Review: LG G2 Mini im Test - PocketPC.ch
Mo. 09. Juni 2014 um 0:16

Review: LG G2 Mini im Test

von Marc Hoffmann0 Kommentare

Skeptisch wurde damals betrachtet, dass Samsung mit dem Galaxy S3 Mini 2012 eine kleinere Version seines damaligen Flaggschiffes auf den Markt brachte. Vor allem ein Gerät mit deutlich schwächerer Hardware nur über den Namen verkaufen zu wollen, wurde dem Hersteller damals vorgeworfen – und doch wurde das S3 Mini zum Verkaufsschlager. Inzwischen hat sich dieses Vorgehen jedoch bei den meisten Herstellern durchgesetzt und so bringt auch LG mit dem LG G2 Mini ein Midrange Smartphone als kleinere Version des sehr ordentlichen G2 auf den Markt. Wir haben das LG G2 Mini genauer unter die Lupe genommen und wollen euch unsere Eindrücke schildern.

Hardware

Inzwischen sollte man daran gewöhnt sein, in einem "Mini" auch "Mini Hardware" vorzufinden. So auch in diesem Fall. Auch wenn sich das LG G2 Mini den Namen des gut ausgestatteten G2 teilt, ist von der hervorragenden Hardware kaum noch etwas vorhanden.

Als Prozessor kommt ein Snapdragon 400 zum Einsatz, welcher mit 4 Kernen zu je 1.2 GHz taktet und auf 1 GB RAM zugreifen kann. Die Display Diagonale ist aber mit 4.7 Zoll schon fast ein „Maxi“ Display, löst aber dennoch nur mit 960 x 540 Pixel auf. Bei dieser Gerätegrösse wären ein etwas höher auflösendes Display und vor allem eine stärkere Hardware wirklich wünschenswert gewesen. Andererseits soll das G2 Mini wohl auch nicht in Konkurrenz zu Sonys Xperia Z1 Compact stehen, sondern eher für Einsteiger und sparsamere Kundschaft gedacht sein. Selbst das sehr ähnliche Galaxy S4 Mini mit fast identischer Ausstattung wird aktuell deutlich im Preis unterboten. Auch die restlichen technischen Daten lesen sich zwar eher nüchtern, aber auch nicht schlecht. Eine 8 Megapixel Kamera, LTE Advanced, Bluetooth 4.0 und WiFi 11n sind ebenfalls an Bord.

Hardware

 
Display-Diagonale4.7 Zoll 
Display-TypIPS Panel 
Display-Auflösung540 x 960 
Masse (L x B x H) in mm66 x 129 x 9.8 mm 
Gewicht125 g 
Akku2440 mAh 

Chipsatz

 
SystemSnapdragon 400 SoC
Prozessor4x Cortex A7 1.2 GHz
GrafikAdreno 305 GPU
RAM1 GB LP-DDR3 
Speicher8 GB + MicroSD bis 64 GB 

Konnektivität

 
MobilfunkLTE (800/1800/2600 MHz); HSPA+ (21.1 MBit/s); UMTS, GSM
WiFi 802.11a/b/g/n
Bluetooth 4.0
USB USB 2.0 und OTG 1.3 kompatibel
Infrarot Ja
NFC Ja

Kamera 

 
Sensor 8 MP BSI Sensor
Blitz Ja 
Frontkamera 1.3 MP 

 

Display

Ein paar Worte möchten wir noch speziell zum Display verlieren. Trotz der geringen Auflösung auf einer Grösse von 4.7 Zoll wirkt das Display erstaunlich scharf. Durch eine saubere Kantenglättung durch das System selbst sind Texte gut lesbar und wirken nicht grobkörnig. Lediglich bei detailreichen Fotos fällt die Auflösung dann doch auf. Auch die sonstige Qualität des IPS Panels kann sich sehen lassen. Die Farbwiedergabe wirkt sehr natürlich und auch die Blickwinkelstabilität ist enorm gut. Nur bei den Schwarzwerten muss das LG G2 Mini hier Abstriche machen, da schwarze Bereiche eher dunkelgrau wirken. Selbst ausgeschaltet ist das Display deutlich heller als der umgebende Rahmen, was man von vielen anderen Smartphones nicht kennt. Den grössten Fauxpas leistet sich LG allerdings mit einem kleinen Detail, welches normalerweise nicht mehr aus aktuellen Geräten wegzudenken ist: Das G2 Mini verfügt nicht über eine automatische Helligkeitssteuerung. Augenscheinlich ist nicht einmal ein entsprechender Sensor vorhanden. Hier ist man also entweder ständig am Herumregeln der Displayhelligkeit oder aber man stellt es generell – vor allem im Sommer – auf Maximum und muss mit einer deutlich verkürzten Akkulaufzeit leben.

