Review: Huawei P8 im Test - PocketPC.ch
Mi. 22. April 2015 um 15:46

Review: Huawei P8 im Test

von Marcel Laser2 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

  1. Herausragendes Design und Verarbeitung auf Top-Niveau
  2. Starke Technik und schwache GPU sorgen für gemischte Performance
  3. Kontrastreiches IPS-Display mit leicht ungleichmässiger Ausleuchtung
  4. Hervorragende Kamera mit interessanten Video- und Fotofunktionen
  5. EmotionUI 3.1 auf Android 5.0 – Und was wird aus Updates?
  6. Überdurchschnittliche Akkulaufzeit und ein toller Lautsprecher.
  7. Fazit – So viel Gerät für so viel weniger Geld

 

Herausragendes Design und Verarbeitung auf Top-Niveau

China-Phones sind nur billige Plagiate ohne nennenswerte Charakteristik? Denkste! Huawei zeigt mit dem P8 einmal mehr, in welche Richtung die Chinesen gehen wollen. Das Ascend P7 letztes Jahr orientierte sich zwar irgendwo an Apples iPhone und dem Xperia Z2, doch gab es auch viel eigene Feinschliffe am Gehäuse. Das P8 wechselt die vom letzten Jahr eingesetzte Glasscheibe hinten gegen einen kompletten Aluminium-Body aus und tut gut an der herausragenden Verarbeitung. Das P8 Smartphone fühlt sich sehr gut in der Hand an, ist mit 144 Gramm sehr angenehm zu halten und erweckt einen wahnsinnig hochwertigen Eindruck. Es legt im Gegensatz zum Samsung Galaxy S6 bzw. dem Galaxy S6 Edge eine ganze Ladung an „Wohlfühl“-Gefühl drauf. Während das iPhone 6 und das iPhone 6 Plus zwar ebenfalls einen Aluminium-Unibody besitzen, so sind diese extrem glatt. Das Huawei P8 hingegen ist angeraut, auch am Rahmen, und so offenbart sich ein durchaus akzeptabler Halt, auch wenn Aluminium wohl nie das Prädikat „absolut rutschfest“ (wäre mal eine Idee für einen Industriestandard bei Smartphones) erhalten dürfte.

 

Die Masse von 145 x 71.8 x 6.4 mm sind ebenfalls gesehen auf die Displaygrösse von 5.2 Zoll ein Handschmeichler. Huawei selber gibt an, ein sehr gutes Display-zu-Rand-Verhältnis kreiert zu haben und wir stimmen in erster Linie zu. Die Abmessungen sind für die Grösse nahezu ideal und zeigen auf, wo beispielsweise das iPhone durchaus immer noch die grössten Nachteile besitzt. Zum Vergleich: Bei nahezu ähnlichen Abmessungen bringt es Apple nur auf 4.7 Zoll Displaydiagonale. Das Halten des Huawei P8 ist also in der Summe ein schickes Unterfangen. Kaum ein Smartphone aus dem Android-Lager fühlt sich in der Hand so gut und irgendwie „richtig“ an. Zudem fällt es kaum auf, dass es tatsächlich dünner ist als Apples iPhone 6. Trotz der 6.4 mm steht zudem die Kamera nicht heraus und Huawei hat diese Eigenschaft in seiner Konferenz auch selbstbewusst mit der Konkurrenz verglichen.

 

Während wir das Design in den höchsten Tönen loben können, auch was die herausragende Verarbeitung anbelangt, so müssen wir allerdings eine Sache kritisieren: Das Display wird von einer Folie geschützt, die der Schutzfolie von Sony auf dem Xperia Z ähnelt. Sie ist nahezu nicht entfernbar und wenn doch wohl nur mit grösserem Aufwand. Zudem ist es sehr wahrscheinlich, dass nach der Entfernung kein Anspruch mehr auf die Garantie besteht. Die Folie schmiert extrem und so sind nach kürzester Zeit überall eure Schmierspuren auf dem Display sehr deutlich zu erkennen. Warum man einem mit Gorilla Glass 3 geschützten Display noch eine solche Folie zumutet, welche zudem noch am Telefon-Lautsprecher und der Frontkamera sehr deutlich zu erkennen ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Es ist der einzige Makel, den wir bisher feststellen konnten und auch als solchen ansehen, auch wenn die Folie eine zusätzliche Schutzfunktion ausübt. Wir hätten sie lieber nicht auf dem schönen Display gehabt. Ein zusätzliches Coating des Displays hätte zudem vor Fingerabdrücken geschützt.

