ist uns irgendwie durchgerutscht.

Schreibe einen Kommentar

Teilen