Review: Samsung Galaxy S5 im Test - PocketPC.ch
Mo. 14. April 2014 um 18:43

Review: Samsung Galaxy S5 im Test

von Marcel Laser3 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

Das Design: Samsungs Kunststoff-Wahn geht weiter

Die Hardware: Starke Ausstattung, wasserdicht und ein Herzfrequenzmesser

Herausragendes Display und Performance

Der Fingerabdrucksensor: Offener bei Samsung, komfortabler bei Apple

Riesiges Softwarepaket und ein überladener Speicher

Sehr gute Kamera und eine sehr gute Akkuleistung

Fazit

 

Das Design: Samsungs Kunststoff-Wahn geht weiter

Wenn man sich das Galaxy S5 nicht all zu genau anschaut und vor allem auf die vorderen Partien achtet, ist es auf den ersten Blick nicht viel vom Vorgänger Galaxy S4 entfernt. Mit Massen von 140 x 71.5 x 7.9 mm ist es leicht voluminöser als das S4 ist und mit 145 Gramm auch einen Tick schwerer. Die Änderungen sucht man in den Abmessungen also im Detail. Interessanter werden da allerdings schon die Seitenränder und die Rückseite des Gerätes.

 

Beim Grunddesign geht Samsung weiterhin seinen Weg mit Kunststoff, doch sind einige Änderungen vorgenommen worden. Die Rückseite ist nun perforiert und die Klavierlackoptik wurde entfernt. Der mehr oder weniger matte Kunststoff soll dem Gerät laut Samsung einiges an Glamour verleihen, allerdings können wir das in dieser Optik so gar nicht nachvollziehen. Die Ränder sind ebenfalls aus Kunststoff und besitzen nun ein rillenartiges Muster. Der Standby-Button und die Lautstärkewippe sind allerdings nun durch das geriffelte Design der Ränder etwas schwieriger zu ertasten.

 

Das Samsung Galaxy S5 liegt zwar sehr angenehm in der Hand, doch fühlt es sich durch die Änderungen bei weitem nicht mehr so hochwertig an wie der Vorgänger, welcher eine recht gute Verarbeitungsqualität aufwies. Die Verarbeitung ist keinesfalls schlecht und wie von Samsung generell gewohnt hoch. Der gefühlte Eindruck bleibt jedoch für unsere Verhältnisse recht zwiegespalten, vor allem dann, wenn man mit den Fingern über die Rückseite streicht.

Die Hardware: Starke Ausstattung, wasserdicht und ein Herzfrequenzmesser

Lets talk about Specs! Das Samsung Galaxy S5 kommt nur mit edelster Technik daher. Ein Snapdragon 801 mit 2.5 GHz und vier Kernen sorgt für die Rechenkraft, gepaart mit 2 GB RAM, was uns schon während der Vorstellung leicht verwunderte. Sony und HTC verbauen beide bis zu 3 GB Arbeitsspeicher in ihren neuen Flaggschiffen, Samsung geht es hier anscheinend etwas gemütlicher an. Toll anzusehen ist ausserdem das im S5 verbaute AMOLED, welches mit 1920 x 1080 Pixel auflöst und einen sehr guten Eindruck macht.

 

Des Weiteren haben wir alle diversen Funkstandards an Bord: NFC, WLAN bis a/c, LTE, Bluetooth 4.0 und DLNA. Zudem können LTE und WLAN MiMo zu einem einzigen Kanal gebündelt und so die Downloadgeschwindigkeit drastisch erhöht werden. Die Kamera knipst mit guten 16 MP und erlaubt zudem Videoaufnahmen in UHD (3840 x 2160 Pixel). Der Digitalzoom kann bis auf das Vierfache vergrössern, allerdings gegenüber Nokias Pure View Technik mit deutlich stärkeren Qualitätsverlusten.

 

Der interne Speicher fasst 16 GB und wahlweise gibt es im späteren Verlauf auch Modelle mit 32 GB. Allerdings verzichtet Samsung unverständlicherweise auf eine 64 GB Version, obwohl das Verschieben von Apps derzeit nicht mehr ohne weiteres möglich ist und von Haus aus weniger als 10 GB vom kleinsten Modell für eigene Zwecke übrig bleiben. Dafür schluckt das Gerät offiziell Speicherkarten mit bis zu 64 GB, doch scheinen laut einiger Berichte auch inoffiziell gar bis zu 128 GB möglich zu sein. Bestätigen können wir das zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht. Hinter der stark angepassten TouchWIZ Oberfläche verbirgt sich Googles Android KitKat in Version 4.4.2.

