Sa. 02. Mai 2015 um 13:12

Review: Jabra Sport Pulse Wireless im Test

von Yves Jeanrenaud1 Kommentare

Laufsport ist schon seit längerem im Trend. Dabei laufen viele mit einem Ziel, vom Abnehmen, mehr Fitness bis hin zum Marathon. Doch gerade solches Lauftraining ist oft am effektivsten und gesündesten, wenn dabei die Herzfrequenz im Blick behalten wird. Dazu gibt es bekanntermassen eine Menge Gadgets. Auch für unsere mobilen Begleiter, egal ob mit Android, iOS oder Windows Phone, sind Bluetooth-Pulsgurte und Wearables wie die LG G Watch R oder neuerdings die Apple Watch zu haben. Pulsgurte messen dabei meist präziser als Smartwatches, jedoch bei weitem nicht so komfortabel und vielseitig. Bei der dänischen Firma Jabra geht man hier einen ganz anderen Weg und baut die Herzfrequenzmessung in eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung ein, garniert mit einer Trainings-App mit vielen einzigartigen Funktionen und coolem Design. Ein spannendes Konzept. Was es im Alltag taugt, wollen wir heute für euch aufzeigen.

Hardware und Lieferumfang

Die Jabra Sport Pulse Wireless In-Ear Bluetooth-Kopfhörer sind IP55 zertifiziert und bestehen aus zwei In-Ear Stöpseln, die mit einem 60 cm langen Kabel verbunden sind, welches im Nacken getragen wird. Das linke der Ohrteile, die deutlich an kleine Hörgeräte erinnern, ist dabei für die Herzfrequenzmessung zuständig, welche an der unteren Innenseite der Ohrmuschel durchgeführt wird. Die Rückseite des Teils beherbergt eine grosse Sport-Taste. Am rechten Teil des Headsets ist eine microUSB-Buchse zum Aufladen des eingebauten Akkus untergebracht, eine LED-Statusanzeige zu finden sowie ein Fernbedienungsteil 8 cm unterhalb des Hörerteils mit drei Tasten und Mikrofon. Das In-Ear Headset setzt für den Klang auf bewährte und von anderen Modellen bekannte Ohrstöpsel-Gummiaufsätze, genannt Eargels, um den Klang direkt in den Gehörgang zu übertragen. Die Eargels sind einfach zu wechseln, ohne dabei zu leicht abzufallen. Zusätzlich setzt Jabra auf Gummiaufsätze namens Earwings, die den Halt der In-Ears in der Ohrmuschel verbessern sollen und die In-Ears umschliessen. Sie haben flexible Antenne aus Vollgummi, die in der innersten Wölbung der Ohrmuschel zu liegen kommen und so die Position leichter finden lassen.

Die Kopfhörer wiegen insgesamt knapp 16 Gramm und verfügt über zwei dynamische Lautsprecher mit 6 mm Durchmesser, die den Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz abdecken, 16 Ohm Impedanz und einer Höchstleistung von 5 mW bieten. Die Schalldämpfung gegen Umgebungsgeräusche misst bauartbedingt 15 dB. Das MEMS-Mikrofon im Fernbedienungsteil arbeitet von 100 Hz bis 8 kHz und bei einer Empfindlichkeit von 14 dB, ±3 dB (SWR). Die Verarbeitung des Headsets und des Zubehörs ist durchwegs gut. Alles macht einen hochwertigen und langlebigen Eindruck, keine Spalten, in denen sich Schmutz sammeln könnte, die sensibelsten Teile lassen sich problemlos abnehmen und unter fliessendem Wasser reinigen. Die IP55-Schutzklasse ist zertifiziert, sodass die Kopfhörer stossfest sowie regen-, sand- und staubgeschützt sind. Damit muss man sich wirklich kaum Gedanken machen um die Jabra Sport Pulse.

 

Der Lieferumfang des Jabra Sport Pulse ist neben dem Kopfhörer selbst ein stabiles schwarzes Etui mit neongelbem Reissverschluss zum einfachen Transport der In-Ears. Ein kurzes microUSB-Kabel ist dabei und dient dem Aufladen. Weiter sind gelbe Eargels in vier verschiedenen Grössen sowie Earwings in vier verschiedenen Grössen mitgeliefert. Auch vier Clips, zwei schwarze und zwei gelbe, die das Kabel hinter dem Nacken zusammenhalten, sind dabei.

Die obligatorische Kurzanleitung in zwölf Sprachen, darunter auch Deutsch und Französisch, ein Registierungshinweis, ein Kärtchen mit QR- und Freischaltcode für die Jabra Sound App mit Dolby Digital Plus Funktionalität sowie Garantie- und Warnhinweise sind im Paket enthalten.

