Review: Motorola Moto 360 im Test - PocketPC.ch
Mo. 10. November 2014 um 23:49

Review: Motorola Moto 360 im Test

von Dimitrios Kuckhoff4 Kommentare
  1. Einleitung
  2. Lieferumfang, Design und Verarbeitung
  3. Technische Details
  4. Display
  5. Software und Performance
  6. Akku
  7. Fazit

1. Einleitung

„Ist das nicht die neue Apple Watch?“ wurde ich Abends im Restaurant am Tisch gefragt. Ich musste grinsen und mein Gegenüber korrigierte sich schnell „Nein, diese neue Nerduhr, die nach echter Uhr aussieht.. Motorola Moto 360!“.

Ja, so schnell kann es gehen. Im ersten Moment unauffällig, es kommt eine Benachrichtigung auf der Uhr an und das Display leuchtet kunterbunt auf – und alle Blicke wandern auf einen. Motorola hat es verstanden, Design und Funktionalität in einem kleinen Stück Technik zu vereinen. Wie sich beides in der Praxis auswirkt, zeigt euch dieser Test.

2. Lieferumfang, Design und Verarbeitung

Rund muss sie sein und so ist auch die Verpackung. Weiss und schlicht präsentiert sie auf der Oberseite die dunkle Variante der Moto 360. Auf dem Rand wird die Uhr mit ihrer Eleganz und den Features in vier verschiedenen Sprachen erläutert. Nach dem Öffnen wird der Blick aufs Wesentliche konzentriert: Dem neuen Begleiter am Handgelenk. Eine mehrsprachige Kurzanleitung, Wireless Charging Dock inklusive Kabel (es wird per QI-Standard geladen) und Netzstecker befinden sich im Inneren.

Was direkt auffällt: Die Verarbeitung. Bei der hier im Test verwendeten Moto 360 handelt es sich um die helle Variante mit grauem hochwertigem Lederarmband. Der Body ist aus Aluminium, ebenso der Knopf zum Drücken auf der rechten Seite, das Display ist aus Cornings kratzfestem Gorilla Glass 3 gefertigt. Dass die Unterseite mit dem Herzfrequenzmesser aus Kunststoff gefertigt ist, fällt auf den ersten Blick gar nicht auf: Sie spiegelt, wirkt metallisch, fühlt sich aber angenehm auf Haut an – man könnte auch hier fast von Aluminium ausgehen. Das Armband fühlt sich hochwertig an, man darf sich beim Anfassen aber nicht wundern. Das übliche Gefühl, Leder anzufassen, wird einem hier nicht vermittelt, was daran liegen mag, dass hier Leder der Firma Horween genommen wurde und dieses sich anders anfühlt, es vermittelt ein ganz anderes Gefühl als die meisten 0815 Lederarmbänder heutiger Uhren. Man gewöhnt sich wirklich schnell an die Uhr, Motorola hat nicht an hochwertigen Materialien gespart.

Entgegen der vorherrschenden Meinung ist das Gerät nicht so gross wie erwartet. Eher im Gegenteil, das schmale und wechselbare 22 mm Armband lässt die Uhr leicht und elegant wirken. Klar, schaut man direkt seitlich auf das Gehäuse, wirkt die Smartwatch vielleicht ein wenig gross, aber mit einer Höhe von 11.5 mm ist diese teilweise sogar kleiner als so manch andere Herrenuhr. Da bei der Moto 360 aber auch die Damen angesprochen werden sollen, hängt das Ganze immer von wenig vom Handgelenk des Trägers bzw. der Trägerin ab. 49 g Gewicht sind keinesfalls schwer und fallen beim Tragen kaum auf. Das Armband ist zu Anfang ein wenig steif, völlig normal für Leder und kein Kritikpunkt. Zwei eingebaute Mikrofone nehmen Sprachanweisungen entgegen. Ein unten am Display angebrachter Helligkeitssensor passt die Beleuchtung den aktuellen Lichtverhältnissen an. Das Display ist an den Seiten leicht abgerundet und dort spiegelt sich das Display bei ganz genauem Betrachten minimal. Optik in einem Wort? Zeitlos.

 

 

 

3. Technische Details

BetriebssystemAndroid Wear 
ProzessorTexas Instruments OMAP 3, 1 GHz
Display1.5 Zoll, LCD, 320×290 (277ppi)
RAM512 MB
Interner Speicher4 GB
Akku320 mAh
VerbindungBluetooth 4.0
Masse11.5 mm × 46 mm × 46 mm
Gewicht49 Gramm

Rein rechnerisch ist die mit veraltetem Texas Instruments SOC versehene Uhr seinem direktem Konkurrenten, der LG G  Watch R, unterlegen.

4. Display

Ein grosser Kritikpunkt ist in vielen Reviews bisher immer der am unteren Displayrand verbaute Helligkeitssensor. Und ja er stört – für die ersten paar Minuten. Nach einer raschen Eingewöhnungszeit fällt dieser beim Betrachten fast nicht mehr auf. Die untere Minutenskala wird dadurch natürlich abgeschnitten, sodass Uhrzeiten von 20 nach bis 20 vor nicht direkt auf den ersten Blick ablesbar sind – das ist aber reine Übungssache.

