So. 30. August 2015 um 15:02

Review: OnePlus 2 im Testbericht

von Pascal Reidies3 Kommentare

Review: OnePlus 2 im Test – Evolution und Kompromisse

Das OnePlus 2 von Oneplus ist das neuste Smartphone des chinesischen Startups. Wieder einmal hat OnePlus den Hype um das Gerät bis ins Unendliche geschürt, um mit einem schmalen Marketing-Budget maximale Präsenz in den Medien und Social Networks zu bekommen. Gelungen war dieses Unterfangen durchaus, es blieb jedenfalls oft im Gespräch. Hält der selbst ernannte Flagship-Killer denn auch alles, was er verspricht?

Inhalt

 

Verarbeitung, Design und Hardware

Preisleistungsmässig kann man der Verarbeitung vom One Plus 2 auf jeden Fall Bestnoten geben. Das Gerät wirkt durch seinen Metallrahmen enorm hochwertig. Das Gewicht von gefühlt zu schweren 175g lässt das OnePlus 2 sehr wertig, aber auch leicht zu schwer wirken. Der Fingerabdrucksensor erkennt den Finger in Rekordzeit, verglichen mit meinem iPhone 6 ist das OnePlus 2 schneller, jedoch auch Fehleranfälliger beim Erkennen der Finger.

 

Das Display passt einwandfrei in den Rahmen und es gibt keinerlei sichtbare Spaltmasse. Das Design des OnePlus 2 mit dem etwas abgehobenen Display führt jedoch dazu, dass sich Staub schnell in der Lücke im Rahmen ansammeln kann. Die austauschbare Rückseite in Sandstone Black ist sehr griffig und liegt überall lautlos angenehm auf der Rückseite an. Beim Reinigen mit einem Wegwerf Brillenputztuch sammelt die raue Rückseite allerdings Fusseln.

Die Hardware und technische Details

Betriebssystem

Android 5.1.1 Oxygen OS 2.0.1

CPU

Qualcomm Snapdragon 810 1.8 GHz

GPU

Qualcomm Adreno 430

RAM

4GB (64GB Modell) 3GB (16GB Modell)

Speicherplatz

16GB / 64 GB

SD Karten Slot

Nein

Display

5.5 Zoll 1920 x 1080 HD Display

Gewicht

175 g

Masse

151.8 x 74.9 x 9.85 (Höhe x Breite x Dicke in mm)

Netze

LTE, HSPA+, UMTS, EDGE, GPRS, GSM

W-Lan

802.11AC

Sensoren

Annäherungssensor (Proximity)

Beschleunigungsmesser (Accelerometer)

Digitaler Kompass (Compass)

Lichtsensor (Ambient Light)

Digitaler Kompass (Gyroskop)

Fingerabdrucksensor

Kamera

13 MP mit OIS

Front Kamera

5 MP

Akku

3300 mAh Li-Poly

Besonderheiten

USB-Anschluss Type C

SimKarten

Nano

Performance, Kamera und Akkulaufzeit

Zwei Faktoren sind bei der Performance vom OnePlus 2 Ausschlaggebend. Der 64 Bit Qualcomm Snapdragon 810 und die 4GB Arbeitsspeicher. Der Snapdragon 810 ist ein heiss diskutierter SoC von Qualcomm. Auch wir konnten beim LG G Flex 2 Probleme feststellen, die auf die starke Hitzeentwicklung und die deutliche Drosselung des Prozessor zurückzuführen waren. Das OnePlus 2 scheint allerdings von dem Problem nicht betroffen zu sein. Jedenfalls hat man wohl im Inneren des Gerätes für eine ausreichende Wärmeabfuhr und durch die leichte Drosselung des Grundtaktes für ein stabiles System gesorgt.

 

Somit ergab sich durchweg eine sehr gute Performance im Alltag. Egal ob das Surfen durch das Internet, Navigation oder das intensive Spielen von aufwändigen Games angesagt waren. Starke Leistungsverluste, wie wir sie beim LG G Flex 2 feststellen konnten und auch andere Geräte wie das HTC One M9 und das Xperia Z3+ besitzen sollen, wurden nicht beobachtet.

 

Die 4GB Speicher des 64 GB Modells sind zudem ein Segen für jedes Android Gerät und ich hoffe das weitere Hersteller auf diesen Zug aufspringen. Das Multitasking wird dadurch enorm verbessert und der Komfort ist spürbar. Wechseln zwischen Apps geht flüssig vonstatten und Inhalte der Apps werden, aufgrund des grösseren Speichers, länger vorgehalten.

Die Kamera des OnePlus 2 löst mit 13 Megapixeln auf und hat einen eingebauten optischen Bildstabilisator. Dies sorgt vor allem bei Videos für ein ruckelfreies Aufzeichnen. Der Laserautofokus hilft ein scharfes Foto zu erstellen, es dauert jedoch zum Teil etwas lange um ein Motiv zu fokussieren und zu fotografieren. Eventuell kann OnePlus hier mit einem Software Update einer der besten Smartphone Kameras noch besser machen.

