So. 09. August 2015 um 11:09

Review: ionas-Server Home im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Spätestens seit Snowdens Enthüllungen und nach dem Eklat um Netzpolitik.org wollen viele einfach nur noch raus aus der Cloud. Keine NSA, keine Geheimdienste, keine Profilerstellung für Werbeeinblendungen aus den eigenen Daten aktiv unterstützen zu wollen – doch da kann man vermutlich nicht viel tun, oder? Wer seine Daten nicht in der Cloud möchte, kann entweder zu einem Hoster, der wenigstens europäischem oder dem eigenen, nationalen Datenschutzrecht unterliegt. Alternativ dazu kann man auch bei sich zu Hause alle Daten speichern, was auch mit einem gewissen Aufwand verbunden ist. Es gibt von einer Vielzahl Hersteller unterschiedlichste Lösungen für verschiedene Anwendungsszenarien, um aus der Cloud auszusteigen. Ein deutsches Startup-Unternehmen bietet seit einiger Zeit eine ausgefeilte und stetig weiterentwickelte Lösung auf Basis einer Raspberry Pi B+ an, die mehrere ausgesuchte und aufeinander abgestimmte, vorinstallierte Dienste anbietet, die einfach konfiguriert den leichten Einstieg in die eigene Server-Welt ermöglicht. Sie nennt sich ionas-Server Home.

 

Inhalt

 

Lieferumfang

Der ionas-Server Home kommt in einer Papp-Umverpackung und ist mittels Kunststofffolie darin fixiert. Löblich, denn so fallen die oft unnötigen und umweltbelastenden Styropor- oder Maisstärkeschnipsel weg. Im Lieferumfang enthalten sind neben einer Produktbeschreibung und der Einrichtungsanleitung auf Deutsch der Server selbst in einer kleinen, schwarzen handlichen Box von 89 x 71 x 26 mm. Ein passendes Steckernetzteil mit micro-USB-Kabel, eine 2.5-Zoll-USB-Festplatte von Western Digital mit einem oder zwei Terrabyte Kapazität, je nachdem, was man bestellt hat, und ein USB 3.0-Kabel sind mit dabei. Ebenfalls wird ein flaches, schwarzes Ethernet-Kabel mitgeliefert. Alle Stecker und Buchsen sind mit farbigen Punkten markiert worden, so dass man ganz einfach die richtigen Anschlüsse findet. Das ist nett. Die micro-SD-Karte, auf der das Betriebssystem und die Konfiguration des Servers liegen, fasst 8 GB, ist schon vorinstalliert und eingebaut.

Die Unterseite des Gehäuses, in dem die Raspberry Pi untergebracht ist, wurde mit zwei Klettverschlüssen versehen, ebenso wie das Gehäuse der USB-Festplatte, so dass der Server einfach auf dieser befestigt werden kann. Simpel, aber praktisch.

Einrichtung und Funktionen

Nachdem alles im heimischen Netz untergebracht und angeschlossen wurde, ruft man den ionas-Telefonsupport an, um gemeinsam mit diesem die erste Einrichtung vorzunehmen. Das ist eine der ersten Besonderheiten des ionas-Server Home, denn ionas bietet neben der Server-Hard- und Software auch eine umfassende Telefonsupportline zu Computerproblemen aller Art. Die Notwendigkeit des Telefon-Support bedeutet jedoch nicht, dass man nicht die volle Kontrolle über den ionas-Server hätte. Im Zuge der ersten Einrichtung bekommt man nämlich auch die Möglichkeit, das root-Passwort zu bekommen, so dass ein Zugriff mittels SSH auf die bash-Shell des Servers gewährleistet ist und man alle Gewallt über die Software auf dem Server besitzt. Darauf läuft nämlich nichts weiter als die Debian-Variante Raspbian und wer sich mit Linux ein klein wenig auskennt, kann somit nach Belieben schalten und walten. Dank des integrierten HDMI-Anschlusses kann man auch einfach den ionas-Server Home an einen Monitor oder Fernseher hängen, per USB-Anschluss eine Tastatur und gegebenenfalls auch eine Maus verbinden und den Rechner direkt steuern. Beispielsweise GNOME und X-Server sind schnell nachinstalliert und eingerichtet. Nötig ist das allerdings nicht, denn der Taschen-Server für zu Hause ist komplett über den Web-Browser zu bedienen. Die Software ist dabei auf das Nötigste an Einstellungsmöglichkeiten reduziert und um einige spezifische Extras erweitert worden.

