Fr. 03. Juli 2015 um 15:09

Review: Pebble Time, das Arbeitstier, im Test

von Mike Leitner5 Kommentare

Retro ist noch nicht out

Auch wenn es nicht jeden gefallen wird, das Design der Pebble Time ist einzigartig. Dabei fällt besonders auf, dass sie eben nicht auffällt. Das Design ist sehr zurückhaltend gestaltet, dominiert wird es von dem Metall-Bezel der sich um den Bildschirm herum aufbaut. Mit dem Bildschirm zusammen, der nicht so farbstark ist wie seine Konkurrenz, ergibt das Ganze einen Gesamteindruck, der besonders durch seinen Retrolook zu überzeugen weiss. Auch sonst lässt sich dem Kunststoffgehäuse der Pebble Time nicht viel Negatives entlocken. Kaum Spaltmasse, sehr gute Druckpunkte, sehr angenehmes Silikonband. Es gibt jedoch einige Dinge, die fallen negativ auf. Eines ist der oben genannte Bezel. Dieser ist sehr anfällig für Fingerabdrücke, Fett und Kratzer. Ja, das klingt für sich genommen recht schlecht, erweist sich aber nicht als wirkliches Problem, sondern eher als ein kleiner Fehler seitens Pebble. Das hat einen Grund: Es lässt sich alles abwischen, sogar Kratzer verschwinden nach einer Zeit. Das gilt auch für den Verschluss, der aus einem ähnlichen Material besteht. Was man auch beim Kauf bedenken sollte, ist, dass der Verschluss und der Bezel die einzigen Metallteile an der Pebble Time sind. Hoffnung gibt es aber auch für Metallliebhaber: Die Pebble Time Steel ist bereits in der Produktion und besteht ziemlich komplett aus Edelstahl.

Tragekomfort erstaunlich hoch

Etwas, das gleich beim ersten Anfassen auffällt: Das Silikonband ist sehr weich und schön angenehm. Nicht mal das Silikonband der Apple Watch kommt da ran. Zum Tragekomfort trägt auch die kompakte Grösse und die leichte Krümmung der Smartwatch bei, so kann sie in Puncto Tragekomfort sogar sehr gut mit der Apple Watch mithalten und diese teilweise sogar übertreffen. Das klappt natürlich nicht in jedem Aspekt, dazu fehlt der Pebble Time es an etwas, das bei der Apple Watch gut ausgeprägt ist: Das Display. Dies ist recht klein und schafft auch nur 64 Farben. Die Auflösung ist mit 144 x 168 Pixel zudem recht gering. Genau dies macht aber die Pebble Time auch sehr gut, wenn man seine Stärken erkennt. Hier ist vor allem die Ablesbarkeit in fast jeder Situation zu nennen. Es gibt kaum Momente, in denen die Uhr schlecht ablesbar ist, dazu muss man aber beachten, dass die Hintergrundbeleuchtung bei dunklen Zimmern benötigt wird, damit überhaupt etwas sichtbar wird. Die lässt sich automatisch über Bewegung aktivieren oder wenn der Knopf an der linken Seite gedrückt wird. Selbiger dient auch gleich als Zurück-Knopf

Die Zeit im Mittelpunkt

Die Pebble Time kommt weder mit tollem Bildschirm, noch mit einem Touchscreen daher, also muss man sich der Knöpfe bedienen, die die Uhr zieren. Genau das funktioniert auch sehr gut: Die Bedienung findet hauptsächlich an der linken Seite mithilfe der drei Tasten (von oben nach unten): Hoch/Vergangenheit, Bestätigen/Menü, Runter/Zukunft. Links befindet sich noch eine Taste, um das Hintergrundlicht einzuschalten und zurückgehen. Aber warum Vergangenheit und Zukunft? Pebble hat ein interessantes Bedienkonzept erschaffen. Das Watchface stellt die Gegenwart dar, will man in die Vergangenheit schauen, drückt man oben, will man in die Zukunft nach unten. Hier werden dann je nach Support und Einstellungen die Ereignisse der Vergangenheit, also vergangene Termine, Sonnenaufgang, etc. oder der Zukunft, also nächste Termine, Wetter, Abflug der Reise, etc. angezeigt. Alle Aktionen werden von der Pebble Time recht bunt und auch mit tollen Animationen dargestellt. Ein Beispiel: Sendet man eine Nachricht, faltet sich ein Papierflugzeug und fliegt danach weg. Aber auch das Wesentliche soll hier angezeigt werden: Benachrichtigungen. Auf Android gibt’s hier dann die ersten Vorteile, jedoch sollte man die Android Wear App installieren. Diese muss nur installiert werden, nichts sonst. Dann lässt sich auf viele Benachrichtigungen mit Sprachnachrichten, Schnelltexten und Emoij antworten. Die Sprachnachrichten sind wie die Google Texteingabe über Sprache und funktionieren schnell und zuverlässig. Selbst in langsamen Netzwerken gab es im Test kaum Probleme. Die Benachrichtigungen lassen sich auf Android auch einzeln abschalten. Leider sind weder die Sprachnachrichten, noch die selektive Auswahl der Apps, die Benachrichtigung an die Uhr senden, in iOS vorhanden. Dies begründet man mit Limitierungen seitens Apple. Aber zumindest die Sprachnachrichten sollen noch nachgereicht werden. Aber was ist schon eine Smartwatch ohne Apps? Die Pebble Time ist glücklicherweise mit den alten Watchfaces und Apps der Pebble Generation vorher kompatibel, dann selbstverständlich in Schwarz-Weiss. Diese Kompatibilität ist derzeit auch bitter nötig. Time Apps findet man nämlich allzu selten im Pebble Store, die grösste Masse machen die alten Apps aus. Aber da wir am Anfang der Pebble Time stehen, wird sich dies sicher noch ändern. Einige Highlights gibt es aber dennoch schon: Dazu gehören die Apps Plexfit, eine Google Fit Synchronisierung mit Schlaf-Tracking, Tripadvisor, wie üblich aber nur auf Englisch, die App QuickAuth, Google Authenticator für die Pebble und schliesslich noch Battery+. Das sind alles persönliche Favoriten, es gibt schon einige mehr. Dennoch muss hier noch Einiges nachgeliefert werden, will man softwareseitig mit den Big Playern mithalten.