 

Zudem ist Samsungs neues Flaggschiff erstmals nach IP67-Standards staub- und wasserdicht, was vor allem die Galaxy Active Serie in Zukunft obsolet werden lassen dürfte. Wir müssen uns allerdings eingestehen, dass die extrem filigranen Gummilippen auf der Rückseite der Abdeckung alles andere als vertrauenserweckend anmuten. Nach ersten Tests konnten wir uns allerdings ein positives Bild der Wasserdichtheit machen.

 

Ein weiteres interessantes Feature ist zudem der Pulsmesser unter der Kamera, der in einem Smartphone seine Premiere feiern darf, dessen Nutzen allerdings noch etwas in Frage steht. Die Messungen sind zwar ordentlich und erscheinen auch präzise, doch sollte die Kombination aus Gear Fit und Galaxy S5 deutlich vielversprechender ausfallen. Somit stempelt sich der Herzfrequenzmesser mehr oder weniger nur als nettes Gimmick ab, der im alltäglichen Gebrauch wohl weniger zum Tragen kommen wird.

 

 

Samsung Galaxy S5 Display
Tolles Display und starke Hardware beim Galaxy S5

Herausragendes Display und Performance

Besonderes Augenmerk verdient vor allem das extrem leuchtstarke Display. Das AMOLED ist sehr hell und kann auf höchster Leuchtstufe auch das Galaxy S4 bei weitem übertreffen. Die Farben sind AMOLED-typisch sehr kontrastreich, können aber per Profileinstellungen in den Optionen der Anzeige angepasst werden. Das im Samsung Galaxy S5 verbaute Display ist das derzeit mit Abstand beste AMOLED Display und in meinen Augen gar das bisher beste Display, das ich erblicken durfte. Hier hat Samsung ganze Arbeit geleistet.

 

Die Benchmarkwerte eines Samsung Galaxy S5 sind wahrlich beeindruckend und auch die „RealTIme“-Performance ist nicht von schlechten Eltern. Während wir im Test des Vorgängers immer noch ab und an den ein oder anderen Schluckauf vermerken konnten, ist der Nachfolger nun frei von derartigen Lags. Die 2.5 GHz des Snapdragon 801 machen hier in Zusammenarbeit mit den 2 GB RAM einen ausserordentlich guten Job. Apps und anspruchsvolle Anwendungen öffnen sich rasend schnell, genau wie Webseiten oder prall gefüllte eMail-Listen. Reaktionen auf Eingaben sind stets schnell und präzise.

 

Ebenfalls als Klacks stellen sich grafisch aufwendige Spiele heraus: Real Racing 3, RipTide GP 2 oder FIFA 14 sind keine grosse Herausforderung. Das Spielgeschehen ist stets flüssig und frei von starken FPS-Drops. Dank der Adreno 330 GPU im verbauten Snapdragon ist die Leistung auch entsprechend hoch und liegt in etwa auf dem Niveau des iPhone 5s, doch kann sich der Konkurrent aus Cupertino in der reinen GPU Leistung immer noch vor dem Galaxy S5 platzieren. Die Mehrleistung gegenüber dem Galaxy S4 ist jedoch jederzeit spürbar, vor allem bei aufwendigen Spielen und Programmen.

Der Fingerabdrucksensor: Offener bei Samsung, komfortabler bei Apple

Allen recht negativen Medienberichten zum Trotz: Wir konnten keine schwerwiegenden Probleme mit dem Scanner von Samsung in Erfahrung bringen. Er ist wie bei Apples iPhone 5s im Homebutton integriert, allerdings funktioniert er technisch deutlich anders als der Scanner aus Cupertino. Der Finger wird nämlich in der Länge über diesen gezogen und nicht aufgelegt, was zumindest schon einmal in der Praxis etwas mehr Handarbeit erfordert. Die Funktionsweise ist somit nur sehr schwer einhändig zu bewältigen, da die eine Hand das Galaxy S5 festhalten muss, während man mit der anderen Hand den Finger über den Sensor zieht. Die Fehlerquote bei der Erkennung ist zwar höher als beim iPhone 5s, allerdings noch im Rahmen. Berichten, die besagen, man müsse den Finger bis zu fünf Mal über den Sensor ziehen muss, können wir ausgehend von unserem Test nicht bestätigen.

 

Bis zu drei Fingerabdrücke können gespeichert werden, welche zudem per Passwortschutz gesichert sind. Sollte der Finger nicht ordnungsgemäss erkannt werden, darf jederzeit auf ein alternatives Passwort zurückgegriffen werden. Allerdings ist bisher noch nicht ganz klar, wie die Fingerabdrücke auf dem Gerät gespeichert werden. Apple nutzt beispielsweise einen eigens dafür im A7-Prozessor reservierten Baustein, welcher zudem über eine sehr starke Hardwareverschlüsselung verfügt. Der Abdruck wird also nicht als Bild, sondern als verschlüsselter „Datensalat“ im Gerät hinterlegt. Ob Samsung eine ähnliche Technik verfolgt, um den Fingerabdruck zu schützen, ist bisher nicht bekannt.