Softwareseitig sind vor Allem OpenSource-Lösungen installiert.

Als zentrale Nutzer_innenverwaltung kommt openLDAP zum Einsatz, was ein einfaches Einrichten von mehreren Konten auf dem ionas-Server ermöglicht. Dateien, Fotos und Videos werden per Seafile synchronisiert, Kontakte und Termine mittels Radicale. Für fast alle Betriebssysteme ist ein entsprechender Client schon von Haus aus dabei, nur Android benötigt hier leider zum Teil kostenpflichtige Apps von Drittanbietern, um CalDAV und CardDAV sauber zu unterstützen.

CalDAV-Sync
Entwickler: Marten Gajda
Preis: CHF 2.69
CardDAV-Sync
Entwickler: Marten Gajda
Preis: CHF 1.99

Für Seafile gibt es auf jedem der grossen mobilen Betriebssysteme und natürlich auch für Mac OS, Windows und Linux eine entsprechende kostenlose App, die den automatischen Abgleich, Upload und die Dateiverwaltung erlauben.

Seafile Pro
Entwickler: Seafile
Preis: Kostenlos
Seafile
Entwickler: Seafile Ltd.
Preis: Kostenlos
CloudWave for Seafile
Entwickler: Girard Sebastien
Preis: Kostenlos

Firefox Sync ist auf dem ionas-Server Home auch dabei und erlaubt das Synchronisieren des Browser-Profils (ab Version 29) inklusive Bookmarks und Passwörtern. Die Konfiguration ist dabei in den Browser-Einstellungen recht simpel.

Um das Paket abzurunden, ist mit MediaReady ein DLNA-kompatibler Medienserver installiert, Mopidy erlaubt hingegen das lokale Abspielen von Musik-Dateien und aus dem Netz per 3.5 mm-Stereoklinkenanschluss. Das hat wenig mit Cloud-Ersatz zu tun, aber wenn man schon einen eigenen Server zu Hause betreibt, kann ja auch die Multimediasammlung darauf abgelegt und genutzt werden.

Im heimischen Netz funktioniert nun die ganze Synchronisierung ganz einfach und einwandfrei. Auch Dateien auf den Server zu transportieren, lässt sich dank SMB-Server bequem per cifs bzw. Windows-Dateifreigabe-Zugriff per Netzlaufwerk erledigen.

Welche Dienste auf dem ionas-Server Home was genau leisten und wie sie funktionieren, erklärt und berät bei der Erstkonfiguration auch der Telefonsupport kompetent und leicht verständlich. Dazu ist für den Teil, der via SSH-Zugriff eingerichtet werden muss, ein Menü programmiert worden, um Fehleingaben zu minimieren und das ganze Prozedere einfacher zu gestalten.

