So. 03. August 2014 um 21:34

Review: Pressy – The Almighty Android Button im Test

von Simon Burgermeister3 Kommentare

Eins kann ich sagen, mich begeistert das Prinzip des so genannten Crowdfundings, des Sammeln von Geld von der gesamten (Internet-)Bevölkerung für ein spezifisches Projekt. Entsprechend habe ich auch schon das eine oder andere Projekt mitfinanziert und eines davon wollen wir heute etwas genauer unter die Lupe nehmen. Und Lupe ist gleich ein gutes Stichwort, denn das Teil, genannt Pressy und finanziert über Kickstarter, ist so klein, dass fast ein Vergrösserungsglas von Nöten ist. Was der kleine Knopf kann, lest ihr im folgenden Bericht.

Inhalt

1. Die Idee

2. Android Only

3. Lieferumfang

4. Funktionsprinzip

5. Design und Verarbeitung

6. Software

7. Pressy im Einsatz

8. Fazit

 

 

1. Die Idee

Die Idee hinter Pressy, dem allmächtigen Android-Knopf, ist eine simple wie auch geniale: (Android-)Smartpones sind zwar tolle Geräte, durch ihren ausgedehnten Funktionsumfang allerdings auch umständlich zu bedienen. Nimrod Back, einer der Erfinder von Pressy, war also der Meinung, dass es einfacher sein muss, bestimmte, immer wiederkehrende Aufgaben zu erledigen oder häufig benutzte Features abzurufen.So kam die Idee auf, dass ein zusätzlicher physischer Knopf am Device, der dazu noch frei programmierbar ist, die Lösung darstellt. Und der Erfolg gibt ihm recht: Anstelle der geplanten 40‘000 kamen sagenhafte 695‘138 US-Dollar zusammen.

2. Android Only

Eins vorweg: Den Pressy-Button wird es in absehbarer Zeit nur für Smartphones und Tablets mit Android geben. Der Grund ist ganz einfach technischer Natur: Nur bei dem Betriebssystem aus dem Hause Google kann die Anwendung eines Dritt-Herstellers den systeminternen Dienst zum Überwachen des Headphone-Anschlusses ersetzen. Und dies stellt nun mal eine Grundvoraussetzung für die Funktion von Pressy dar. Doch wer weiss, vielleicht finden sich Mittel und Wege, dass dies irgendwann auch bei anderen Betriebssystemen möglich ist. Bis dahin gilt aber: Android Only.

3. Lieferumfang

Geliefert wird Pressy in einer süssen kleinen Kartonschachtel, die selbst schon fast verloren gehen kann. In der Schachtel selbst finden sich zusätzlich ein Schlüsselanhänger, in dem der Pressy bei Nichtgebrauch verstaut werden kann und eine Ultrakurzanleitung inklusive einem individuellen Code, um die Pressy-App freizuschalten.

4. Funktionsprinzip

Die Bedienung ist denkbar einfach: Pressy wird in die Kopfhörerbuchse des Smartphones eingestöpselt und gut ist. Nun steht am Smartphone ein zusätzlicher Button zur freien Verfügung. Und „frei“ kann ziemlich wörtlich genommen werden, denn mithilfe der zugehörigen App können zahlreiche Smartphone-Features auf eine von insgesamt 14 Drückkombinationen (kurz, kurz-kurz-kurz, kurz-lang, lang-kurz usw) gelegt werden. Wer also will, kann 14 verschiedene Tasks mit maximal drei Drückern auf einen physischen Knopf am Smartphone oder Tablet ausführen.

Als Beispiel nehmen wir mal die Taschenlampen-Funktion her: Meist muss hier erst das Display eingeschaltet und entsperrt werden, dann die App aufgerufen und dann der Button gedrückt werden, bis der LED-Blitz des Smartphones als Lichtquelle dient. Oder aber man drückt einmal kurz auf den Pressy-Button und schon geht das Licht an.

