Do. 06. November 2014 um 12:34

Review: LG G Watch R im Test

von Barbara Walter-Jeanrenaud3 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Lieferumfang, Design und Verarbeitung
  3. Technische Details
  4. Display
  5. Software und Performance
  6. Akku
  7. Fazit

 

1. Einleitung

Rund, runder, G Watch R. Auf den ersten Blick fällt einem natürlich zunächst das Design auf, welches sich doch eklatant von dem des Vorgängers G Watch unterscheidet. Doch was hat LG unter der Haube verändert? Wie schlägt sich der neueste Smartwatch-Wurf des koreanischen Unternehmens im Alltag? Was taugen Akku und Display, wie gut performt Android Wear? All diese Fragen stellen sich natürlich beim Testen eines neuen Geräts. Die Antworten darauf haben wir für euch in diesem Testbericht zusammengefasst.

 

2. Lieferumfang, Design und Verarbeitung

Die LG G Watch R kommt in einem edel anmutenden schwarzen Karton mit Magnetverschluss daher. Die Uhr ist auf der Packung abgebildet und ausserdem der Schriftzug G Watch R und das LG Logo. Öffnet man den Karton, liegen obenauf gleich die Smartwatch und eine Kurzanleitung. Darunter befinden sich die Ladestation, ein Micro-USB zu USB Kabel sowie ein Netzteil. Da es sich bei unserem Modell um einen Import aus England handelt, erhielten wir ein Netzteil von der Insel, welches hier nur mit Adapter nutzbar wäre, dank des USB Steckers lässt sich die Ladestation aber auch mit jedem handelsüblichen Netzteil verbinden.

 

Die Verarbeitung der LG G Watch R ist als sehr hochwertig zu beschreiben. Es wackelt nichts, alles passt genau auf’s andere und auch das Armband hält richtig fest. Die Wahl der Materialien ist sehr gut, das Armband besteht aus echtem Leder und fühlt sich sehr angenehm und leicht an. Kam das Handgelenk beim Vorgängermodell mit Vollgummiarmband noch gehörig ins Schwitzen, so ist der Tragekomfort bei LGs neuer Smartwatch sehr hoch. Auch zeigt sich die Hochwertigkeit des Leders in seinen Grundeigenschaften: Auch nach langem, ausgiebigen Tragen beim Sport riecht das Armband frisch und angenehm. Kleinere Abzüge in der B-Note gibt es dafür, dass das Leder doch den Eindruck macht, dass es schnell rissig werden könnte. Nach ein paar Tagen intensiver Nutzung ist es zwar noch in Ordnung, jedoch zeigen sich erste Wellen und „Dehnungsstreifen“. Der Verschluss des Armbands ist wie die Uhr selbst aus Metall, diese besteht aus Aluminium und Edelstahl.

 

Zum Design: Die LG G Watch R ist gross. Sehr gross, manche würden gar sagen klobig. Allerdings gibt es, mich eingeschlossen, auch viele Leute, die ein solches Design schätzen. Die Motorola 360 ist kleiner und wirkt wesentlich filigraner, ist also vielleicht was für Leute, die schlichte Eleganz schätzen. Mit der LG G Watch R wird eher der sportliche Typ angesprochen. Das Armband des Testgeräts ist aus schwarz-weissem Kalbsleder gefertigt, es hat eine Standardbreite von 22 mm und ist wechselbar. Wie auch schon bei der LG G Watch ist das Armband so gefertigt, dass es sowohl an dünne, als auch an kräftige Arme passt. Die Uhr selbst ist schwarz und verfügt am äusseren, leicht nach innen fallenden Rand über Stunden- und Minutenmarkierungen. Dieser Rand ist nicht drehbar, wie es etwa bei Taucher-, aber auch bei vielen anderen Sportuhren der Fall ist. Besonderer Clou ist der physische Knopf an der Seite. Dieser ist nicht nur dekorativ und gibt der Smartwatch eine echtes Uhrenfeeling, man kann ihn sogar als Homebutton benutzen und damit das Display der Uhr an- und ausschalten und während der Bedienung einfach auf den Startscreen zurück kommen. Auf der Unterseite der Smartwatch findet man neben den Pins zum kabellosen Aufladen einen Sensor, mit dem man die Herzfrequenz messen kann sowie die Zertifizierungszeichen und das LG-Logo. Mit 62 Gramm ist die G Watch R kein Leichtgewicht, aber noch angenehm tragbar. Sie ist ist fast einen Zentimeter dick, was manchen wohl zu viel sein könnte.

Insgesamt handelt es sich bei der LG G Watch R um ein sehr gut verarbeitetes Stück Technik mit sehr hohem Tragekomfort. Die Uhr selbst fühlt sich sehr hochwertig und angenehm an, ein wenig Skepsis ist beim ansonsten sehr schönen Armband angebracht, welches recht schnell nicht mehr „wie neu“ aussieht und etwas rissanfällig zu sein scheint. Dies trübt den Gesamteindruck ein wenig, lässt die Uhr insgesamt allerdings keinesfalls billig wirken.

