Do. 18. Juni 2015 um 13:12

Review: LG G Flex 2 im Test – Stark verbessert und Prozessorschwäche

von Marcel Laser0 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

  1. Design und Verarbeitungen sind toll – Plastik kann so schön sein

  2. Snapdragon 810 Prozessor ist die grösste Schwachstelle des G Flex 2

  3. Schönes Display mit kleinen Schwächen in der Sonne

  4. Kamera auf hohem Niveau, allerdings hinter dem LG G4

  5. Akkulaufzeit Durchschnitt, Empfang ok und Lautsprecher mässig

  6. Fazit

Design und Verarbeitungen sind toll – Plastik kann so schön sein

Wer behauptet, Smartphones aus Kunststoff hätten keine Ästhetik oder Stil, hat noch kein Microsoft Lumia oder eben ein LG Flex in der Hand gehabt. Zwar kann man bei der Klavierlackoptik, die Fingerabdrücke nahezu im Akkord auf der Rückseite produziert, immer geteilter Meinung sein, aber hey! Wir fassen unsere Smartphones nun einmal an. Das G Flex 2 ist hier ebenfalls keine Ausnahme, auch hier ist die Rückseite wieder aus Kunststoff und zudem in glänzender Klavierlackoptik gehalten. Das gebogene Design ist wie beim Vorgänger interessant und fühlt sich von der Haptik her einfach nur formidabel in der Hand an. Dass das Display von 6 Zoll auf 5.5 Zoll geschrumpft ist, tut dem Gerät nicht nur in der Grösse gut, es ist die richtige Entscheidung gewesen. Durch den Curved-Style bekommt das Device den richtigen Schliff und ist mit einer Hand dadurch besser zu bedienen als andere Konkurrenten mit derselben Displaygrösse. Auch wenn man gestehen muss, dass 5.5 Zoll noch nie wirklich einhandfreundlich waren, so nimmt LG mit dem Flex-Design ein wenig die Schärfe aus dem Argument.

 

 LG G Flex 2
Display:5.5 Zoll AMOLED FullHD (1080p), Gorilla Glass 3
CPU und GPU:Snapdragon 810 Octacore 2.0 GHz mit Adreno 430 GPU
ROM und RAM:Versionen 16/2 GB und 32/3 GB
Kamera:13 MP, Laser-Autofokus, 2.1 MP Frontkamera
WLAN und Bluetooth:802.11 a/b/g/n/ac, Dual-Band, Bluetooth 4.1, NFC und DLNA
GPS:GLONASS und A-GPS
Batterie:3’000 mAh, nicht herausnehmbar
Betriebssystem:Vorinstalliert Android 5.0.1 / Android 5.1.1 verfügbar
Masse und Gewicht:149.1 x 75.3 x 7.1 mm, 153 Gramm
Sonstiges:Gebogenes Design, Infrarot-Port, FM Radio mit RDS

 

Die puren Zahlen bestätigen zudem das geschrumpfte Gehäuse des G Flex 2 gegenüber dem Vorgänger. 149.1 x 75.3 x 7.1 mm stehen hier auf dem Papier. Allerdings gelten die 7.1 mm in der Tiefe nur für die dünnste Stelle am Smartphone. Der dickste Teil schlägt mit fast 9.5 mm zu Buche. Die 153 Gramm liegen gut in der Hand und das gebogene Design packt sein übriges ins Gesamtpaket, damit auch dieses Smartphone wieder ein Handschmeichler geworden ist.

 

Netter Bonus, aber getrost zu vernachlässigen, ist weiterhin die sich selbst heilende Oberfläche der Rückseite. Im Wolverine-Stil sollen kleine Kratzer nach kurzer Zeit auf der Rückseite verschwinden, was natürlich mit grösseren Kratzern nicht möglich ist, wie unser damaliges Testgerät des Vorgängers schon zeigte. Zwar soll die Fähigkeit verbessert worden sein, allerdings lassen sich auch hier nach einiger Zeit Gebrauchsspuren nicht völlig auflösen.