5. Design und Verarbeitung

Die Verarbeitung ist im wahrsten Sinne des Wortes lupenrein, es gibt an der Fertigung nichts zu bemängeln. Dies will man aber auch hoffen, gab es doch aufgrund von Produktions- und Qualitätsproblemen mehrere Verschiebungen des Versanddatums von März über April bis Juni 2014. Dennoch ist es irgendwie beeindruckend, wie ein solch kleines Teil zu Tausenden grösstenteils einwandfrei gefertigt ist.

 

Pressy besitzt einen angenehmen Druckpunkt – zumindest zu Beginn. Bei unserem Pressy hat sich dieser Druckpunkt auf einmal verabschiedet. Der Button funktioniert zwar noch, jedoch merkt man nicht mehr so leicht, ob der betätigt wurde oder nicht. Ich hoffe, dass es sich hierbei um einen Einzelfall handelt und dass nicht Hunderte oder gar Tausende Pressys davon betroffen sind. Nach kurzer Rücksprache mit dem Support (Antwortzeit 13 Stunden) wird uns nun aber ganz unkompliziert ein neues Exemplar zugestellt.

 

Zum Design selbst gibt es nicht viel zu sagen, schliesslich steckt der grösste Teil von Pressy im Gerät drin und ist nicht sichtbar. Der sichtbare Teil hingegen steht nur gerade einen knappen Millimeter vor und stört so überhaupt nicht. Pressy ist in den Farben Schwarz, Blau, Rot und Weiss erhältlich und kann so dem Smartphone angepasst werden. Die Farbe findet sich dann auch am Schlüsselanhänger wieder.

Schlüsselanhänger

Dieser ist komplett aus weichem Silikon gefertigt. Wer den Pressy-Button während des Nicht-Gebrauchs nicht am Schlüsselbund tragen möchte, kann den Anhänger auch am Kabel eines Headsets festmachen. Hier zeigt sich jedoch eine kleine Schwäche, denn der Pressy-Halter ist nur für jene etwas dickeren Kabel gemacht, in der beide Adern des Kopfhörerkabels geführt werden. Wer ein Headphone mit dem bekannten zweiadrigen Kabel (meist billigere Headphones) verwendet, schaut hier in die Röhre, denn der Schlüsselanhänger hält leider nicht wirklich am Kabel.

6. Software

Wie Eingangs schon erwähnt, gehört zum Pressy-Button auch eine entsprechende App. Die Anwendung ist gratis im Play Store erhältlich, kann aber nicht einfach so benutzt werden. Beim ersten Start muss die eigene Mailadresse und der bereits angesprochene individuelle Code eingegeben werden. Erst dann ist die Applikation einsatzbereit. Der Grund für die Code-Sperre ist nicht ganz klar, hängt aber wahrscheinlich damit zusammen, dass noch vor Erscheinen des offziellen Pressy-Buttons einige Nachahmer-Produkte auf dem Mart erschienen sind – unter anderem vom chinesischen Smartphonehersteller Xiaomi. Die Macher von Pressy kündigten zwar rechtliche Schritte gegen die Nachahmer an, wollen aber wohl trotzdem verhindern, dass die Buttons von Drittherstellern nicht mit der Pressy-App verwendet werden können.

 

Mit der App wird auch gleich ein Hintergrunddienst installiert, welcher fortan den Kopfhöreranschluss überwacht und beim Einstecken nachfragt, ob da nun ein Kopfhörer oder ein Pressy angeschlossen wurde. Je nach dem wird dann die App (nur im Hintergrund) aktiv oder wie üblich werden alle Audioausgaben auf den Kopfhörer umgeleitet. Zudem gibt es eine Zwischenlösung, bei der die Audio-Inhalte an den Kopfhörer übertragen werden, gleichzeitig aber auch die Pressy-App aktiv ist. Somit können in der Anwendung hinterlegte Befehle mit den Bedienelementen des Headphones ausgeführt werden – eine praktische Sache.