Inbetriebnahme und Verwendung

Als erstes wird der Jabra Pulse Wireless per USB-Kabel aufgeladen. Das dauert bei komplett leerem Akku knapp zwei Stunden und bietet anschliessend ca. zehn Tage Standby und fünf Stunden kabellosen Musikgenuss bzw. Training. In der Realität werden diese Werte durchaus erreicht. Nun probiert man die Eargels und Earwings aus, um die individuell beste Passform zu finden. Eingeschaltet wird das Headset mittels O-Taste auf der Fernbedienung, die man dazu drei Sekunden drückt. Sofort wird der Akkuladestand in deutscher Sprache angesagt und die Kontroll-LED blinkt blau. Per NFC und Bluetooth 4.0 können nun bis zu acht Geräte über bis zu zehn Meter gekoppelt werden, sogar zwei Geräte können gleichzeitig verbunden sein und benutzt werden. Die anderen beiden Tasten auf der gummierten Fernbedienung sind mit Plus und Minus beschriftet, wobei alle Tasten erhaben sind und so gut getastet werden können. Der NFC-Chip ist ebenfalls in der Fernbedienung untergebracht, auf der den Tasten gegenüberliegenden Seite. Die Tastenbelegung des Headsets ist recht intuitiv aufgebaut: Die Sport-Taste am linken Ohrteil startet die App auf dem Smartphone bzw. führt die Ansage des Trainingsstatus durch einmaliges Drücken aus. Durch zweimaliges Drücken der Sport-Taste können die automatischen Statusupdate-Ansagen während des Trainings aktiviert bzw. deaktiviert werden. Drückt man die Taste eine Sekunde lang, kann man Pausen, Start und Wiederaufnahme des Trainings auslösen. Die O-Taste ist sehr multifunktional ausgelegt. Neben dem Ein- und Ausschalten durch dreisekündiges Drücken kann man darüber die Musikwiedergabe starten oder Anrufe annehmen, indem man einmal die Taste betätigt. Zweimaliges Drücken weist eingehende Anrufe ab oder ruft die zuletzt gewählte Nummer an. Die Plus- und Minus-Tasten dienen zum Lauter- und Leiserstellen der Musik, wenn diese kurz gedrückt werden. Hört man gerade keine Musik, sagt das Headset den Akkuladezustand an, wenn Lauter oder Leiser gedrückt wird. Beide gleichzeitig schaltet die Musik stumm. Langes Drücken führt zum Überspringen von Musiktiteln.

 

Die Jabra Sport App sowie die Jabra Sound App sind schnell installiert, wobei letztere optional ist. Leider sind die Apps nur für iOS und Android verfügbar. Musik hören und telefonieren geht aber auch mit Windows Phone sehr einfach und zuverlässig.

Jabra Sport Life
Entwickler: Jabra by GN Netcom
Preis: Kostenlos
Jabra Sport Life
Entwickler: GN Audio AS
Preis: Kostenlos
Jabra Sound (ComplementaryApp)
Entwickler: GN Audio AS
Preis: Kostenlos

Die Apps

Die Jabra Sound App ist ein exklusiver Player mit ein paar Extrafunktionen. Neben Equalizer und Dolby Digital, um Bass und Hochtöne zu verbessern, kann die App einfach und bequem Playlisten verwalten und erstellen sowie Musik von YouTube streamen. Das ist nett, aber kein Must-Have.

Die Jabra Sport Life App ist die eigentliche Schnittstelle und Schaltzentrale für die Pulse Wireless. Hier wird die gemessene Herzfrequenz und der Akkuzustand angezeigt sowie alle Einstellungen rund ums Training getätigt und dieses auch aufgezeichnet. Mittels GPS führt die App Buch über die Trainingsstrecke inklusive Verlauf auf der Karte und ordnet diese minutiös verschiedenen Cardio-Trainingszonen zu. Um diese Zonen möglichst präzise messen zu können, bietet die App drei Fitness-Tests an, mit denen ebenfalls regelmässig der Trainingserfolg aufgezeigt werden kann:

  1. Der Rockport-Test dient dazu, den VO2max-Wert, also die maximale Sauerstoffaufnahme zu ermitteln. So kann man herausfinden, wann man im Training unter Einbezugnahme von Alter, Gewicht, Geschlecht die Leistungsgrenzen erreicht.
  2. Mittels orthostatischem Herzfrequenz-Test kann der Stresslevel bestimmt werden.
  3. Der Ruhepuls-Test dient der Einschätzung der grundlegenden Fitness.

Neben Cardio-Zonen-Training kann aber auch ein individuelles Traingsprogramm konfiguriert werden, vordefinierte Trainingsprogramme, Intervall-Training, Zieltempo, Distanztraining oder aktivitätsbasiertes Training gewählt werden.

