Mi. 12. November 2014 um 22:32

Review: Motorola Moto 360 und LG G Watch R im Vergleich

von Dimitrios Kuckhoff1 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

  1. Design
  2. Display
  3. Akku
  4. Performance und Sensoren
  5. Fazit

1. Design

Unterschiedlicher könnten beide Uhren nicht sein und doch sind sie sich so sehr ähnlich.Die Motorola Moto 360 und LG G Watch R sind die ersten beiden runden Vertreter im noch jungen Android Wear-Bereich. Was bei der Moto 360 direkt auffällt, ist ihre Simplizität: Eine runder Edelstahlbody mit Knopf an der Seite, welcher fast so wirkt, als wäre er nur auf dem Armband aufgesetzt. Im Kontrast dazu tiefschwarzes Edelstahl bei der LG G Watch R mit Lünette, breiterem Gehäuse und Stegen als Befestigung für das Armband. Hier treffen klassische Eleganz und sportliche Stärke aufeinander.

 

Auch bei der Gestaltung des Armbandes haben die Hersteller nicht von einander abgeschaut. Während die Moto 360 bei der hellen Variante ein graues Lederarmband der Marke Horween spendiert bekommen hat, liefert LG der G Watch R ein schwarzes Kalbslederarmband mit heller Unterseite mit. Das Leder der 360 sieht für Laien auf den ersten Blick leider eher wie Plastik aus, auch fühlt es sich weniger nach Leder an. Die Wertigkeit der LG Uhr wird einem wiederum erst beim Anfassen vermittelt, wirkt das schwarze Metall beim flüchtigen Betrachten doch eher wie Kunststoff.

Übrigens: Selbstgewählte Lederarmbänder, welche auch die Unterseite der Uhr verdecken, sind hier mit Vorsicht zu geniessen – sie würden bei beiden Modellen den Herzfrequenzmesser und die Auflademöglichkeit verstecken. Durch diesen Umstand ist man leider in der Wahl seiner Armbänder etwas begrenzt.

2. Display

Weiter gehen die Unterschiede beim Display, wobei sich die Auflösungen kaum voneinander unterscheiden: 320 x 290 Pixel auf 1.5 Zoll (205 ppi) mit LC-Display bei der Moto 360 und 320 x 320 Pixel auf 1.3 Zoll (246 ppi) mit P-OLED Display bei der G Watch R. Das grössere LCD Display steht seinem Konkurrenten in nichts nach, im direkten Vergleich kommt einem der Bildschirm der G Watch R sogar etwas klein vor. In punkto Farben und Schärfe befinden sich beide Gerät auf gleichem Niveau. Bedingt dadurch, dass beim P-OLED nur aktive Pixel beleuchtet werden, sind die Kontraste der LG G Watch R leicht besser, was bei einer direkten Gegenüberstellung aber nicht wirklich auffällt.

Sucht man auf beiden Displays einzelne Pixel, findet man auch welche. Zumindest, wenn man mit der Lupe unterwegs ist. Im alltäglichen Gebrauch sollten die Screens beider Uhren aber jeden zufrieden stellen.

 

Der grosse Kritikpunkt an der Moto 360 ist der am unteren Displayrand angebrachte Helligkeitssensor – zumindest für die ersten paar Minuten, denn je länger man die Uhr benutzt, desto schneller fällt dieser nicht mehr auf. Einziger Wermutstropfen ist das Ablesen der Uhrzeiten von zwanzig nach bis zwanzig vor. Rein funktionell gesehen macht dieser Sensor viel Sinn, nur ganz selten regelte er das Display im Test zu dunkel. Auch das Ausschalten mit der kompletten Handfläche sowie die das Erkennen der Handbewegung „ich möchte auf die Uhr gucken, bitte mach das Display an“ klappt vorbildlich, was dem Sensor zu verdanken ist. Die LG G Watch R kann ausschliesslich manuell in der Helligkeit reguliert werden. Ein Wert von drei bis vier sollte für die meisten Situationen ausreichen. Bewegt man hier das Handgelenk zum Gesicht, um sich die aktuelle Uhrzeit anzeigen zu lassen, benötigt die Smartwatch oft entweder eine längere Gedenksekunde oder reagiert manchmal gar nicht auf Anhieb. Auch das Ausschalten des Display mittels Handfläche klappt nicht so galant wie bei der Moto 360.