 

An dieser Stelle noch einmal Danke an Huawei für diese grandiose Verpackung! Das Huawei P8 ist mehr als nur spannend verpackt und macht daher schon beim Unboxing irgendwie eine kleine Freude. Das wollten wir an dieser Stelle einmal positiv vermerken. Das beeinflusst zwar nun nicht die Gesamtwertung, aber Hut ab für dieses tolle Gimmick. Wir haben es als sehr schöne Spielerei empfunden, die durchaus positiv auffiel.

Starke Technik und sehr schwache GPU sorgen für gemischte Performance

Wenn Huawei beim Ascend P7 etwas am stärksten anzulasten war, dann ist es der Prozessor gewesen. Der aus vier Cortex-A9-Kernen bestehende Kirin-SoC im Vorgänger war mehr oder weniger schwachbrünstig und sorgte zwar für einen einigermassen ruhigen Alltagsbetrieb, doch merkte man ihm seine alten Knochen bereits an. Der Kirin 930 im 16 GB Modell des Huawei P8 ist von einem ganz anderen Schlag: Er besitzt acht Cortex-A53-Kerne, von denen die schnelleren vier einem Costum-Design von HiSilicon unterzogen wurden und daher auf bis zu 2.0 GHz unter Last takten können. Die mit 1.5 GHz Takt langsameren anderen vier Kerne sind für die kleineren Aufgaben im System zuständig, ähnlich der big.LITTLE-Architektur. Unterstützt wird der Prozessor von 3 GB RAM.

 

Was bedeutet das also für die Performance? Der SoC ist alles andere als langsam. Tatsächlich schafft es Huawei mit seinem Achtkerner in der Performance relativ knapp hinter dem Snapdragon 810 zu landen, ohne irgendwelche Hitzeprobleme zu erzeugen. Die reine CPU-Leistung ist also auf sehr hohem Niveau und platziert sich leicht unter den Highend-Systemen der Konkurrenz. Selbst rechenintensive Aufgaben meistert der Chip ohne grosse Probleme. Im Geekbench 3 Benchmark erreichte man im Singlecore-Bereich knapp 860 Punkte, was auf den ersten Blick nicht viel ist. Multicore wurde hingegen mit einer hohen Punktzahl im Bereich von 3.400 Zählern abgeschlossen. 

 

Nur die GPU kann absolut nicht mithalten. Im Extremfall schafft sie nicht einmal die Hälfte der Leistung der GPUs im iPhone 6 oder dem Galaxy S6 von Samsung. Spiele wie Spiderman-Unlimited, Real Racing 3 oder Riptide GP2 ruckeln stellenweise erheblich, sobald deutlich mehr auf dem Bildschirm zu sehen ist, während die Konkurrenz eher müde lächelt. Spielen kann also auf dem Huawei P8 eher als Nebenjob betrachtet werden. Aufwändige Games sollten mit der verbauten Mali-T628 MP4 GPU daher erst einmal gemieden werden. Die FullHD-Auflösung überfordert den Chip in grafikintensiveren Spielen sichtlich. Ob die im Premium-Modell verbaute Variante Mali-T628 MP6 des Kirin 935 dann doch deutlich schneller ist, darf ebenfalls bezweifelt werden. Für den Alltag bleibt es aber ausreichend. 

 

Des weiteren besitzt das P8 – wie bereits erwähnt – 16 GB internen Speicher, welcher um bis zu 128 GB mit einer MicroSD weiter aufgerüstet werden kann. Bluetooth 4.1 steht als aktueller Funkstandard bereit, genau wie LTE und WLAN, allerdings gibt es enttäuschender Weise keine Unterstützung für das 5-GHz-Band, sondern nur die Standards b/g/n. GPS und GLONASS sind allerdings mit an Bord. NFC spielt natürlich auch wieder eine Rolle, genau wie der obligatorische MicroUSB-Slot und der 3.5 mm Headphone-Jack.