Design und Verarbeitung

Es ist eigentlich Tradition, dass sich das „Mini-Modell“ bei der Optik stark am grossen Bruder orientiert. Hier macht LG aber einen kleinen Schnitt und hat einige Anpassungen vorgenommen. Während die Front bis auf die versetzte Frontkamera nahezu identisch zum LG G2 ist, wurde vor allem die Rückseite anders gestaltet. Während das G2 eine feste und glatte Rückseite ohne austauschbaren Akku hatte, lässt sich die Abdeckung am G2 Mini entfernen, was einfachen Zugriff auf den wechselbaren 2440 mAh Akku sowie die Schächte für SIM und MicroSD Karte bietet. Apropos MicroSD: Schade, dass dem Vorgänger diese gefehlt hat, aber beim LG G2 Mini mit seinen 8 GB Speicher ist diese auch dringend nötig. Von der Änderung der Oberfläche abgesehen finden sich auch die Kamera, der Power Button und die Lautstärkewippe auf der Rückseite, genau wie beim G2.

Was gleich geblieben ist, ist die hervorragende Verarbeitung. Bei der Fertigung hat LG wieder gewohnt gute Arbeit geleistet und es gibt kaum etwas zu meckern. Spaltmasse sind Minimal, dafür aber auch gleichmässig und die einzelnen Gehäuseteile wirken präzise gefertigt und zusammengesetzt. Generell wirkt das ganze Gerät durch ein gutes Verhältnis zwischen Grösse und Gewicht sehr hochwertig und keinesfalls billig. Einziges Manko ist das Gefühl, welches die Rückseite vermittelt. Die geriffelte Oberfläche ist zwar sehr angenehm zu halten und lässt das Smartphone griffig bleiben, auch bei den aktuellen sommerlichen Temperaturen und verschwitzten Händen, doch wirkt diese auf der anderen Seite auch dünn und zerbrechlich. Vor allem beim Entfernen und wieder Anbringen hat man das Gefühl, dass sie ausgeleiert sei und beinahe von selbst abfällt, was aber in unserem Test nicht der Fall war.

Performance und Akkuverbrauch

Mit dem G2 Mini zeigt der koreanische Hersteller LG einmal mehr, dass selbst Android mit einer sauberen Anpassung auf eine gute Perfomance kommen kann, auch ohne monströse Hardware. Trotz des Snapdragon 400 Prozessors, welcher eher für die untere Leistungsklasse ausgelegt ist, liefert das Smartphone eine anständige Bedienperformance. Zwar spürt man in sehr leistungshungrigen Anwendungen wie Facebook oder im Browser schon ein paar Defizite, doch keinesfalls so, dass Frust aufkommt. Einzig umfangreiche Hintergrundaufgaben, wie dem Installieren von Apps aus dem Play Store, nagt dann doch spürbar an der Performance.

 

Antutu

17544

Basemark ES 2.0

46 fps

3D Mark Ice Storm Unlimited

4802

GFX Bench 3.0 (Manhattan)

6.4 fps

Anomaly 2 Benchmark High Quality

177560

 

Die vergleichsweise geringe Leistung hat aber auch den positiven Nebeneffekt eines geringen Stromverbrauches. Beim Akkuverbrauch im Standby bewegt sich das LG G2 Mini in einem recht durchschnittlichen Level, sofern keine Stromsparfunktionen aktiviert wurden. Bei unserer grundlegenden Einrichtung für die tägliche Nutzung ist knapp eine Woche Standby bei aktiver W-Lan Verbindung kein Problem. Im normalen Gebrauch kann je nach Nutzungsverhalten eine Laufzeit von 2 bis 3 Tagen erreicht werden, wobei selbst bei intensiver Nutzung auf jeden Fall ein voller Arbeitstag machbar ist, ohne zwischendurch panisch von Steckdose zu Steckdose zu hechten. Ein durchaus gutes Ergebnis für ein Gerät mit vergleichsweise kleinem Akku, welches wir aber so ähnlich bereits vom HTC One Mini kennen. 

Kamera und Video

Bei einem Smartphone der unteren Mittelklasse erwartet man in der Regel nicht allzu viel von der Kamera. Doch die 8 Megapixel Knipse des G2 Mini macht hier eine erstaunlich gute Figur. Die Fotos bieten sowohl bei Tageslicht, als auch in schattiger Umgebung eine erstaunlich gute Dynamik, eine hervorragende Farbtreue und gute Schärfe ohne dabei unnatürlich scharfgezeichnet zu sein. Bei extremen Lichtbedingungen hilft auch ein zuschaltbarer HDR Modus, welcher die Dynamik künstlich anhebt und Helligkeitsunterschiede ausgleicht. Dieser arbeitet dabei recht dezent, um das Bild nicht zu stark zu verfälschen, man muss aber mit einer deutlichen Verringerung der Schärfe leben und aufgrund der etwas langen Zeit zwischen den zwei Einzelbildern werden kleine Wackler nicht verziehen. In zwei Disziplinen muss die Kamera dennoch zurückstecken: Bei Makro Aufnahmen wird oft der Hintergrund scharf gestellt und nicht der Bereich, den die Kamera als Fokuspunkt anzeigt und bei Aufnahmen, bei denen die Sonne auf die Linse scheint, macht sich die nicht so hochwertige Optik bemerkbar und man bekommt einen deutlichen Schleier in die Aufnahmen, welcher auf Reflexionen und Streuung innerhalb der Optik zurückzuführen ist. Dennoch können sich die Ergebnisse durchaus sehen lassen. Die Unschärfe am Rand von Fotos hält sich ebenfalls in Grenzen, ist aber wahrnehmbar.