 

3. Technische Details

 

BetriebssystemAndroid Wear
ProzessorQualcomm Snapdragon 400, 1.2 GHz
Display1.3 Zoll, P-OLED, 320×320 (245ppi)
RAM512 MB
Interner Speicher4 GB
Akku410 mAh
VerbindungBluetooth 4.0
Masse46.4 mm x 53.6 mm x 9.7 mm
Gewicht62 Gramm

 

Die LG G Watch R kommt ordentlich ausgestattet daher, sie hebt sich mit den Spezifikationen aber auch nicht von den Smartwatches der Konkurrenz ab.

 

4. Display

Das P-OLED Display der G Watch R ist sehr scharf und angenehm anzuschauen. Es ist selbst bei voller Helligkeit nicht unangenehm hell, aber auch bei geringer Helligkeit sind alle dargestellten Inhalte sehr gut ablesbar. Die 245 ppi sorgen für eine brillante Farbwiedergabe und Schärfe, selbst die kleinen Minutenstriche und Zahlen auf dem Display sind scharf und deutlich zu erkennen. Es gibt verschiedene Helligkeitsmodi sowie die Funktion, das Display immer auf „An“ zu haben, um ein noch reelleres Uhrenfeeling zu erhalten. In manchen Foren wurde darüber berichtet, dass bei diesem Feature die Bildschirminhalte in das Display „einbrennen“ können, in unserem Test konnte dies jedoch nicht beobachtet werden.

 

Mit ihrem 1.3 Zoll Display ist die LG Smartwatch kleiner ausgestattet als etwa die Moto 360, die wohl derzeit der grösste Android Wear Konkurrent ist. Im Gegensatz zur Motorola Smartwatch ist die G Watch R allerdings komplett rund, kein Lichtsensor in Form eines schwarzen Balkens trübt den Eindruck des Uhrendesigns auf dem Bildschirm.

 

Das Display ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbar, was eine klare Verbesserung gegenüber dem Vorgängermodell G Watch ist. Auch die Blickwinkelstabilität ist durchweg als gut zu bezeichnen. Das Displayglas reflektiert ein wenig, das liegt aber in der Natur der Sache und ist nicht besonders störend. Der Touchscreen reagiert sehr gut und präzise auf Eingaben und ist auch nicht mehr so anfällig für Fingerabdrücke wie die G Watch.

 

5. Software und Performance

Auf der G Watch R ist Android Wear als Betriebssystem installiert. Das System läuft ohne spezielle Anpassungen wie auf den anderen Smartwatch Modellen mit demselben OS auch. Sehr positiv ist hier zu sagen, dass die Software sehr stabil ist und flüssig reagiert, im Test kam es weder zu Rucklern, noch zu einem Einfrieren der Displayinhalte. Alle Funktionen starteten prompt und liessen sich sehr gut bedienen.

 

Gleich nach dem ersten Einschalten der Smartwatch konnte ein Update heruntergeladen werden, welches die Performance noch einmal verbessern soll. Zudem wurden die schriftlichen Inhalte besser auf das runde Display angepasst, vor dem Update wurden teilweise Texte abgeschnitten.

 

Nimmt man die Uhr zum ersten Mal in Betrieb, so öffnet sich ein Tutorial, welches einem die Grundfunktionen von Android Wear näherbringt. Auf dem Smartphone, welches mindestens über Android 4.3 verfügt, muss die Android Wear App installiert sein. Diese bekommt man kostenlos im Google Play Store. Per Bluetooth 4.0 verbindet man dann die Smartwatch mit dem Smartphone und schon kann man loslegen. Die Verbindung zwischen Uhr und Smartphone war im Test sehr stabil, verlässt man den Funkradius, verliert man natürlich die Verbindung. Kommt man zurück in die Nähe des Smartphones, verbindet sich die Uhr automatisch wieder. Alles lief hier sauber und flüssig ab.

 

Über die Smartphone App wird die G Watch R mit Apps versorgt und zudem können verschiedene Einstellungen per Smartphone vorgenommen werden, wie etwa das Stummschalten der Smartwatch und auch welche Benachrichtigungen angezeigt werden sollen. Insgesamt stehen 24 verschiedene Watchfaces zur Verfügung, von einer Sportuhr über eine Mondphasenanzeige bis hin zu einer Digitaluhr mit Fotohintergrund ist alles mögliche und für jeden Geschmack etwas dabei. Leider sind noch nicht all zu viele Apps für Android Wear verfügbar, so dass die Auswahl derzeit noch sehr „funktional“ ist. Sollte sich das Betriebssystem jedoch weiterhin durchsetzen, wird sich das in den nächsten Monaten und Jahren noch drastisch ändern, das Potential ist jedenfalls vorhanden.

 

Auf der Uhr kommen Benachrichtigungen über SMS, Messengernachrichten, Kalender, Emails etc. an und per Sprachbefehl „OK Google“ oder per Touchgeste können die verschiedenen Features der Smartwatch aufgerufen werden. Das Display lässt sich auf verschiedene Arten einschalten: Man kann auf das Display tippen, den seitlichen Knopf drücken oder aber auch die Hand anheben, so dass man „auf die Uhr“ schaut. Letzteres funktioniert meistens sehr gut, lediglich manchmal muss man die Geste wiederholen, damit es klappt. Insgesamt ist die Bedienung von Android Wear recht intuitiv und man benötigt nicht lang, um alle Wischgesten raus zu haben und alle Funktionen nutzen zu können.