Snapdragon 810 Prozessor ist die grösste Schwachstelle des G Flex 2

Kommen wir erst einmal zu den positiven Nachrichten: Der Snapdragon 810 von Qualcomm ist schnell, sehr schnell sogar. Wer auf der Oberfläche von LG unterwegs ist, wird angenehm überrascht sein. Das LG G Flex 2 bewegt sich auf einem hohen Niveau und die Performance des Prozessors ist zu jederzeit spürbar. Der verbaute Snapdragon 810 ist ein Octacore-Modell und taktet mit 2 GHz auf den stärkeren vier Kernen. Die kleineren vier im SoC liegen bei 1.5 GHz und sind für weniger CPU-lastige Aufgaben im System gedacht. Das LG G Flex 2 kommt zudem in zwei Ausführungen: Wer nicht so viel Speicher braucht, greift wohl zur 16 GB Version, bekommt aber nur 2 GB RAM. Wer sich für das Modell mit 32 GB internem Speicher entscheidet, hat auch 3 GB RAM im Smartphone. Der Unterschied sollte vor allem beim Multitasking zu spüren sein. Auf die reine Rechenperformance wird sich der Unterscheid allerdings nicht auswirken.

 

Wenn LG allerdings einen Fehler gemacht hat, dann war es die Hitzeprobleme des Snapdragon 810 Prozessors als „nichtexistent“ zu bezeichnen. Immerhin reagierte der Hersteller mit dem LG G4 (hier unser Testbericht) und verbaute den etwas kleineren Snapdragon 808 Prozessor. Wer auf viel Leistung über einen längeren Zeitraum angewiesen ist, wird auf schwerwiegende Probleme stossen. Dies kann beim Spielen von aufwändigeren Games passieren, beim encodieren von Videos auf dem Device und/oder aber auch bei der Navigation im Auto unter direkter Sonneneinstrahlung. Alles was mehr vom Prozessor verlangt und Hitze produziert, lässt den Prozessor ins Wanken geraten. Er taktet sehr schnell und sehr grosszügig nach unten und besitzt stellenweise nicht einmal mehr die Hälfte seiner Leistung.

 

Untersucht haben wir das Problem unter mehreren Gesichtspunkten. Ein erstmal etwas eher unter normalen Bedingungen unrealistischer Test, aber zielführend, war das ausschweifende Einsetzen von einem Benchmark wie Geekbench 3. Der erste Test zeigt in etwa die tatsächliche Performance des Chipsatzes mit rund 1317 Punkten im Singlecore und 3708 im Multicore-Score. Hängt man relativ schnell einen zweiten Benchmark an, sinkt die Leistung bereits drastisch auf 668 im Singlecore und 2689 Punkte im Multicore. Ein dritter Benchmark kurz danach hatte schon deutlich mehr als 50 Prozent Leistungsverlust zur Folge und es wurden nur noch 500 Punkte auf einer CPU und im Mehrkern-Bereich 1512 Punkte erreicht. Kein anderes Smartphones dieser Klasse, wie das iPhone 6 Plus oder das Galaxy S6, verhält sich derart empfindlich und das G Flex 2 wurde in der Hand noch nicht einmal abnormal heiss.

 

Wir versuchten das Ganze dann auch im Alltag herauszufinden. Wer Casual-Gamer ist, wird die Grenzen der Drosselung nicht so schnell vorfinden, allerdings können einige sehr aufwändige Spiele schon zum Problem führen. Nach rund 15 Minuten Real Racing 3 oder Riptide GP2, vor allem in Szenen, wo auf dem Display doch schon eine Menge los ist, merkt man, dass die Performance nachlässt, passiert allerdings nur selten, da die GPU nicht ganz so stark mit der Hitze skaliert wie die CPU. Sucht man sich aber Spiele mit hoher CPU-Last, könnte es nach einiger Zeit des Spielens eng werden. Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn man das LG G Flex 2 an den Strom anschliesst, um den Akku zu laden. Spielen ist dann nach kurzer Zeit schon nicht mehr so richtig möglich, Real Racing 3 wird da je nach Situation recht bockig. Bei strahlender Sonne, Navigation per Google Maps im Auto an einer Halterung im Cockpit und natürlich per USB Buchse an den Strom angeschlossen war anscheinend auch zuviel: Das G Flex 2 schaltete sich sogar aus. Bevor es sich jedoch abschaltete, geriet das Bild erst ins Stocken und blieb dann stehen. Allerdings war der Fehler nicht wirklich reproduzierbar.

 

Spass macht das auf Dauer aber nicht. Wer das Gerät intensiv nutzt, sollte es nicht ans Ladegerät hängen, da die Gefahr besteht, dass die CPU durch die zusätzliche Hitze irgendwann einfach die Leistung so extrem in den Keller drückt, dass im schlimmsten Fall selbst Snapdragon 410 Prozessoren noch besser zurechtkommen. Warum LG beim G4 Flaggschiff auf den kleineren Snapdragon 808 wechselte, ist also absolut nachvollziehbar. Auch wenn schon einiges dazu gehört, das System in die Knie zu zwingen.

