Sa. 20. August 2016 um 12:56

Review: Nuki Smart Lock im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Schliesssysteme, die per Smartphone oder Tablet bedient werden können, sind nicht gerade viele am Markt zu finden. Das Nuki Smart Lock als Erweiterung für bestehende Türschlösser sticht hier hervor, nicht nur, weil es aus Graz statt aus dem Silicon Valley kommt.

Das Gerät ist 110 x 60 x 60 mm gross und wiegt 460 Gramm. Es besteht aus einem schwarzen, rechteckigen Teil und einem silberfarbigem Zylinder, in dessen Mitte eine grosse, kreisförmige Taste mit einem LED-Ring darum zu finden ist. Das Nuki wird geliefert mit zwei metallernen Adapterplatten, einer Kurzanleitung sowie einem kleinen Imbusschlüssel. Vier handelsübliche AA-Batterien sind ebenfalls vorhanden.

 

Angebracht wird das Nuki Smart Lock, indem eine der beiden Adapterplatten, je nach Schlosstyp, am Schlosszylinder befestigt wird. Dabei ist die Platte A dafür gemacht, mittels drei kleiner Madenschrauben an Europrofil-Schliesszylindern festgekrallt zu werden, wenn dieser mehr als 3 mm aus der Tür bzw. den Beschlägen heraus ragt. Der passende Imbusschlüssel dazu wird mitgeliefert. Nachdem nun die Adapterplatte an der Tür fest gemacht ist, wird das Nuki mit vier Batterien für mehr als ein halbes Jahr versorgt und angesteckt. Dabei ist zu beachten, dass das Türschloss mindestens anderthalbfache Umdrehungen machen muss, da die Software des Nuki sonst die Kalibrierung nicht abschliessen kann. Darüber hinaus empfiehlt der Hersteller, einen Schliesszylinder zu verwenden, der eine sogenannte Not- und Gefahrenfunktion hat bzw. als beidseitig ausgezeichnet ist. Dann kann von beiden Seiten ein Schlüssel im Schloss stecken und dennoch auf- und zugeschlossen werden, was den Vorteil in Verbindung mit dem Nuki mit sich bringt dass, sollte das Handy verloren gehen oder die Stromversorgung des Nuki abbrechen oder sonst ein Problem auftauchen, man dennoch ohne Probleme in die eigene Wohnung kommt.

 

Zum Thema Sicherheit hat Nuki eine relativ ausführliche Erläuterung gepostet, die die eingesetzte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mittels NaCl_secretbox mit 32-Byte Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch anschaulich erklärt. Dass dabei alles auf dem aktuellen Stand der Technik die Sicherheit des Türschlosses nicht beeinträchtigen sollte, scheint einleuchtend. Da wir hier keine Kryptoanalytik betreiben können, möchten wir das mal so im Raum stehen lassen.

 

Eingerichtet wird das smarte Schloss natürlich per App. Diese ist für iOS und Android verfügbar, erhielt gerade vor kurzem ein Update und ist übersichtlich und funktionell gestaltet. Ebenfalls ist die App für die Apple Watch und Android Wear-Uhren verfügbar, so dass vom Handgelenk aus die Tür entriegelt oder gesperrt werden kann. Leider wird Windows Phone nicht unterstützt.

Nuki Smart Lock
Preis: Kostenlos

Nunmehr kann die Tür geöffnet werden, indem entweder in der App der entsprechende Button gedrückt wird, oder aber, wenn so konfiguriert, das Handy sich weit genug entfernt bzw. in Reichweite gelangt, sprich man die Wohnung verlässt oder betreten will. Alternativ kann auch die kreisförmige Taste am Nuki gedrückt werden oder aber der Nuki Fob als optionales Zubehör benutzt werden. Letzteres ist ein kleiner Bluetooth-Schlüsselanhänger mit Knopfzelle, mit dem das Nuki Smart Lock ebenfalls geöffnet und geschlossen werden kann. Auch gibt es noch mit der Nuki Bridge die Möglichkeit, das Schliesssystem per Internet fernzusteuern oder in die eigene Smart Home-Lösung zu integrieren. Hierzu gibt es ein gleichnamiges Zubehör-Gerät von Nuki oder aber die Option, ein altes Android-Smartphone als Bridge zu konfigurieren. Die App war bis zum Marktstart alleinig für Kickstarter-Backer verfügbar, nun aber im Play Store zum kostenlosen Download.