3. Akku

Der ganz klare Gewinner dieser Disziplin ist hier die LG G Watch R. Mit einer Akkulaufzeit bis zu drei Tagen und bei der Moto 360 von einem Tag hat LG die Nase ganz klar vorne. Dies hängt natürlich immer von der Nutzung ab: Liegt die Uhr den ganzen Tag ungenutzt auf dem Schreibtisch herum oder wird mit ihr fünf mal am Tag navigiert, gespielt und Benachrichtigungen gelesen? Ein klarer Pluspunkt ist die drahtlose Ladefähigkeit der Moto 360 per Qi-Standard, denn hier gibt es eine Menge Ladestationen auf dem Markt für viel und wenig Geld – je nach Geschmack. LG setzt hier auf eine eigene Ladeschale. Übrigens: Beide werden per Micro-USB-Kabel mit Strom versorgt und sind jeweils in max. 120 Minuten (LG) und 60 Min (Motorola) wieder voll geladen.

 

Extrapunkt: Die Moto 360 schaltet beim Laden in einen schicken Dockmodus um, welcher Ladestand und Uhrzeit anzeigt und die Helligkeit den aktuellen Gegebenheiten anpasst.

4. Performance und Sensoren

Auch der in der Moto 360 verbaute Texas Instruments SOC wurde häufig kritisiert – und das nicht ohne Grund. Ab und zu werden Spracheingaben nicht richtig interpretiert oder das Betrachten / Wischen von Benachrichtigungen läuft nicht ganz flüssig. Motorola hat mit den aktuellen Softwareupdates aber bewiesen, dass sie diese Probleme durchaus in den Griff bekommen könnten, man muss also die Zukunft abwarten. Bei der G Watch R ruckelt nichts. Gesten und Spracheingaben werden flüssig umgesetzt – auch wenn die Smartwatch nach längerer Zeit aus dem Schlafmodus heraus benutzt wird.

 

Das Display der Moto schaltet sich beim Betrachten zuverlässig an, die G Watch R benötigt meistens mehrere Anläufe und eindeutigere Armbewegungen. Abhilfe schaffen hier entweder Geduld oder ein Tippen auf das Displayglas zum Aufwecken. Interessanterweise funktioniert die Moto 360 als Sucher-Ersatz für die Smartphone-Kamera bestens. Mit Hilfe der App Asus Remote Camera kann das vom Objektiv eingefangene Video mit leichter Verzögerung auf dem 1.5 Zoll grossen Bildschirm betrachtet und fern-ausgelöst werden. Leistung ist vorhanden und es besteht noch Luft nach oben – hier sollte man den Werdegang von Android Wear weiter beobachten, vieles steckt doch noch in den Kinderschuhen.

Die LG G Watch R bietet als Plus einen Kompass und ein Barometer, während die Moto 360 einen Umgebungslichtsensor verbaut hat. Freunde von Geocaching dürfen bei LG also eher auf ihre Kosten kommen. Des Weiteren bietet sie extra Zifferblätter, so genannte Watchfaces, welche Barometer und Kompass chic integrieren. Im Test beider Uhren stellten sich die Werte des Herzfrequenzmessers als akkurat dar. Gegenübergestellt wurden diese per traditioneller Methode über 15 Sekunden gemessen. Beim Schrittzähler ist es schwieriger, eine Aussage über die Genauigkeit zu treffen: Die gezählten Werte beider Uhren wurden mit einem Jawbone Up verglichen, welches am gleichen Arm wie die Uhr getragen wurde. Dabei ergaben sich beim der Moto 360 am Ende eine Differenz von ca. 1.000 und bei der G Watch R ca. 300 Schritte. Die Pedometer sollte also bei beiden Uhren eher als Richtwert statt als 100%-ig genaue Angabe gesehen werden.

5. Fazit

Rein subjektiv gesehen liegt die LG in meiner persönlichen Wertung vor der Smartwatch aus dem Hause Motorola. Dies hängt aber ganz stark vom Geschmack des Einzelnen an, denn am Ende des Tages tun sich beide Uhren nicht viel. Der eine Vorteil hier, der andere Nachteil da, machen nur kleine Teile zweier unglaublich schöner und interessanter Geräte aus. Aktuell ist mit einem Preisunterschied von ca. 20 Euro bei den Varianten mit Lederarmband zu rechnen, so dass auch dies kein Kaufkriterium sein wird.

Eine Mischung aus beiden Uhren wäre aktuell für mich persönlich die ultimative Smartwatch.

Schaut euch doch auch die einzelnen, ausführlichen Testberichte an: LG G Watch R im Test und Motorola Moto 360 im Test.

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Eine Antwort zu “Review: Motorola Moto 360 und LG G Watch R im Vergleich”

  1. VampierKing sagt:

    Sehr schöne Gegenüberstellung, das erleichtert mir meine Entscheidung.

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