Kontrastreiches IPS-Display mit leicht unregelmässiger Ausleuchtung

Das Display ist wie beim Vorgänger ein Highlight des gegenüber der Konkurrenz deutlich günstigeren Huawei P8. Auch hier hat das Smartphone einen riesigen Schritt nach vorne gemacht und zeigt sich deutlich konkurrenzfähig im Bereich der für uns so wichtigen Mattscheiben. Das IPS-Panel im Huawei P8 löst mit 1’920 x 1’080 Pixel auf, was zwar unter dem Galaxy S6 von Samsung liegt, doch weniger ins Gewicht fällt. Laut Huawei habe man bewusst auf ein QHD-Display mit extremer Auflösung verzichtet, weil man keinen unnötigen Stromfresser verbauen wollte. Auf 5.2 Zoll kommen wir also mit besagter FullHD-Auflösung auf scharfe 423 ppi. Texte und Bilder werden ausreichend klar und scharf wiedergegeben und das Panel weiss ebenfalls auch auf anderen Ebenen zu beeindrucken.

 

Extrem aufgeholt hat Huawei bei seinem P8-Flaggschiff vor allem auch beim Display. Dieses ist nicht nur 0.2 Zoll grösser, sondern setzt erstmals auf eine IPS-Neo-Technologie, welche uns mit 0.28 Candela pro Quadratmeter einen überragenden Wert für ein LCD-Display zur Verfügung stellt. Damit ist schwarz deutlich schwärzer als bei Konkurrenzprodukten mit IPS-Display (z.B. iPhone 6 Plus, dem HTC One M9 oder dem Xperia Z3 von Sony). Auch der Kontrast der Farben generell kann sich durchaus sehen lassen. Die Farben wirken satt und klar und vor allem geschossene Fotos machen auf dem Display eine menge Spass, was dazu führt, dass man sie zeitweise lieber am Smartphone betrachtet.

 

Etwas seltsam wird es allerdings bei der Ausleuchtung, der maximalen Helligkeit und dem leicht unterkühlten Ton mit kuriosem seichtem Gelbstich. Klingt verwirrend, aber man muss es mal direkt am Gerät selbst gesehen haben. Auf den ersten Blick wirkt das Display etwas wärmer durch einen augenscheinlichen Gelbstich. Hält man ein anderes IPS-Panel daneben, fällt allerdings deutlich eher ein kühlerer Blauton auf. Die optische Täuschung ist interessant zu betrachten und könnte vielleicht durch die Folie ausgelöst worden werden, tut dem sehr guten Display aber keinen Abbruch. Schwieriger wird es mit der unausgewogenen Ausleuchtung, welche zudem mit rund 462 cd/m² die Messlatte für Helligkeit deutlich verfehlt. Das iPhone 6 Plus beispielsweise kommt auf mehr als 540 cd/m², was bedeutend heller ist. Der untere Rand scheint zudem etwas stärker ausgeleuchtet zu sein als der Rest des Displays, was vor allem bei der Darstellung von dunkleren Bildern auffallen kann. Allerdings sollte man dann schon sehr dunkle Motive nehmen und man muss konzentriert darauf achten. Während der normalen Nutzung fällt es deutlich weniger ins Gewicht.

 

Löblich: Huawei gibt euch per Einstellung die Möglichkeit, ob ihr lieber ein wärmeres Display haben möchtet, oder vielleicht sogar deutlich kühler. Beides ist möglich und erinnert an die Preset-Einstellungen der AMOLEDs von Samsung. Macht aber in der Konfiguration ebenfalls Spass, das beste Farbverhalten für sich zu wählen. Die Blickwinkelstabilität ist ebenfalls gut, allerdings hinkt sie leicht den Konkurrenten in Form der iPhones oder den AMOLEDs von Samsung hinterher, denn diese agieren fast aus jeder Betrachtung nahezu perfekt. Neigt man das Huawei P8 ebenfalls extrem und guckt über die oberen Ecken hinweg auf den Screen, wird die Anzeige milchig. Dies ist allerdings ein Extremfall und wohl im alltäglichen Gebrauch nicht praxistauglich. Daher werten wir das nun nicht negativ.