Für Sport-Apps mittlerweile schon zum guten Ton gehören auch Auszeichnungen und Social-Funktionen, die vom Teilen der Laufstrecke und Trainingsleistung (inkl. Foto) bis hin zu Challenges und Vergleichen mit Kontakten im Netz reichen. Auch hier bietet Jabra einige schöne und interessante Möglichkeiten. Darüber hinaus verfügt die App über eine Export-Funktion, mit der ein ZIP-Archiv mit CSV-Dateien erstellt wird, die dann per E-Mail verschickt und weiterverarbeitet werden können. Neben den Testergebnissen werden hier auch die Workout-Ergebnisse in einer separaten Übersichtstabelle zusammengefasst und in zwei weiteren Dateien sind jeweils alle aufgezeichneten und errechneten Trainingsdaten, inklusive Koordinaten, Datum und Uhrzeit, gelistet. Damit kann man, entsprechende Software vorausgesetzt, die Trainingseinheiten haarklein nachvollziehen.

 

Die Einstellungsmöglichkeiten der App sind ebenfalls vielfältig. Neben der Musik-Quelle und der gewünschten Trainingszone kann auch die aktuelle Ansicht sowie die Art des Trainings ausgewählt und individuell konfiguriert werden. Die App ist unter iOS und Android identisch und intuitiv aufgebaut, aber leider nur auf Englisch. Die Bluetooth-Verbindung klappt zuverlässig und stabil, unabhängig vom Betriebssystem.

Das Sprachleitsystem der App funktioniert ebenfalls toll, wenngleich nur auf Englisch, klingt aber gut. Eine angenehme Frauenstimme weist einem beim Workout darauf hin, ob man über-, in oder unterhalb der angepeilten Zone trainiert und somit schneller oder langsamer machen sollte. In einem bestimmen Intervall, von Haus aus all zehn Minuten und zwei Kilometer, erfolgen die automatischen Trainingsstatus-Ansagen, deren Umfang individuell konfiguriert werden kann. So erhält man, ohne dass man extra die Sport-Taste betätigen müsste, beispielsweise beim Lauftraining die zurückgelegte Distanz, die Trainingszone, durchschnittliche und aktuelle Herzfrequenz sowie Geschwindigkeit und mehr angesagt. Dabei wird die Musik etwas leiser gestellt, damit die Stimme besser verstanden werden kann.

Das Ganze klappt einwandfrei. Der gemessene Puls scheint, verglichen mit professionellen Messgeräten, beispielsweise von Polar, adäquat präzise zu sein und steht diesen in nichts nach. Die Bedienung der App sowie des Headsets ist schnell erlernt und macht Spass. Die Personalisierungsmöglichkeiten der App und vor allem die Fitness-Tests machen es neben den Achievements und dem Wettbewerbsaspekt via Social Media spannend, zu trainieren. Das kann sicherlich dazu beitragen, bei der Stange zu bleiben.

Preis

Das Jabra Pulse Wireless In-Ear Headset kostet in Deutschland und Österreich 199 Euro und ist beispielsweise bei Amazon erhältlich. In der Schweiz fallen 219 SFr. zum Beispiel bei digitec an.

Fazit

Das Jabra Pulse Wireless In-Ear Headset ist ein tolles Produkt, das für den ambitionierten Hobby-Sport tolle Funktionen bietet.

Die App funktioniert in Verbindung mit dem Jabra Sport Pulse einwandfrei und verrichtet ihren Dienst tadellos. Sie zeichnet das Training zuverlässig und intuitiv auf, ermöglicht es nicht nur, ein digitales, vielseitiges Trainingstagebuch anzulegen, sondern darüber hinaus die eigene Fitness zu messen und im Blick zu behalten. Der Sound des Jabra Heatsets ist für In-Ears einwandfrei. Die leicht schwachen Tiefen und überzeichneten Höhen lassen sich gut durch einen Equalizer, sei es per Jabra Sound App oder anderweitig, einfach ausgleichen. Auch die Bedienung per Fernbedienung und das Telefonieren klappen einwandfrei.

Schade nur, dass die Sprachsteuerungs-Funktionen von Android und iOS nicht benutzt werden können und auch kein Windows Phone unterstützt wird. Auch hätte man Apple Health mit mehr Daten versorgen können. Es wird nur die Herzfrequenz über das Bluetooth Smart Device ausgelesen, jedoch keine Strecke oder Trainingszeit. Was klug gelöst ist: Dass das Teilen der Trainingsstrecke als Karte separat eingestellt werden kann. So kann man seinen Trainingserfolg anderen mitteilen, ohne gleich zu verraten, wo man dabei anzutreffen ist.

Guter Sound, Tragekomfort sowie Akkulaufzeit, präzise Pulsmessung und ausgeklügelte Trainingsapp und Bedienkonzept vermögen zu überzeugen.

Jabra bietet damit so ziemlich alles, was für ein ambitioniertes aber einfach zu handhabendes Trainingsmanagement gebraucht wird.

vg-wort
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