Nuki Software Bridge

Beide Geräte, die Nuki Bridge oder das alte Android-Gerät mit Nuki Bridge App, werden in der Nähe zum Nuki platziert (bis zu fünf Meter Entfernung bei der Nuki Bridge, während die Nuki-App auf einem Smartphone bis zu zehn Meter entfernt sein kann) und eingerichtet. Abgerundet wird die Nuki-App mit einem Protokoll über die bisherigen Schliess- und Öffnungsvorgänge sowie die Möglichkeit, Benutzerkonten zu vergeben und zu verwalten. So kann man die Familie, Gäste, Babysitter oder andere vorübergehend, wiederkehrend, zeitlich begrenzt oder permanent berechtigen, die eigenen Nuki-Schlösser zu bedienen.

 

Das ganze funktioniert einwandfrei und die Tür wird zuverlässig auf- und zugeschlossen. Dabei macht die Mechanik im Nuki aber ein deutliches Geräusch und kann so, gerade auf langen Fluren sehr gut gehört werden. Schnell ist der Schliessvorgang auch nicht gerade: Je nach Schlosstyp werden zwischen drei und sechs Sekunden gebraucht, um Auf- oder zuzusperren. Darüber hinaus kann Nuki aber auch die Türfalle betätigen, so dass die Tür nur noch angestupst werden muss, um auf zu gehen. Praktisch, wenn man beide Hände voll hat.

Preis

Das Nuki Smart Lock Schloss gibt es direkt beim Hersteller für 229,- Euro. Die Nuki Bridge kostet 99,- Euro, Nuki Fob 39,- Euro. Darüber hinaus kann man auch ein Bundle erstellen namens Nuki Combo für 299,- Euro, in dem sowohl das Nuki Smart Lock als auch die Bridge enthalten sind. Alles soll ab September dieses Jahres geliefert werden, da bis dahin die Backer der Crowsfunding-Kampagne vorrangig versorgt werden.

Fazit

Das Nuki Smart Lock ist ein sehr spannendes und interessantes Gadget. Nicht ganz billig, aber sein Geld wert. Es funktioniert einwandfrei, vorausgesetzt, das Schloss und der Beschlag passen. Daher empfiehlt es sich, vor dem Bestellen die Fragen der Nuki-Installationsvoraussetzungen zu beantworten, um bösen Überraschungen vorzubeugen. Die etwas irritierende Geschwindigkeit und Lautstärke beim Schliessvorgang lassen sich verkraften und man gewöhnt sich schnell daran, früh genug das Handy aus der Tasche zu ziehen, um die Tür per Tastendruck in der App aufzuschliessen. Schade hingegen ist, dass die Kalibrierung nicht angepasst werden kann und so der Schlosstyp etwas eingeschränkt wird. Vielleicht kommt das noch mit einem Update hinzu. Aber auch so lässt sich das Nuki an viele Türen anbringen, wobei sich wirklich ein beidseitiger Schliesszylinder zur Sicherheit empfiehlt.

 

Toll übrigens auch, dass für das Nuki verschiedene Schnittstellen angeboten werden, die eine Weiterentwicklung und eigene Lösungen ermöglichen. So kann beispielsweise die direkte Bluetooth-Kommunikation zum Nuki-Schloss per BLE API oder über die Bridge per HTTP-API frei genutzt werden, die Dokumentationen werden zum Download als PDF gratis angeboten.

vg-wort
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