 

Einzig das Samsung Galaxy S6 (edge) und das LG G4 im Android Lager, sind aktuell in der Lage bessere Fotos mit einem Smartphone zu schiessen, als OnePlus es mit dem Two schafft. OnePlus hat bereits angekündigt, dass ein dediziertes Team weiterhin an der Kamera-Performance arbeitet. Die vorderseitige 5 Megapixel Kamera macht für eine Front-Facing-Camera sehr klare und schnelle Aufnahmen.

 

Der 3’300 mAh Akku und das 5.5 Zoll Display, welches bewusst eine FullHD und keine QHD Auflösung besitzt, sind primär für die Akkulaufzeit zuständig. Das Display löst mit 1920 x 1080 Pixeln auf und hat eine PPI von 405 und sind damit auf dem Niveau von einem iPhone 6. Bei voller Helligkeit wirken die Farben des OnePlus 2 jedoch etwas bleich, ansonsten ist es ein sehr schönes Display, das bei der FullHD-Auflösung auch weniger Strom verbraucht, als seine QHD-Konkurrenten.

 

Der 3’300 mAh kann mit dem mitgelieferten Ladegerät in guten zwei Stunden von 0 – 100% geladen werden. Wenn man einen Charger einsetzt, der weniger als 2A Ausgangsspannung hergibt, kann sich die Ladezeit teils deutlich verlängern. Mit dem 3’300 mAh Akku kam ich bisher immer durch den Tag und hatte zum Teil noch 20-30% Akku übrig. Zum Teil streame ich Musik über Bluetooth, Synce permanent Fitness Gadgets über Bluetooth in einem Fitnessstudio ohne Empfang, spiele Games, schreibe Nachrichten, schaue Videos und kam bisher immer gut mit einer Akku-Ladung aus. Damit sollten Interessierte auch mit einem hohen Nutzungsverhalten sehr gut auskommen.

Spezielle Hard und Software Features

Der Fingerprint Sensor vom OnePlus2 ist eine sehr gute Möglichkeit das Smartphone zu entsperren, welcher zudem auch gleichzeitig als Homebutton fungiert. Man kann bis zu fünf Finger registrieren, aber ich empfehle beide Daumen und Zeigefinger zu nutzen, um unter Umständen aus allen Positionen heraus ein angenehmes Entsperren zu ermöglichen. Ein Tipp: Versucht beim Einrichten, das Gerät so zu halten, wie ihr es später auch wirklich entsperrt. Mein Daumen liegt beim Entsperren immer quer auf dem Sensor. Leider hat der Scanner oder die Software zum Teil einen Fehler, dass man zwei bis dreimal auf den Sensor drücken muss, damit dieser einwandfrei funktioniert. Ein Problem, welches im Netz bereits länger kursiert. Man geht davon aus, dass das Halten des OnePlus 2 über den Metallrahmen zu Problemen mit dem Scanner und dem Homebutton führt.

Der Notification Slider an der Seite vom OnePlus 2 ist ein Gimmick, das ganz klar vom Konkurrenten aus Cupertino abgeschaut wurde. Er kann jedoch nicht nur zwei sondern drei Status annehmen. „Keine Benachrichtigungen, ausser Wecker“, „nur Favoriten“, „alle Benachrichtigungen“. Ein nettes Feature, vor allem um Abends schnell mal auf „Stumm“ zu schalten damit man Nachts nicht gestört wird.

 

Oxygen OS ist sehr nah am Stock Android von Google angelehnt. Es ermöglicht aber einige Tweaks der Software die zum Teil sehr nützlich sind. Der Audio-Tuner ermöglicht es beim Einstellen der Lautstärke ein Profil für „Musik“, „Film“ oder „Spiele“ zu wählen und diese zu verändern. Je nach Gehör sind diese Einstellungen für mich eine sehr gute Vorgabe. Vor allem mit der Einstellung „Musik“ macht es über Bluetooth im Auto oder mit Kopfhörern doch deutlich mehr Spass ein wenig basslastiger und/oder vokallastiger Musik zu hören.

 

OnePlus hat zudem auch verschiedene Offscreen-Gesten eingeführt. Man kann bei ausgeschaltetem Display mit einem Doppel-Tipp das Gerät wecken, ähnlich wie bei den Lumia oder LG Modellen, durch ein Zeichnen eines O die Kamera öffnen, die Taschenlampe einschalten oder den Musik-Player bedienen. In den App Benachrichtigungseinstellungen, kann man allen Apps ihre Rechte entziehen. So kann man zum Beispiel Facebook verbieten den Ortungsdienst zu nutzen. Swiftkey ist ebenfalls vorinstalliert und die meiner Meinung nach beste Tastatur für Android ist somit in greifbarer Nähe.