 

Dafür geht Samsung aber auch offener mit der Schnittstelle um und gibt die API bereits jetzt schon an Hersteller frei. PayPal beispielsweise kann den Scanner bereits zur Identifizierung nutzen und so ist eine Passworteingabe für das Einloggen und Bezahlen nicht mehr nötig. Weitere Apps und Funktionen sollen im Laufe der Monate dem Beispiel folgen. Apple hat zwar ähnliche Ziele in Aussicht gestellt, hält die Schnittstellen allerdings noch zurück.

 

Alles in allem finden wir den Fingerabdrucksensor in Apples iPhone 5s bei weitem komfortabler. Die Erkennunsgrate beim Samsung Galaxy S5 ist zwar hoch, allerdings immer noch deutlich fehleranfälliger als beim iPhone. Dafür ist die Offenheit durch die Herausgabe der APIs durch Samsung gewährleistet und die Möglichkeiten derzeit auf dem Samsung-Smartphone höher. Dennoch halten wir Apples Implementation für die ausgereiftere Variante.

Samsung Galaxy S5 Fingerprintsensor
Fingerabdrucksensor im Galaxy S5

Riesiges Softwarepaket und ein überladener Speicher

Die Kritik war schon beim Galaxy S3 nicht leise, beim Galaxy S4 wurde sie noch einmal deutlicher und beim Galaxy S5 gibt es eigentlich kaum noch Ausreden. Das kleinste Modell kommt mit 16 GB internem Speicher, welcher allerdings nur im Idealfall 10 GB für den Eigenbedarf zur Verfügung stellt. Grund dafür sind Samsungs recht weitreichende Anpassungen im System und die Masse an vorinstallierten Apps, welche nicht ohne Weiteres vom System entfernt werden können. Apps wie S Voice, HRS Hotels, Scrapbook, S Translator und noch einige mehr schmücken das umfangreiche aber fragwürdige Paket. Viele davon sind durch bereits ebenfalls vorinstallierte Google-Apps aber nahezu obsolet. Warum man dem Benutzer oder der Benutzerin nicht selber die Wahl lässt, welche Apps nachträglich installiert werden können, ist uns weiterhin schleierhaft.

 

Die Oberfläche wird weiterhin von Samsungs TouchWIZ dominiert, welches einige Anpassungen erfahren hat. Das Einstellungsmenü wurde komplett umstrukturiert und wirkt auf den ersten Blick recht unübersichtlich. Nach mehrmaligem Nutzen wird man sich allerdings an das neue Menü gewöhnen. Zudem sind die Einstellungssymbole farbenfroher geworden. Die Icons auf dem Homescreen und auch im App-Menü sind deutlich flacher gehalten, was einen moderneren Look verspricht. Flipboard wurde zudem nun in den Homescreen integriert und kann mit einem Wisch ganz nach links aufgerufen werden.

 

S Health ist zudem das neue Fitnesszentrum von Samsung und speichert alle möglichen Daten wie die Herzfrequenz über den neuen Pulsmesser, Laufstrecken, Aktivitätsprofile, errechneter Kalorienverbrauch und eine ganze Menge mehr. Zudem kann das Samsung Galaxy S5 in Verbindung mit der ebenfalls neuen Gear Fit über S Health gekoppelt werden, was den Fitness-Alltag erleichtern soll. MultiWindow steht ebenfalls zur Verfügung.

Samsung Galaxy S5 Homescreen
Der Homescreen des Galaxy S5 von Samsung

Sehr gute Kamera und eine sehr gute Akkuleistung

Was Samsung schon bei den beiden Vorgängern gelungen ist, scheint sich beim Galaxy S5 ebenfalls abzuzeichnen. Die 16 MP Kamera im neuen südkoreanischen Flaggschiff ist durchaus sehr gut gelungen und schiesst sehr scharfe und detailreiche Fotos. Sie stellt damit einen deutlichen Sprung vom Galaxy S4 dar, welches ebenfalls eine herausragende Kamera besass. Allerdings werden bei schwächen Lichtverhältnissen und einer nicht all zu ruhigen Hand schnell verwaschene Ergebnisse deutlich. Dies hält sich allerdings noch in Grenzen, denn in dieser Disziplin gibt es Smartphones, die deutlich schlechter abschneiden.

 

Eine neuartige Linsentechnik für Smartphones, welche der von DSLR Kameras zu ähneln scheint, macht es dem Galaxy S5 möglich, eine extrem schnelle Fokussierung vorzunehmen. Bisher ist uns kein Smartphone unter die Augen gekommen, das in einer so kurzen Zeit einen ausgewählten Bereich in einer solchen Geschwindigkeit scharf stellen kann. Die Ergebnisse sind jedenfalls beeindruckend.