Hervorragende Kamera mit interessanten Film- und Fotofunktionen

Huawei ging während nahezu einem Drittel seiner gesamten Präsentation auf die Kamera des Huawei P8 ein. Sie ist den Chinesen anscheinend extrem wichtig und anhand der Qualität kann man auch beurteilen, wie wichtig: Der 13 MP Knipser in der Rückseite des Smartphones konkurriert ohne grosse Schwierigkeiten mit dem Galaxy S6 und iPhone 6 Plus und schiesst hervorragende Motive bei ausreichenden Lichtverhältnissen. Extrem weniges Rauschen in den Bildern sorgt für klare und scharfe Bildverhältnisse. Auch der Weissabgleich scheint gut zu arbeiten, allerdings neigt das Huawei P8 zur leichten Überbelichtung. Bei dunkleren Lichtverhältnissen merkt man der Kamera zwar ihre Grenzen an, doch ist es wie bei allen anderen Smartphones auch. Das Huawei P8 schlägt sich allerdings erstaunlich gut, wenn man die starke Konkurrenz in einem ganz anderen Preismodell sieht.

 

Durch den neuartigen Sensor, welcher laut Huawei der erste Vier-Farben-Sensor in einem Smartphone ist, sollen besonders kontrastreiche Bilder entstehen und das ist definitiv auch der Fall. Durch diesen Sensor will Huawei das Rauschverhalten und die Farben deutlich verbessern und wir können das soweit bestätigen. Auch wenn der extreme Kontrast nicht immer jedermanns Sache sein sollte. Je nach Bild-Situation können durch den neuen Sensor dann Übersättigungen entstehen. Des Weiteren wurde ein separater Prozessor integriert, welcher auf DSLR-Niveau eure Fotos im Hintergrund nachbearbeiten soll. Uns fiel bei den Testbildern allerdings auf, dass das Huawei P8 zum Rand der Fotos hin etwas unscharf wird. Auch der Fokus könnte vielleicht etwas schneller sein, da sind das Galaxy S6 und vor allem das iPhone 6 noch deutlich vorne. Wen der langsamere Fokus allerdings nicht stört, kann das vernachlässigen.

 

Die Kamera macht hervorragende Bilder und spiegelt auch ein recht natürliches Bild wieder. Sie braucht den Vergleich mit der Kamera des iPhone 6 (Plus), welche wohl mit zu den Besten im Smartphonesegment gehört, nicht scheuen. Auch vor dem Galaxy S6, das ebenfalls zu den Kamera-Favoriten gehört, muss sich das Huawei P8 nicht verstecken. Insgesamt ist die sehr seichte Unschärfe in den Bildern, welche vor allem bei genauer Betrachtung zum Rand hin deutlicher werden kann, ein kleinerer Makel. Dass Huawei aber mit der Kamera eine ebenbürtige „Maschine“ verbaut, ist respektabel genug und war lange Zeit nicht selbstverständlich, zumal das Smartphone bedeutend günstiger zu haben ist. Somit ist der chinesische Hersteller endgültig in den Kampf der besten Fotoknipser in Smartphoneformat eingestiegen. Mit Bravour, wie wir finden, allerdings mit Luft nach oben.

Interessant sind auch einige kleinere Fotofunktionen, wie das Malen von Lichtstreifen in ein Bild hinein. Damit lassen sich ganz neue Fotomotive finden und kreieren. Beispielsweise lassen sich so auf einer leeren Strasse interessante Überbelichtungs-Spiele simulieren, in denen diese angeblich leere Strasse mit vorbeifahrenden Fahrzeuglichtern belegt werden. Oder ihr schreibt per Lichtschreiben einen Namen in ein Fotoobjekt rein. Es macht einfach Spass und ist zuweilen eine nette Idee, so etwas einzubauen.

 

Auch der Regisseur-Modus ist ein tolles Gimmick. Mit der richtigen App auf anderen Smartphones könnt ihr so mehrere Phones miteinander verbinden und aus unterschiedlichen Blickwinkeln ein Video drehen. Als Host fungiert natürlich das Huawei P8, auf dem ihr dann das Video aus den verschiedenen Blickwinkeln zusammenschneidet.

EmotionUI 3.1 auf Android 5.0 – Und was wird aus Updates?

Wer von einem iOS-Device das erste Mal auf ein Android-Smartphone umsteigt, hat es am Anfang unter Umständen nicht leicht, was die unterschiedlichen Ebenen zwischen App-Drawer, Homescreen und anderen Bereichen anbelangt. Ein Kriterium, welches mit Huaweis EmotionUI nahezu wegfällt. Der Benutzeroberflächen-Aufsatz für das installierte Android 5.0 orientiert sich extrem stark an Apples iOS und lässt sogar den aus Android bekannten App-Drawer wegfallen. Genau wie bei iOS sind alle eure installieren Apps auf dem Homescreen zu finden und wenn ihr sie von dort entfernt, werden sie auch komplett gelöscht. Dafür lässt Huawei aber auch die Funktionalitäten von Android nicht ausser Acht. Widgets können weiterhin platziert und genutzt werden. Viel muss man über EmotionUI generell nicht sagen. Alle weiteren Infos dazu findet man auch in unserem Test zum Ascend P7. Auch toll: Huawei lässt uns wie immer die Wahl aus hunderten von Design-Themes, von denen viele kostenlos sind oder im In-App-Shop gekauft werden können.