 

Bei Videos macht das LG G2 Mini dagegen keine so gute Figur. Zwar kann es hier mit FullHD Videos in 30 Bildern pro Sekunde dienen und liefert auch eine ziemlich gute Schärfe und Farbwiedergabe, leidet jedoch darunter, dass während der Aufnahme keine weiteren Anpassungen in Echtzeit gemacht werden. Einen Bildstabilisator gibt es nicht, weder optisch, noch per Software. Auch ein kontinuierlicher Autofokus fehlt, sodass ein Wechsel von fernen Objekten auf sehr nahe nicht machbar ist. Immerhin ist die Dynamik Anpassung recht weich und schnell, sodass bei einem Wechsel zwischen hellen und dunklen Motiven eine rasche Anpassung der Helligkeit erfolgt. Zusätzliche Aufnahmemodi wie HDR Video gibt es allerdings nicht. Lediglich ein Modus für spassige Echtzeit Effekte ist noch integriert.

Multimedia

In Sachen Multimedia ist das LG G2 Mini, genau wie schon sein grosser Bruder, eher spärlich ausgestattet. Angefangen bei einem ziemlich simplen Musik-Player, welcher gerade einmal eine Handvoll Audio Presets und eine Youtube Suche als einzige Bonusfeatures bietet. Der Videoplayer gibt noch die Möglichkeit, innerhalb des laufenden Videos zu Zoomen, indem man mit zwei Fingern zusammen oder auseinander streicht, während des Videos die Liste aller Videos aufzurufen, um ein anderes zu wählen oder das laufende Video in der kleinen QSlide-Ansicht weiter laufen zu lassen, während man andere Dinge erledigt. Das Fotoalbum bietet mehrere Sortieroptionen nach Album, Datum und Ort an. Als Bonus kann man neue Alben anlegen und vorhandene Bilder dort hinein verschieben. Eine Sortierfunktion, wie bei den meisten anderen Gallery Apps, fehlt leider. Zusätzlich wurden noch Online Alben von Picasa in die Hauptansicht integriert, sodass man auch auf seine Bilder von Google+ Zugriff hat.
Allen drei Anwendungen gemein ist die Möglichkeit, über „EasyShare“ Medien direkt an andere DLNA-fähige Geräte zu streamen und die Integration von Cloud-Diensten, aus denen man Inhalte direkt abspielen oder hochladen kann.

Software und Bedienung

Bei der Software wurde viel vom grossen Bruder so übernommen, wie wir es damals schon gesehen haben. Ein augenscheinlich recht überladenes Interface, welches einem direkt massenhaft Features um die Ohren haut. Die wie schon beim grossen G2 anfangs aufpoppenden Schnellanleitungen sind aber auch wieder mit dabei, welche nach und nach die Funktionen erklären. Die Zusatzfeatures, welche LG in das System integriert hat, haben wir bereits in der G2 Review ausführlich behandelt und hier hat sich nicht wirklich etwas geändert. Lediglich die App-Slide Funktion wurde beim LG G2 Mini gestrichen. Wer sich noch einmal über die Funktionen informieren will, findet diese in unserer G2 Review.

Fazit

Mini muss nicht schlecht sein. LG hat gute Arbeit geleistet, um möglichst viel vom grossen Bruder in ein etwas kleineres Modell zu bekommen, jedenfalls was Features angeht. Man muss zwar bei der Hardware deutliche Abstriche machen, doch sind diese bei Weitem nicht so gross wie man erwarten würde. In der Preisklasse unter 250 € beziehungsweise unter 300 CHF liefert das LG G2 Mini erstaunlich gute Ergebnisse. Vor allem die überraschend gute Kamera und das schöne Display runden das Ganze noch zusätzlich ab.

Der fehlende Helligkeitssensor für das Display dagegen ist ein tiefer Einschnitt und hinterlässt einen faden Beigeschmack. Vor allem, da es ein Feature ist, welches zu jeder Zeit eine Rolle spielt und man ständig daran erinnert wird, dass es fehlt. Wer damit zurecht kommt, mit dem recht mageren internen Speicher für Apps zufrieden ist und ein Gerät für die täglichen Aufgaben zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis sucht, ist mit dem LG G2 Mini aber auf jeden Fall gut bedient. Somit gibt es von uns eine eingeschränkte Kaufempfehlung.

 

Pro

Contra

Gute Verarbeitung

Kein Helligkeitssensor

Qualität der Kamera

…aber mittelmässige Video Nutzbarkeit

Brillantes Display

…mit etwas wenig Auflösung

Vergleichsweise gute Performance

 

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