 

Ebenfalls beeindruckend ist die extreme Ausdauer des Gerätes. Das Samsung Galaxy S5 hält durch neu integrierte Energiesparmodi streckenweise deutlich länger durch als das Galaxy S4 und erklimmt Topwerte im oberen Bereich. Der Ultrasparmodus ist vor allem für die Leute interessant, die noch eine zeitlang mit dem letzten Tropfen auskommen müssen. Erst einmal eingeschaltet stehen nur noch eingeschränkte Funktionen zur Verfügung und das Display schaltet sich in einen Schwarz/Weiss-Modus. Davon profitiert dann vor allem das verbaute AMOLED, welches dann zusätzlich einiges an Energie einsparen kann. Wer also einen Dauerrenner braucht, der gar länger durchhalten kann als das G Flex von LG, macht mit dem Galaxy S5 wahrlich nichts falsch.

Fazit

Es ist schon zum Haareraufen hier ein Fazit zu fällen, welches dem Galaxy S5 gerecht wird. Die Hardware ist exzellent, das Display ist richtig gut und es gibt derzeit kaum ein Smartphone, das der geballten Power gerecht werden kann. Zudem ist die Kamera wirklich gut und auch die Akkulaufzeit ist ein Paradebeispiel! Auf Grund der streckenweise vor dem Release geschürten Gerüchte hat man allerdings von den Südkoreanern etwas mehr erhofft: Nächster Schritt in der Display-Auflösung, 64-Bit Prozessor oder generell ein grösserer Schritt in der Evolution.

 

Was wir nun bekommen haben ist zwar zweifellos eines der besten Smartphones auf dem Markt mit einer starken Hardware und einer sehr unspektakulären Aufmachung. Hersteller wie Sony und HTC sind mit ähnlicher Hardware ausgestattet und bieten zudem ein schöneres Gehäuse. Daher wird die Frage über das Smartphone nicht mehr über die Hardware gestellt, sondern der ein oder andere Hersteller könnte über das Design und die Materialwahl gewinnen.

 

Kurzum: Wer eine exzellente Kamera sucht, einen ausdauernden Akku und zudem noch leistungsfähige Hardware, wird mit dem Samsung Galaxy S5 glücklich. Wer auf die Kameraqualität verzichten kann, wird aber im HTC One M8 den attraktiveren Partner finden. Das Sony Xperia Z2 ist vom Design her ebenfalls mit höherwertigen Materialien bestückt und bietet ebenfalls eine gute Kamera. Ob nun der Fingerprintsensor oder der Pulsmesser durchschlagende Kaufargumente sind, hängt am Ende von jedem selber ab.

 

ProContra

Starke Hardware

Von 16 GB bleiben nur 9-10 übrig
Herausragendes AMOLED DisplayKunststoffgehäuse fühlt sich billig an
Exzellente Kameraextrem Bloatware-lastig
Hervorragende Akkulaufzeit 
Gute Verarbeitung 
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3 Antworten zu “Review: Samsung Galaxy S5 im Test”

  1. skycamefalling sagt:

    Danke für den ausführlichen Test 🙂

    Allerdings musste ich hier [quote][…]doch fühlt es sich durch die Änderungen bei weitem nicht mehr so hochwertig an wie der Vorgänger[…][/quote] herzlich lachen. Klar, das ist eine Review und somit ein subjektiver Eindruck, doch billiger als das S4 kann sich kaum etwas anfühlen und das S5 macht da m.E. schon deutlich mehr her.

    Zwei Fragen hab ich allerdings noch:´
    1.Kann an das S5 laden, ohne ständig die wasserdichte Abdeckung öffnen zu müssen? Vielleicht mit Pins, wie bei Sony, oder per Qi?
    2.Verwendet das Display immer noch die PenTile Matrix oder hat Samsung da endlich etwas Besseres?

  2. Valentin Moser sagt:

    Die Displaytechnik ist ansich die Selbe wie im S4.
    Qi Wireless Charging kann mit einem Cover von Samsung nachgerüstet werden.

  3. wbott@freenet.de sagt:

    mein sehr später Hinweis:
    ich war einige Zeit auf der Suche nach dem Android-Smartphone mit dem besten Empfang. Ich habe etliche Suchen in Google gestartet und viele Berichte verschiedener Tests gelesen und live die Empfangsqualitäten von Smartphones verglichen (mit Network Signals Pro) mit meinem N3 und letztendlich beim S5 gelandet.
    Ein ganz elementares Kriterium wenn man nicht in Großstadtnähe wohnt oder viel unterwegs ist….

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