 

Zudem wurde das Programm für die Überwachung des Energieverbauchs, welches euch auf dem Ascend P7 oder dem Mate 7 noch anzeigte, welche Apps zu viel Akkuleistung im Hintergrund verbrauchten, überarbeitet. Sie nennt sich nun App-Firewall und scannt im Vorfeld nach akkuhungrigen Programmen und kann diese sogar blocken, sofern ihr es wünscht.

 

Es gibt allerdings zwei Punkte, die kritisch angesehen werden müssen: Zum Einen die „Knockle“-Funktion, die es erlaubt, mit euren Fingerknöcheln Screenshots oder Bildausschnitte anzufertigen. Das Gerät soll dabei erkennen, ob es sich um eure Fingerkuppe handelt, die gerade den Bildschirm berührt, oder ihr mit eurem Knöchel eine Bildfunktion abrufen wollt, um einen Screenshot zu machen. Das funktionierte bei uns nur sehr unzuverlässig. Spielte ich nun ein Game, in dem schnelles Tippen auf dem Bildschirm Teil des Spiels war, so erkannte er die Handlung des Öfteren als „Knockle“-Feature und machte während der Handlung drei bis vier Screenshots, was extrem störte. Als ich das Gerät allerdings durch mehrere Hände gab und fragte, ob diese mal mit der Funktion herumspielen können, gab es ein gemischtes Ergebnis. Bei der einen Hälfte konnte das Gerät ohne Probleme zwischen Fingerkuppe und Knöchel unterscheiden, auch beim Spielen war es kein Problem. Die andere Hälfte hatte ähnliche Probleme wie ich und so wurde die Knockle-Funktion öfters unabsichtlich ausgelöst. Wir gehen mittlerweile davon aus, dass es an den Fingern generell liegt. Um so filigraner die Finger, desto eher wurde dieser als Knockle erkannt. Kinder haben es bei Spielen also generell schwerer. Grösstes Manko der Funktion: Sie ist im Ernstfall nicht deaktivierbar. Es gibt in all den Einstellungen keine Möglichkeit, das Feature zu deaktivieren, was betroffene Leute durchaus im Alltag stören könnte.

 

Der zweite Kritikpunkt ist mehr oder weniger eine Bitte an Huawei: Seht bitte zu, dass das P8 Updates bekommt! Die Update-Politik der Chinesen war in den letzten Jahren grauenhaft. Sowohl das P7 als auch das Mate 7 laufen immer noch mit Android 4.4 herum und haben bis auf die EmotionUI keine Betriebssystemupdates bekommen. Wir gehen auch derzeit nicht davon aus, dass diese Geräte noch aktualisiert werden. Wir hoffen an dieser Stelle innig, dass Huawei sein P8 ernst nimmt. Es ist sehr konkurrenzfähig und hat mittlerweile hohe Aufmerksamkeit erregt. Daher wäre es schade, wenn genau hier wieder die angezogene Kundschaft durch Missgunst über fehlende Updates wieder verschreckt wird. Allerdings muss Huawei das noch zeigen. Ein mehr oder weniger zügiges Update auf Android 5.1 wäre doch einmal ein Anfang, oder was meint ihr, Huawei?

Überdurchschnittliche Akkulaufzeit und ein toller Lautsprecher

Die Akkulaufzeit ist durchweg als gut zu bezeichnen, zwar bisher nicht überragend, aber der obligatorische Tag ist damit in der Regel machbar. Wie bei allen Smartphones gilt auch beim Huawei P8: Wer es leer bekommen will, schafft das auch deutlich vor Ende des Tages. Wer seinen Alltag aber mit dem Smartphone bewältigen will, sollte mit der gebotenen Leistung zufrieden sein. Durchschnittlich kommen wir bei moderater Nutzung auf 2-3 Tage, was ein wirklich guter Wert darstellt. Werden die Aufgaben anspruchsvoller und lädt man öfters Mal Bilder hoch, nutzt viel Cloud-Dienste, oder surft deutlich mehr im Netz, sollte noch ein ganzer Tag drin sein. Natürlich ist sowas stark vom jeweiligen Nutzer oder der Nutzerin abhängig. Das Huawei P8 liegt allerdings hinten den Leistungsläufern Sony Xperia Z3 oder iPhone 6 Plus recht deutlich zurück. Auch das Galaxy S6 kommt wohl weiter. Die gebotene Laufleistung ist allerdings ok.