Wie kommt man nun aber von ausserhalb des eigenen Netzwerks, unterwegs und auf der Arbeit, an die Daten? Ein Komfortmerkmal der Cloud-basierten Lösungen ist ja die ständige Verfügbarkeit der Daten. Bei ionas wird das über einen installierten OpenVPN-Server in Verbindung mit ddclient zum Aktualisieren von dynamischen DNS-Einträgen gelöst, vorkonfiguriert auf den Dienst SPDNS, einem kostenlosen Dienst aus Lüneburg in Deutschland. Aber auch alle anderen DDNS-Anbieter, wie No-IP und viele mehr, werden selbstverständlich unterstützt. Die Übertragung der OpenVPN-Konfiguration auf die Zielgeräte erfolgt hierbei mittels Zertifikat- und Konfigurationsdatei, die direkt über den Webbrowser heruntergeladen werden. Dies ist sowohl per Smartphone und Tablet, als auch auf dem Desktop-Rechner und Laptop einfach und schnell erledigt. So entfällt auch das unsichere Übertragen der Konfigurationsdaten per E-Mail oder ähnlichem. Für iOS und Android sind entsprechende Apps kostenlos verfügbar, nur für Windows Phone gibt es keine. OpenVPN für Mac OS, Linux und Windows ist ebenfalls kostenlos verfügbar.

OpenVPN Connect
Preis: Kostenlos
OpenVPN Connect
Entwickler: OpenVPN
Preis: Kostenlos

Warum eine VPN-Verbindung? Weil so nach draussen ins Internet nur ein Anschluss geöffnet wird und der Dienst sicher konfiguriert und eingerichtet werden kann. Das erleichtert die Überwachung (auf dem ionas-Server Home mittels fail2ban und iptables gelöst) und Wartung der Software.

Will man nun Daten mit Aussenstehenden teilen, wie bei Dropbox und eigentlich auch bei Seafile vorgesehen, geht das aufgrund der OpenVPN-Verbindung nicht so leicht. Dazu hat ionas eine eigene Lösung namens ionas-FileShare gestrickt, die nur dann und zeitlich beschränkt nach draussen geöffnet wird, wenn man wirklich eine Datei, die auf dem Server im entsprechenden Ordner gespeichert ist, freigegeben wurde.

Auch kann man mittels duplicity seine Daten zu einem Amazon S3-Speicher sichern lassen. Damit ist man zwar wieder in der Cloud, aber das Backup wird wenigstens verschlüsselt.

Preis

Der ionas-Server Home kostet im Hersteller-Shop 249 Euro bzw. 264 SFr. plus Versand. Bei Amazon ist er für 275 Euro gelistet.

 

Fazit

Ein sicherer Server zu Hause, der einfache Weg aus der Cloud: Ein grosses Versprechen. Die Lösung ionas-Server Home ist mit einem ausgeklügelten und ständig weiterentwickelten und aktualisiertem Open-Source-Softwarepaket ausgestattet, das es ermöglicht, die wichtigsten Cloud-Funktionen einfach und schnell einzurichten und so nicht nur auf dem Smartphone und Tablet, sondern auch auf dem Rechner auf die Clouds der verschiedenen Anbieter verzichten zu können.

Einmal eingerichtet, funktioniert der Abgleich der Daten, Fotos, Videos, Kontakte, Kalendereinträge sehr gut und man muss sich, wie bei Clouds draussen im Netz, kaum noch Gedanken darüber machen. Dank des ionas-Supports über eine herkömmliche Telefonnummer ist es ein Leichtes, auch ohne viel IT-Kenntnisse und Erfahrung alles zu konfigurieren und bereitzustellen. Bei der Einrichtung der Apps und Programme auf Rechner und Smartphone assistiert der Mensch am Telefon übrigens auch etwas, wenngleich dies nicht im Dienstleistungspaket inbegriffen ist.

Den Preis ist der ionas-Server Home allemal wert, denn allein die Hardware kostet schon rund 140 Euro bzw. 149 SFr. und die grundkonfigurierte und abgestimmte Software erspart ein zeitaufwändiges und kompliziertes Installieren und Einrichten der einzelnen Dienste.

Kurzum: Empfehlenswerte Private-Cloud-Lösung für alle, die von Apple, Dropbox, Microsoft und Google weg möchten, aber keinen Server von Grund auf selbst einrichten wollen oder können. Wer will, kann immer noch den Heim-Server danach komplett selbst administrieren, anpassen und erweitern. Eine tolle Sache.

vg-wort
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