So. 23. August 2015 um 20:44

Review: Phicomm Passion im Test

von Stefan Wiesner0 Kommentare

Phicomm, der Name sagt euch nichts? Macht nichts, uns hat er auch nicht sofort etwas gesagt, aber „Tante Google“ hilft. Phicomm ist ein chinesischer Hersteller, der seit 2012 sein Europa-Geschäft von Unterhaching bei München aus steuert. Letztes Jahr auf der IFA stellte der Hersteller das Passion vor, welches man als Unternehmens-Flaggschiff bezeichnen kann. Das Handy reiht sich in die Mittelklasse ein, wobei sich die Verarbeitung nicht vor Oberklasse-Smartphones verstecken muss. Es gehört zu den wenig verbreiteten Dual-Sim-Smartphones mit Android, die immer mehr auf den europäischen Markt drängen.

Phicomm-Passion-Gerät-ausgepackt-1 Review: Phicomm Passion im Test
So schön verpackt kommt das Passion nach Hause

Erster Eindruck

Das Auspacken des Gerätes macht schon Freude, man hat ein redliches Aha-Erlebnis. Das Gerät kommt in einer Verpackung daher, die ein Buch nachahmt. Dieses Buch ist mit einer orangen Banderole umschlossen, welche den Firmennamen in grossen Lettern zeigt. Hat man diese nach oben abgestreift, kann man den Karton aufklappen und findet erstmal „die erste Seite des Buchs“, welche die Anschlüsse und Bedienelemente des Passions darstellt. Blättert man jetzt um, gelangt man zu dem Inlay, wo man dann auch das Gerät selber sowie den Rest des Lieferumfangs findet. Hierzu zählen ein USB-Netzteil, ein Micro-USB-Kabel, eine Kurzanleitung sowie das Werkzeug zum Entfernen der SIM-Einschübe. Ein Headset sucht man vergebens, was aber heute keinen mehr stören dürfte, da man gute Headsets schon für kleines Geld bekommt.

Verarbeitung und Haptik

Wie Eingangs schon erwähnt, muss sich die Verarbeitung nicht verstecken. Alles wirkt wie aus einem Guss. Die Rückseite ist aus mattem Kunststoff gefertigt, welcher aber alles andere als billig wirkt. Sie fühlt sich echt gut an, wirkt wie pulverbeschichtet und vermag es, der Hand zu schmeicheln. Die Kamera und der LED-Blitz sitzen passgenau in der Rückseite und sind von einem Chromrahmen umschlossen. Die Seitenteile sind aus gebürstetem Aluminium und tun dem guten Eindruck keinen Abbruch. Die Taste zum Einschalten des Gerätes und die Lautstärkewippe sitzen fest in den Seitenteilen und haben einen knackigen Druckpunkt. Lediglich die Einschübe für die SIM-Karten schliessen nicht zu 100% mit dem Gehäuse ab, was man aber in der Preisklasse verschmerzen kann. Auch das Display ist sauber eingefasst, man kann keine unregelmässigen Spaltmasse ausfindig machen. Alles in allem lässt die Verarbeitung kein Grund zur Beanstandung zu.

Technische Daten

Das Phicomm Passion hat die Masse von 139 × 69 × 7.4 mm und passt so gerade noch angenehm in die Hand. Bei der Grösse hat es die mittlerweile normalen 5 Zoll und löst mit 1080 x 1920 Pixel auf, was ihm eine Pixeldichte von 480 dpi beschert. In dem Gerät ist der von Qualcomm im Jahr 2014 vorgestellte Snapdragon 615 verbaut. Der Octacore-Prozessor taktet hier mit bis zu 1.5 GHz und setzt auf die 64 Bit-Architektur. Ihm zur Seite steht die Adreno 405, welche mit maximal 550 MHz taktet. Damit das Gerät flüssig arbeiten kann, hat Phicomm dem Passion 2 GB Arbeitsspeicher spendiert. Grosszügig war man auch beim internen Speicher, welcher 32 GB bietet, abzüglich des vorinstallierten Androids hat man später immer noch ca. 28 GB zu Verfügung. Wie oben schon beschrieben, handelt es sich um ein Dual-Sim-Smartphone, in den ersten SIM-Slot passt eine Micro-SIM-Karte. Die zweite Karte muss eine Nano-SIM sein und teilt sich seinen Platz mit dem Micro-SD-Steckplatz. Die typischen Android-Buttons sind unterhalb des Display als Softtouchbuttons angeordnet, leider sind diese nicht beleuchtet.