Kommen wir zur Applikation selbst: Diese ist schlicht aufgebaut und in einem schönen Blau gehalten. Gleich auf dem ersten Screen sind die verschiedenen bereits programmierten Aktionen zu sehen. Wischt man eine Aktion nach rechts, kann man diese pausieren oder löschen. Ein Klick auf den Aktion öffnet die Einstellungen. Hier können sämtliche Parameter verändert werden. Wie schon erwähnt, stehen zahlreiche Funktionen von Haus aus bereit. Am Beispiel von „Ein Foto aufnehmen“ sieht man die sehr gute und ausführliche Umsetzung: Man kann also einrichten, dass mit einem bestimmten Drückmuster (in unserem Fall kurz-kurz) ein Foto aufgenommen wird, und zwar mit der Kamera auf der Rückseite mit automatischem Blitz. Hier hätte man aber auch die Wahl, die Frontkamera oder gar beide zu aktivieren, zudem kann der Blitz auch fix ein- oder ausgeschaltet werden. Mit dem Haken bei „Active when screen is off“ wird zusätzlich bewirkt, dass die Aktion auch dann ausgeführt wird, wenn das Smartphone im Standby-Modus ist.

So stehen insgesamt 14 Tastenkombinationen zur Verfügung, fünf davon jedoch nur, wenn man die Reaktions-Zeit in den Einstellungen auf Slow stellt. Dies hat damit zu tun, dass der Dienst in den anderen Modi (Normal und Schnell) Mühe hat, die Drück-Muster zu erkennen.

7. Pressy im Einsatz

Es stehen einige Aktionen bereit: Mit zwei bis drei Drückern können Apps gestartet, Personen angerufen oder auch Einstellungen geändert werden. Und es geht sogar noch etwas weiter: Die Developer haben eine API und ein SDK entwickelt, sodass externe Apps ebenfalls mit Pressy kommunizieren können. Einerseits soll so der Button in einer externen Anwendung als zusätzliches Bedienelement finden, andererseits können aber auch per Knopfdruck weiterführende Aufgaben in anderen Apps gestartet werden. Während Ersteres noch bei keiner uns bekannten Anwendung zum Einsatz kommt, gibt es bereits mehrere Applikationen, welche eine Unterstützung für Pressy bieten. Genannt seien hier beispielsweise die Universal-Task-Apps AutomateIt (mit Plugin) und Tasker, die den Button als einen Auslöser anerkennen. Die Karten-Apps Google Maps und Waze können so mit der Pressy-App programmiert werden, dass sie einen an eine im Voraus eingespeicherte Adresse navigieren.

Leider sind in der Liste der Connected Apps auch solche vertreten, die keinen sichtbaren Nutzen durch Pressy davontragen. Doch was noch nicht ist, kann ja noch werden. Dies gilt auch für ein anderes Projekt des Pressy-Teams Diese stellten als Zusatz-Belohnung für 500’000 gesammelte Dollar das Feature Pressy-To-Talk in Aussicht. Damit soll es möglich sein, das Smartphone als Walkie-Talkie zu nutzen, wobei Pressy als Knopf zum Senden einer Sprachnachricht dient. Als Partner konnte man schon sehr bald den Messenger und WhatsApp-Konkurrenten Viber ins Boot holen, umgesetzt ist dieses Feature aber bisher noch nicht.

Schauen wir uns ein weiteres Beispiel an, das bereits funktioniert: Mit der App AutomateIt können weitergehende Aktionen automatisiert werden, das heisst, man kann in AutomateIt eine Aufgabe definieren, welche ausgeführt wird, sobald man mit dem Pressy-Button die festgelegte Tastenkombi drückt. Zu Testzwecken wird mit einem Druck eine Benachrichtigung eingeblendet:

Kinderkrankheiten

Die Pressy-App selbst hat bisher noch ein paar Schwächen. So kann beispielsweise per Knopfdruck die Kamera gestartet und gleich ein Foto gemacht werden. Doch dabei hat man keine Vorschaufunktion, man muss einfach ins Blaue hinaus die Kamera ausrichten. Das kommt selten gut. Hier muss unbedingt nachgebessert werden.

 

Nachgebessert werden muss zudem die teils extrem lange Reaktionszeit. Gewisse Aktionen (Play/Pause eines Liedes, Next Track) werden praktisch sofort umgesetzt. Wenn wir wieder das Beispiel der Taschenlampe anschauen, dann muss hier mehrere Sekunden vom Knopfdruck bis zum Aufleuchten der Kamera-LED gewartet werden. Wieso das so ist, ist nicht nachvollziehbar, zumal entsprechende Widgets deutlich schneller reagieren.