 

Fazit: Retrostyle mit langer Laufzeit

Die Pebble Time kann ganz besonders im Punkt Benachrichtigung und Akkulaufzeit punkten. Sie hielt im Test durchschnittlich fünf Tage durch – und das bei 100-200 Benachrichtigungen am Tag. Durch ihren Retrostyle weiss sie ausserdem auch optisch zu überzeugen, besonders die Animationen sind schön anzuschauen. Durch ihre Wasserdichtigkeit über 30M ist sie auch für die Dusche geeignet und muss selten abgenommen werden. Sie hat aber auch einige Schwächen, dazu gehört ganz besonders das kleine und farbschwache Display, das einfach nicht mit einer Android Wear-Uhr, der Samsung Gear S oder der Apple Watch mithalten. Auch die App-Auswahl kommt nicht an die Konkurrenz ran, aber durch die kurze Verfügbarkeit der Pebble Time kann sich dies noch ändern. Dafür hat man aber kein Handy am Arm, sondern ein Gerät, das genau das erledigt, was man will: Benachrichtigungen und Uhrzeit ablesen. All das geht in fast jeder Situation, fünf Tage am Stück. Damit hat sich die Pebble Time einen festen Platz an meinen Arm erkämpft, als Arbeitstier, das auch bei Situationen dabei ist, in der andere Uhren derzeit versagen. Bedenkt man jedoch den Retailpreis, muss man sich genau überlegen, ob es das wirklich wert ist. Der Preis wird sich wahrscheinlich auf 250 Euro für das Kunststoffmodell belaufen.

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5 Antworten zu “Review: Pebble Time, das Arbeitstier, im Test”

  1. Wolfgang D sagt:

    Dein Bericht deckt sich ziemlich mit meinen Erfahrungen. Gerade weil ich so einige batterie/akkubetriebene Geräte habe, geht tägliches Laden überhaupt nicht. Man hat doch noch was anderes zu tun, als dauern was zu wechseln oder zu laden. Weshalb die Zenwatch schließlich nicht in Frage kam.

    Das wenig atmungsaktive Armband kann man leicht gegen eins aus Nylongewebe austauschen, 22mm Standardbreite. Trotz der Farbfähigkeit benutzt man beim Ziffernblatt für eine gute Ablesbarkeit ohne Beleuchtung am besten weißen Hintergrund mit dicker schwarzer Schrift.

    Die Beleuchtungsdauer ist mir zu kurz, eine Änderung soll aber „auf vielfachen Wunsch“ in Arbeit sein.

    Außerdem sollte man die „automatische Beleuchtung“ durch Armbewegung ausschalten können, weil beim Kartoffelputzen das Licht dauernd angeht. Aktivierung nur durch Knopfdruck wäre klasse, die „typische“ Handbewegung mache ich eigentlich gar nicht bzw. ich schieb nur den Ärmel hoch. (Edit: Settings – Display – Backlight Auto, Motion disabled).

    Schade ist natürlich die fehlende Unterstützung durch die großen OS Hersteller. Aber die wichtigsten Dinge gehen mit der Pebble autonom, und ich kann bei Bedarf jeweils das andere System verwenden. Spannend wird es noch, sobald die ersten „aktiven“ Armbänder mit eigener Sensorik verfügbar sein werden.

  2. Mike Leitner sagt:

    Ja stimme dir zu. Es ist ansich Noch Verbesserung würdig, aber da hoffe ich auf das beste von pebble. Meine Fehler dürft ihr behalten 😂

  3. SpikegoesBerlin sagt:

    Mir gefällt die Uhr sehr gut. Aber mit Windows Phone bin ich leider nicht im Blickpunkt des Erfinders…

  4. Mike Leitner sagt:

    Ich glaube es gibt inoffizielle Apps, zumindest für die alte. Für neue weiß ich nicht

  5. Wolfgang D sagt:

    Es ist einfach so, dass bei WPhone noch mehr Einschränkungen wie bei IOS bestehen, so dass eine offizielle App nicht sinnvoll machbar ist.

    Es gibt drei inoffizielle von 0 bis 2 Euro, mit denen man Firmware und Watchfaces installieren kann. Im Hintergrund läuft nur eine von denen, die man außerdem nach jedem Reboot von Hand starten muss. Die Benachrichtigungen funtionieren nur bei ganz wenigen Apps. Welche davon auch mit der Time Serie funktioniert, muss man halt austesten.
    https://www.windowsphone.com/de-de/store/search?q=pebble

    Nochmals, bedankt euch bei Microsoft.

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