Hier nochmal die technischen Daten im Überblick:

Passion Review: Phicomm Passion im Test
Phicomm Passion: Technische Daten

Software und Leistung

Das Passion kommt mit Android 4.4.4 daher und wird laut Aussage unseres Kontaktes von Phicomm auch kein Update auf die aktuelle Android-Version bekommen. Bei unserem Testgerät mussten nach dem ersten Einschalten erstmal zwei Updates gemacht werden, diese sollte man auch durchführen, denn anschliessend sind die grössten Kritikpunkte ausgemerzt, die das Passion zum Marktstart im Februar einstecken musste.

 

Die Software vom Passion läuft sehr rund, was vermutlich auch dem Snapdragon 615 und den 2 GB RAM zu verdanken ist. Im Betrieb kann man keine Ruckler feststellen.

 

Ein Benchmark mit Antutu bescheinigt dem Gerät ebenfalls gute Leistungen. Es erreicht knapp 30’000 Punkte und liegt damit im guten Mittelfeld, auch die Gaming-Performance ist im mittleren Bereich ordentlich.

Phicomm verpasst dem Passion eine eigene Benutzeroberfläche, welche aber sehr entschlackt daherkommt. Dadurch fällt es auch auf, dass die meisten Google Dienste fehlen, lediglich der Play Store ist vorinstalliert. Andere Google-Dienste, welche normalerweise vorinstalliert sein müssen, liessen sich nachinstallieren, es besteht aber die Möglichkeit, dass aufgrund dieser Tatsache einige Apps nicht richtig funktionieren. Bei uns im Test konnten wir aber keine Beeinträchtigungen feststellen. Ansonsten wirkt die Oberfläche gut strukturiert und aufgeräumt. Was ebenfalls noch auffällt, ist, dass die Benachrichtigungszeile auf zwei Seiten aufgeteilt ist. Auf der rechten Seite hat man den Schnellzugriff auf W-Lan, Bluetooth etc., auf der linken Seite findet man alle eingegangenen Benachrichtigungen.

 

Da es sich bei dem Testgerät, wie Eingangs erwähnt, um ein Dual-Sim Gerät handelt, hat Phicomm auch einen SIM-Manager eingefügt. Dieser verwaltet die beiden eingelegt Karten, dort können unter anderem Namen für die eingelegten SIM-Karten festgelegt werden, zum Beispiel Arbeit und Privat. An dieser Stelle sollte man auch wissen, dass nur der erste Slot LTE bzw. 3G bietet, der andere Slot lediglich 2G.

 

Ansonsten bietet Phicomm uns hier eine solide Android-Oberfläche an, die nicht zu verspielt wirkt und uns von der Optik des Einstellungsmenüs an die Geräte aus Cupertino erinnert. Aber das ist auch schon die einzige Parallele, die man dorthin ziehen kann.

Besonderheiten

Das Passion besitzt eine gute Gestensteuerung, so ist es möglich, die Statusleiste per Wischgeste von oben nach unten aufzuklappen oder in der Galerie App die Fotos durchzugucken. Dies funktionierte im Test meist fehlerfrei, allerdings hätten wir uns eine konsequentere Umsetzung gewünscht, so liess sich in der Galerie-App beim Benutzen der Wischgeste zum Vor- und Zurückblättern die Statuszeile per Geste nicht ausklappen.

 

Weiterhin gibt es eine Funktion, die man so auch auf den meisten Android Geräten vergebens sucht. Sie nennt sich ganz schlicht WLAN-Speicher und ermöglicht den direkt Zugriff auf das Passion, wenn es mit demselben WLAN verbunden ist, wie der Rechner, an dem man gerade arbeitet. Dafür einfach die Funktion aktivieren und die angezeigte IP im Browser eingeben. Man hat in der App noch die Möglichkeit, nur bestimmte Ordner freizugeben, so dass nicht Unbefugte die privaten Dateien und Fotos sehen kann.

 

Ein weiteres Nice to have ist die Barometer App, welche über die aktuelle Höhe über NN informiert. Des Weiteren kann man mit dieser App die Höhe zwischen zwei Punkten ermitteln, dafür misst die App den Luftdruck am Ausgangspunkt und nachher nochmal am Endpunkt. Dies funktionierte im Test sehr gut, wenn auch etwas ungenau, da auf volle Meter gerundet wird.