Schönes Display mit kleinen Schwächen in der Sonne

Zwei Veränderungen am neuen Display sind mehr als nur zu begrüssen: Durch die Verkleinerung auf 5.5 Zoll ist das LG G Flex 2 deutlich kompakter und die Auflösung beträgt endlich auch für die Grösse taugliche 1080p, also Full-HD. Während der Vorgänger noch eine Anzeige besass, die an eine Darstellung auf Papyrus erinnerte, ist das nun mit dem G Flex 2 glücklicherweise vorbei. Die Farben sind kräftig, sehen toll aus und die generelle Anzeige präsentiert sich schön scharf. Das 5.5 Zoll Panel ist ein hochwertiges AMOLED mit ebenfalls sehr schönen Schwarzwerten, wie es sich für diese Technologie auch gehört. Die Blinkwinkelstabilität ist ebenfalls top und zwar in alle Richtungen. Das mag aber letzten Endes auch an der Krümmung liegen.

 

Abzüge gibt es allerdings bei der Helligkeit, welche absolut nicht an die Konkurrenz heranreicht. Sowohl das iPhone 6 Plus, als auch das Galaxy S6 und das Huawei P8 haben deutlich hellere Displays und sind so unter der Sonne deutlich besser abzulesen.

 

Interessantester Punkt am Display ist allerdings das Curved-Design. Es ist gebogen und sogar sehr flexibel. Wer das LG G Flex 2 mit dem Display nach unten auf den Tisch legt, kann mit Druck das Gerät gerade biegen und es geht ohne zu murren in seine eigentliche Form zurück. Ob das Display durch die gebogene Form tatsächlich Vorteile beim Konsum unserer Medien bringt, ist fraglich. Es wirkt jedenfalls auf den natürlichen Abstand hin tatsächlich etwas grösser, allerdings war der Effekt beim G Flex Vorgänger etwas stärker. Um so grösser das Display, desto stärker kann der gebogene Effekt dafür sorgen, dass einem das Bild deutlich grösser erscheint.

 

Im Umkehrschluss heisst das nun also? Ganz einfach, viel Marketing um nichts. Einen wirklich eklatanten Vorteil bei der Betrachtung wird man nicht haben, wenn einem das Display wie 5.6 oder 5.7 Zoll vorkommt statt der tatsächlichen 5.5 Zoll. Es sieht einfach nur irgendwie nett aus. Ein wirklicher Mehrwert ist dadurch aber nicht gegeben. Haken wir das also in der Liste unter „Weil man’s kann“ ab. Nichtsdestotrotz ist das LG G Flex 2 Display ein gutes Panel mit kleineren Schwächen.

LG G4
Das LG G Flex 2 AMOLED vs. iPhone 6 Plus IPS Panel im freien Tageslicht.

Kamera auf hohem Niveau, allerdings hinter dem LG G4

Kameras und LG, das passt tatsächlich zusammen. Seit dem LG G2 sind die Knipser in LGs Smartphones wirklich mehr als einen Blick Wert. Das LG G3 hat sogar noch eins drauf gelegt und sich in die Riege der Topkameras neben Nokia (bzw. Microsoft), Samsung, Apple und Co. eingereiht. Das G Flex macht auch hier vieles richtig, reicht allerdings nicht an das LG G4 heran, kommt ihm aber erstaunlich nahe. Verantwortlich ist hierfür ein anderer Sensor, welcher nicht nur eine andere Qualität liefert, sondern auch mit 13 MP etwas weniger hoch auflöst.

 

Tatsächlich knipst das LG G Flex 2 mit der exakt selben Technologie wie das LG G3: Es ist derselbe Sensor und dieselbe Technik verbaut und schlecht ist das wirklich nicht. Somit bietet das G Flex 2 einen optischen Bildstabilisator und alle bekannten Features der LG Flaggschiffe. Ein Dual-LED-Blitz ist ebenfalls integriert.

 

Wie bei vielen anderen Smartphones sind Bilder unter schwachen Lichtverhältnissen zwar immer noch problematisch, doch befindet sich das G Flex 2 auch hier in einer mehr oder weniger guten Form. Sowohl das Samsung Galaxy S6, als auch das G4 und das Huawei P8 liefern noch etwas bessere Ergebnisse, doch ist das gebogene LG Phone nicht weit von der Spitze entfernt. Die Kamera kann also guten Gewissens genutzt werden und die Ergebnisse sind ordentlich.