 

Die LG G Watch R verfügt über einen Schrittzähler und einen Herzfrequenzmesser. Im Vergleich zum Vorgängermodell ist der Schrittzähler präziser geworden, etwas träge ist er nach wie vor beim Schieben oder Tragen von Dingen, allerdings scheint er nicht mehr komplett auszusetzen. Die Herzfrequenz wurde im Test stets sehr zuverlässig gemessen, sie wurde stichprobenartig von Hand gleichzeitig kontrolliert und wich um höchstens vier Schläge ab, was durchaus unter Messtoleranz fallen kann. Zum Sporttreiben ist die Uhr gut geeignet, auch ausser Atem reagiert sie auf Sprachbefehle. Schrittzähler und Herzfrequenzmesser funktionieren auch, ohne dass man das Smartphone dabei hat.

 

6. Akku

Ein riesiger Pluspunkt ist der Akku, hier hat LG echt seine Hausaufgaben gemacht und vorgelegt. Mit ganz normalen Einstellungen, also das Display nicht auf „Always On“, aber ansonsten alle Arten von Benachrichtigungen, vom Kalender über Facebook bis hin zu Emails und verschiedenen Messenger, aktiviert, hält der 410 mAh starke Akku gute drei Tage durch, obwohl die Uhr vor allem in der ersten Zeit ständig in Benutzung war und man natürlich jede Funktion ausgiebig testen musste. Ist das Display immer auf voller Helligkeit eingeschaltet, so hält er immer noch locker eineinhalb bis zwei Tage durch, was im Vergleich zum Vorgänger ein grosser Sprung ist.

 

Das Laden des Akkus erfolgt wieder über eine Ladestation, auf welche die Uhr gelegt wird. Die Pins müssen dazu natürlich aufeinander liegen, die Uhr hält dank eines Magneten gut auf der Platte fest und kann so auch nicht verrutschen. Der Ladevorgang von leer auf voll dauerte im Test etwa zwei Stunden.

 

7. Fazit

Eine runde Sache. Die LG G Watch R kann im Alltag durchaus überzeugen. Sie performt anständig und nutzt ihre Möglichkeiten gut aus. Konkurrenzprodukte mit Android Wear können derzeit nicht mehr, ein Vergleich mit der Motorola Moto 360 steht noch aus. Zu den positiven Punkten gesellen sich der sehr ausdauernde Akku, das knackscharfe und brillante Display, die ruckelfreie Performance und die ausserordentlich gute Verarbeitung. Auch bei der Auswahl der Materialien hat sich LG viel Mühe gegeben und auf hochwertige Produkte gesetzt.

 

Negativ könnte sich der Preis auswirken – er liegt mit rund 279 SFr. bzw. 270 Euro recht hoch. Natürlich bekommt man was für sein Geld, aber in Anbetracht dessen, dass die Entwicklung von Android Wear noch in den Kinderschuhen steckt, geht man das Risiko ein, dass die nächste Generation von Smartwatches vielleicht schon bald vor der Tür steht und dadurch ein nicht zu verachtender Wertverfall eintreten könnte. Auch das Design ist etwas, was sicher nicht allen gefallen wird, besonders hervorzuheben ist hier, dass es sich wohl eher um eine Herrenuhr handelt und es keine zierlichere Variante gibt. Leuten mit Faible für grosse Sportuhren wird die LG G Watch R jedoch sicher gefallen.

 

Die Frage nach einer Kaufempfehlung käme einer Grundsatzfrage gleich: Ob man generell eine Smartwatch im jetzigen Entwicklungsstadium braucht, kann nur jeder und jede für sich selbst beantworten. Entscheidet man sich aber dafür, sich vom Christkind eine bringen zu lassen, so ist die LG G Watch R derzeit sicher eine gute Wahl – das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Die LG G Watch R gibt es seit gestern auch bei uns auf dem europäischen Festland zu kaufen.

vg-wort
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3 Antworten zu “Review: LG G Watch R im Test”

  1. Benz-Driver sagt:

    Ein Größenvergleich mit diversen bekannten normalen Uhren wäre interessant. Ansonsten danke für das Review!

  2. Dimitrios Kuckhoff sagt:

    Der wird im Test der Motorla 360 kommen 🙂

  3. Uigeadail sagt:

    Hab die Uhr seit 3 Tagen und bin absolut zufriede. Einziges Manko, obwohl darauf geachtet wurde, auch Leuten die etwas breitere Handgelenke haben, tragekomfort zu bieten, ist es mir fast zu eng.

    Zudem Soooo gross ist die Uhr auch nicht, habe noch die Garmin Fenix2 die ist mit dem Rahmen und den Knöpfen genauso breite, aber um einiges dicker als die LG G watch R.

    Schon fast zu klein. *smile*

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