 

Mit einem Darkmode kann man all die hellen Schaltflächen in Android dunkel färben. Die Multicolor LED kann verschieden angesprochen werden. Ein vorinstallierter Dateimanager vereinfacht das Arbeiten und man kann die Schnelleinstellungen verwalten. Ausserdem gibt es das sogenannte Shelf, welche zum Teil Google Now (kann weiterhin über einen Doppeltap auf den Fingerabdruck Sensor aufgerufen werden) ersetzt. Hier erhält man eine Übersicht der häufig genutzten Apps und Kontakte, um diese schnell aufzurufen. Wer will, kann aber auch selbst Widgets hinzufügen.

Kompromisse für den Preis

Für 329/399 Euro bzw. 354/429 SFr bekommt man sehr viel Smartphone für sein Geld und das OnePlus 2 muss sich nicht hinter anderen Geräten verstecken. Es wird jedoch auch auf einiges verzichtet, um diesen Preis zu erreichen. Für viele Android-Fans könnte das fehlende NFC ein grosses Manko sein. Mich stört der Verlust bisher aber gar nicht. Android Pay ist jedoch kurz vor dem Release, falls es einmal den Weg in unsere Supermärkte und Co findet, ist das OnePlus 2 nicht in der Lage Android Pay zu benutzen. Deswegen ist der eingebaute Fingerabdruck Scanner auch nur zum entsperren des Gerätes nutzbar, nicht jedoch für den Android-Pay-Prozess.Ob in Deutschland, Österreich und der Schweiz Android Pay überhaupt rasant schnell nutzbar ist oder ob die typische techn. enthusiastische Käuferschicht von OnePlus nicht sowieso in 1-2 Jahren ein neues Handy besitzt bleibt abzuwarten.

 

Kabelloses Laden über Qi ist auch nicht im OnePlus 2 integriert. Ich hab es bisher immer bei meinem Nexus 5 benutzt und fand es mehr als nur komfortabel. Wenn man sich dran gewöhnt hat, ist es eine negative Umstellung, wenn man es aber sowieso nie gebraucht hat, wird es einem aber auch nicht fehlen.

Der USB-Type-C Port ist kein USB 3.x sondern nur ein USB 2.x Port mit dem USB 3.1 Stecker. Dies führt dazu dass die Geräte nicht schneller geladen werden können und auch der Datentransfer nur auf USB 2.x Geschwindigkeiten stattfindet. Schade für die ungenutzten Möglichkeiten dieser Technologie.

Das Invite System

Das aktuell grösste Problem für die Käufer ist das Invite-System von OnePlus. Man kann nicht einfach das Gerät bestellen und es wird geliefert. Erst muss man an einen der aktuell sehr begehrten Invites kommen. Aktuell 4 Millionen Eintragungen gibt es auf der Website, um sich auf eine Warteliste einzutragen. Diese wird nun zum Teil nach und nach abgearbeitet. Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten an einen Invite zu kommen: Aktive Interessierte im OnePlus Forum, Gewinner von Gewinnspielen, frühe Unterstützer_innen von OnePlus haben zusätzliche Chancen. Der exakte Prozess ist aber nicht ersichtlich. Ab dem 5. – 6. September soll sich die Zahl der ausgesendeten Invites aber deutlich erhöhen, um die Vermarktung voran zu treiben.

Fazit

Das OnePlus 2 ist in vielen Punkten besser als sein Vorgänger, es hat einen schnelleren Prozessor, mehr Arbeitsspeicher, ein Display mit der gleichen Auflösung, aber verbesserter Bildqualität und einige nette Zusatzfeatures, wie dem Fingerabdruck-Sensor oder dem Alert Slider. Für 329/399 Euro bekommt man sehr viel Android-Smartphone für sein Geld, muss jedoch auch in Kauf nehmen, auf einige Features der „Grossen“ wie NFC und Qi-Wireless-Charging zu verzichten. „Der 2016 Flagship Killer“ kann das OnePlus 2 nicht sein, aber ein 2015 Flagship ist es mit grosser Sicherheit geworden. Sofern OnePlus weiterhin Oxygen OS und die Bugs im OnePlus 2 mit Softwareupdates ausbessert und somit das Smartphone länger am Leben hält, kann man nur zu einem Kauf raten, wenn einen das 5.5 Zoll grosse Display und 175 Gramm schwere Gerät nicht einfach zu gross/schwer vorkommt. OnePlus hat meiner Meinung nach Marketing technisch fast den Super-Gau verursacht, indem sie ein zweites Smartphone für die Weihnachtszeit „geteasert“ haben. Vermutlich wird es sich aber um eine „Mini“ Variante handeln und nicht um ein weiteres Highend Flagship.

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3 Antworten zu “Review: OnePlus 2 im Testbericht”

  1. Wolfgang D sagt:

    Bis auf den Fingerscanner kann ich also besser beim Nexus 6 bleiben.

  2. fly sagt:

    2h Ladezeit für 3300mah ist doch wohl alles andere als lahm.

  3. Pascal Reidies sagt:

    aber qualcomm quickcharge 2.0 ist schneller

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