Akkulaufzeit Durchschnitt, Empfang ok und Lautsprecher mässig

Durchwachsen, aber im Grunde genommen eigentlich in Ordnung: Die Akkulaufzeit ist leicht über dem Durchschnitt, doch findet man mit anderen Smartphones auch längere Dauerläufer. Mit voller Displayhelligkeit kamen wir beim Streaming eines YouTube-Videos auf knapp 5 Stunden und 46 Minuten. Das Update auf Android 5.1.1 war zu diesem Zeitpunkt bereits installiert. Der Wert ist ordentlich, springt aber auch nicht aus der Reihe hervor. Ein ganzer Tag ist also mehr als möglich, auch mit etwas intensiveren Gebrauch. Übertreibt man es nicht, ist auch ein zweiter Tag noch drin, dann wird aber doch schon sehr eng.

 

Was anzumerken bleibt, ist zwar der Fakt, dass die Rückseite abnehmbar ist und den Akku entblösst, dieser allerdings fest verschraubt im Gerät liegt. Ein Wechseln ist also nicht möglich und so kann das Abnehmen der Schale nur für die Micro-SD und SIM-Karten genutzt werden.

 

Ebenfalls schade ist ein fehlendes Quickcharge-Netzteil für das G Flex 2. Der verbaute Chipsatz unterstützt Quick Charge 2.0 und könnte so das Smartphone in 30 Minuten auf gut 60 Prozent Kapazität bringen. Ein passendes Netzteil wird allerdings nicht mitgeliefert und offizielles Zubehör wurde auch noch nicht gezeigt. Man müsste hier also auf Zubehör von Drittanbietern ausweichen.

 

Ebenfalls ein Punkt, der recht schnell abgehakt werden kann, ist der etwas mässige Lautsprecher auf der Rückseite – sowohl das iPhone 6, als auch das Galaxy S6 oder andere Konkurrenten können mit deutlich besseren Soundergebnissen punkten. Für ein kleines Videos reicht es allemal, doch sollte man vielleicht doch lieber die eigenen Kopfhörer verwenden.

 

Der Empfang ist ebenfalls in Ordnung, reisst an dieser Stelle aber auch keine Bäume aus. Einen grossen Unterschied zu derzeitigen Spitzenprodukten anderer Hersteller gibt es kaum. Die Sprachqualität ist allerdings wirklich ordentlich und liegt auf einem sehr hohen Niveau. Meckern muss man dieser Stelle also nicht.

Fazit

Man kann hier ein eindeutiges Fazit ziehen: So hätte schon das erste G Flex sein sollen! Warum LG damals nur auf 720p auf 6 Zoll gesetzt hat, bleibt ein Rätsel. Das G Flex 2 ist ein Gerät, welches in nahezu allen Punkten komplett verbessert wurde und somit ein rundes Gesamtpaket liefert. Darunter die neue Kamera, die mit dem LG G3 gleichzieht, das tolle Display mit leichter Schwäche unter Sonnenlichteinstrahlung und die allgemeine Performance auf der Oberfläche. Allerdings gibt es auch einige Schwächen am Device.

 

Der Snapdragon 810 ist zumindest im G Flex 2 eine Zumutung. Warum LG mit dem G4 eine Rolle rückwärts macht und den etwas schwächeren Snapdragon 808 verbaut, wird vor allem mit dem 810 SoC von Qualcomm klar. Bei intensiver Nutzung und Rechenlast taktet er teils eklatant herunter und wenn das Gerät dann auch noch am Ladekabel hängt, tritt das Phänomen noch schneller und heftiger in Erscheinung.

 

Der Preis ist für das Gebotene auch nicht gerade wenig, da ein LG G4 unter dem Aspekt des Prozessors mehr Sinn macht, man eine höhere Auflösung bekommt und eine nochmals verbesserte Kamera. So bleibt das LG G Flex 2 weiterhin nur ein Nischensmartphone mit netten Ambitionen und dem Gefühl, ein anderes Gerät in den Händen zu halten als andere. Ein direkter Mehrwert bleibt nicht zu erkennen. Das G Flex 2 ist ein gutes und solides Smartphone. Der Prozessor hingegen war die falsche Wahl für das Smartphone.

vg-wort
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