 

Zudem macht die Funktion „Active when screen is off“ noch Probleme. Die Taschenlampe beispielsweise lässt sich so zwar einschalten, ausschalten klappt bei ausgeschaltetem Display aber nicht mehr. Das Smartphone muss gar entsperrt werden und leider hilft nicht mal das immer.

 

Auch im Hintergrund gibt es noch den einen oder anderen Mangel. Der Dienst läuft nicht auf jedem Smartphone fehlerfrei, betroffen sind beispielsweise einige Samsung Modelle oder die beiden Ones (M7 und M8) von HTC. Doch hier muss man den Entwicklern ein Kränzchen binden, mindestens einmal wöchentlich gibt es ein Update der App, welches diese Probleme behebt oder zumindest einen Workaround bietet. Auch Funktionen werden so stets erweitert.

8. Fazit

Die Idee, dem Smartphone einen zusätzlichen, frei programmierbaren Knopf hinzuzufügen, ist ziemlich genial. Wie oft habe ich mich genervt, wenn ich kurz mein Device als Taschenlampe nutzen wollte und dafür unzählige Male auf den Bildschirm drücken musste. Dem will und kann Pressy Abhilfe schaffen. Auf eine sehr praktische und doch unauffällige Art und Weise. Die Möglichkeiten sind zwar bisher noch etwas beschränkt, doch es ist zu hoffen, dass noch ein paar Apps mehr dazu kommen, die von dem zusätzlichen Button Gebrauch machen.

Die Kinderkrankheiten vermiesen den ganzen Spass im Moment noch recht stark. Die teilweise träge Reaktion oder nicht sauber umgesetzte Features (Kamera, Funktion bei ausgeschaltetem Display) stellen ein ziemliches Hindernis dar. Dennoch stellt der Button eine praktische Möglichkeit dar, das durchaus komplizierte Smartphoneleben etwas zu vereinfachen. Und es bleibt die rege Hoffnung, dass es von Update zu Update besser wird.

 

Pro

  • Klein und unauffällig
  • Frei programmierbar
  • Umfangreiche App
  • Schlüsselanhänger zum sicheren Verstauen

Contra

  • Teils Funktionen noch unausgereift
  • Teils träge Reaktion
  • Auf manchen Geräten (momentan) unbenutzbar
  •  Blockiert Kopfhörer-Anschluss

 

Auch wenn im Moment die ganze Sache noch nicht zu 100 Prozent optimal abgestimmt ist, sind die Developer auf einem guten Weg. Wer sich selbst einen solchen Knopf zulegen möchte, kann sich auf der Website eindecken, wobei zu beachten gilt, dass momentan nur Vorbestellungen möglich sind. Bisher aber ausgeliefert wurden alle Kickstarter-Goodies plus eine erste Ladung herkömmliche Bestellungen. Wann mit der nächsten Charge gerechnet werden kann, ist momentan unbekannt. Einen Pressy-Button gibt es für 27 US-Dollar, zwei für 50 und drei sind für knapp 65 Dollar erhältlich, dazu kommen fast weltweit 5 Dollar Versandkosten.

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3 Antworten zu “Review: Pressy – The Almighty Android Button im Test”

  1. Kenan Sidali sagt:

    Nettes Teil, guter Testbericht. :top: Ich bin auf die Weiterentwicklung gespannt.

  2. chris1601 sagt:

    Super Bericht.
    Wie leicht kann man den Pressy wieder entfernen. Ich stöpsel ziemlich viel die Kopfhöhrer an und ab und da wäre es hinderlich immer 5min den Pressy rauszufummeln.

  3. trices sagt:

    @chris1601

    5min? Kommt wohl darauf an wie grob motorisch du bist.. bzw. ob du deine Fingernägel bis zum Nagelbett abnagst:P

    Der Wiederstand des Klinken-Anschlusses ist nicht wirklich gross. Und da es nicht im „Contra“ aufgelistet ist, wird sich der Autor in keinster Weise über das Entfernen generft haben.

    GreeZ

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