Das LCD Display ist bei jeder Helligkeit gut ablesbar. Eine manueller Eingriff ist nicht von Nöten, sollte man aber dennoch einmal selbst Hand anlegen wollen, kann zwischen 5 unterschiedlichen Helligkeitsstufen gewählt werden. Standardmässig schaltet sich das Display nach ein paar Sekunden wieder aus. Wünscht man, dass es nur gedimmt wird, muss die Option inaktives Display eingeschaltet werden – auf Kosten des Akkuverbrauches versteht sich. Ob sich das Bild bei diesem Modus in die Uhr einbrennt, wurde nicht getestet. Eine Auflösung von 320×290 px (227 ppi) sorgen auf dem 1.5 Zoll grossen LCD Bildschirm für ein nahezu pixelfreies Bild. Die Bilddarstellung ist scharf und brillant, aber wer mit der Lupe Pixel sucht, findet auch welche. Im alltäglichen Gebrauch fällt das aber kein Stück auf.

5. Software und Performance

Die Optik von Android Wear wurde auf die Motorola 360 angepasst, sodass die Inhalte auf dem runden Display gut ablesbar sind – zumindest zum Grossteil in der Version 4.4W.2. Beispielsweise sind im Applauncher die Apps sehr weit links angeordnet und würden mittig besser aussehen. Das ist hier aber auch Meckern auf hohem Niveau, denn das Eckige wurde erstaunlich gut ins Runde gepackt und wird in Zukunft sicher noch weiter verbessert werden.

Beim ersten Start kann man nicht direkt mit der Uhr loslegen, eine Apphürde namens Android Wear (und mindestens Android 4.3) muss erst installiert und mit dem Handy gekoppelt werden. Dies ist einfach und ohne grossartige Einstellungen erledigt. Die Uhr begrüsst einen mit einem kleinen Tutorial, danach kann auf Entdeckungstour gegangen werden. Interessant wird es bei den Motorola eigenen Apps, denn neben Fit sind noch Moto Body Herzfrequenz, -aktivität, Kalorien und Schritte installiert. Dieses ergeben eine wunderbare Symbiose mit der passenden Connect App für das Smartphone – einer Mischung aus Google Fit Alternative und Custom Watchface Center für die Ziffernblätter. Auf dem Startscreen sieht man den Verbindungsstatus, die verbliebene Akkukapazität, das Ziffernblättermenü, die Möglichkeit, ein Moto Body-Profil einzurichten und den letzten bekannten Standort der Uhr. Wer seine Uhr anpassen möchte, kann sich hier nach Herzenslust austoben und aus insgesamt elf Watchfaces auswählen.

In vielen Testberichten ist der veraltete SOC ein Kritikpunkt und im Test stellte sich die vorherrschende Meinung als halb wahr und falsch heraus. Die Uhr ruckelt nicht in Form von langsamen hakeligen Animationen, sondern eher in der Befehlsaufnahme. Möchte ich eine Sprachsuche initiieren via „ok Google“, hört die Moto 360 manchmal nicht zu. Teilweise wird man dann doch zum Sprechen aufgefordert, aber es passiert nichts. In fünf von zehn Fällen brachte so eine Suche nicht das gewünschte Ergebnis. Der Fairness halber muss man aber erwähnen, dass das Nutzungsszenario nicht aus kontinuierlichen Google Suchen besteht – immerhin lassen sich die Webseiten nur auf dem Handy darstellen und dieses holt man zum Surfen lieber aus der Tasche. Manchmal reagiert das Display beim Navigieren durch die verschiedenen Menüs Zehntelsekunden zeitverzögert. Poweruser, welche alle paar Minuten die Uhr benutzen, dürfte dieser Umstand auf Dauer Kopfzerbrechen bereiten. Doch es sei nochmal erwähnt: Android Wear steckt noch in den Kinderschuhen und hier besteht noch ganz viel Luft nach oben. In den meisten Fällen reagiert die Smartwatch wie gewünscht und zaubert einem ein Lächeln auf die Lippen. Ausreichend Performance wird z. B. auf durch Liveanzeige des Kamerabildes demonstriert, die Asus Remote Kamera muss installiert sein, welches wenig zeitverzögert aus der Uhr einen Fernauslöser mit Liveview macht.

Im Vergleich zeigte der per Hand und vom Gerät gemessene Wert der Herzfrequenz eine Abweichung von 2 Schläge beim Ruhepuls (68 zu 70) und scheint somit sehr genau gemessen zu werden. Um den Schrittzähler zu prüfen, wurde am gleichen Handgelenk ein Jawbone UP 2 getragen. Hierbei ergab sich eine satte Differenz von 1.000 Schritten, auch hier sollte bei den Schritten eher von einem Richtwert ausgegangen werden. Diese beiden Funktionen können auch ohne aktiv gekoppeltes Handy benutzt werden.