 

Phicomm spendiert dem Passion auch eine eigenständige Kompass-App, diese funktionierte aber nur bedingt und wenn ich damit in der Wildnis unterwegs wäre, würde ich mich nicht darauf verlassen. Anstatt das die Nadel immer brav gen Norden zeigt, drehte diese sich im Test bei liegendem Gerät munter ihre Runden.

 

Was einige Leser_innen freuen dürfte, ist die Tatsache, das Phicomm dem Passion eine FM Radion verpasst hat. So ist es wieder möglich, Radio zu hören, ohne das Datenvolumen anzutasten. Dafür wird lediglich ein gestecktes Headset bzw. ein gesteckter Kopfhörer benötigt.

Akku, Display und Kamera

Fangen wir mit dem Akku an: Leider scheint dieser mit seinen 2’300 mAh der Schwachpunkt des Smartphones zu sein. Bei manchen Aufgaben hat man das Gefühl, dass man ihm beim Entladen zugucken kann. Wer das Smartphone häufig nutzt, kommt damit knapp über den Tag. Nutzt man das Telefon aber auch für kleinere Spiele zwischendurch, wird es schon schwieriger. Ein Beispiel, ein Telefongespräch von 87 min Länge kostete dem Akku über 30%. Leider hat Phicomm auch nicht die Standard-Akku-Anwendung von Android übernommen, welche mit dem Diagramm noch Aufschluss geben kann, wann ein hoher Verbrauch zu Stande kam, wir griffen dafür im Test auf die App Battery Widget Reborn zurück.

 

Weiter mit dem Display, dies macht auf den ersten Blick einen super Eindruck, die Farben wirken kräftig und warm. Es reagiert schnell und bei schnellen Bildwechseln gibt es auch keine Schlierenbildung. Was aber auf Dauer stören wird – und das ist schade – ist die geringe Hintergrundbeleuchtung. Selbst auf höchster Stufe dieser wird es bei direkt einfallender Sonne schwierig, das Display noch vernünftig ablesen zu können. Auch die automatische Helligkeitsregelung funktionierte nicht immer so, wie man sich das wünschen würde. Es dauerte immer eine gefühlte Sekunde zu lang, bis das Gerät auf sich änderndes Umgebungslicht reagierte.

Phicomm-Helligkeitsvergleich Review: Phicomm Passion im Test
Helligkeitsvergleich zwischen Lumia 730, Galaxy S6 edge und dem Phicomm Passion

Die Kamera ist für Schnappschüsse zu gebrauchen, wenn man aber ein Objekt näher ran holen möchte, wird es schnell unscharf. Die Detailtreue, die man bei normalen Aufnahmen noch ausmachen konnte, verfliegt immer mehr, je näher man das Objekt heranzoomt. Auch der LED Blitz ist nicht unbedingt die Hilfe, die man sich von einem Blitz erhofft, meist wirkten die Bilder trotzdem noch zu dunkel.

Fazit

Alles im allem macht Phicomm bei dem Passion vieles richtig, die Verarbeitung sucht in dieser Preisklasse seines Gleichen. Die Standardanwendungen wie Telefonieren und Nachrichtenschreiben lassen sich mit diesem Gerät mehr als gut händeln. Der verbaute Lautsprecher sowie die beim Zoomen schwache Kamera trüben den Eindruck allerdings etwas. Das Gerät bekommt man in Deutschland für ca. 290 Euro, in der Schweiz wird es für 300 SFr. angeboten.

 

Wem kann man dieses Gerät jetzt empfehlen?

Das Gerät selbst ist nichts für den High-End-Freaks und auch nicht für die Zocker_innen unter euch. Phicomm spricht damit eher die Personen an, die von Berufswegen auf ein Telefon angewiesen sind, aber von ihrem Arbeitgeber kein Smartphone bekommen. Man kann dann einfach die Geschäfts-SIM-Karte in den zweiten Slot stecken und ist sowohl privat, als auch beruflich erreichbar und man hat trotzdem ein gutes Smartphone. Man sollte lediglich bei der Anschaffung daran denken, dass es sehr wahrscheinlich keine weiteren Updates mehr für das Gerät geben wird. 

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