 

Besonders toll ist allerdings der kleine Lautsprecher unten am Fusse des Huawei P8. Der Sound ist ungewöhnlich satt und kraftvoll für diese Grösse und erinnert ein wenig an die Boomsound-Lautsprecher von HTC. Allerdings ist der Speaker in diesem Fall nach unten gerichtet wie beim Galaxy S6 oder dem iPhone 6. Legt man das Gerät aber flach auf den Tisch, so kreiert das Huawei P8 passablen Sound, den man sich durchaus anhören kann. Kein Scheppern oder extremes vibrieren des Gerätes ist zu spüren. Die Lautstärke ist ebenfalls ordentlich. Das iPhone 6 Plus oder das Galaxy S6 von Samsung können da lange nicht mithalten.

Huawei P8 Design
Der Speaker auf der unteren Seite des Huawei P8 ist ein toller Sound-Lieferant.

Fazit – So viel Gerät für so viel weniger Geld

Man muss sich das schon irgendwie auf der Zunge zergehen lassen: 499 Euro und im Gesamtpaket enthalten sind ein hervorragendes Display, eine exzellente Kamera und eine Verarbeitung, die unter den Androiden nahezu ihresgleichen sucht. Das IPS-Display schafft sogar einen überragenden Schwarzwert, der das iPhone in allen Belangen hinter sich lässt, welches bis Dato das mit Abstand beste IPS-Display stellte. Der Prozessor ist ebenfalls nicht langsam, stösst allerdings in Form seiner verbauten GPU bei grafikintensiveren Spielen an seine Grenzen. Es ist einfach schön zu sehen, was Huawei aus seinen Möglichkeiten macht und wie das Unternehmen auf ganzer Linie punktet.

 

Allerdings ist diese Linie auch nicht frei von Fehlern. Zum einen ist die für einige Menschen wohl störende und nicht deaktivierbare „Knöchel-Bedienung“ zu nennen. Auf der anderen Seite ist EmotionUI ein recht dreister Klon der iOS-Oberfläche ohne App-Drawer, die leidenschaftliche Fans von Android unter Umständen sauer aufstossen könnte. Dies lässt sich aber durch alternative Launcher auch wieder beheben, sofern erwünscht. Auch wenn die CPU genügend Leistung besitzt, so ist die bereits erwähnte GPU alles andere als potent. Auch bleibt die Update-Politik der Chinesen ungewiss und wir hoffen, dass hier zugunsten des sehr guten P8-Smartphones ebenfalls daran gearbeitet wird. Sonst werden diese wohl ewig auf Android 5.0 sitzen bleiben.

 

Ansonsten kann man Huawei nur gratulieren. Das Huawei P8 ist für den Preis nahezu unschlagbar. Mini-Devices der Konkurrenz-Hersteller leisten oftmals nicht einmal die Hälfte und kosten das gleiche. Wer seinen Fokus auf das Display, die Kamera und eine herausragende Verarbeitung legt, wird mit dem Huawei P8 in allen Belangen eines der besten Android-Smartphones auf dem Markt finden. Der Preis macht die Entscheidung daher einfach. Schade nur, dass es bisher keinen Anhaltspunkt dafür gibt, wann und wo die 64 GB Premium-Version des Huawei P8 in unsere Region kommt. 16 GB interner Speicher könnte einigen bereits zu wenig sein, auch wenn MicroSD-Karten nachgerüstet werden können.

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2 Antworten zu “Review: Huawei P8 im Test”

  1. Doc-No82 sagt:

    Nur so als kleiner Hinweis: Android 5.1 wird als BETA gerade getestet und kann auf einschlägigen Seiten heruntergeladen werden.

  2. Doc-No82 sagt:

    Fürs Mate7, hab ich vergessen zu schreiben.

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