Wie schaut es mit der Navigation aus? Sie zeigt zuverlässig Navigationspfeile und andere Infos auf dem Display an, ideal also für Fussgänger oder Fahrradfahrer.

6. Akku

Kurz und knapp: Man kommt einen guten Tag mit dem Gerät durch, sofern zwei Voraussetzungen erfüllt wurden: Das inaktive Display wurde deaktiviert, es schaltet sich also nach ein paar Sekunden aus, und die Helligkeit auf automatisch gestellt. Das Nutzungsszenario in diesem Test erstreckte sich vom Empfangen von Benachrichtigungen über Lesen von Notizen bis auf das Anzeigen des Livekamerabildes vom Handy. Gestartet wurde um 05:39 Uhr mit 100%, am frühen Abend um 17:28 waren noch 9 % übrig. Mit der Zeit spielt und testet man nicht mehr so viel mit der Uhr, sodass man gut bis zum Schlafen gehen mit einer Akkuladung auskommen sollte.

Ein grosser Pluspunkt für die Moto 360 ist das kabellose Laden. Es gibt zahllose Pads mit QI-Standard, sodass man nicht an spezielle Schalen wie bei der LG GWatch R gebunden ist. Als nettes Gimmick schaltet die Uhr sich beim Laden in den „Mood-Lighting-Modus“, wodurch das Display entsprechend gedimmt wird, um im Dunklen nicht zu stören. Die Uhr sollte hierbei zum Ablesen der Uhrzeit seitlich mit dem rechten Knopf nach oben positioniert werden.

Nach ca. 60 Minuten ist der digitale Chronograf wieder voll geladen.

7. Fazit

Chic zum Hemd oder sportlich zum T-Shirt: Motorolas Moto 360 macht zu jeder Gelegenheit eine gute Figur und ist wirklich ein hochwertiger Hingucker. Dass Android Wear noch eine spannende Entwicklung durchmachen wird, ist abzusehen und mit diesem Gerät kann man diese live miterleben. Das Armband ist zwar hochwertig, sieht aber auf den ersten Blick billig, gar nach Kunststoff, aus. Auch wird einem nicht das übliche Lederfeeling beim Anfassen geboten, hier handelt es sich aber um meine subjektive Meinung.

Wer in einer Uhr mehr als nur den Mittel zum Zweck sieht, diese als Schmuck trägt und in Technik verliebt ist, sollte sich diese Uhr definitiv kaufen. Ehrlich gesagt, darf auch nur einer dieser Punkte zutreffen, falsch kann man bei einem Preis von rund 249 EUR bzw. 299 SFr. nicht viel, das Preis-Leistungsverhältnis ist bei der Moto 360 wirklich sehr gut.

Hat man allerdings Bedenken, was die Leistung angeht, sollte evtl. auf die zweite Generation gewartet werden. Hier besteht aber die Gefahr, dass man immer auf die nächste und wieder auf die folgende Generation wartet, man sich aber nie zur Kaufentscheidung bewegen kann. Der Vergleichsartikel mit der LG G Watch R, welcher in Kürze bei uns erscheint, könnte bei der Entscheidung helfen.

 

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4 Antworten zu “Review: Motorola Moto 360 im Test”

  1. Django76 sagt:

    Ich denke, dass es sich auf jeden Fall lohnt auf die nächste Generation zu warten. Nicht mal 24h Akkulaufzeit finde ich nicht so praktisch.

    Und dieser Helligkeitssensor geht überhaupt nicht. Das kann man sich wirklich nur schön reden, schön sieht das auf keinen Fall aus.

    Das Review finde ich sehr gelungen, nur das riesengroße PocketPC Wasserzeichen auf den Bildern stört enorm. Es verdeckt ja die halbe Uhr…

  2. Riker1 sagt:

    Hallo,

    ich kann diesem Review uneingeschränkt zustimmen !! Ich habe die Moto 360 jetzt seit fast 4 Wochen im täglichen Dauereinsatz und bestätige die o.g. Punkte in vollem Umfang. Es ist eine sehr wertige und optisch schöne Uhr – ich habe meine allerdings gleich nach ein paar Tagen mit einem silbernen Edelstahlarmband ausgestattet. Für Technikverliebte, die auch etwas Wert auf ansprechendes Design legen, ein klare Kaufempfehlung. Die LG G Watch R als direkter Konkurrent mit rundem Display ist mir persönlich etwas zu sportlich und verspielt und wirkt rein optisch dadurch (leider) auch etwas billiger, als die Moto 360.

  3. Dimitrios Kuckhoff sagt:

    Danke für den Hinweis, wir kümmern uns drum.

    @Riker: Zeig mal bilder 🙂

  4. natedrake90 sagt:

    hm also bezüglich Akku verhält sich meine deutlich anders.
    Ich komme ohne Probleme über 2 Tage hinweg und habe abends immer noch so 8-10% übrig.
    Normaler gebrauch, sprich, Mails, Whats App Nachrichten lesen, Wetter betrachten, etc.

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